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Rising Storm

Rising Storm

Mit Rising Storm liefert Tripware Interactive einen schonungslosen Shooter ab. Wir haben uns ins Kriegsgetümmel des Zweiten Weltkriegs geworfen und waren begeistert.

  • Adrian Berg

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Gerade in den letzten Jahren wurde der Spielemarkt mit Titeln zum Zweiten Weltkrieg überschwemmt. Das ging so weit, dass man beinahe das Gefühl hatte, durch den inflationären Einsatz hätten Nazis ihren universellen Bösewicht-Stempel eingebüßt. Was für einen Grund haben wir dann noch gegen sie zu kämpfen, wenn uns nicht einmal mehr der fundamentale Hass antreibt? Durch die voranschreitende Abstumpfung waren die Entwickler gezwungen, sich thematisch weiter zu entwickeln. Viele von ihnen konzentrierten sich in der Folgezeit deshalb auf die moderne Kriegsführung - und der vom Call of Duty-Franchise angestoßene Hype hält bis heute an. Erstaunlicherweise ist es gerade deshalb so erfrischend, nun wieder in einen düsteren Shooter mit Weltkriegssetting einzutauchen - besonders, weil das Thema so gut umgesetzt wurde.

Als Onlinespiel nahm Red Orchestra von Tripwire Interactive seinen Anfang als Modifikation zu Unreal Tournament 2003 und setzte seinen Fokus deutlich auf ein realistisches und raues Kriegsgeschehen. Binnen kürzester Zeit machte genau das das Spiel unglaublich beliebt. Es war deshalb für kaum einen eine Überraschung, als 2011 Red Orchestra 2: Heroes of Stalingrad erschien. Was die Reihe so erfolgreich machte, war das gleiche Prinzip, das auch schon TV-Serien wie Band of Brothers und The Pacific so groß werden ließ. Wir finden uns am Boden wieder, im Schlamm kriechend, umgeben von dicken Rauchwolken. Jeder Schuss kann ein Leben beenden und verwundete Kameraden bleiben blutend zurück, denn - anders als in vielen anderen Kriegsshootern - heilen ihre Wunden nicht nach ein paar Sekunden.

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Rising Storm
Dieser Krieg ist rau, schonungslos und brutal - auch wenn das Setting es nicht gleich vermuten lässt.

Tripwire Interactive führt dieses Konzept nun mit Rising Storm fort. Dreh- und Angelpunkt des Geschehens ist der Pazifik-Konflikt zwischen den USA und Japan. Obwohl dieser Konflikt bereits das Ende des Krieges einläutete, fanden hier einige der brutalsten und blutigsten Gefechte statt. Rising Storm gelingt es überzeugend, die vorherrschende Verzweiflung einzufangen und in vielerlei Hinsicht haben wir das Gefühl, eine Folge aus The Pacific nachzuspielen.

Wir beobachten beispielsweise, wie ein Soldat, gefolgt von einigen Kameraden, über eine Brücke rennt. Im Hintergrund spielt eine ruhige, fast traurige Melodie. Der Mann springt in einen Graben und eilt um die Ecke. Wie aus dem Nichts taucht plötzlich ein Gegner vor ihm auf. Der Soldat schießt, ohne zu zielen. Sein Gegner fällt so ungelenk um, dass es einem fast schon leid tut. Über seinem Körper erscheint keine Punktzahl, die für ein besonders raffiniertes Vorgehen belohnt. Es wird geschossen und der Feind ist tot - nicht mehr und nicht weniger. Doch wenn wir nicht aufmerksam genug sind und schnell Deckung suchen, könnte die nächste Kugel schon wenige Sekunden später zwischen unseren Augen stecken.

Realismus und ein hoher Schwierigkeitsgrad sprachen schon immer am deutlichsten für Red Orchestra und dessen ist sich Tripwire Interactive auch bewusst. In der von uns angespielten Beta-Version sind deshalb alle Server auf Realismus-Modus eingestellt: Jeder gezielte Schuss kann tödlich sein, wenn auch nicht sofort. Manchmal bluten wir auch aus, wenn niemand unsere Wunden behandelt. Als wir uns einloggen, wird erklärt, dass der Realismus-Modus in diesem Fall synonym mit dem Hardcore-Modus ist. Es scheint also ganz so, also würde Tripwire später auch Server für weniger enthusiastische Spieler bereit stellen. Die richtige Red Orchestra-Erfahrung bleibt aber weiterhin auf den Realismusservern.

Rising Storm
Besonders die Licht- und Raucheffekte überzeugen im Spiel. Doch auch so kann sich die Grafik durchaus sehen lassen.

Dort kämpfen dann zwei Teams um die Vorherrschaft. Die Steuerung ist recht simpel und lässt sich am besten mit Battlefield 1942 vergleichen. Klassisch muss das eine Team angreifen, während das andere verteidigt. Erreichen genügend Soldaten den Zielpunkt, wird dieser übernommen und der Spieß umgedreht. Sieger ist am Ende, wer die maximale Punktzahl erreicht oder zum Ablauf der Zeit die meisten Punkte gesammelt hat. Bekannt ist das schon aus ähnlichen Shootern - vermutlich schlicht, weil es so gut funktioniert. Besonders deutlich wird das, wenn Rising Storm diese Elemente in strategischen Missionen nutzt. Denn Punkt A anzugreifen wird plötzlich viel interessanter, wenn wir wissen, dass sich dort eine Waffe befindet, die wir ausschalten müssen, um den Weg für die Verstärkung frei zu machen.

Klar, Rising Storm befindet sich noch in der Beta-Phase und die Version, die wir gespielt haben, hat nicht immer so reibungslos funktioniert, wie sie sollte. Häufig hatten wir es deshalb mit einer gelegentlich verzögerten Steuerung, visuellen Ausrutschern, Spielern, die im Boden feststeckten und Treffern, die nicht gleich gezählt wurden, zu tun. Teilweise dauerte außerdem der Verbindungsaufbau zu den Servern relativ lange, auch wenn die Verbindung im Spiel selbst gut war.

Trotzdem: Es hat Spaß gemacht, Rising Storm zu spielen. Ich hatte teilweise richtig weiche Knie, wenn ich daran dachte, dass nur ein falscher Schritt den sicheren Tod bedeuten könnte. Gerade deshalb schoss mir Unmengen an Adrenalin durch die Adern, wenn ich doch mal eine relativ lange Zeit überlebt habe und Gegner überraschte - obwohl klar ist, dass gerade solche Aktionen auch nach hinten los gehen können. Es ist aber nicht dasselbe Run'n'Gun-Prinzip wie es Battlefield 3 und Call of Duty: Black Ops 2 aktuell vorleben. Und deshalb fühlt es sich oft so an, als würden man eher in der Nachkriegszeit spielen, weil die Spieler beider Teams nur selten und ungern ihre Deckung verlassen.

Rising Storm
Wer einfach losrennt, wird sich schnell blutend am Boden finden. In Rising Storm kann jeder Treffer tödlich sein, wenn wir nicht schnell genug Deckung finden.

Die Grafik ist dafür phänomenal gut, vor allem dank der Rauch- und Lichteffekte. Immer wieder werfen wir uns deshalb auf den Boden, wenn die schwere Artillerie uns umkreist. Wer es gern etwas nostalgisch hat, stellt in den Optionen Effekte ein, die das Spiel wie einen alten Kriegsfilm anmuten lassen. Toll! Auch die Soundeffekte überzeugen mit ihrer Klarheit. Natürlich ist es schön, darüber informiert zu werden, wenn sich keine Kugel mehr im Magazin befindet - aber noch schöner ist zu hören, wie die letzte Hülse fällt.

In Rising Storm wird uns nichts geschenkt. Und gerade das, macht das Spiel so gut. Es ist nicht nur brutal, sondern es ist auch unglaublich herausfordernd. Wer sich daran gewöhnt hat, dass Fehler verziehen werden und es reihenweise zweite Chancen gibt, wird sich schnell an der steilen Lernkurve von Rising Storm die Zähne ausbeißen. Tatsächlich geht es nämlich eher darum, sich vorzustellen, in einem wirklichen Kriegsgefecht zu sein und den Kopf unten zu halten.

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KRITIK. Von Mike Holmes

Tripwares neuester Shooter entstand in Zusammenarbeit mit der eifrigen Modding-Gemeinschaft. Es geht einmal mehr in die Kämpfe des Zweiten Weltkrieges.



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