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Enslaved: Odyssey to the West

Enslaved: Odyssey to the West

Pilgerreisen sind für Mönche nichts Ungewöhnliches. Wenn sie jedoch wie in Enslaved: Odyssey to the West von einem kampfstarken Affenkönig begleitet werden, erregt das viel Aufmerksamkeit. Kein Wunder, dass sich die Geschichte um den wandernden Klosterbruder und seinen treuen Begleiter in China großer Beliebtheit erfreut.

Die im 16. Jahrhundert vom Dichter Wu Cheng'en ersonnene Erzählung Reise nach Westen ist so populär, das beispielsweise die Dragon Ball-Serie darauf beruht. Und nun auch vom Entwickler Ninja Theory (Heavenly Sword) als Grundlage für sein Third-Person Action-Adventure Enslaved: Odyssey to the West herangezogen wird.

Die Briten transferieren das Setting jedoch aus dem antiken China in eine von heute 150 Jahre entfernte Zukunft, in der die Menschheit durch einen Krieg fast komplett ausgelöscht wurde. In dieser post-apokalyptischen Welt versuchen die letzten Überlebenden mysteriösen Sklavenschiffen zu entgehen, die Gefangene mit unbekanntem Ziel gen Westen verschleppen. Zwei Humanoiden gelingt zwar die Flucht, doch sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Auf der einen Seite, die technikaffine Trip, die sich zwar gerne als Hackerin betätigt, in der gefährlichen Wildnis aber völlig aufgeschmissen ist: Die Natur hat sich wie ein organischer Mantel über die Reste der Zivilisation gelegt, von der nur noch Ruinen geblieben sind.

Auf der anderen Seite: Monkey. Ein starker, athletischer Einzelgänger, der sich am liebsten mit seinem Kampfstab in Rambomanier durch seine Gegner pflügt, für Feinsinn jedoch nur wenig übrig hat. Er ist der ideale Geselle, um Trip in Sicherheit zu bringen - und daher bindet sie ihn mit einem Mindcontrol-Stirnband an sich und verbindet damit unzertrennbar ihre beiden Schicksale. Stirbt einer, stirbt auch der andere.

Diese Geschichte dient als Fundament für wichtige Spielmechaniken. Die beiden Protagonisten dürfen sich beispielsweise nicht weit voneinander entfernen, sie müssen als Team agieren, um erfolgreich zu sein. Sie müssen sich aufeinander verlassen können, doch bis sie einander vertrauen können, vergeht einige Zeit. Diese charakterlichen Entwicklungen werden in stimmungsvollen Zwischensequenzen erzählt, die zudem mit sehr hübschen Gesichtsanimationen, ausdrucksstarken Charakterzeichnungen (Trip bleibt etwa nach einer vorheriger Actionsequenz zunächst außer Atem) und superben Sprechern (zumindest in der englischen Originalfassung, die wir gespielt haben) aufwarten können. Wenn es jedoch ans Eingemachte geht, darf nur Monkey direkt gesteuert werden.

Enslaved: Odyssey to the West
Sehr hübsch, aber spielerisch eher schlicht: Die Kämpfe werden mit zwei, höchstens drei Tasten initiiert.

Er ist schließlich der Experte für Nahkämpfe. Er muss an die Front, wenn die kleine Gruppe alten aber höchst agilen Kampfrobotern begegnet. Mit seinem wirbelnden Kampfstab zerlegt er die gefährlichen Mechs im Handumdrehen - wenn er nah genug herankommt. Die linear aufgebauten Levels unterstützen die Gewaltenteilung des Paars vorbildlich. Trip unterstützt ihren persönlichen Bodyguard mit elektronischen Hilfsmitteln und lenkt beispielsweise Bots ab, bis sich Monkey dicht genug herangepirscht hat, um zuschlagen zu können. Der revanchiert sich, indem er seine Begleiterin über Hindernisse katapultiert oder sie bisweilen auch einfach huckepack ins Ziel befördert.

Der Spielablauf war in der vorliegenden Xbox 360-Fassung sehr eingängig, aber bisweilen auch zu einfach - wenn einem die noch etwas zu hakelige und unpräzise Steuerung nicht gerade einen Strich durch die Rechnung macht. Die Kämpfe werden mit zwei, höchstens drei Tasten initiiert - Grundschlag, harte Attacke und eine spezielle Angriffskombo genügen, um alle Angreifer locker in ihre Schranken zu weisen. Auf Buttonsmashing reagieren die Mechs zwar mit speziellen Abwehrhaltungen, doch wenn man es mit zwei oder mehr mechanisierten Feinden zu tun bekommt, bleiben alle bis auf einen seltsam passiv. Tameem Antoniades, Chef-Designer bei Ninja Theory, erklärt dies damit, dass "Gegner, die sich außerhalb des sichtbaren Bildschirmbereichs befinden, den Helden nicht attackieren. Das wäre unfair für den Spieler."

Als (zu) einfach erwiesen sich auch die Jump'n'Run-Passagen. Die Kletter-Parcours sind zwar aufwendig inszeniert, allerdings ist jedes einzelne Objekt, an dem man sich entlang hangelt, mit einem auffälligen Blinken aus der oft wunderhübschen, organischen Umgebung herausgehoben. Hier findet - sorry! - jeder Idiot den Weg nach Hause. Ein wenig anspruchsvoller dürfte es denn doch sein, auch wenn Entwickler Antoniades hierfür natürlich eine einleuchtende Erklärung parat hat: "Das Klettern soll nicht schwierig sein, die Herausforderung liegt in der Situation selbst und wie man schließlich einen Weg aus dem Schlamassel findet." Schön anzuschauen ist das Rumgezappel aber definitiv - alle Animationen butterweich animiert und basieren auf der Performance Capture-Technologie, mit der die Bewegungen eines gewissen Andy Serkis (der Gollum aus den Herr der Ringe-Filmen) auf Monkey übertragen wurden.

Enslaved: Odyssey to the West
Jedes einzelne Objekt, an dem man sich entlang hangelt, ist leider mit einem auffälligen Blinken aus der oft wunderhübschen Umgebung herausgehoben.

Antoniades betont zudem mehrfach, dass man bei der Entwicklung stark darum bemüht ist, sich an filmischen Erzählstrukturen und Produktionsprozessen zu orientieren. In den Zwischensequenzen stehen daher die Charaktere absolut im Mittelpunkt, für den Soundtrack und die Soundeffekte werden bekannte Musiker sowie Hollywood-Veteranen herangezogen. Das Pacing von Enslaved wirkt sehr dynamisch und abwechslungsreich. Statt mit Daueraction bombardiert zu werden, wandert das ungleiche Paar von einem Rätsel zu einem Scharmützel gegen fünf, sechs Mechs, bewältigt gemeinsam eine Kletterpassage, flieht vor einem überdimensionalen Gegner, umgeht Minen mit hilfreicher Technik, findet geheime Räume mit Flashback-Infos aus der Vergangenheit, sammelt Energiekugeln, um Monkeys defensive und offensive Fertigkeiten upzugraden und kloppt sich dann wieder ein bisschen.

Alles, was wir von Publisher Namco zu sehen und spielen bekamen, hinterließ einen guten bis sehr guten Eindruck. Überzeugend ist vor allem die Darstellung der Umwelt und der beiden Hauptcharaktere, alles wirkt organisch und natürlich, die Spielfiguren werden glaubhaft dargestellt und sind zudem sympathisch. Auch das Kampfsystem und die Klettereinlagen sind technisch weitestgehend einwandfrei umgesetzt, einzig die teils kinderleichten Jump'n'Run-Passagen und recht einfachen Actionsequenzen sorgen etwas. Hoffentlich wird das nicht zu anspruchslos!

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