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Gamereactor Vorschauen Resistance 3
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Resistance 3

Fortsetzungen haben gute und schlechte Seiten. Die wichtigste gute: Eine Marke ist bekannt, die Spieler wissen, auf was sie sich einlassen. Die schlechteste: Man muss immer besser werden als der eigene Vorgänger. Genau an…
Christian Gaca 5 August 2011

Die Welt ist noch immer in der Hand des Chimera-Virus, das 1908 durch ein offenes Fenster in einen Suppenteller flog. 1953 marschiert die Chimera-Armee in den Vereinigten Staaten ein - und da fing damals unser Problem an. Mittlerweile ist es 1957 und die USA sind am Boden. Riesige Pfeiler aus dem All frieren die Erde ein - und leider nicht den ganzen fiesen Chimera-Mob. Diese vom Virus zombifizierten Menschen und Tiere.

Wir sitzen in Haven, Oklahoma, in unserem Unterschlupf. Besonders sicher ist die Kleinstadt nicht, vor der Tür ziehen die Mutierten entlang und wir lernen im Schnelldurchlauf die wichtigsten Eckpfeiler der Geschichte kennen: Anti-Held, verrückter Wissenschaftler, einen infizierten Freund töten müssen. Dann taucht unsere Frau Susan auf, mit der wir einen Sohn haben, der in den folgenden Szenen immer wieder als Katalysator für ein bedrückendes Gefühl bei Vätern sorgen soll. Das Kind als Symbol für Angst, irgendwie eigenartig, aber anders lassen sich Verabschiedungsszenen und einsame Wollfäustling-Einstellungen nicht erklären. Immerhin sind alle Zwischensequenzen in einem coolen Comic-Style erzählt, der sich sehr dezent auch ins echte Spiel verlängert.

Das führt dazu, dass man einen komisch subtilen Cel-Shading-Effekt wahrnimmt, beziehungsweise im schlechtesten Fall denkt, dass die Grafik irgendwie ein bisschen, nun ja, überholt aussieht. Und in Details ist das auch ziemlich wahr. Wer sich etwa die Sträucher aus der Nähe anschaut, wird erschrocken feststellen, dass das lieb- und bewegungslose Scherenschnitte sind, die hölzern in der Landschaft stehen. Das steht im krassen Gegensatz zu sehr, sehr guten Rauch- und Explosionseffekten oder Details wie dem coolen Unschärfeeffekt beim Zoomen mit den Waffen. Oder dem verdammt spürbaren Gefühl von Sturm und brüllender Aggression der Angreifer, den man bei der Flucht aus Haven spürt. Das ist schon ziemlich toll gemacht, gute und effektreiche Popcorn-Unterhaltung.

Einige Effekte des Shooters sind ziemlich toll gemacht, gute und effektreiche Popcorn-Unterhaltung.

Das Gameplay ist kaum verändert und das mit Grund, denn es ist ja im Prinzip tadellos. Das Ballern macht Spaß und man kann es kaum erwarten, nach und nach die zwölf Slots des Kreismenüs mit Knarren zu füllen. Mit der Auger, die durch Wände hindurch Gegner scannt und auf wundersame Art und Weise auch trifft. Oder der Rossmore, einer mächtigen und krachend lauten Shotgun. Oder dem Atomizer, einer effektvollen Energiewaffe, dessen Zusatzfunktion es ist, ein lokales, schwarzes Loch zu erschaffen, das die Gegner herumwirbelt und verschlingt. Oder dem Scharfschützengewehr Deadeye. Aber es sind alles Knarren, die schon im Vorgänger am Start waren. Schön gemacht ist, dass sie bei der Benutzung automatisch hochleveln. Nur eine kleine Motivation, aber sie wirkt. Alle Waffen haben zwei Upgrades als Extra.

Die Gegner sind leider nicht besonders schlau. Sie lassen sich mit einfachen Mittel austricksen und selbst die fetten Zwischenendbosse rennen artig im Kreis, wenn man vor ihnen davonläuft. Ab und an wird man von einem oder mehreren Gefährten begleitet. Die agieren okay, sind aber zum Beispiel gegen Granateneinschläge eigener Munition komplett immun. Sie zucken nicht einmal. Und anschießen darf man sie erst gar nicht, da wird das Fadenkreuz grün und verbietet das Schießen. Das kann in hektischen Situation nerven.

Die Story wird linear nach vorne getrieben, durch ebenso lineare Level. Wer ein paar Meter neben die Spur geht (was nur gelegentlich und auch nur ein bisschen geht), findet Audio Journals wie in Bioshock oder geheime Dokumente in Textform wie in jedem Spiel. Fast alle Events sind fies und durchsichtig geskriptet oder gleich komplett auf Schienen konzipiert. Wie die Passage, wo wir auf einem Kutter den Mississippi entlang schippern und Gegnerwelle um Gegnerwelle aller Arten zurückschlagen. Lediglich der riesige Tripod kurz vor St. Louis lässt einen schaudern. Alles andere wirkt irgendwie nicht druckvoll genug - gruselig oder schockierend schon mal gar nicht.

Teilweise wird das Spiel zur hemmungslosen Ballerorgie, die jegliche strategischen Erwägungen im Kugelhagel ersticken lassen.

Aber es bringt trotzdem ziemlich viel Spaß, sich durch diverse Bundesstaaten in Richtung New York zu ballern. Leider ist die Welt des Action-Shooters dabei keine offene. Häufig ist der Rückweg verschlossen, ebenso sind die meisten Areale nicht offen begehbar, sobald man einmal vom Weg abweichen will. In vielen Spielen sind solche Probleme durch die Levelstruktur und das Design getarnt - diese Mühe gibt sich Resistance 3 nicht.

An Brutalität mangelt es dem Spiel auch nicht. Extremitäten können nach und nach abgeschossen werden, selbst bei bereits eliminierten Chimera-Mutanten. Köpfe auch. Ob das so in Deutschland erscheinen wird, ist zumindest fraglich. Aber die USK scheint ja ein bisschen liberaler geworden zu sein. Schwerer wiegen Inkonsistenzen in der Spielwelt. Dazu gehören sich selbst unendlich auffüllende Medizinschränke genauso wie unendlich gefüllte Munitionsboxen auf dem Kutter, der uns nach St. Louis schippert. Dadurch wird das Spiel schnell zur hemmungslosen Ballerorgie, die jegliche strategischen Erwägungen im Kugelhagel ersticken lassen. Das muss man nicht schlecht finden, übrigens.

Einen Multiplayer wird Resistance 3 natürlich auch haben. Mit maximal 16 Spielern dürfen wir uns auf Karten kloppen, die das Szenario aus der Story geschickt imitieren und verlängern. Fünf klassische Modi sind im fertigen Spiel enthalten. Spannend ist etwa der Modus Kettenreaktion, eine Spielart von Domination. Wir müssen im Team in einer bestimmten Reihenfolge Punkte erobern und eine Zerstörungssequenz aktivieren, um die Gegner auszuschalten. Dabei stehen jedem Team insgesamt maximal 100 Leben zur Verfügung.

Zweite Meinung

Resistance 3 bringt Spaß - und davon nicht zu wenig. Aber da sind einige technische Unzulänglichkeiten, die dem einen oder anderen sauer aufstoßen werden, wenn sie im finalen Spiel noch drin sind. Ab gesehen davon ist Resistance 3 Pflichtprogramm für PS3- und Action-Shooter-Fans.

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23 Ausgaben Jede mit eigener Redaktion und eigenen Wertungen.
1998 Erscheint seit Durchgehend unabhängig geführt.
100% Selbst gespielt Geschrieben aus Zeit mit dem Spiel, nie aus Pressematerial.
1–10 Netzwerk-Wertung Die Wertung jeder Ausgabe, gemittelt und ausgewiesen.