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Gears of War 3

Gears of War 3

Nachdem der zweite Teil hierzulande erst gar nicht veröffentlicht und dann auch noch indiziert wurde, kehrt die Serie wieder in die deutschen Regale zurück. Gears of War 3 erscheint in Deutschland. Eine gute Nachricht, eigentlich. Denn viele Fans witterten bereits jede Menge Kürzungen in Sachen Gewalt und allem anderen, was Spaß macht. Darum sei an dieser Stelle bereits gesagt: Gears of War 3 erscheint in Deutschland - und zwar ungekürzt.

HQ

Um Marcus Fenix herum liegt alles in Trümmern, die Sicht ist neblig. Er und seine Truppe werden auf dem Vorhof eines Anwesens angegriffen und neben ihm steht sein Vater, der hier eigentlich nichts verloren hat. Fenix kann sich nicht um ihn, sondern muss sich erst um die Gegner kümmern. Nachdem er jeden einzelnen vernichtet hat, dreht er sich um und sieht, wie sein Vater von herabstürzenden Trümmern begraben wird. Der theatralische Schrei folgt umgehend. In diesem Moment wacht Fenix auf.

Es ist eine dieser Cutscenes, wie es sie in Gears of War 3 zuhauf gibt. Es ist dem Spiel deutlich anzumerken, dass die Entwickler hier einen ganz großen Fokus auf die Charaktere und deren Gedankenwelt legen. Sehr beeindruckend für eine Reihe, die eigentlich für kompromisslose Action bekannt ist. In einem der Gameplay-Videos zieht Design-Director Cliff Bleszinski sogar den Vergleich zwischen sich und Fenix, da er selbst im Alter von 15 Jahren seinen Vater verloren habe. Möglicherweise wird hier sogar eine Menge persönliches verarbeitet. Hoffentlich findet das überhaupt Beachtung bei den Gamern.

Das fantastische an Gears of War 3 ist, dass es trotz des schlichten Aufbaus nie langweilig wird. Im Grunde macht unsere Einsatztruppe eine Gegnerwelle nach der anderen platt und zieht dann weiter, um das Spielchen zu wiederholen. Dass das so gut funktioniert, ist in erster Linie der tollen Präsentation und dem Drumherum zu verdanken. Die Charaktere reden unheimlich viel miteinander, machen lockere Sprüche und die vielen kurzen Zwischensequenzen treiben die Handlung voran.

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In der zweiten Hälfte des gespielten Abschnitts beispielsweise schlüpften wir in die Rolle des Soldaten Cole, Spitzname „Cole Train". Das ehemalige Sportleridol kehrt in seine Heimatstadt zurück, Ort seiner damaligen Wirkungsstätte, dem Thrashball-Stadion. Allein dieses Gefühl, plötzlich einen anderen Charakter zu übernehmen, wirkt sich positiv auf die Wahrnehmung des Spiels aus. Die Dialoge sind ganz andere und der Humor, der von Coles Rapper-Jargon ausgeht, ist ebenfalls eine begrüßenswerte Abwechslung.

Selbst beim Nebencharakter Cole haben es sich die Entwickler nicht nehmen lassen, ein wenig in seine Gefühlswelt einzutauchen. Allerdings auf sehr humorvolle Weise. Wie in Trance greift sich Cole in seinem Heimatstadion einen großen Sprengsatz und rennt einem Football-Spieler gleich durch die Gegnermassen auf dem Spielfeld. Wir können Cole an dieser Stelle nur begrenzt steuern. Sein Jubel nach der erfolgreichen Platzierung des Pakets wird jäh durch die Detonation der Bombe beendet. Doch natürlich übersteht Cole dies unbeschadet.

In Sachen Gameplay ist alles beim Alten geblieben. Noch spielt in den Schlachten die A-Taste die entscheidende Rolle. Mit ihr gehen wir in Deckung, springen von einer Deckung zur nächsten. Noch immer gehen wir bei zu viel Schaden zu Boden und müssen auf die Hilfe unserer Teamkameraden hoffen. Bei den Waffen gibt es einige Neuzugänge, wie den Retro-Lancer, mit dem wir Gegner aufspießen, oder die abgesägte Schrotflinte, die aus kurzer Distanz gleich mehrere Feinde pulverisiert. Neu ist, dass wir mit unseren Kameraden Waffen tauschen können.

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Ein Gameplay-Element, das es so in keinem anderen Spiel gibt, ist der Active Reload, im Grunde ein Mini-Spiel beim Munitionswechsel. Bei jedem Nachladen erscheint unter der Waffenanzeige ein kleiner Balken und ein wandernder Zeiger. Auf Höhe der Markierung muss die Nachladetaste wiederholt gedrückt werden. Wer die Markierung erwischt, freut sich über durchschlagskräftigere Munition im Gewehr. Wer sie verpasst, macht seine Waffe für einige Augenblicke unbrauchbar. Spätestens im Multiplayer Deathmatch ist dieses Feature unverzichtbar.

Neu dabei ist der Silverback, ein recht kleiner, aber dafür ziemlich mächtiger Mech, den wir ab und an finden. Im gehenden Modus ballert der Silverback mit einem Maschinengewehr, dessen Feuerkraft nur durch die eigene Überhitzung begrenzt wird. Auf Tastendruck wird der Mech zu einem Geschützturm und feuert mit Raketen auf die Feinde. Zu guter Letzt wäre da die Stampfattacke des Silverbacks, die kaum ein Gegner überlebt.

Leider wurde es gerade in den Gefechten mit dem Silverback manchmal etwas unübersichtlich. Einerseits, weil die kleineren, wuseligen Locust zu unseren Füßen praktisch aus unserem Sichtfeld verschwanden. Andererseits, weil uns gerade beim Zielen der dicke Arm des Mechs die Sicht versperrte. Das waren allerdings stets nur wenige ärgerliche Sekunden in langen, ansonsten tadellosen Phasen.

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Neu in Gears of War 3 ist, dass wir den Koop-Modus nun mit bis zu drei Kameraden bestreiten können. An den Spielmechaniken ändert sich dabei rein gar nichts, da es jedes Feature, wie das Tauschen von Waffen oder das Wiederbeleben bereits im Single-Player gibt. Nur ist eben hier die Spannung deutlich größer, wenn man darauf hofft, von einem seiner Mitstreiter gerettet zu werden oder wir uns selbst zu einem Freund durchkämpfen und hoffen, dass dieser in der Zwischenzeit nicht verblutet.

Auch wenn Rod Fergusson etwas anderes behauptet, im Großen und Ganzen macht Gears of War 3 einen weniger brutalen Eindruck als der Vorgänger. Zumindest war das in den spielbaren Levels der Preview-Version der Fall. Das lag in erster Linie daran, dass es in diesen Abschnitten gegen die eher weniger menschlich wirkenden Locust-Typen ging und deren Einzelteile nicht in einem so großen Maße herumlagen. Am fiesesten sahen noch unsere eigenen Tode aus. Blut gab es auf der gegnerischen Seite nicht zu sehen, jedenfalls kein rotes. Dafür wurde es schleimig.

In den gespielten Levels schossen regelmäßig riesige Tentakel aus dem Boden, aus denen unzählige Gegner schlüpften. Einige waren mit Waffen ausgerüstet, andere fuchtelten mit ihren riesigen Auswüchsen um sich. Andere wiederum warfen mit Schleimgranaten, die uns sofort zur Strecke bringen konnten. Sie alle hatten eins gemein. Sie alle platzten, wenn sie hinüber waren und verteilten ihr gelb-leuchtendes Inneres in der Umgebung. Das sah zwar immer recht harmlos aus, die Effekte an sich waren aber immer ein Hingucker. Dass Gears of War 3 allgemein unheimlich gut aussieht, sei hier nur mal am Rande erwähnt.

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Neben einem neuen Team-Deathmatch ist auch der Horde-Modus wieder dabei, der sich nun Horde 2.0 nennt. Ging es vorher nur darum, eine Gegnerwelle nach der anderen zu überstehen, ist nun eine ganze Menge Planung und Taktik gefragt. Dabei greift der Modus einige Elemente der zahlreichen Tower Defense-Spiele auf. Und auch hier benötigen wir erstmal für alles Geld. Um das zu bekommen, müssen wir nur eines tun: Gegner töten.

Ist das Konto ausreichend gefüllt, wird damit alles Denkbare gekauft, was uns bei der Verteidigung gegen die Locust-Horden hilft. Barrieren oder Selbstschussanlagen, die den Feinden auch in unserer Abwesenheit Schaden zufügen. Erhältlich sind auch vogelscheuchenartige Lockvögel, die die Aufmerksamkeit der Locust auf sich ziehen. Zu guter Letzt, aber dafür ganz weit oben auf der Wunschliste: der Silverback.

Selbstverständlich können wir auch ganz einfach Waffen und Munition kaufen. Deutlich spannender ist es jedoch, unsere bereits gekauften Items Stück für Stück aufzuleveln und ihnen immer neue Fähigkeiten zu verpassen. So wird aus unserem Lockvogel eine Sprengfalle oder aus der schlichten Stachelbarriere eine tödliche Laserschranke. Reparaturen an den Items gehen ebenfalls zu Lasten unseres Kontos.

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