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Call of Duty: Modern Warfare 2

Call of Duty: Modern Warfare 2

Gamereactor hat Infinity Ward in Los Angeles einen Besuch abgestattet, um deren (pardon) supermegaheißes Call of Duty: Modern Warfare 2 auszuchecken. Jetzt berichten wir über alles, was jeder wissen muss - und noch über ein bisschen mehr...

  • Jonas Mäki

Boom. Alles wird weiß und ich sehe die beiden mit einem Turban bekleideten Gegner, auf die ich gerade an einer riesigen Öl-Pipeline gestoßen bin, nicht mehr. Es scheint jedoch so, als ob es den beiden genauso geht und aus irgendeinem rätselhaften Grund lebe ich immer noch. Ich habe jetzt nur ein paar Sekunden Zeit und teile meinen Kameraden mit, dass sich vor mir zwei Tangos, zwei Gegner befinden sowie deren exakte Lokalisierung. Nach und nach kehrt die Sicht zurück. Zunächst sehe ich zwar noch alles doppelt, aber so langsam taucht die afghanische Wüste wieder auf. Auch mein Feind mit dem karierten Turban versucht sich nach der Flash-Granate, die uns erwischt hat, wieder zurechtzufinden. Dann zuckt er plötzlich zusammen und in der nächsten Sekunde fällt sein Kumpel ebenfalls zu Boden.

"Tango down" erschallt es mit breitem, US- amerikanischen Akzent in meinem Headset. Und dann noch: "Yiehaw". Ich schaue vom Fernseher hoch und sehe einen Typen aus meinem Team, der zwei Stühle weiter weg sitzt, mit Zeige- und Mittelfinger das Victory-Zeichen machen. Ich habe überlebt. Nur wo ist jetzt diese verdammte Flagge, denke ich und zocke weiter. Bei Activision im Wohnzimmer, direkt in Los Angeles. Call of Duty: Modern Warfare 2, der Mehrspielermodus wird erstmals gezeigt. Aber nun spulen wir erstmal eine Stunde zurück zur Präsentation, die vor diesen tödlichen Kämpfen abgehalten wurde.

Wir wissen ja alle, wie ein Nachfolger auszusehen hat: Größer, besser und fetter. Eben so wie der Gears of War-Produzent Cliff Bleszinski den Nachfolger seiner Blockbusters charakterisierte: „Bigger, better and more badass". Genau so aber wollten die Entwickler von Infinity Ward Modern Warfare 2 nicht machen. Stattdessen wurde all das rausgeschmissen, was im ersten Teil schon so wahnsinnig gut war. Reset. Sie wollten von vorne anfachen. Und das, obwohl es sich um das beliebteste Onlinespiel der letzten Jahre handelte. Die Idee dahinter: Es soll ein ganz anderes Spielerlebnis entstehen. Das Konzept soll weiterentwickelt werden, ohne all das auszuschlachten, was bereits absolute Spitze ist.

Große Worte. Aber bereits während meines ersten Matches wird klar, dass die Entwickler nicht nur so dahergeschwätzt haben. Es gibt einige radikale Änderungen, die alles, was wir aus militärischen Egoshootern gewöhnt sind, über den Haufen werfen - und zwar ohne, dass sich dies irgendwie komisch anfühlt. Ein ausgezeichnetes Beispiel dafür ist der Glasfaserschild, mit dem wir uns nun anstelle einer Waffe ausrüsten können. Mit dem Schild in der Hand kann dann natürlich nicht mehr geschossen werden. Nein, wir müssen ihn einfach als das benutzen, was er ist, als Schild.

Punkte bekommen wir nun dafür, dass sich der Feuerwechsel auf uns konzentriert und wir Schüsse kassieren. Hier gilt um so mehr, eine sehr gute Absprache mit den anderen im Team zu haben, so dass sie den Schildträger sozusagen als bewegliche Wand nutzen können. Das ist absolut perfekt, wenn es bei starkem Beschuss trotzdem vorwärts gehen soll. Wer selbst schießen will, muss den Schild auf dem Rücken tragen, das bietet dann guten Schutz von hinten. Der Nachteil ist jedoch, dass wir mit dem Schild auf dem Rücken nur eine weitere Waffe tragen dürfen. Prioritäten setzen ist angesagt.

Meine erste Session spielt im Level Highrise. Dies ist ein Bürokomplex auf den Dächern einiger Wolkenkratzer. Das Wort Demolieren hat hier eine ganz neue Bedeutung bekommen. Mal bin ich darüber erstaunt, wie unwirklich schön das Ganze ist, mal darüber, wie unglaublich schnell sich Modern Warfare 2 spielt. Und manchmal finde ich es unglaublich, wie schnell aus dem Spiel ein US-amerikanischer Militärporno wird. Die Einstellmöglichkeiten sind kurz vor unmenschlich und die ganzen neuen Perks werfen radikal alles über den Haufen, was ich über Call of Duty wusste. Großer Favorit ist die Möglichkeit, anderen die Klassen zu klauen. Macht uns ein bestimmter Spieler das Leben zur Hölle, begleichen wir um so leichter offene, alte Rechnungen.

Call of Duty: Modern Warfare 2 spielt sich absolut sauber. Präsentiert wird die Xbox 360-Version, aber Infinity Ward verspricht, dass die anderen Versionen gleichwertig gut werden. Nichts ist von irgendwelchen Performanceverlusten zu sehen, obwohl der Titel so unbegreiflich hübsch ist, wie es nur mit flinken 60 Bildern pro Sekunde zu realisieren ist. Überall kracht es, Sachen explodieren und die ganze Zeit brüllen Hobbyoffiziere irgendwelche Befehle, weil sie schnell Hilfe haben wollen, wenn sie auf den Feind treffen. Krieg ist nie schön, aber im Fall von Call of Duty: Modern Warfare 2 lasse ich mich ganz und gar von all dem verschlingen, was auf dem Bildschirm passiert. Ich kann nicht anders, als die wahnsinnige Berg- und Talbahn, die jedes Level verspricht, einfach nur genießen.

Auch wenn Infinity Ward nur drei Level zeigte, wage ich die These, dass auch das Leveldesign einen gründlichen Sprung nach vorne gemacht hat. Klar, Titel wie Killzone 2, Gears of War 2 und Resistance 2 haben online Spaß gemacht. Aber ich war immer der Ansicht, dass sie ganz einfach nicht das beste Leveldesign hatten. Das führte dazu, dass stattdessen Titel wie Counter-Strike und Halo 3 zu persönlichen Dauerbrennern wurden. Diese Rüge kassiert allerdings auch Call of Duty 4: Modern Warfare. Es hat sich nie ganz perfekt angefühlt, sondern eher so, als ob die Level nach dem Zufallsprinzip angeordnet wurden.

Das ist jetzt gar nicht mehr so. Im brasilianischen Level Favela befinden wir uns in einer dicht bebauten Bretterbudenstadt mit Hinterhöfen und Spielplätzen mit genau ausreichend viel oder wenig Überblick. Nirgends wartet ein Gefühl der Sicherheit. Egal wo ich mich platziere, um dem Feind aufzulauern, gibt es immer drei, vier Wege, auf denen wir selbst zur Zielscheibe werden, ohne dass man es kommen sehen könnte. Das macht es natürlich nur noch wichtiger, tatsächlich als Gruppe zu spielen und einander Deckung zu geben.

Eine der wichtigsten Neuerungen ist, wie oben bereits erwähnt, die stark erweiterten Möglichkeit, alles genau so einzustellen, wie es gewünscht ist. Ein gutes Beispiel dafür ist, dass als Zweitwaffe nicht mehr nur eine jämmerlich kleine Knarre verfügbar ist. Nein, jetzt kann diese Waffe frei definiert werden, und ein Heckenschütze muss im Nahkampf nun nicht mehr ungefährliches Lamm sein, sondern kann sich - wenn er will - mit einer Hagelschrotknarre ausrüsten.

Und nicht nur das. Scharfschützengewehre und sogar Schrotflinten können mit Schalldämpfern ausgerüstet werden. Dies macht natürlich die Scharfschützen noch sehr viel gefährlicher, als sie es ohnehin sind. Dies ist übrigens eine meiner großen Befürchtungen für Call of Duty: Modern Warfare 2. Mal ehrlich, wie soll das ausbalanciert werden? Es könnte wirklich unausgewogen werden, wenn wir im Spiel herumlaufen und lautlosen Kugeln zum Opfer fallen, deren Ursprung unmöglich lokalisierter ist. Und falls es doch gelingen sollte, wartet dort ein Kämpfer, der mit einer Schrotflinte ausgerüstet ist.

Beruhigenderweise sagte Infinity Ward dazu, dass sie mit dem Ausbalancieren noch nicht ganz fertig seien. Und mit dem schnelleren Tempo sowie der Möglichkeit, selbst auszuwählen welche Killstreak-Boni man als Belohnung für treffsicheres Spielen haben will, wird das vielleicht doch kein Problem. Außerdem scheint man ein wenig in Richtung Halo 3 sowie zu den Gegenständen geschaut zu haben, die Bungie hinzugefügt haben. Bei Modern Warfare 2 gibt es nun ein ähnliches System, in dem Granaten nun gegen etwas anderes ausgetauscht werden können. Zum Beispiel gegen ein Wurfmesser, zum Beispiel. Tödlich und garantiert lautlos.

Zu den Wahlmöglichkeiten gehört auch, dass wir ein eigenes Gamertag für Call of Duty: Modern Warfare 2 designen dürfen. Warum nicht mit einem hübsch camouflierten Hintergrund, Rangabzeichen oder aber etwa Erkennungsmarken oder so. Eine Funktion, die einem vielleicht unbedeutend vorkommen mag, die aber sicher unverschämt beliebt werden wird.

Mehr Auswahl bedeutet auch, dass die wirklich ultimative Klasse angreifbare Nähe rückt. Wir können für jede einzelne Schlacht genau die Art von Krieger sein, die wir bevorzugen. Das wird mit Sicherheit beliebter als je zuvor werden. Es gibt jetzt zudem mehr Faktoren, die zu berücksichtigen sind, so dass es richtig schwierig ist, keine fiese Schwachstelle zu haben - egal, wie gut sich jemand dabei anstellt. Am besten ist es, eine paar Freunde zu haben, die man kennt und mit denen man einen eigenen Clan aufbaut (dafür gibt es übrigens auch sehr gute Unterstützung) und dann zu versuchen, sich auf jede Art von Aufeinandertreffen einzustellen.

Auch wenn es vielleicht übertrieben wäre davon zu sprechen, dass Call of Duty: Modern Warfare 2 das Multiplayerspiel online revolutioniert, bleibt trotzdem spontan das Gefühl, dass hier ein neuer Standard gesetzt wird. Eine Messlatte, an der sich alle kommenden Spiele eine gute Weile zu messen haben werden. Das Spiel ist furchtbar gut gemacht, durchdacht, verdammt hübsch, krass und ausgefeilt. Es ist vollgepackt mit Inhalt und ganz neuen Funktionen, so dass es ohne Zweifel genau so erfolgreich werden wird wie sein Vorgänger. Ein Spiel, das auch nach zwei Jahren immer noch eines der beliebtesten Online-Actionspiele ist.

So, nun wieder vorgespult zurück in den Kampf. Mein Team und ich haben die Flagge dann tatsächlich abgeliefert. Der Flaggenträger wird mustergültig sehr deutlich mit einem "Protect"-Schild gekennzeichnet. Gesehen, getan. Alles drohte jedoch noch ein böses Ende zu nehmen, als die Gegner zu einem Hubschrauberangriff ansetzten. Jemand in unserer Gruppe begriff dies jedoch schnell und schoss den Hubschrauber mit einer Rakete ab, bevor dieser den jähen Tod auf uns herabregnen lassen konnte.

Dies führte dazu, dass das Gesicht des Infinity-Ward-Typen schräg hinter mir erstrahlte, er zeigte auf den Bildschirm und sagte zu mir: „Das ist eine der Neuheiten in Call of Duty: Modern Warfare 2, man kann alles kontern." Danach wurde die Flagge sicher abgeliefert und ich war so aufgedreht, dass ich erstmal Erfrischungen holen musste. Der Multiplayer in Call of Duty: Modern Warfare 2 ist eine Klasse für sich und es spielt keine Rolle, wie viele Tangos im November meinen Weg kreuzen werden, ich werde sie alle niederkämpfen, in diesem Spiel, dass man einfach nicht verpassen darf.

Call of Duty: Modern Warfare 2
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