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Sony hat die kleine Streaming-Box mit Playstation Vita-Technik auch nach Europa gebracht. Wirklich alltagstauglich ist das Gerät am Ende leider nicht.
Martin Eiser Aktualisiert 6 März 2015

Die kleine Box funktioniert als Streaming-Einheit zu PS3 und PS4 und unterstützt daher auch beide Controller.

Vor einem Jahr hat Sony eine Media-Streaming-Box nach Japan gebracht, die außerdem die Technik der Playstation Vita verbaut hat und daher mit vielen Inhalten für den Handheld kompatibel ist. Spielbar sind auf diese Weise im Playstation Store erhältliche Titel für PSone, PSP und PS Vita. Gespielt werden kann mit einem PS3- oder PS4-Controller. Setzt ein Vita-Titel auf Touch-Funktionalitäten oder das rückwärtige Trackpad wird er sehr wahrscheinlich nicht spielbar sein. Die Bibliothek der kompatiblen ist dadurch ziemlich mau, auch wenn etwa neue Spiele wie etwa Tales of Hearts R unterstützt werden.

Theoretisch könnten aber Updates nachgereicht werden, damit sie auf dem System laufen. Die Box ist aber bereits seit einem Jahr auf dem Markt und trotzdem laufen viele Spiele nicht. Das ist dann verständlich, wenn die Touchsteuerung ein ganz wesentliches Element im Spiel ist. Zum Teil aber dient sie nur der leichteren Bedienung von Menüs. Eine wirklich verlässliche Liste mit kompatiblen Spielen scheint selbst Sony nicht zu haben, denn sie sind alle unvollständig. Immerhin zeigt der Playstation Store nur die Spiele an, die auch tatsächlich funktionieren. Vom Browser am Computer lässt der sich allerdings nicht aufrufen.

Das wir hier praktisch eine Playstation Vita ohne Bildschirm vor uns haben wird auch an dem Menü deutlich, an dem sich nichts geändert hat. Glücklicherweise lassen sich auch ohne Touchfunktion Ordner anlegen und Objekte verschieben. Wer allerdings gehofft hat, die Speicherkarte für Vita und Playstation Vita zu nutzen, wird etwas enttäuscht. Bei jedem Wechsel der Karte muss die Datenbank ungefähr eine Minute aktualisiert werden und dabei vergessen die Geräte offenbar auch eine bereits angelegte Ordnerstruktur.

Playstation TV selbst verfügt über einen internen Speicher von einem Gigabyte, auf den aber nicht mehr zugegriffen werden kann, so bald eine Speicherkarte eingelegt ist - selbst wenn Inhalte darauf gespeichert sind. Wer sich erst später dazu entschließt, eine größere Karte zu kaufen, wird die alten Daten nur nutzen können, wenn er die Karte entfernt - inklusive der angesprochenen jedes Mal nötigen Wartezeit beim Aufsetzen der Datenbank. Einschalten lässt sich die Box übrigens auch nicht mit dem Controller, sondern nur über eine Taste am Gerät selbst. Lediglich im Bereitschaftsmodus reagiert das kleine Gerät auf das Signal vom Controller.

Das aber wahrscheinlich interessanteste Feature von Playstation TV ist die Remote Play-Funktion mit der Playstation 4. Wir können darüber ein PS4-Spiel in einer Auflösung von maximal 720p auf einen anderen Bildschirm streamen, der in einem ganz anderen Raum stehen kann. Wer die PS4 in seinem Wohnzimmer stehen hat, kann praktischerweise via Playstation TV seine PS4-Games beispielsweise auf einem Fernseher im Schlafzimmer spielen. Und theoretisch muss das nicht einmal in dieselbe Wohnung sein. Remote Play ist auch über das Internet möglich.

Ohne Memory Card von Sony wird es schwierig, es ist nur ein Gigabyte internern Speicher vorgesehen - die sind leider nur ziemlich teuer.

Im nächsten Urlaub also einfach Playstation TV einpacken und damit die ganzen Games von zu Hause zocken? Nun, damit das funktioniert, muss an beiden Orten eine gute Internetverbindung vorhanden sein und trotzdem gibt es immer eine ganz leichte Verzögerung. Für bestimmte Spiele eignet das System einfach nicht. Ich selbst habe es zu Hause nicht einmal im selben Raum eine stabile Verbindung hinbekommen, weil sich die beiden Geräte im WLAN offensichtlich gegenseitig das Leben schwer gemacht haben. Über das Internet bis ins Büro lief es fast einwandfrei und sogar das Spielen von Cell Damage hat Laune gemacht - bis zu vier Spieler können.

Es ist daher wohl immer am besten, ein LAN-Kabel für die Verbindung zum Router zu nutzen. In der Praxis ist das aber keine sonderlich elegante Idee. Will ich das Gerät in der Wohnung an einen zweiten Fernseher anschließen, wird mindestens eines der beiden Geräte zu weit vom Router entfernt sein. Und Kabel sind heutzutage einfach keine besonders schöne Lösung mehr - zumal nur ein 100 MBit-Anschluss dran ist. Und Powerline, also eine LAN-Verbindung über das Stromnetz, sind ebenfalls anfällig für Störungen. Die Erfahrungen mit diesem Feature sind einfach sehr durchwachsen.

Lediglich eine kleine Kontrollleuchte macht von vorn sichtbar, dass es sich um ein technisch Gerät handelt.

Nett übrigens, dass Käufer von Playstation TV gleich drei Spiele mit dazu bekommen. Für 99 Euro gibt es neben dem Gerät, einem HDMI-und einem Strom-Kabel auch noch Worms: Revolution Extreme, Velocity Ultra und das quirlige OlliOlli. Ein weniger Potential hat Sony aber verschenkt. Da das Gerät voll auf Vita-Technik setzt, gibt es zwar Music Unlimited und den Video-Laden im Playstation Store. Video Unlimited und andere Anbieter aber fehlen auf dem Gerät. Als Media Box taugt Playstation TV daher nur begrenzt.

Sollte Sony aber an die Box glauben, es Updates geben, welche die Benutzung verbessern und sich Zahl kompatibler Spiele erhöhen, damit gibt es nur noch wenig Gründe, die gegen Playstation TV als Ergänzung in einem anderen Zimmer sprechen. Und irgendwann kommt schließlich auch noch Playstation Now dazu. Allerdings ist die Erfahrung mit Remote Play von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Weil die Daten in Echtzeit übertragen werden, kann nichts gepuffert werden, wie etwa bei einem Film. Das macht das Streaming sehr anfällig für Störquellen. Wer bereits eine Vita hat, kann zumindest die Tauglichkeit vom WLAN in den eigenen vier Wänden testen und dort Remote Play ausführen.

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