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Mortal Kombat

Mortal Kombat

Ohne Umschweife: Mortal Kombat vs. DC Universe war ganz großer Schrott. Schlecht ausbalanciert, lieblose Optik, schwaches Gameplay. Dazu die wohl harmlosesten Fatalities, die die Reihe bisher erlebt hatte. Dabei ist es doch gerade dieses Feature, durch das Mortal Kombat berühmt wurde. Nach dem augenscheinlichen Tiefpunkt greifen die Entwickler für den nächsten Teil zu einem sehr erfolgreichen Rezept: Back to the Roots.

Zu den Wurzel muss ich auch erst einmal zurück. Es sind 30 Grad Celsius an diesem Juli-Tag im Jahr 1994. 30 Grad im Schatten versteht sich. Das also stellen sich Brasilianer unter einem Winter vor. Jedenfalls verbringe ich den Tag, wie so oft, wenn mein sonnenbrandgefährdeter Körper den Strand nicht mehr erträgt, in einer Spielhalle. Davon gibt's in Maceio, einer kleinen Stadt an der Ostküste Brasiliens, so einige. Spielhallen ist vielleicht etwas übertrieben. Denn im Grunde sind das nicht mehr als kleine Ladengeschäfte, in denen ein paar Fernseher und genau so viele Spielkonsolen stehen.

Ich bin neun Jahre alt, schlürfe an einer Guaraná-Limo und schaue anderen Kindern beim Zocken zu. Da kommt mein Kumpel Victor und will mir unbedingt dieses eine Spiel zeigen. Er versucht, den Namen auszusprechen, scheitert aber kläglich. Wir rennen rüber und Victor murmelt aufgeregt: "Schau, gleich bringt er ihn um." Auf dem Bildschirm prangt "Finish him" und eine der beiden Figuren wankt. Der Junge vor dem Bildschirm hackt flink eine Tastenkombination ein und dann, urplötzlich, erscheint über beiden Figuren in kindlicher Schrift das Wort "Friendship".

Es ist dieses Erlebnis, das Mortal Kombat auch heute noch gut charakterisiert. Eine charmante Kombination aus Gewalt und Humor, die es so bei keinem anderen Videospiel gibt. Über die Jahre war der Serie dieses Flair abhanden gekommen. Höhepunkt dieser Fehlentwicklung war Mortal Kombat vs. DC Universe. Das haben auch die Entwickler von Netherrealm eingesehen und machen schon mit dem Namen des nächsten Teils klar, wo es hingehen soll. Kein Deadly Irgendwas, kein Shaolin Sonstwer, sondern ganz schlicht und einfach: Mortal Kombat.

Mortal Kombat
Die wichtigste Neuerung, sofern man das überhaupt so nennen kann, ist der Schritt zurück zum 2D-Gameplay.

Zuerst gilt es, Freunde gepflegter Videospielgewalt zu beruhigen: Mortal Kombat wird brutal, sehr brutal sogar - davon durften wir uns beim Entwickler in Chicago selbst überzeugen. Doch die wichtigste Neuerung, sofern man das überhaupt so nennen kann, ist der Schritt zurück zum 2D-Gameplay. Für diejenigen, die sich darunter mittlerweile nichts mehr vorstellen können: Es wird nur von links nach rechts gekämpft. Ein hinten und vorne gibt es nicht. In der heutigen Zeit ein mutiger Schritt. Die Reduzierung auf zwei Dimensionen hat einen erfrischenden Einfluss auf das Spielgefühl und erinnert auf angenehme Weise an längst vergangene Spielhallentage. So wird Rückschritt zum Fortschritt.

Dieser Weniger-ist-mehr-Leitgedanke findet sich überall im Spiel. Die Sounds bei Tritten und Schlägen beispielsweise sind äußerst trocken und unspektakulär, doch gerade das macht ihren Reiz aus. Ein Faustschlag klingt hier eher wie ein echter Faustschlag und tut beim Hinhören schon weh. Auf akustischer Ebene wirkt das Spiel damit ein gutes Stück roher als die meisten anderen Prügelspiele heutzutage.

Auch optisch wird mit Effekten eher sparsam umgegangen. Gewöhnliche Treffer lassen nur wenig gegnerisches Blut spritzen. Es ist wirklich angenehm, dass nicht jeder Schlag von spektakulären Partikeleffekten begleitet wird. Auch die Spezialattacken wirken eher zurückhaltend gestaltet. Das alles soll jedoch nicht heißen, dass es in dem Spiel nichts fürs Auge gibt. Ganz im Gegenteil. Allein schon die detailreich gestalteten Kämpfer sind sehr schön anzusehen.

Mortal Kombat
Die Arenen schwanken in ihrem Design zwischen mystisch, episch und modern.

Trotz der Zurückhaltung kommt auch Mortal Kombat um ein bisschen Effekthascherei nicht herum, was durch das X-Ray-Feature deutlich wird. Am unteren Bildschirmrand befindet sich eine Leiste, die sich mit jedem Treffer weiter auflädt. Ist sie voll, wird eine verheerende Attacke gestartet. Meist eine Kombination aus Griffen, Würfen und Schlägen, bei denen die Kamera auf die getroffen Körperteile zoomt und dank Röntgenblick detailreich sichtbar wird, wie Kiefer oder Knochen brechen. Das sieht nicht nur gut aus, es tut einem auch echt körperlich weh.

Die Kampfschauplätze sind echte Hingucker. Die Stages sind so hübsch gestaltet, dass ein neutraler Zuschauer den Kampf im Vordergrund völlig vergessen könnte, nur um sich die Umgebung anzuschauen. Sie schwanken in ihrem Design zwischen mystisch, episch und modern. Alles mit einer gewissen Comic-Note. Eine gelungene Mischung, die den schwarzen Humor der Reihe nie ausklammert.

Eine Arena ist beispielsweise so riesig wie ein Fußballstadion. Das Publikum feuert uns an und im Hintergrund zappeln leichtbekleidete, in Ketten gelegte Frauen als Dekoration. In einem finsteren Waldlevel hängen unzählige Erhängte wie Weihnachtsschmuck von den Bäumen, während Krähen an ihren Eingeweiden herumpicken. Besonders grausam ist eine Katakombe, in der ein Gefangener unter Schreien in ein Becken aus grüner, blubbernder Säure hinabgelassen wird, um wenige Augenblicke später als dampfendes Gerippe wieder hinausgezogen zu werden. Alles in Griffweite der unbehelligt weiterprügelnden Kämpfer. Für Lacher sorgt der Weihnachtsmann mit seinem Schlitten, der in einem Level vor einem riesigen Vollmond durch den Hintergrund fliegt.

Mortal Kombat
Im regulären Kampf spritzt nur sehr dezent das Blut, bei den Fatalities ist kunstvollen Enthauptungen bis zu blutrünstigen Entweidungen alles dabei.

Was noch für einigen Gesprächsstoff sorgen wird, sind die Fatalities, für die Mortal Kombat bekannt ist. Auf der einen Seite können sich Fans der Reihe über eine sehr gute Umsetzung des beliebten Features freuen. Auf der anderen Seite werden die brutalen Hinrichtungen die Jugendwächter auf den Plan rufen. Die Fatalities waren zwar schon immer brutal, aber in den 1990ern war die Darstellung dank Pixeloptik noch sehr abstrakt. Bei 3D-Versionen wie Mortal Kombat V: Deadly Alliance oder Mortal Kombat: Shaolin Monks waren die Spiele noch zu detailarm, um wirklich als optisch grausam durchzugehen. Beim heutigen Detailgrad sieht das schon anders aus. Das könnte in Deutschland noch zum Problem werden, wobei in letzter Zeit ja auch ein God of War III oder ein Dead Space 2 ihre 18er-Wertung bekommen haben.

Was die Umsetzung der Fatalities angeht, ist von kunstvollen Enthauptungen bis zu blutrünstigen Entweidungen und Verstümmelungen alles dabei. Das ist teilweise so grausam, dass es nur mit halb zugekniffenen Augen zu ertragen ist. Speziell die Fatality von Kung Lao lässt einen im ersten Moment ziemlich geschockt zurück. Mit Hilfe seines Rasierklingenhutes zerteilt er seinen am Boden winselnden Gegner der Länge nach, um ihn darauf wie zwei Schweinehälften gen Himmel zu recken. Neben dem Herren mit der scharfen Kopfbedeckung sind auch andere altbekannte Gesichter wie Reptile, Johnny Cage, Nightwolf oder Mileena mit dabei. Dass auch Scorpion und Sub Zero mit an Bord sind, versteht sich von selbst.

Neben den obligatorischen Story- und Vs.-Modi wird es einen Tag-Team-Modus geben. Zwei Kämpfer auf jeder Seite wechseln sich auf Wunsch ab und helfen aus, wenn es brenzlig wird. Oder sie übernehmen gleich ganz, wenn der Partner fertig ist. Gemeinsam können die Teammitglieder übrigens sehr effiziente und nett anzusehende Komboattacken ausführen.

Das Gameplay fühlt sich unheimlich gut an, was zum größten Teil der Rückkehr zur Zweidimensionalität zu danken ist. Die Unterbrechung der Kämpfe durch die X-Ray-Attacke ist zeitlich so gut abgepasst, dass sie den Spielfluss nicht stören. Die Bewegungen sind verglichen mit Tekken natürlich deutlich langsamer, allerdings ohne jemals zäh zu wirken. Was einzig negativ auffällt: Einige Animationen sind sehr plump und die Aktionen der Kämpfer ähnelten sich zu sehr.

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