Wir schreiben das Jahr 2082. Ein Virus hat alle Computer unschädlich gemacht und ohne Technologie bricht Chaos in der Welt aus. Und wo die Bedrohung durch den Cyberkrieg sich quasi von selbst gelöst hat, bricht ein echter, wahrnehmbarer Krieg aus. Einer mit Maschinen. Und wie es sich für einen japanischen Entwickler gehört, sind es mittelgroße Mechs, sie nennen sie Vertical Tanks, die nun gegeneinander in den Kampf ziehen. Unsere Aufgabe ist es dabei, Ordnung ins Chaos zu bringen. Es geht um nichts weniger als die Befreiung der Vereinigten Staaten von Amerika und dem Rest der Welt.
Und dort beginnt die Mission. Wir landen in New York, sehen die Stadt halbzerstört mit etlichen Rauchwolken. Symbolträchtig sind auch Wahrzeichen wie die Freiheitsstatue zu erkennen. Schon bombastisch umgesetzt das alles. Es herrscht ein bedrückendes Gefühl wie bei den bekannten Darstellung der Landung der Alliierten in der Normandie. Schiffe, Infantrie, Mechs - alles verschwimmt in Explosionen und Blut. Rauch und Feuer sehen dabei ganz ansehnlich aus und auch die Lichteffekte sind hübsch. Die Größe und Weitsicht macht wirklich etwas her, optisch wirkt es aber trotzdem nicht unbedingt so herausragend.
Nun sitzen wir also da, in der virtuellen Schaltzentrale im Inneren des Panzers auf Beinen. Vor uns sehen wir aus der Egoperspektive eine große Apparatur, die wir mit Gesten steuern. Hebel und Schalter lassen sich so bewegen und so zum Beispiel das Licht in Nachtmissionen ein- und wieder ausschalten. Heben wir die Hand und ziehen sie runter, können wir in die Periskop-Ansicht wechseln. Stehen wir auf, steigen wir aus dem Mech und können uns selbst ein richtiges Bild von der Lage verschaffen - doch Vorsicht, die gegnerischen Einheiten warten nur auf eine solche Gelegenheit und mit einem Kopfschuss sind wir erledigt.

Nun sitzen wir also da, in der virtuellen Schaltzentrale im Inneren des Panzers auf Beinen.
Allein sind wir aber diesmal nicht unterwegs. Drei Leute sitzen mit uns auf engem Raum. Einer von ihnen ist Navigator und hilft uns dabei, Gefahren zu erkennen und den richtigen Weg über das Schlachtfeld zu finden. Es gibt einen Mann am Maschinengewehr, der sich vornehmlich um die Fußtruppen kümmert. Mit einem Handwisch von links nach rechts oder auch umgekehrt wechseln wir zwischen ihnen hin und her, können mit ihnen kommunizieren oder sie etwa motivieren oder zusammenstauchen.
Wir werden schwer getroffen und für unseren Navigator wird es zu hart. Er hält es nicht mehr aus und will raus aus dem Ding. Wir greifen nach ihm, halten ihn auf. Verpassen ihm eine ins Gesicht, er solle zu Vernunft kommen. Das müssen wir natürlich nicht tun. Wir können ihn auch einfach seinem Schicksal überlassen und auf seine Dienste verzichten und selbst bestimmte Funktionen übernehmen. Minenfelder sind aber so schwieriger ausfindig zu machen und die sollten wir schließlich für die nachrückende Infanterie räumen.
In jedem Fall wird unser Verhalten im Mech sich auf das Spiel auswirken. Wie stehen wir zu unseren Kameraden, sind wir eine gute Führungspersönlichkeit oder eben nicht? Wenn wir schlecht agieren, hocken wir am Ende vielleicht doch komplett allein im Mech und dann sitzen wir richtig in der Tinte. Denn schon die Bedienung der Waffen erfordert mehrere Schritte. Vielleicht nicht ganz so viele, wie es tatsächlich in der Realität wären - unterhaltsam soll das Spiel schließlich trotzdem sein - aber es sind doch genug, um davon überfordert zu werden.

Kenji Inafuna vergleicht das Spiel mit einem Egoshooter - so soll sich Steel Battalion: Heavy Armor anfühlen.
Kenji Inafuna vergleicht das Spiel mit einem Egoshooter - so soll sich Steel Battalion: Heavy Armor anfühlen. Nur die Steuerung ist mit der Mischung aus Kinect und Controller eine etwas andere. Es soll leichter zugänglicher sein, einfacher zu steuern, aber nicht einfacher zu meistern. Im Mech gibt es beispielsweise noch immer einen Knopf zur Selbstzerstörung. Anders als beim Original beginnen wir danach nicht mehr von vorn, denn es gibt Speicherpunkte, von denen aus wir dann erneut aufbrechen. Wir manövrieren das Gefährt mit dem Controller, schalten mit Hilfe von Kinect Gänge hoch und runter. Sind wir schneller, können wir aber auch schlechter zielen, weil der Mech dann stärker wackelt. Welche Taktik wir wählen, liegt ganz bei uns. Wir müssen uns aber bewusst sein, dass wir auf dem Schlachtfeld von überall her angegriffen werden können. Alle zielen auf uns.
Steel Battalion: Heavy Armor profitiert sicherlich von Kinect. Es ist zum Beispiele keine teure Zusatzhardware nötig, sondern wer bereits Kinect besitzt, kann ohne Weiteres loslegen. Allerdings zeigte die Demonstration auch, dass nicht alle Bewegungen optimal funktionieren. Nicht immer schien das Gerät zu erkennen, welche Bewegung nun gerade gemeint war und hier ist sicher noch Entwicklungsarbeit nötig. Auch die technischen Schwächen bei eher öden Texturen und bei Gestik und Mimik der Kameraden sorgen nicht dafür, dass der Titel besonders hervorsticht. Allerdings könnten eine gute Spielbalance und die taktische Komponente, der Krieg draußen und eben auch drinnen, das alles kompensieren.
Zweite Meinung
An dieser Stelle ist schwer zu beurteilen, was aus dem neuen Steel Battalion wird. Auf der einen Seite sind derzeit noch Schwächen zu erkennen, auf der anderen Seite Stärken noch nicht wirklich sichtbar. Aber zumindest das Konzept klingt vielversprechend. In jedem Fall ist es großartig, dass Kinect nun immer mehr auch mit richtigen Hardcore-Titel versorgt wird.