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Disney Universe

Disney Universe

Einmal vorstellen bitte: Es ist ein verschlafener Samstagmorgen, man liegt im Bett und schaltet sich durch die Fernsehkanäle - auf der Suche nach guter Unterhaltung.

Man bleibt auf den leuchtenden Farben einer Zeichentrickserie kleben, weil es einfach viel besser ist als die Küche aufzuräumen oder eine diese Menschen-wünschten-sie-hätten-Talent-Shows zu schauen. Die Erwartungen sind gering, aber schnell ist man bestens beschäftigt und unterhalten - dank einer guten Produktion, einer anständigen Story und ein paar Brocken subversiven Humors. Und ehrlich gesagt kocht etwas Schuld hoch, weil man erkennt, wie zynisch und alt man geworden ist, die aktuellen Cartoons einfach so abzutun.

Das exakt gleiche lässt sich über Disney Universe sagen.

Es ist leicht zu verstehen, warum nicht wenige vielleicht mitleidig auf die Screenshots und den Teaser-Trailer schauen und lächeln werden. Ein buntes Sortiment an Figuren aus der Disney-Welt in Kostümen, die sich ihren Weg durch eine Side-Scrolling-Welt bashen - das ist auf den ersten Blick nicht wirklich Fünf-Sterne-Entertainment. Denkt man so, aber es gab auch mal einen Tag, an dem TT Games ein Lego Star Wars angekündigt hatten...

Dieser Vergleich ist durchaus okay. Denn Disney Universe bietet die gleiche Art Vergnügen. Man stromert durch die weitläufigen Level, entdeckt Geheimnisse, löst Rätsel und haut spielerisch einem Freund auf den Hinterkopf, während er mit etwas anderem beschäftigt ist. Disney Universe ist trotzdem ein familienfreundliches Spiel. Ein Spiel, das sich so anfühlt, als sei es von Spielern für Spieler gemacht - und nicht, um Typen in Anzügen zufrieden zu stellen, die meinen ein Erfolgsmodell via Marktforschung erkannt haben. Echte Spieler wissen nämlich, dass Zocken mit Freunden auch heißt, ihnen ihre Münzen zu stehlen oder sie von der Plattformkante zu schubsen.

Disney Universe
Stitch und ein ziemlich bekannter Fisch, das sind zwei der Kostüme, die die Mitglieder der Blue Man Group tragen dürfen.

Die Vier-Spieler-Gruppe bestehend aus blauen Typen kann in über vierzig verschiedene Kostüme aus dem umfangreichen Disney-Pixar-Fundus schlüpfen. Interessant: Die meisten Figuren stammen aus diesem Jahrtausend - weit und breit keine Mauseohren oder Goofy-Schnauzen in Sicht. Dafür Helden aus Monster Inc., aus Lilo & Stitch und zwei Kostüme aus Tron und Alice im Wunderland.

Captain Jack Sparrow fehlt, vermutlich um nicht direkt mit den Lego-Spielen zu kollidieren. Ich frage nach der Integration von Marvel-Helden, immerhin hat Disney die Comic-Schmiede letztes Jahr gekauft. Als Dank dafür ernte ich einen leeren Blick und die Frage wird abgewiegelt. Sortieren wir mal unter "Im Auge behalten" ein - und dann startet die Zwei-Level-Session im Vier-Spieler-Multiplayer. Die Charaktere schreien zwar Little Big Planet, aber das Gameplay und das Leveldesign schmieden eher eine anständige Mischung aus den eingangs erwähnten Lego-Spielen und Castle Crashers - nur weniger kompliziert und mit mehr hinterlistigem Ärgern der Mitspieler.

Disney Universe ist in jeder Hinsicht ein Side-Scroller. Größere Gebiete mit diversen Plattformen werden mit engen Brücken vermischt, dazu etwas Kampf und mehrstufige Rätsel und das alles immer passend zum Thema des Levels. Im Wunderland zum Beispiel gibt es Uhren, um die Zeit zu verdrehen und so eingestürzte Brücken neu aufzubauen, während man sich Wellen von Feinden vom Hals halten muss. In der Monsters Inc.-Fabrik geht's eher um sauber ausgeführte Sprünge zwischen Plattformen, um nicht plötzlich in einer Falle zu landen und damit mitten in einer Schlägerei.

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Bis zu vier Spieler sind im Offline-Koop unterwegs - und sie dürfen sich gegenseitig hauen und beklauen.

Die Künstliche Intelligenz der Gegners richtet sich nach den eigenen Aktionen. Wer gut kämpft, hat schnell eine Barriere vor der Nase. Andere Feinde klauen sich einfach Puzzleteile und hauen ab. Das Kämpfen ist in der Wahllosknöpfedrücker-Ecke angesiedelt, aber es gibt ein paar zusätzliche Angriffe für diejenigen, die einen Hauch mehr Strategie und extravagante Ausführung versuchen wollen.

Wir dürfen Feinde greifen und uns mit ihnen drehen für eine Roundhouse-Attacke. Oder wir werfen sie in den endlosen Abgrund neben den Plattformen. Manche kann man auch einfach an die nächstgelegene Wand kloppen. Jedes Kostüm wird übrigens mit einem einzigartigen Satz von Waffen ausgerüstet - Gitarren, Äxte und so ein Zeug - die jeweils drei Upgrade-Stufen haben.

Es gibt auch komische Fahrzeuge in jeder Welt, obwohl ich nicht sicher bin, ob "Fahrzeug" die korrekte Umschreibung für einen Esel ist, der aussieht wie das uneheliche Kind eines Pinata und von Blu-Tack. Aber die Fortbewegungsmittel und die Upgrades sind Mangelware - in der Regel gibt's die einmal pro Level und nur einer kann sie haben. Kämpfe unter Freunden sind vorprogrammiert.

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Monsters Inc. und Lilo & Stitch als Kostüm - die Charaketere sind allesamt aus diesem Jahrtausend.

Diese Rangeleien gehören ohnehin zum Alltag in Disney Universe. Das Spiel ist gebaut worden, um den schmalen Grat zwischen Höflichkeit und Selbstsucht erfahrbar zu machen, der in aller Regel bei Dingen wie dem letzten Fischstäbchen oder dem letzten kalten Bier in gesellschaftlichen Kontexten unabwendbar ist. Nur das es hier Power-ups sind, Schatzkistenschlüssel, Maultiere oder goldige Mini-Spiele. Und Spieler neigen viel schneller zum Egoismus, wenn ihr virtueller Avatar die Freunde verhauen darf.

Die Minispiele sind über die Level verteilt und werden von Arcade-Automaten repräsentiert. Man kriegt einen kurzen Überblick über das Spiel (Bomben ausweichen für eine festgelegte Zeit, so viele Gegner erledigen wie möglich) und hat dann die Wahl zu spielen oder nicht. Wenn man spielt, kriegt man danach ein Scoreboard und der Gewinner wird gekürt. Das bricht den Flow des Spiels auf, ohne es zu unterbrechen.

Die Kamera zoomt heraus, je nachdem wie weit die vier Spieler voneinander entfernt agieren. Es ist wichtig im Kopf zu behalten, dass das Spiel nur mit einem Offline-Koop im Hinterkopf gebaut wird - weil das Zusammenspiel der Charakteren (und der realen Spieler auf dem Sofa) ein großer Teil der Erfahrung ist.

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