Militärisch angehauchte Shooter gibt es ja nun wirklich mehr als genug. Das wissen sie auch bei Yager. Darum bekommen wir nicht die üblichen Terroristen mit Atombomben oder Schurkenstaaten als Bedrohung präsentiert. In Spec Ops: The Line stehen wir vor einem größeren moralischen Dilemma, denn der Feind kommt aus den eigenen Reihen.
Der Schauplatz ist das von mächtigen Sandstürmen verwüstete Dubai. Eines der höchstdekorierten Bataillone unter der Führung von Colonel John Konrad wird mit der Evakuierung der Zivilisten des Wüstenstaates beauftragt. Doch als die Stürme stärker werden, soll das Bataillon sich zurückziehen. Konrad verweigert den Befehl und kurz darauf bricht jede Verbindung zur Außenwelt ab. Sechs Monate später wird ein Radiosignal von Konrad empfangen und ein Drei-Mann-Squad nach Dubai geschickt, um die Lage zu sondieren. Das ist der Beginn von Spec Ops: The Line und wir spielen als Captain Scott Walker, Anführer genau dieser Einsatzgruppe.
Schnell treffen wir auf die ersten Überlebenden aus Dubai, die jedoch sofort das Feuer eröffnen und uns scheinbar der Gruppe um Konrad zuordnen. Nach und nach wird klar, dass während der Evakuierung etwas gewaltig schief gegangen sein muss, wenn die Überlebenden ihrem vermeintlichen Retter dermaßen feindlich gegenüberstehen. Ohne hier zu viel zu verraten, der Plot orientiert sich teilweise an Josef Conrads The Heart of Darkness, welches auch die Vorlage für den Hollywood-Klassiker Apocalypse Now war.

Die Feuergefechte sind in erster Linie Kämpfe aus der Deckung heraus.
Konrad und sein Bataillon jedenfalls scheinen völlig außer Kontrolle geraten zu sein und mittlerweile sind auch Agenten der CIA vor Ort, um die Zivilisten zu unterstützen und zu verhindern, dass etwas über den abtrünnigen Colonel in die Außenwelt dringt. Mitten in diesem Konflikt sucht unser Dreier-Team ohne jede Unterstützung nach Antworten. Anfangs sind sie noch zu Späßen aufgelegt, aber der Ton wird langsam rauer, die Munition knapper und auch optisch machen die Kameraden eine Wandlung durch, ganz ähnlich einem John McClane in Stirb Langsam.
Die Feuergefechte sind in erster Linie Kämpfe aus der Deckung heraus. Teilweise kann auch die Umgebung mit gezielten Schüssen zum eigenen Vorteil eingesetzt werden, wenn zum Beispiel Gegner unter Sand begraben werden, der durch vorher zerschossene Fenster strömt. Unsere beiden Squad-Mitglieder können mittels einfacher Befehle mit dem Ausschalten oder Betäuben von Gegnern beauftragt werden. Damit es aber in der Deckung nicht zu gemütlich wird, gibt es auch spezielle Gegner, die gezielt auf uns losgehen und uns wie die Psychos aus Borderlands im Nahkampf erledigen wollen.
Die Zusammenstellung der Level, die es in der von uns angespielten Vorschau zu sehen gab, war ziemlich linear. Trotzdem haben die Gegner auch auf normalem Schwierigkeitsgrad ständig versucht zu flankieren, um unsere Deckung zu umgehen. Im fertigen Spiel wird es noch zwei höhere Stufen geben, die sowohl die Munition knapper machen und den Trefferschaden erhöhen werden als auch die Künstliche Intelligenz noch etwas anheben sollen. Grafisch ist Spec Ops: The Line nicht mehr auf dem neuesten Stand, das ist schon sichtbar. Aber die interessante Story macht einiges wieder wett. Zumal es im Spiel Situationen gibt, in denen wir Entscheidungen treffen müssen, die sich nicht immer so einfach in die Schubladen Gut oder Böse einordnen lassen. Einen Multiplayer wird es natürlich geben, der war aber in der Session kein Thema.
Zweite Meinung
Der Schauplatz der verwüsteten Luxus-Metropole Dubai ist unverbraucht und frisch. Die Story hat mit den moralischen Entscheidungen viel Potenzial, sich von den langweiligen Hintergrundgeschichten der Konkurrenz abzusetzen, zumal es insgesamt auch relativ unmilitärisch zugeht. Und um an der vergleichsweise schwachen Grafik zu arbeiten, bleiben den Jungs von den Yager Studios ja noch ein paar Monate.