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Elden Ring

Elden Ring - Entwicklerpräsentation Gamescom 2021

Bandai Namco führt uns in das Zwischenland, um uns dort mehr vom neu gewonnenen RPG-Fokus von FromSoftware zu zeigen.

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Den bisherigen Arbeiten von FromSoftware ist es gelungen, ein herausforderndes Kampfsystem mit dem aufregenden Gefühl des Erkundens zu kombinieren und so etwas viel Substanzielleres zu erreichen, als "schwierige Spiele" zu sein. In den viszeralen Gefechten entscheidet jeder Fehler über Leben und Tod, weshalb sich Siege manchmal so anfühlen, als hätte man das schier Unmögliche aus eigener Kraft geschafft. Angetrieben wird diese Motivationsspirale vom Entdeckerdrang, der im Zusammenspiel mit der Überraschung, die man beim Entdecken einer mystischen Welt (und ihrer Gefahren) verspürt, ein sehr einnehmendes Spielgefühl hervorbringt.

Diese beiden zentralen Aspekte möchte FromSoftware in ihrem neuen Spiel weiter ausbauen. Die prägnante Kampfmechanik, die man aus Dark Souls und Bloodborne kennt, wird mit taktischen Optionen erweitert, sodass die Spieler Gefahren auf unterschiedliche Art und Weise überwinden können. Elden Ring soll eine Erfahrung werden, die von eurer Spielweise maßgeblich beeinflusst wird und um das zu ermöglichen, wagt sich das Team auf unbekanntes Terrain. FromSoftware hat eine Rahmenhandlung und eine offene Welt geschaffen, die den Schwerpunkt des bekannten Spielgerüsts in Richtung eines Rollenspiels verschieben. Wie dieser Wandel gelingen soll, haben wir uns im Rahmen der Gamescom genauer ansehen dürfen.

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Wie man es von einem echten Souls-Spiel erwartet, ist die Rahmenhandlung auf dem ersten Blick vor allem interpretationsoffen: Das verblasste Licht der verlorenen Gnade leitet den Befleckten (das sind wir) durch das sogenannte Zwischenland. Dort finden wir die alten Halbgötter, die für die Zerstörung des Elden Ring verantwortlich sind. Gelingt es uns sie zu überwinden, werden wir wohl selbst zum Eldenfürsten. So lautet zumindest das Versprechen, mit dem wir von „jenseits des Nebels" an diesen Ort gelockt wurden. Die Grundlage dieser "komplexen, mehrschichtigen Narrative" entspringt der Feder von George RR Martin, der Miyazaki und seinem Team schon vor vielen Jahren die mythologische Basis von Elden Ring überließ. Laut dem PR-Sprecher Yasuhiro Kitao sei FromSoftware bei der Interpretation des Materials an keinerlei Beschränkungen geraten, sodass sie aus Martins Vorarbeit eine eigene Spielwelt formen konnten.

Kitao bestätigte uns im Gespräch, dass die Schicksale der NPCs im neuen Souls-Ableger klarer kommuniziert werden sollen, als es in der Vergangenheit der Fall war. Gleichzeitig möchte das Entwicklerstudio offenbar eine lose Rahmenhandlung erschaffen, die Spieler frei interpretieren können. Abhängig von eurer eigenen Herangehensweise und den Erfahrungen, die ihr im Verlauf des mindestens 30-stündigen Abenteuers gesammelt habt, sollen sich am Ende unterschiedliche Rückschlüsse für die übergeordnete Geschichte ziehen lassen. Den Entwicklern ist es nicht wichtig, dass euer Verständnis der Ereignisse am Ende mit dem übereinstimmt, was gemeinhin als Kanon gilt - es ist nämlich euer Abenteuer.

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Elden Ring soll in vielerlei Hinsicht größer sein als die vergangenen Spiele des Entwicklers. Damit wir uns im Zwischenland nicht verlieren, führt das Studio erstmals Hilfsmittel zur Navigation ein. Am oberen Bildschirmrand konnten wir einen Kompass erkennen und es gibt eine präzise Karte der Umgebung. Wir benötigen spezielle Kartenfragente, um unbekannte Regionen aufzudecken, doch sobald ihr diese gefunden habt, könnt ihr wie in The Legend of Zelda: Breath of the Wild gefährliche Monsternester, wichtige Ressourcen oder Schätze mit hilfreichen Markern hinterlegen, um die Orte später wiederzufinden.

Aus der Ferne konnten wir beispielsweise einen schlecht bewachten Konvoi erspähen, der lediglich von ein paar einfachen Wachsoldaten begleitet wurde. Sobald sich unsere Spielfigur dazu entschließt, sich dem Wagen zu nähern, stürmt plötzlich - sicher nicht ganz zufällig - ein Drache aus dem Himmel herab und eliminiert die Truppe für uns. Wenn wir der fliegenden Echse ihren frisch erbeuteten Drachenschatz nun streitig machen wollen, müssen wir natürlich zur Waffe greifen, aber vielleicht sollten wir doch lieber die Beine in die Hand nehmen und uns zurückziehen, um es später noch einmal zu versuchen.

Wir bereisen das Zwischenland auf dem Rücken eines Geisterrosses, das ihr jederzeit herbeirufen könnt (mit Ausnahme von Dungeons und Mehrspielersitzungen). Mit eurem vierbeinigen Begleiter seid ihr in der Lage, schnell und komfortabel durch die Welt zu reisen, das Tier befördert euch zum Beispiel in Windeseile auf hochragende Plateaus hinauf. Um Fallschaden braucht ihr euch übrigens keine Sorgen machen, das gibt es hier nicht. Vom Pferd aus werdet ihr in Elden Ring auch kämpfen können, sogar gegen andere, berittene Gegner.

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Von der Spielwelt haben wir bislang noch nicht viel gesehen, doch es ist klar, dass sich das Zwischenland aus verschiedenen Bereichen zusammensetzen wird. Wir konnten schneebedeckte Gipfel, unterschiedlich gefärbte Wälder, weite Prärien und einen nebelverhangenen Sumpf erspähen, der von großen Pilzen gesäumt wurde. Die primäre Aufgabe dieser Welt ist es, uns zu den verschiedenen „Legacy Dungeons" zu führen: Diese Abschnitte werden sich wie die Level aus Dark Souls und Co. anfühlen, auch weil sie von je einem Lord bewacht werden. Stormveil Castle - das Gebiet und dessen Boss kennen wir aus dem E3-2021-Trailer - wird eine dieser klassischeren Herausforderungen darstellen.

In diesem Level können wir uns entscheiden, ob wir den direkten Weg wählen und uns (während wir Gegner bekämpfen) von Ballisten abschießen lassen wollen, oder ob wir lieber einen Geheimpfad am Rande der Burg wählen. Laut FromSoftware erinnern diese Gebiete an das komplexe und vielschichtige Level-Design, für das das Studio bekannt ist. Diese Formel wurde in Elden Ring jedoch mit einer neuen Bewegungsoption erweitert, da wir nun, genau wie Wolf in Sekiro: Shadows Die Twice, selbstständig springen können. Das verändert einiges, auch weil die Gebiete darauf entsprechend ausgelegt seien, erklärte Kitao.

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Die vielfältigen taktischen Möglichkeiten unterscheiden Elden Ring am ehesten von den Souls-Spielen. Genau wie in den früheren Titeln des Entwicklers werdet ihr euren Helden wieder selbstständig gestalten können, um einen Nahkämpfer, einen Zauberer oder einen Bogenschützen hervorzubringen. In diesem Spiel wird man aber offenbar dazu ermutigt, alle spielerischen Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Sehen kann man das zum Beispiel bei den Weapon Arts, die nicht länger an eine feste Waffe gebunden zu sein scheinen, sondern sich an einem Checkpoint auswechseln lassen. Die Wahl zwischen Zaubern, Waffen und Fähigkeiten soll Elden Ring das Gefühl eines "guten, alten Rollenspiels" verleihen und das hat große Auswirkungen darauf, wie man die Herausforderungen dieses Abenteuer angehen kann.

Zur Verdeutlichung zeigte uns FromSoftware die Infiltration eines Camps. Bevor wir uns in das Lager begeben, wurde die Lage mit einem Fernglas sondiert, um eine geeignete Infiltrationsroute zum bewachten Schatz zu finden. Anschließend sind wir durch das hohe Gras geschlichen, haben eine Wache mit einem Schlafpfeil betäubt und diese anschließend mit einem Angriff eliminiert (ob es sich dabei um einen Deathblow handelt oder um einen Backstab, lässt sich nicht sagen). Wenig später kam es zum Kampf, da der Alarm ausgelöst wurde, woraufhin die Entwickler eine kleine Gruppe Geister heraufbeschwörten, welche die verbleibenden Soldaten beschäftigten. Viele dieser Elemente kennen wir bereits, doch das Zusammenspiel war in dieser Form in einem Soulsborne-Spiel vorher nicht denkbar.

Mithilfe von Stealth könnt ihr die direkte Konfrontation möglichst lange hinauszuzögern, aber die methodische Spielweise wird sich dadurch nicht vollständig umgehen lassen. Wenn ihr merkt, dass ihr nicht weiterkommt, solltet ihr nicht davor zurückschrecken, euch Hilfe zu holen - entweder in Form von NPC-Begleitern oder anderen, menschlichen Spielern. Ihr könnt an einem Steinmonument festlegen, welche Art von Beschwörung ihr durchführen wollt (sofern ihr die nötigen Statistiken aufweist). Eine NPC-Beschwörung werdet ihr pro Rast nur einmal durchführen können, also überlegt euch gut, welche Hilfe sich am besten für eine bestimmte Situation anbietet.

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Kommt ihr trotzdem nicht weiter, bleibt euch als letzte Möglichkeit immer noch das Koop-Spiel, das die Entwickler über die Jahre immer weiter ausgebaut haben. Bis zu zwei Verbündete können eurem Team beitreten, um mit euch das Zwischenland zu erobern, unterirdische Dungeons zu durchsuchen oder um euch im nächsten Bosskampf beizustehen. Genau wie in den anderen Ablegern steigen die Lebenspunkte eines Bossgegners, wenn sich mehr Spieler eurer Partie anschließen. Laut FromSoftware wurden die Beschränkungen des Online-Spiels drastisch gesenkt, sodass die Spieler diese Option nun viel einfacher ausprobieren können. Früher musste man seltene Verbrauchsgegenstände sammeln, um den eigenen Online-Status zu aktivieren, doch in Elden Ring soll das alles weit weniger anstrengend sein. Asynchrone Online-Elemente werden natürlich ebenfalls enthalten sein.

In mancherlei Hinsicht war die Gamescom-Präsentation von Elden Ring ein Augenöffner, allerdings bin ich noch nicht restlos überzeugt. Die Entwickler wollen ein Open-World-Rollenspiel schaffen, das ihr ikonisches Kampfsystem mit der vielfältigen Charakterentwicklung kombiniert, die schon lange ein Teil der Reihe ist. Die sogenannten Legacy-Dungeons werden der Erwartungshaltung vieler Spieler entsprechen, doch was ist mit dem Rest? Es ist ein anderer Anspruch, klar abgegrenzte Innen- und Außenbereiche zu erkunden, oder sich eine offene Welt zu erschließen. Ob es FromSoftware diesmal auch vor diesem Hintergrund wieder gelingt, in uns einen Entdeckerdrang zu wecken, das wird vermutlich einen großen Einfluss darauf haben, wie sehr wir das Spiel kommenden Januar genießen werden.

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