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Mortal Kombat X

Mortal Kombat X

Wir haben in London ein letztes Mal vor der Veröffentlichung das blutige US-Splatter-Kampfspiel hart rangenommen... das Spiel uns allerdings auch!

Cassie Cage starrt mich an, macht eine riesige Blase mit ihrem rosafarbenen Kaugummi und dreht sich um. Sie zeigt mir völlig furchtlos ihren hübschen Rücken und geht ein paar Schritte zurück. Mein Kung Lao steht derweil nur cool rum, während unverschämt schlechtes Wetter hohe Wellen gegen den Kai schlägt, auf dem gleich der Teufel los sein wird. Eine bestens bekannte Stimme schreit "Fight!", woraufhin ich wild auf die Gegnerin losstürze.

Dieses Mal konnte ich vor dem Kampf nicht nur eine Version meines alten Favoriten Kung Lao wählen, sondern durfte und musste mich zwischen drei Varianten entscheiden. Alle sind irgendwie ziemlich gut. Ich liebe einfach seinen Kampfstil, wie er seinen Hut um den schlanken Körper rotiert und dabei ein Kraftfeld erzeugt, das zur tödlichen Falle für neugierige Nahkämpfer wird. Dann noch eine schnelle Teleportationskombo hinterher...

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Leiche auf dem Kai im Gesicht: Das fühlt sich an, als ob man mit einem verrotteten Kabeljau erschlagen wird.

Doch plötzlich wird eine faulige Leiche aus der Gischt auf den Kai gespült. Cassie schnappt sich den aufgeblähten Körper und schleudert ihn mir mitten ins Gesicht. Klatschmatsch! Das fühlt sich an, als ob man mit einem verrotteten Kabeljau erschlagen wird. Ich verliere kurz meinen Fokus, die Gesundheitsanzeige beginnt daher schnell zu schrumpfen. Meine Chance auf ein Comeback ist ein Röntgen-Angriff! Ich habe just gerade genug Energie gesammelt, um einen solchen rauszulassen. Das Spiel schaltet in den Röntgenblick, ich sehe und höre die Knochen ekelig brechen. Dann wird der Bildschirm schwarz und eine dumpfe, vertraute Melodie ertönt. Zeit für die... Fatality!

Etwas, das mir deutlich auffällt: Den Netherrealm Studios scheint das Kunststück gelungen zu sein, die ewigen Fehler der Serie auszumerzen und das Spiel wirklich zu modernisieren. Mortal Kombat X spielt sich tatsächlich wie eine Fortsetzung und nicht wie ein Upgrade. Ein Erfolg, der im Kampfspiel-Genre bei weitem nicht allen gelingt. Darüber hinaus haben sie das Ensemble der Kämpfer ausgetauscht oder sauber erneuert.

Jede Spielfigur ist in drei verschiedenen Designs am Start, die sich wirklich grundlegend voneinander unterscheiden. Ein Kämpfer hat so nun völlig unterschiedliche Spezialattacken. Nehmen wir mal Ferra/Torr als Beispiel, dieses riesige Quasimodo-Monster mit einem miesen Zwerg auf dem Rücken, der sich auf verschiedene Weise in den Kampf einmischt. In einer Version lässt er Ferra komplett beiseite und Torr allein wird ein Kämpfer, der stark an Zangief aus Street Fighter IV erinnert.

Mortal Kombat X
Den wichtigsten Gameplay-Unterschied jedoch machen die interaktiven Hintergründe.

Während meiner Session schaut Netherrealm-Marketingchef Brian Goodman vorbei. Ich frage ihn neugierig, warum sie sich entschieden haben, mehr neue Kampfstile pro Spielfigur hinzufügen. Er sagt, dass sie durch das Sammeln von Spielerdaten bemerkt haben, dass die meisten tatsächlich immer nur zwei, drei Spielfiguren nutzen. Die Idee ist es nun, dass diese Spieler künftig sechs bis neun Varianten ihrer Favoriten zur Verfügung haben. So gibt es jetzt je drei Mal unterschiedliche Auslegungen der beliebten Kämpfer Scorpion und Sub Zero.

Letzterer kann beispielsweise als regulärer Sub Zero gespielt werden. Aber diejenigen, die defensiver sein wollen, können auf bittere Eisfallen umdisponieren, die in den Händen eines Profis extrem nervig werden können. Hab ich selbst erlebt das Ganze. Außerdem gibt es eine weitere Sub Zero-Variante, die eisige Kopien von sich selbst erstellen kann, die den Gegner in der vollen Bewegung wegpflücken. Sub Zero ist also sprunghafter als zuvor.

Den wichtigsten Gameplay-Unterschied jedoch machen die Hintergründe. Netherrealm Studios haben die Stages interaktiv gestaltet wie in Injustice: Götter unter uns. Wie bereits erwähnt gibt es Leichen am Hafen. Aber es ist auch möglich, an Wänden abzuspringen für Spezialattacken, Äste zum Ausweichen oder Verprügeln zu nutzen und vieles mehr. Während sich das zuerst wie eine Spielerei anfühlen mag, ist es auf jeden Fall ein enormer Vorteil für diejenigen, die jede Stage richtig kennen und diese Elemente eiskalt ausnutzen im richtigen Moment. Es fügt dem Spiel dennoch ein bisschen mehr Zufallsfaktor hinzu, aber diese Events sind deutlich weniger ungerecht ausbalanciert als in Injustice: Götter unter uns.

Mortal Kombat X
Der übermäßige Einsatz von Gewalt in der Serie ist stärker als je zuvor sichtbar.

Der übermäßige Einsatz von Gewalt in der Serie ist stärker als je zuvor sichtbar. In einem solchen Ausmaß, dass ich schon nach zwei Stunden das Gefühl habe, dass die Röntgenangriffe vielleicht etwas etwas zu lang inszeniert sind. Sie sind jetzt nicht so unglaublich pervers-hyper-heftig, dass alles, was in Mortal Kombat bisher passierte, einer Kissenschlachten gleichkommt. Zuerst ein Schwert in den Hals gesteckt und dann den Kopf um 360 Grad gebogen zu bekommen, bevor der Schädel und Wirbelsäule gebrochen werden, ist quasi business as usual. Einfach ertragen und weiterkämpfen.

Doch am Ende sind es (natürlich) die Fatalitys, die vor meinem geistigen Auge verbleiben, nachdem ich Netherrealm für die Anspielsession gedankt habe und nun wieder nach Hause fliege. In dem Fight mit Kung Lao zum Beispiel, da nimmt der Asiate seinen Hut als rotierendes Sägeblatt, trifft damit Cassie Cage, die das Sägeblatt mit ihrem Gesicht auffängt. Kung Lao drückt dann einen helfenden Fuß auf den Hinterkop und... nun, das alles in 1080p-Auflösung und mit der Grafik auf den neuen Konsolen bietet ein Maß an Details, das alles bisherige an Splatter in Videospielen schlägt. Und es gibt ja noch die Fatalitys von Scorpion und Quan Chi und und und.

Meine Erwartungen an Mortal Kombat X waren hoch. Nach dem Anspielen mag ich sagen, dass sie auch weiterhin so hoch sind. Das Spiel scheint der Serie endlich jene Tiefe zu geben, die eigentlich immer fehlte. Dazu gibt es reichlich neue Inhalte und Features, die sich wirklich relevant anfühlen. All das rüttelt an den Grundfesten der Serie für diejenigen, die das wollen und nutzen werden. Alle konservativen Fans werden aber weiter glücklich sein, denn das Spiel kann auch so bleiben wie es immer war. So sollte das sein.

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KRITIK. Von Martin Eiser

Wer vermutet, dass Mortal Kombat vor allem auf Brutalität setzt, um zu überzeugen, der sollte sich wie ich eines besseren belehren lassen.



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