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Assassin's Creed III

Assassin's Creed III

Ezio ist Vergangenheit. Also im Grunde war er das ja die ganze Zeit, aber egal. Jetzt wird jedenfalls der Halb-Indianer Connor in den Animus geladen und legt sich mit den Briten an. Skeptische Fans können beruhigt sein. Denn Assassin's Creed III steckt seine Vorgänger locker in die Tasche. Ganz locker.

Das völlig geänderte Setting sorgte bei den ersten Ankündigungen noch für reichlich Polarisation unter den Fans. Verständlich bei einem solch großen Schritt. Auch ich hatte anfangs Bedenken, doch spätestens seit ich Assassin's Creed III gespielt habe, weiß ich gar nicht mehr, warum eigentlich. Zu keinem Zeitpunkt weicht das eigentliche Spielgefühl extrem von dem der Vorgänger ab. Und soviel sei schon mal am Anfang gesagt: Die Verlagerung in das neue Setting ist bestens gelungen.

Die größte Neuerung im Gameplay ist, dass Connor stets mit zwei Waffen ausgerüstet ist. Da wir diese beliebig kombinieren können, ergeben sich unheimlich viele Wege, den Kampf zu gestalten. Besonders empfehlenswert ist eine Kombination aus der Fern- und Nahkampfwaffe, beispielsweise einer Pistole und dem Tomahawk, Connors indianischer Streitaxt.

So können wir zwischen einigen Schlägen einen gezielten Schuss abfeuern und haben ohne großen Aufwand einen Gegner weniger zu bewältigen. Wer Angst davor hat, dass die tollen Nahkämpfe zum bloßen Geballer verkommen, darf beruhigt sein. Die Pistolen brauchen eine gefühlte Ewigkeit zum Nachladen, wozu tatsächlich erst nach einem Kampf wieder Zeit ist.

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Was bereits in den ersten Sekunden im Spiel auffällt, ist das völlig überarbeitete Bewegungssystem.

Eine besonders coole Waffe ist der an ein Seil geknüpfte Wurfpfeil. Lauern wir einem Gegner aus einer höheren Position auf, können wir ihn mit dem Wurfpfeil hinterrücks angreifen und auf sehr fiese Art und Weise erhängen. Das geht von einem Ast im Baum genauso wie von einem Schornstein aus. Sieht immer beeindruckend aus, erzeugt aber eine Menge Aufmerksamkeit. Wer klug ist, weiß auch das zu seinem Vorteil zu nutzen. Wer seine Feinde ganz unauffällig umlegen will, greift zu Pfeil und Bogen und dem sehr effektiven Giftpfeil.

Was bereits in den ersten Sekunden im Spiel auffällt, ist das völlig überarbeitete Bewegungssystem. Laufen und Klettern funktioniert nun so gut, dass es sich gar nicht mehr so anfühlt, als würden wir tatsächlich Hindernisse überwinden. Ob Connor Menschen ausweicht, über Tische springt oder sich von Ast zu Ast hangelt - die Bewegungen fühlen sich fließend an, so dass einen bereits sehr früh dieses angenehm mächtige Gefühl erfüllt, Herr über die gesamten Umgebung zu sein. Bis auf einige kleine Bugs gab es keine Wände, an denen Connor nicht irgendwie nach oben gekommen wäre.

Wirklich erstaunlich ist, dass Assassin's Creed III sich im Wald nicht großartig anders anfühlt als in der Stadt. Der größte Unterschied ist noch, dass wir uns zwischen den Bäumen deutlich freier bewegen. An Bäumen klettern wir zwar wie gewohnt empor, doch wie wir uns von einem Baum zum nächsten kommen, ist wirklich fantastisch gemacht. Manchmal hat man zwar das Gefühl, eine eingebaute Route oder ähnliches erwischt zu haben. Anders jedenfalls lässt sich nicht erklären, warum das so gut funktioniert.

Assassin's Creed III
Das Untertauchen in der Masse geht nun auch in kleineren oder loseren Gruppen.

Neben der Bewegungsfreiheit bietet der Wald auch eine sehr authentisch wirkende Tierwelt. Immer wieder entdecken wir Hasen und Rehe, auch angriffslustige Wolfsrudel kreuzen regelmäßig unseren Weg. In der Umgebung weckt das unweigerlich angenehme Erinnerungen an Red Dead Redemption.

Das Stealth-System in Assassin's Creed III funktioniert im Grunde wie bisher, nur hat es ein umfassendes Update bekommen. Das Untertauchen in der Masse geht nun auch in kleineren oder loseren Gruppen. Auf Plätzen oder Märkten können wir uns dadurch wunderbar frei bewegen, ohne entdeckt zu werden. Oder wir gesellen uns einfach zu ein paar Zivilisten, die sich natürlich auch nichts anmerken lassen. Läuft dann einer der Rotröcke an uns vorbei, verüben wir aus dieser Deckung heraus ganz leicht ein Attentat. Wie leicht uns die Gegner übersehen, ist zwar vielleicht nicht immer ganz realistisch, dafür aber sehr überzeugend umgesetzt.

Eher zufällig entdeckt ich während der Flucht ein völlig neues Feature. Als Connor eine Hauswand hochklettere, taucht plötzlich vor ihm ein offenes Fenster auf. Connor wuchtet sich darauf in das Zimmer, wirft sich über den Tisch und springt aus dem gegenüberliegenden Fenster. Auf diesem Wege schaffen wir innerhalb kürzester Zeit einen großen Abstand zwischen uns und unseren Verfolgern.

Die Optik von Assassin's Creed III macht einen außergewöhnlich großen Schritt nach vorne. Dafür sorgen nicht nur die sehr überzeugenden Animationen und Mimiken oder der sehr hohe Detailgrad. Es ist vor allem der deutlich reifere Stil der Darstellung. Mit diesem Teil scheint die Reihe ein gutes Stück erwachsener und ernster zu werden, auch wenn der Humor nicht ganz weg ist.

An einem rein technischen Aspekt komme ich in dieser Hinsicht doch nicht vorbei: die Weitsicht. Es gibt wirklich selten Spiele, die einen dazu bringen, den Ausblick zu genießen. Doch als ich in Boston den Kirchturm besteige, muss ich für einige Zeit den virtuellen Blick schweifen lassen. Unter mir die Stadt, zur Linken das offene Meer und zur Rechten Wälder und Berge. Obendrauf ein paar schicke Licht und Wettereffekte. Einfach nur schön.

Assassin's Creed III
Bereits die vorherigen Teile der Reihe zeigten mustergültige Beispiele für belebte Städte - und das ist jetzt noch besser gelöst.

Bereits die vorherigen Teile der Reihe zeigten mustergültige Beispiele für belebte Städte. Assassin's Creed III schafft es, noch eine Schippe draufzulegen. Dafür sorgen nicht nur die Menschenmassen, die sich durch die Straßen bewegen. Zwischen den Menschen laufen Hunde, Schweine und Hühner umher und irgendwie scheint jeder etwas zu tun haben, ob er nun gerade arbeitet oder einfach in einem Gespräch vertieft ist. Es steckt viel mehr Bewegung und viel mehr Leben in der Stadt. Und davon profitiert auch Connor.

Die Heuwagen, die uns seit jeher als Versteck dienen, werden nun durch die Stadt gefahren. Das sorgt nicht nur für Abwechslung in Fluchtsituationen, wir können die Wagen auch nutzen, um uns unentdeckt fortzubewegen. Da wir dazu nichts weiter machen müssen, als auf den Wagen zu springen, ist das die mit Abstand entspannteste Methode. Darüber hinaus können wir Wachen in den Heuhaufen ziehen und ausschalten, wenn wir an ihnen vorbeifahren.

Gänzlich neu in Assassin's Creed III sind die Seeschlachten. Hier stehen wir nicht nur am Steuerrad, wir kümmern uns auch darum, andere Schiffe zu versenken. Dazu müssen wir nur das Schiff entsprechend ausrichten und zur richtigen Zeit den Befehl an unsere Kanoniere geben. Im Grunde fühlt sich das ganze wie ein kleines Mini-Game an. Eines, das man auch getrost hätte weglassen können. Doch es bleibt abzuwarten, wie sich diese Schlachten im fertigen Spiel machen. Sollten sie auf angebrachte Weise in die Story eingebunden werden, dürften sie sich weniger fremd anfühlen.

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Durch das Handeln und das Aussenden von Lieferungen ergeben sich zudem ganz neue Missionen.

Ich persönlich bin sehr gespannt darauf, als wie brauchbar sich das Handelssystem herausstellen wird. Neben dem einfachen Kaufen und Verkaufen stellen wir nun auch unsere eigenen Waren her. Für jeden Produktionsschritt wird neben den Rohstoffen auch die geeignete Fachkraft benötigt. Wer Holz hat, stellt mit Hilfe eines Böttchers Fäßer her. Einen Schritt weiter liegt dann die Produktion von Bier. Das verdiente Geld investieren wir zum Beispiel in verbesserte Waffen oder Upgrades für unser Schiff wie Brandgeschosse oder Rammsporne.

Durch das Handeln und das Aussenden von Lieferungen ergeben sich zudem ganz neue Missionen. Werden die Kutschen überfallen, müssen wir rettend eingreifen. Überlassen wir die Lieferung ihrem Schicksal, geht unser investiertes Geld verloren.

Die Erinnerungen an die Vorschau-Version wird von einem Wort dominiert: Fluss. Spielfluss um genau zu sein. Wie sich Connor durch das Szenario bewegt, ist einfach unheimlich beeindruckend. Die Spielwelt fühlt sich deutlich dynamischer, lebendiger und einfach echter an. Sie strahlt vor dem Hintergrund des Widerstandes und des Unabhängigkeitskriegs etwas sehr episches aus. Dazu kommt die extrem gut gelungene Inszenierung, die jedem Spielmoment, ob nun beim Kämpfen oder Klettern, die passende Würze verleiht. Was hier an Kamerafahrten und -einstellungen geboten wird, hat kaum ein Action-Film besser gemacht.

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