Deutsch
Gamereactor
Vorschauen
Tekken 6

Tekken 6

Petter "Kazuya" Hegevall, der Tekken-Guru der Redaktion, hat vier intensive Stunden mit der Alpha-Version von Tekken 6 verbracht. Das Beste: Er darf erzählen, was wir von Namcos sechstem Werk erwarten können...

Mein Verhältnis zur Tekken-Serie ist eine Liebesgeschichte. Mein Herz war verloren, als ich das erste Spiel zum ersten Mal sah. Ich kaufte es von zusammengespartem Bafög-Geld, legte Battle Arena Toshinden (ja, ich schäme mich!) beiseite und fing an, Kazuya Mishimas tödlichste Moves zu lernen. Ein ganzes Semester lang lebte ich mit Tekken. Meine Liebe wuchs immer stärker, es ging uns sehr gut zusammen. Wir waren... unzertrennlich.

Tekken 2 kam knapp zwei Jahre später raus und meine Liebe war leidenschaftlicher denn je. Kazuya hatte eine neue Tritttechnik, eine neue Zehnschlagskombination sowie einen neuen Wurf. Ich spielte, bis meine Daumen bluteten (zumindest beinahe) und mir ging es mit meiner Liebe besser als je zuvor. Tekken 3 war das beste Spiel der Serie, dass wusste ich bereits nach gut zwanzig Kämpfen. So gut fühlte es sich an. Meine Liebe zu Namcos hübschen Kieferschlägen schien unzerstörbar.

Dann passierte, was nicht passieren dufte. Ich wurde untreu. Street Fighter Alpha 2 Gold und Street Fighter Alpha 3 kamen in schön polierten Arcade-Versionen für die Playstation und ich fing an, wieder mit Ken zu trainieren. Kazuya lag in einer Schreibtischschublade und verstaubte, während ich und Ken uns in Gesellschaft guter Freunde auf Capcoms handgezeichnetem Schlagfeld vergnügten.

Mit Tekken Tag Tournament wurde es nicht besser. Meine aus Japan importierte Playstation 2 wurde inklusive des neuesten Tekken-Spiels geliefert und trotz eines flüchtigen Flirts mit meiner alten Liebe konnte ich mich nie für das Tag Team-Konzept begeistern und Kazuya verstaubte weiter.
Stattdessen blühte meine Affäre mit Ken auf. Ich spielte Street Fighter III: Third Strike auf dem Dreamcast mehr als je zuvor und hatte absolut keine Pläne, zu Tekken zurückzukehren.

Tekken 4 war gut gemacht, klar. Aber es bekam kaum mehr als einen Abend Aufmerksamkeit geschenkt. Ich checkte Kazuya ab, schimpfte über die engen Levels und wurde mit einem bösen Blick der ganzen Mishima-Familie bestraft. Damals fühlte ich mich ausgestoßen. Eigentlich aber ging es hier um meine Unfähigkeit, monogam zu leben.

Dann passierte, womit keiner von uns, weder Kaz noch ich, gerechnet hatten. Wir trafen uns wieder, ein paar Jahre später, und wurden während einer liebevollen Prügeleinheit wiedervereint, die gegen eine gewisse Vatergestalt gerichtet war. Die Liebe flammte auf in Tekken 5, und dieses Mal musste und wollte ich Ken im Stich lassen.

Tekken 5 ist as zweitbeste Kampfspiel aller Zeiten, nach Street Fighter Alpha 3. Tekken 5 ist bis auf das Fehlen des Armor King perfekt. Ansonsten war und ist dieses Spiel Namcos größter Wurf. Nach 12400 Kämpfen weiß ich, wovon ich rede. Mein Tekken 5-Timing sitzt mir tief im Rückenmark. Ich kann Kazuyas Zehnschlagskombinationen im Schlaf abrufen, und liefere seinen kraftvollen Break-Attack in drei Schritten so schnell, dass es nur so in den Knöpfen rasselt.

Die Erwartungen an Tekken 6 sind folglich riesig. Es ist eine Weile her, dass ich mich so sehr auf ein Kampfspiel gefreut hab, wie auf Tekken 6. Das machte mir diesen Montag hier in der Redaktion natürlich absolut unvergesslich. Namco kam zu Besuch und hatte eine Xbox 360-Debugkonsole im Gepäck, deren Festplatte mit einer frühen Version von Tekken 6 ausgestattet war. Die Endorphine begannen bereits zu strömen, als wir den von PR-Manager von Namco am Flugplatz abholten. Die richtige Fontäne wurde dann allerdings erst aktiviert, als der Startscreen auf unseren 103-Zoll HD-LCD geladen wurde.

Tekken 6 für die Playstation 3 und Xbox 360 ist eigentlich die Konsolenvariante des Arcade-Spiels Tekken 6: Bloodline Rebellion. Bloodline ist eine aktualisierte Version des nun bald 18 Monate alten Arcade-Hits Tekken 6 mit neuen Charakteren, einigen neuen Levels, neuer Musik sowie neuen Möglichkeiten, Kleidung und Aussehen seines Charakters maßzuschneidern.

Von der ersten und größten Veränderung in Tekken 6 gibt's gleich in der ersten Runde eine Kostprobe. Es wurde schon vorher ziemlich viel über Namcos neues Rage-System geredet und trotz einiger Probleme beim Arcade-Spiel scheint diese Funktion auf der Konsole richtig gut zu sitzen. Jedes Mal, wenn wir kurz vor dem Untergang sind und nur noch ein klitzeklitzekleines bisschen Leben übrig ist, wird Rage aktiviert und der Fighter ist von einem roten Schimmer umgeben. Im Rage-Modus wird der Kämpfer beachtlich stärker und wir können dann ziemlich üblen Schaden anrichten. Nicht selten lässt sich das Match so noch zum eigenen Vorteil wenden.

Die Idee hinter Rage ist natürlich, in den Kämpfen von Tekken 6 mehr Dramatik zu generiere. Der Unterlegene soll das Match noch wenden können, genau bevor er selbst stirbt, was einem - das wissen alle, die ein paar Matches in Tekken 5 mit Great!-Ende absolviert haben - zu einem vortrefflichen Adrenalinkick verhilft.

Eine zweite, wesentliche Neuerung in Tekken 6 sind die bei Namco abgeguckten interaktiven Umgebungen und mehrere Höhenniveaus im Level. Genau wie in Dead or Alive 4 lassen sich jetzt Wände zertrümmern. So kann der Kampf in ein anderes Zimmer verlagert werden, indem man einem bedrängten Gegner einen harten Schlag verpasst. Das gleiche Ergebnis erzielen wir in manchen Levels, wenn wir den Gegner auf die Erde schleudern. Der Boden bricht ein und der Kampf geht eine Etage tiefer weiter. Ein ziemlich sinnloser Tatbestand, auf den ich in Tekken 6 am liebsten verzichten würde.

Die dritte Tekken 6-Neuheit ist, dass wir unsere Gegner auf eine systematischere und effektivere Weise zu Boden schleudern können als je zuvor. Dies natürlich mit dem Ziel, Juggles in noch größerem Maße als vorher möglich zu machen. Mit Kaz kann man King nun ganz ausgezeichnet zuerst mit dem Ellbogen auf den Boden schlagen, ihn dann wieder hochfliegen lassen, um eine Zehnschlagkombination einzuleiten, wenn er in der Luft ist. Eine echte Verbesserung einer bereits wunderbaren Juggles-Technik.

Namco war immer schon gut darin, Mehrwert zu liefern, vor allem bei der Tekken-Serie. In Tekken 3 genossen alle den Modus Tekken Force. In Tekken 6 hat Namco versucht, die Force-Magie mit etwas wiederzubeleben, was sie Sceanrio Campaign nennen. Genau wie bei Force oder teilweise auch beim Devil Withing-Modus aus Tekken 5 können wir gemeinsam mit einem Freund spielen (Online-Multiplayer, System-Link oder Split-Screen) und den Saft aus Hunderten angeheuerter Handlanger kloppen. Ein Spielmodus, der am ehesten an den alten Kultklassiker Double Dragon erinnert.

Der Kampagnenmodus fühlte sich in der frühen Testversion nicht besonders toll an. Die Figuren bewegten sich unsauber und hässlich, die Kamera war widerspenstig und die platzierten Waffen, die wir einsammeln und benutzen dürfen, erwiesen sich als nutzlos. Als Kazuya dann im zweiten Level gegen einen riesigen Spinnenroboter ausgetauscht wurde, der sich kaum umdrehen konnte, hatte ich keine Lust mehr und kehrte zum VS-Modus zurück.

Tekken 6 kommt mit sechs neuen Charakteren und 42 neuen Figuren. Ich probierte natürlich gleich alle neuen Kämpfer aus (Bob, Leo, Miguel, Zafina, Alisa und Lars) und fand direkt Gefallen an Miguel. Ein spanischer Matador mit entzückenden Hosen, der adrett, stilvoll und Gentleman-like mit seinem mit starken Schlägen ausgestatteten, effektiven Kung Fu-Stil kämpft. Auch Bob imponiert, der trotz seiner makabren Fettsucht schnell und auf eine Art und Weise witzig ist, die der Street Fighter IV-Fettsack Rufus nie erreichte.

Sehr unterhaltsam auch, den Schweden Lars Alexandersson zu testen, obwohl mir sein Kampfstil keine wilden Freudesschreie entlockte. Lars erinnert stark an Jin, er ist nur akrobatischer, und im Kampf wird er aufgrund seiner Schnelligkeit wohl ziemlich giftig werden. Witzig, dass er vor und zwischen den Runden ununterbrochen mit seinem Handy telefoniert und weiße Jeans oder einen dreigeteilten Ledermantel trägt. Ist das wirklich das Bild, das die Japaner von den Schweden haben?

Nachdem ich vier Stunden mit Tekken 6 verbracht habe, bin ich sehr zufrieden und noch mehr voller Vorfreude, das fertige Spiel endlich zu zocken. Timing und Tempo sind identisch mit Tekken 5 (also nicht ein kleines bisschen langsamer als in Dark Resurrection) und die neuen Figuren scheinen stabiler und durchdachter. Die neuen Levels machen definitiv Appetit auf mehr und die Musik zu Tekken 6 scheint ohne Problem die beste der gesamten Spielserie werden.

Das einzige, was bei unserer Session mit der Xbox 360-Version von Tekken 6 nicht überzeugte, war die Grafik. Auch wenn die Figuren mit bedeutend mehr Polygonen als in der Playstation 2-Version von Tekken 5 aufgebaut sind, hätte ich mir doch noch mehr gewünscht, vor allem bei der Beleuchtung und den Lichteffekten im Spiel. Namco hat aber noch vier Monate Zeit aufzuräumen, und das kann durchaus bedeuten, dass das fertige Spiel doppelt so gut aussieht wie der vor uns getestete Alpha-Code.

Insgesamt bin ich mit dem, was ich von Tekken 6 sehen durfte, sehr zufrieden. Die Erwartungen sind immer noch haushoch und ich bin davon überzeugt, dass ich unerhört viel Zeit mit meiner alten Liebe verbringen werde, wenn Kazuya und seine Freunde im Oktober die aktuelle Konsolengeneration erobern werden.

Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6
Tekken 6

Ähnliche Texte

Tekken 6Score

Tekken 6

KRITIK. Von Jonas Mäki

Nach fast fünf langen Jahren Abstinenz startet der sechste Teil der Prügel-Legende Tekken auf den HD-Konsolen.



Lädt nächsten Inhalt


Cookie

Gamereactor verwendet Cookies, um sicherzustellen, dir das beste Erlebnis auf unserer Website zu bieten. Wenn du fortfährst, gehen wir davon aus, dass du mit unserer Cookie-Richtlinie einverstanden bist.