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Might & Magic Heroes Online

Free-to-Play-Titel werden immer beliebter. Auch die großen Publisher der Vollpreisspiele drängen darum immer stärker in den Markt. Ubisoft rüstet in diesen Tagen gleich mehrfach auf und kündigte neben Anno Online und Silent Hunter Online…
Wiebke Westphal 15 August 2012

Ich werde direkt wehmütig, wenn ich an all die vielen Stunden denke, die ich klischeehafterweise im Keller meiner Eltern mit Heroes of Might and Magic III verbracht habe. Das ist nun schon fast zwölf Jahre her. Nachdem auch Heroes of Might & Magic V und sein Nachfolger meine Liebe zum dritten Teil nicht übertroffen haben, war die Ankündigung in Düsseldorf von Might & Magic Heroes Online für mich eine ganz besondere.

Im Präsentationsraum versinken ich deshalb sofort tief in der Fantasywelt und begleite einen Nekromanten, der sich auf Prison Island seinen düsteren Weg durch die Katakomben auf der Suche nach einem Ausgang bahnt. Mit dabei hat er einige Kreaturen, die er unterwegs in Grabstätten und vermutlich aus seiner Hauptstadt rekrutiert hat. Was aber schon viel eher auffällt ist die fehlende rundenbasierte Bewegung. Eine kleine Revolution, die dann eigentlich doch keine mehr ist. Denn in Anbetracht der Tatsache, dass wir hier ein Free-to-Play-Browserspiel sehen, hätte die Steuerung so wohl kaum viel Sinn ergeben. So wird unser Held in Echtzeit in die gewünschte Richtung geklickt und sammelt am Wegesrand wie gewohnt Goldhäufchen, Truhen und Holz auf.

"Das hier ist kein einfacher Ableger der Hauptserie", erklärt Doro Apreotesei, Creative Supervisor von Might & Magic Heroes Online und versucht damit auch, die Skepsis der anwesenden Journalisten zu zerstreuen. Vielmehr handelt es sich in ihrer Lesart um ein vollwertiges Abenteuer mit eigenständiger Geschichte. Die wiederum spielt zwischen den Geschehnissen von Teil fünf und sechs in der Welt von Ashan. Äußerlich orientiert sich Might & Magic Heroes Online aber eher am dritten Teil der Strategie-Reihe, wirkt aber dennoch beeindruckend detailliert.

Einen Blick auf den Aufbau der Städte durften wir leider nicht werfen, dafür einige beeindruckende Kämpfe beobachten - und die kommen dann ganz wunderbar altmodisch rundenbasiert daher. Dabei stehen sich die jeweiligen Helden wieder vom Rand des Schlachtfeldes gegenüber und delegieren den schmutzigen Teil der Arbeit an ihre Einheiten. Die bewegen sich in dem dafür vorgesehenen Radius und entscheiden am Ende des Zuges, in welche Richtung sie schauen. Das ist nicht neu für Strategiespiele, für diese Serie hier aber schon. Es zwingt uns auch, noch einen Schritt weiter in die Zukunft zu blicken. Denn wird unser Monster von hinten erwischt, verliert es mehr Einheiten, als bei einer Attacke von der Seite oder von vorn.

Die Umgebungen variieren von grünenden Landschaften über Aschewüsten bis hin zu Pfaden in luftigen Höhen. Dort gehen wir dann auf die Suche nach neuen Städten.

Da kommt es gerade gelegen, dass die Beschaffenheit der Umgebung einen viel größeren Einfluss hat als gewöhnlich und zudem stärker variiert. Statt großer Flächen, auf denen wir unsere Einheiten klug und ohne Probleme in Stellung bringen, müssen wir nun auch auf stark verengten Brückenübergängen eine Lösung finden, die uns möglichst wenig Verluste einbringt. Denn die verlorenen Truppen fehlen uns nicht nur beim nächsten Gefecht, sondern drücken auch unsere abschließende Kampfbewertung. Klassischerweise erhalten wir mehr Punkte - je nach dem, wie souverän wir den Kampf beenden konnten.

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Alles in allem klingt das nach einem typischen Spiel der Serie, das sich nahtlos und mit wenigen Veränderungen einreihen könnte. Doch das ist eben nicht der Fall. Denn das Online im Namen ist nicht nur schmückendes Beiwerk, wie wir feststellen, als der Held tiefer in die düstere Welt vordringt und sich plötzlich dem einen oder anderen Helden gegenübersieht.

Wer wie ich gleich an eine wilde Klopperei um Ruhm und Ehre denkt, liegt aber falsch. Denn immerhin verfolgen beide derzeit noch das gleiche Ziel - irgendwie aus dieser ungemütlichen Gegend herauskommen. Deshalb schließen sie sich kurzerhand zusammen und treten gegen den Torwächter Urtak an, der für einen Helden allein sicher nicht so einfach zu bewältigen wäre.

Die Kämpfe wirken kaum verändert und gerade das erzeugt schon nach den ersten Minuten ein typischen Heroes-Gefühl.

Ganz klar ist noch nicht, wie viele Spieler sich in der gleichen Spielwelt aufhalten werden, sagt Apreotesei. Die Treffen sollen aber überschaubar bleiben, auch weil einem eben nicht jeder andere Spieler wohl gesonnen ist und eine ständige Verwicklung in Kämpfe bei den meisten Online-Kriegern für Frust sorgen würde. Auch ob wir an verschiedenen Orten der Karte starten oder alle auf der Gefangeneninsel, ließ er offen.

Dass es aber zumindest andere Landschaften als die dunkle Feuerwüste des Nekromanten gibt, konnten wir sehen, als die Szenerie zu einem Himmelskrieger wechselt, der grünende Landschaften erforscht. Doch die andere Seite ist nie fern und während sich der Charakter immer weiter bewegt, erkennen wir oft Brücken, die scheinbar zur Gefängnisinsel führen.

Weil wir auf unseren Abenteuerreisen auch immer wieder auf Städte treffen werden, die gerade zu danach schreien, eingenommen zu werden, wird es allen Helden wieder möglich sein, Kreaturen aller Arten zu rekrutieren und damit die ultimative Armee aufzustellen. Viele Städte zu besitzen ist aber auch deshalb sinnvoll, weil jede sich auf die Bereitstellung anderer Ressourcen spezialisiert hat und damit wiederrum den Aufbau anderer Orte vereinfacht.

Eigentlich sind damit alle Zutaten in einem Topf, die man für eine tolle Zeit im Heroes-Universum benötigt. Wer sich allerdings nun darauf freut, erste eigene Level für Freunde und Unbekannte aus dem Internet zu basteln, den müssen wir erstmal enttäuschen. Zum Start des Spiels, den Doro Apreotesei noch nicht konkreter nennen wollte, wird es zunächst keinen Leveleditor geben. Das heißt aber nicht, dass er nicht noch kommen kann. "Die einzige Grenze ist der Himmel", hält der Creative Supervisor die Hoffnungen hoch.

Zweite Meinung

Viel gab es noch nicht von Might & Magic Heroes Online zu sehen, doch die Grafik und Kämpfe machen unmissverständlich klar, dass hier wieder ein richtiges Heroes auf uns wartet, das durch die Koop-Optionen eine völlig neue Tiefe erreichen könnte. Dennoch sollte man sich vorerst eine gewisse Restskepsis bewahren.

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