Das was hauptsächlich von Das Schwarze Auge blieb in Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten ist der mittelalterliche Stil. Es gibt keine Heldengruppe und im Grunde keine Rollenspiel-Elemente mehr. Dabei war das anfangs sogar anders geplant. Doch das Spiel wurde seit der Ankündigung im Jahr 2008 mehrmals einer Revision unterzogen. Es war anfangs zu brav, zu wenig abenteuerlustig und man wechselte zum Comicstil, der aber inzwischen deutlich realistischer und düsterer ausfällt. Verabschiedet wurde sich auch von Abenteuerpunkten, weil beispielsweise ein Talent zum Öffnen von Türen das Spiel nur unnötig gebremst hätte.
Stattdessen wurde mit Das Schwarze Auge-Autor Mark Wachholz intensiv an der Handlung gearbeitet. Der arbeitet seit 2003 am Universum, zeigte sich unter anderem auch für die Handlung von Das Schwarze Auge: Drakensang verantwortlich und ist derzeit nicht nur mit Daedalics Spiel beschäftigt, sondern auch mit der Storyentwicklung eines Das Schwarze Auge-Kinofilms betraut - ein Profi eben. Satinavs Ketten, wie der Untertitel inzwischen heißt, spielt in Andergast. Der kleine Ort in Aventurien ist etwas verschlafen und abgeschnitten von den schwerwiegenden Ereignissen im Rest der Welt. Daedalic will einen freundlichen Einstieg und erst später ins Düstere abdriften.

Die Welt ist wunderschön mittelalterlich aus, ist fantastisch illustriert und es gibt viele Animationen.
Was aber auf jeden Fall fantastisch aussieht, sind die handgezeichneten Hintergründe und die fabelhaften Animationen - alles im angesprochenen mittelalterlichen Stil. Andergast wirkt lebendig. Wahrhaftig, so muss man sich ein traditionelles Rollenspiel vorstellen. Dazu gibt es Zwischensequenzen in der Machart eines Holzschnitts und jede Menge Nahaufnahmen, in denen Dialoge geführt werden, auch wenn die im Moment noch ein wenig hölzern wirken. Auf den Soundtrack können wir uns auch schon freuen. Daniel Pharos wird den komponieren und was er kann, hat er bereits bei A New Beginning gezeigt. Das Adventure bot einen wirklich fantastischen Soundtrack, der sogar ohne das Spiel hervorragend funktionierte.
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Ein winziges Rollenspiel-Element ist übrigens noch geblieben, es gibt zwei Zauber im Spiel. Unser Hauptcharakter Geron beherrscht nämlich die Macht Gegenstände kaputt zu machen. Geron selbst ist allerdings nur ein Magie-Dilettant und hat auch lange gebraucht, bis er mit seinen Fähigkeiten umgehen konnte. Er gilt seit seiner Kindheit als Unglücksbringer, weil in seiner Nähe immer Gegenstände kaputt gegangen sind. Außerdem lernt Geron kurz nach der ersten umfangreichen Quest die Fee Nuri kennen. Um sie spinnt sich die ganze Handlung und sie beherrscht einen weiteren wichtigen Zauber, denn sie kann Dinge reparieren. Diese beiden Zauber in Kombination werden zu einem wichtigen Rätselelement. Manchen Gegenstand müssen wir vielleicht erst zerstören, um ihn besitzen zu können.
Mehr Zauber wollte Daedalic nicht einbringen, weil sie überflüssig gewesen wären. Sowie auch die Talente passen eben solche Fähigkeiten im großen Umfang nicht zu einem Adventure, in dem es hauptsächlich darum geht, eine Geschichte zu erzählen. Umgekehrt natürlich dürfen wir nicht vergessen, das es sich immer noch um Das Schwarze Auge handelt - und da nützt es auch nichts, dass der Erzähler ein bisschen die Funktion des Spielleiters bei Rollenspielen übernehmen soll - es bleibt eine andere Erfahrung. Außerdem machen die vielen Animationen den Entwicklern im Moment noch zu schaffen. Das Spiel soll natürlich auch auf älteren Rechnern laufen und das natürlich fehlerfrei. Viel läuft aber eben im Hintergrund und da ist noch ein bisschen Arbeit bis zur Veröffentlichung im März nötig.
Zweite Meinung
Daedalic will eine Mischung aus Adventure und Rollenspiel und auch wenn spielerisch nur noch das Adventure geblieben ist, so soll das Gefühl für den Ursprung trotzdem bleiben. Das man sich deswegen viel belesen hat und auch mit Das Schwarze Auge-Spielern beraten hat, um ihre andere Sicht auf das Universum zu verstehen, hilft auch Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten. Die glaubwürdige Darstellung der Welt ist da zum Beispiel ein wichtiges Pfund. Wer die Orte und die Figuren kennt, der will sie im Spiel natürlich auch wiedererkennen. Und hier ist Daedalic offenbar auf einem guten Weg. Ihr Adventure zumindest wirkt episch und könnte interessante Bereicherung für beide Welten sein.