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SBK X Superbike World Championship

SBK X Superbike World Championship

SBK X Superbike World Championship greift an. Mit einem umfangreichen Karrieremodus und vor allem dem Anspruch, eine perfekte Simulation für gestandene Motorradfans liefern zu können.

Der rechte Trigger ist durchgezogen bis zum Anschlag. Die Ducati 1198R brüllt sich auf der langen Geraden ans Limit. Geiler Sound, geile Maschine - was anderes fällt mir da nicht ein. Ein tolles Gefühl, aber nur von kurzer Dauer. Ich muss bremsen. Irgendwann muss ich bremsen, sonst ist's vorbei. Und da gerade der Simulationsmodus aktiviert ist, geht genau das - wieder einmal - komplett in die Hose. Zu spät verzögere ich die Geschwindigkeit, richte mich nicht rechtzeitig auf in den Wind. Beim Einlenk-Versuch in die Rechtskurve hebt die Ducati hinten leicht ab, bockt und verliert den Grip. Ich segele in Zeitlupe über den Lenker und knalle ins Kiesbett. Nach dem heftigen Einschlag rappelt sich mein Avatar wieder auf und sitzt danach sichtbar gebeutelt, dreckig und ramponiert auf seiner zerkratzten Maschine.

Wieder und wieder diese Szene. Schick animiert, gut inszeniert - aber sie erinnert jeden Nicht-Biker daran, dass er keinen Motorradführerschein und somit auch kein Ahnung hat. SBK X Superbike World Championship ist so gesehen ein gnadenloses Spiel - jedenfalls für jene, die es ernsthaft und auf einem der beiden höheren Schwierigkeitsgrade spielen wollen. Zum Glück gibt es für Menschen wie mich einen Arcademodus, der wesentlich nachsichtiger ist. Aber für echte Fans ist der natürlich irgendwie sinnlos.

SBX X ist jedenfalls nicht weniger als im vollen Angriffsmodus angekommen. Das jüngst erschienene MotoGP 09/10 von Capcom gilt vielen derzeit als ein ähnlich etablierter Gegner bei den Motorradsimulationen wie es Michael Schumacher einst in der Formel Eins war. Dennoch wagen sich immer wieder Konkurrenten aus dem Windschatten, um den Führenden anzugreifen. So eben auch SBK X, das sich unbedingt wieder nach vorne spielen will. Immerhin ist die Serie kein Neuling.

SBK X Superbike World Championship
Don't look back in anger: Selbst im Arcademodus sollte man den Blick besser auf der Strecke lassen.

Das Paket für den Angriff stimmt. Es gibt - das ist wichtig - ein echtes Differenzierungsmerkmal zur Konkurrenz: die Maschinen. Denn die Renngeräte, auf denen wir über die 14 offiziellen Strecken wie Donington, Assen oder Imola jagen, sind deutlich näher an der Realität als die gezüchteten Hobel in Moto GP. Drei Klassen gibt es: Superbike, Supersport und Superstock. Alle Hersteller aus dem echten Leben sind dabei: BMW, Yamaha, Honda, Kawasaki, Aprilia, Ducati. Mit Maschinen, die wir auch beim nächsten Händler so einkaufen könnten. Fast jedenfalls, den leicht modifiziert sind die Rennversionen dann doch.

Rennspiele müssen heutzutage Onlinespiele sein, sonst ist ihre Erfolgschance quasi gleich null. Da macht auch SBK X keine Ausnahme und bietet online drei Möglichkeiten: schnelle Rennen, komplette Meisterschaften und Zeitrennen an. Vier Modi stehen hier (wie im Einzelspielermodus auch) zur Verfügung: Arcade, einfache, mittlere und vollständige Simulation. Die Künstliche Intelligenz der bis zu 15 Mitfahrer lässt sich in vier Stufen von Anfänger bis hin zu real einstellen. Real ist bitterer Ernst, wer da nicht absolut am Limit und in voller Beherrschung der Maschine fährt, sieht keinen ersten Platz. Niemals. Online motiviert zudem zusätzlich ein Levelsystem, das bis zu Level 100 reicht. Auswirkungen auf die Performance hat es aber nicht.

Der Arcademodus ist - wie bereits erwähnt - nachgiebig. Die Steuerung erinnert dort eher an einen 80er-Jahre-Arcaderacer: links, rechts, Gas geben, bremsen, Feierabend. Dazu gibt es noch einen Boost-Knopf, um auf den langen Geraden ordentlich zu fliegen. Wer die Kurve dann dennoch verpasst und tatsächlich abfliegt, wird einfach schnell auf die Strecke zurück gebeamt. Allerdings fliegt man nie so richtig ab, noch sind als Arcade-Biker Stürze möglich. Sobald die erste der drei Simulationsstufen aktiviert wird, ist es mit den Weichspülern aber komplett vorbei. Dann setzen viele Faktoren der Kontrollierbarkeit der Motorräder extrem zu.

SBK X Superbike World Championship
Die Motorräder, hier eine Ducati 1198R, sind detailgenau nachgebaut und fahren sich im Simulationsmodus so komplex und störrisch wie echte Rennmaschinen.

Im Karrieremodus wird am sichtbarsten, was natürlich so auch für die Onlinerennen gilt. Das Gewicht des Fahrers etwa beeinflusst massiv das Fahrverhalten. Ein paar Kilos mehr auf der Waage, und schon verlangsamt die Gewichtsverlagerung des Bikers merklich das Handling seines Motorrads, vor allem in Kurven. Auch der Reifenabrieb auf der Straße wird nützlich, ist man hier doch immer ein paar Millisekunden schneller unterwegs, mit mehr Grip eben. Die effektive Reifenabnutzung ist übrigens vorher wählbar, ebenso wie der Bike-Schaden, die Strafen für Rennrüpel sowie die Gesundheit des Fahrers.

Im Karrieremodus geht es nun für viele Stunden darum, Anerkennung zu verdienen und den Ruf zu steigern. Das lässt sich auf mehrere Arten erreichen: die Position nach dem Rennen, etwaige akrobatische Einlagen wie Wheelies am Kurvenausgang, Boost bei Heimrennen oder indem wir die Pole Position holen und dann noch einen Bonus einkassieren, wenn wir den Lieblingsgegner schlagen. Fans hält das bei der Stange, vor allem weil es sich ja um die Originallizenz handelt und man die Meisterschaft nachspielen kann.

Auch ein kleines Rollenspiel mit Dialogen haben die Entwickler integriert. Wir können am Rennwochenende mit unserem persönlichen Ingenieur eine Techniksitzung abhalten, um Telemetriedaten auszuwerten und durch ein kleines Frage- und Antwort-Spielchen das Fahrverhalten der Maschine zu verbessern. Gute Ratschläge hat der Mann auch. Außerdem lassen sich beim Boxenstopp diverse Komponenten testen und verbessern, um so das eigene Motorrad im Detail zu modifizieren und perfekt auf den eigenen Fahrstil und den Fahrer abzustimmen.

SBK X Superbike World Championship
In der zweistufigen Cockpitansicht ist das Fahren nochmals schwieriger, aber auch ungemein nah dran am echten Erlebnis.

Wer drei, vier Mal hart crasht, muss in der Karriere übrigens immer zurück in den Rennstall, um die Maschine zu reparieren. Das kostet wertvolle Zeit in der Qualifikation und nimmt einem zudem den ganz großen Ehrgeiz, immer am Limit zu fahren. Denn raus aus dem Rennen heißt raus aus dem Flow - und nirgendwo hat sich das bisher für mich deutlicher bemerkbar gemacht als hier. Der Realismusanspruch ist wirklich ziemlich hoch. Im Arcademodus heißt die Karriere übrigens Storymodus und beschränkt sich darauf, dass wir Challenges spielen, um Punkte zu holen und sinnloses Zeug wie Bilder von Boxenludern freizuschalten.

Grafisch ist SBK X sehr anständig gemacht. Die Maschinen sind authentisch bis ins kleinste Detail, was vor allem in der direkten Cockpitansicht und im Fotomodus sichtbar wird. Ein schönes Detail ist das Wetter. Wenn sich die dunklen Regenwolken über den Kurs schieben, wirkt das sehr, sehr realistisch. Und wenn es dann tatsächlich regnet, leidet natürlich die ohnehin schon schwierige Steuerung noch einmal. Regen im Simulationsmodus, da muss ich dann leider passen. Keine Chance mehr gegen die KI. Das Feld der Fahrer setzt sich schnell ab. In der etwas teureren Special Edition kommen dann noch ein gutes Dutzend Rennlegenden wie Max Biaggi oder Carl Fogarty hinzu. Insgesamt sind 80 Fahrer sind am Start.

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