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Red Faction: Armageddon

Red Faction: Armageddon

Das Talent scheint in der Familie zu liegen. Alec Mason war einst ein unheimlich begabter Sprengmeister, der sein Können zur Befreiung der Mars-Kolonisten einsetzte. Zwei Generationen später ist es Darius Mason, der den roten Planten befreien muss. Von wem ist ja auch eigentlich egal. Hauptsache, es wird wieder viel dabei kaputt gemacht.

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Bisher stand Red Faction auch immer für Revolution. Das "Red" im Namen war nicht nur eine Anspielung auf den roten Planeten, sondern auch eine Reminiszenz an sozialistisch-kommunistische Bewegungen. Es ging um Aufstand, um Freiheit und nebenbei konnte praktisch alles kaputt gemacht werden. "Greifen Sie nicht den Konvoi an, sondern zerstören Sie die ganze Brücke" hieß es bereits auf der Verpackung des ersten Teils.

Beide Motive - Revolte und Zerstörung - fanden in ihren Ausmaßen in Red Faction: Guerrilla ihren bisherigen Höhepunkt. Das Kaputtmachen war so raffiniert wie nie zuvor und mit der Red Faction steckten wir ganz tief im organisierten Widerstand. Für Red Faction: Armageddon wurde nun ein radikaler Szenariowechsel entworfen. Nun geht es nicht mehr gegen menschliche Unterdrücker, sondern gegen Aliens.

Das wirft natürlich die Frage danach auf, was denn die Marke Red Faction eigentlich ausmacht. Geht es bei dem Franchise im Grunde nur noch im Zerstörung? James Durall, Lead Level Designer bei Volition sagt dazu, dass "Zerstörung schon der Aspekt ist, um den das Spiel herum entwickelt wurde." Irgendwie schade, aber egal.

Red Faction: Armageddon
Red Faction war schon immer dafür bekannt auf Zerstörung zu setzen und auch im neuen Teil wird wieder eine Menge in die Luft gejagt.
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Mit dem Wechsel des Szenarios ging auch in Sachen Gameplay eine große Wende einher. Red Faction: Guerrilla war praktisch ein Grand Theft Auto auf dem Mars. Fahren wohin man will, in jedes beliebige Auto steigen, Menschen überfahren. Das übliche eben. Missionen mussten wie in Rockstars Erfolgsmarke aufgesucht werden. Mit dem Freiheitskampf ist auch die spielerische Freiheit verschwunden. Red Faction: Guerrilla war Anarchie. Red Faction: Armageddon ist Diktatur.

Von nun an führt uns das Spiel durch sich selbst. Diesen Sprung zur Linearität begründete Durall damit, dass man den Fokus viel mehr auf das Erzählen der Geschichte legen wollte. Ein völlig logischer Schritt also. Doch worum geht es eigentlich genau?

Wir spielen Darius Mason, den Enkel von Alec, der Hauptfigur des Vorgängers. Eine Gruppe von Maraudern, dem mysteriösen Schrottsammler-Stamm, hat den Terraformer zerstört, der die Marsoberfläche bewohnbar hielt. Die Marsianer werden dazu gezwungen, in den Untergrund zu ziehen. Für die Aliens ist Darius dummerweise selbst verantwortlich, doch dazu soll an dieser Stelle noch nicht zu viel verraten werden.

Um den Gegnermassen Herr zu werden, wurde dem Protagonisten wieder allerhand Waffenpower mit auf den Weg gegeben. Vom beliebten Vorschlaghammer, über die üblichen Verdächtigen wie Maschinengewehr, Raketenwerfer und Sprengsätzen ist wieder alles dabei. Dass das Arsenal nicht nur der Beseitigung der Aliens sondern auch von allen möglichen Gebäuden dient, versteht sich von selbst. Besonders schön anzusehen ist das Nano-Rifle, das Gegner und Gebäudeteile mit einem schicken Effekt in Luft auflöst. Im Nahkampf ist die Nano-Forge, die an den Machtschub eines Jedis erinnert, am nützlichsten.

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Red Faction: Armageddon
Darius Mason ist der Enkel von Alec, dem Protagonisten des Vorgängers. Die Freiheitskämpfe sind Vergangenheit. Nun geht es gegen Aliens.

Für die Entwickler war es ein wichtiges Anliegen, Darius eine "signature weapon" zu verpassen. Also eine Waffe, die so einzigartig und charakteristisch ist, dass sie zu einem Markenzeichen wird und auf ewig mit dem Namen Red Faction in Verbindung gebracht wird. Zwei Kriterien waren dafür besonders wichtig: Sie musste in ihrer Funktionsweise etwas völlig neues liefern und - noch viel wichtiger- sie musste extrem zerstörerisch sein. Volitions Lösung dafür ist die Magnet Gun.

Die Funktionsweise der Magnet Gun folgt einer wirklich witzigen Idee. Zuerst verschießt sie ein Projektil, das am Ziel kleben bleibt. Danach verschießt die Magnet Gun ein weiteres Projektil, das sozusagen den Gegenpol zum vorherigen bildet und dieses selbst über größere Distanzen "ansaugt". Ein wirklich tolles Spielzeug. Und das ist nicht abwertend gemeint.

Die Magnet Gun ermöglicht nämlich verschiedenste Vorgehensweisen und überlässt es uns, wie wir sie einsetzen. Ein wirklich schönes Gefühl, wenn eine zerstörerische Waffe zur Kreativität animiert, zumal es unheimlich leicht von der Hand geht. Gebäude können beispielsweise entspannt zusammengefaltet oder ganz einfach ihrer tragenden Elemente entledigt werden.

Red Faction: Armageddon
Ohne dieses Feature wären wir ganz schön aufgeschmissen: Mit Hilfe von Darius' Repair-Fähigkeit werden Gebäude wie von Zauberhand wieder in Stand gesetzt.

Bei den Gegnern geht es ebenso spielerisch weiter. Wir begraben unsere Kontrahenten zum Beispiel unter Trümmern oder knallen sie schwungvoll an die Höhlendecke. Wenn sie nicht der Aufprall dort schon erledigt, dann tut es meistens der folgende tiefe Sturz. Besonders witzig: zwei Gegner zusammenschießen und zusehen, wie sie aneinander zerschellen. Einziger Kritikpunkt an der Magnet Gun ist, dass sie doch etwas zu mächtig ist, zumal ihre Munition nie ausgeht.

Ein wirklich cooles Feature ist die Repair-Fähigkeit von Darius, mit dem längst zerstörte Einrichtungen wie auf magische Weise wieder in Stand gesetzt werden. Wie das genau möglich ist, also wie diese zauberhafte Fähigkeit funktioniert, wollte auch der Lead Level Designer nicht befriedigend erklären. Aber das spielt ja auch keine Rolle.

Lob kriegen die Entwickler für die Idee zu diesem Feature jedenfalls nicht, denn ohne es wäre das Red Faction: Armageddon schlichtweg nicht spielbar. Bei den großen unterirdischen Schlachten geht nämlich an unentbehrlichen Brücken und Treppen so viel zu Bruch, dass wir ohne dieses Feature einfach nicht mehr weiter kämen.

Red Faction: Armageddon
Im Koop kämpfen bis zu vier Spieler Seite an Seite gegen die Gegnermassen. Eigentlich recht platt, macht aber eine Menge Spaß.

Nicht nur spielerisch gibt es jede Menge Neuheiten, auch optisch hat sich in dem neuesten Teil der Reihe einiges getan. Ein extrem hilfreiches Feature ist das Radar am oberen Bildschirmrand. Es gibt nicht nur in der Horizontalen die Position von Gegnern an, es lässt auch präzise deren Höhe und sogar die Distanz zu uns erkennen. Das ist besonders dann sehr praktisch, wenn es unübersichtlich wird und schwer erkennbar ist, von wo wir angegriffen werden. Und das kommt ziemlich oft vor.

Das Entdecken von Barschrott und Waffen ist nun absolut idiotensicher gestaltet. Über eben diesen schweben hell leuchtende Hologramme, welche die Items selbst über große Distanzen unübersehbar machen. Beim Weg zum nächsten Missionsziel ist das ähnlich gelöst. Hier bilden die Hologramme eine Kette, die direkt zur nächsten Aufgabe führt. Dass Red Faction: Armageddon ziemlich gut aussieht, sei nur am Rande erwähnt. Die optische Wahrnehmung wird ohnehin von der Zerstörung dominiert. Die vielen Explosionen, die einstürzenden Gebäude, die verstümmelten Aliens und die bunten Waffeneffekte sehen einfach cool aus. Ohne all das wäre das Spiel optisch wahrscheinlich kaum beeindruckend und eher gehobenes Mittelmaß.

Zwischen all den Explosionen und umherfliegenden Trümmerteilen die Übersicht zu behalten, ist, wie bereits erwähnt, ziemlich schwer. Das haben auch die Entwickler eingesehen und dem Zielsystem einen dezenten Autolock spendiert. Bei den unheimlich großen Gegnermassen ein unentbehrliches Feature.

Red Faction: Armageddon
Immer wieder Gegnerwellen - ein bisschen eintönig war das in der von uns gespielten Version leider schon.

Erfreulich ist, dass es in Red Faction: Armageddon neben Single- und Multiplayer zwei neue Modi gibt: Den Vier-Spieler-Koop und den Ruin-Modus. Ersterer ist zwar etwas platt - es geht im Grunde nur darum, so lange es geht zu überleben oder ein bestimmtes Ziel vor den Aliens zu schützen. Eine Menge Spaß bringt er trotzdem. Allein der gewaltigen Zerstörungskraft von vier voll ausgestatteten Spielern zuzuschauen, das ist ein echter Genuss.

Der Ruin-Modus macht die Zerstörung zu einem echten Sport. Wir werden in eine völlig verlassene Map geschickt und müssen dort in kürzester Zeit so viel zerlegen wie nur möglich. Dabei gilt es, besonders bedacht und gezielt vorzugehen, denn für besonders geschickte Abbrüche - beispielsweise einen Turm auf einen anderen stürzen zu lassen - hagelt es als Belohnung Multiplikatoren und Zeit-Boni. Auch das klingt nach minimalem Tiefgang, ist allerdings ein riesiges Vergnügen.

Eine einzige Sache bereitet an Red Faction: Armageddon doch einige Sorgen: die Eintönigkeit. Denn die meisten Aufgaben in den spielbaren Missionen verliefen nach dem Prinzip: laufe nach A und erledige B. Und dazwischen gab es eine Gegnerwelle nach der anderen zu vernichten. Zum Glück hat THQ für den weiteren Spielverlauf eine ganze Menge Abwechslung angekündigt. Na dann, wir sind gespannt!

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