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Ace Combat: Joint Assault

Die Ace Combat-Reihe wird auf der PSP fortgesetzt. Mit Joint Assault schickt uns Namco Bandai in den modernen Anti-Terror-Krieg. Der Flugsimulator ist grafisch kein Überflieger - aber seine Geschichte ist toll.
Volker Zepperitz 18 August 2010

Früher war alles besser. Da haben Terroristen noch geklaute Raketen aus Wüstenzelten abgefeuert. Einer technisch weit überlegenen Luftwaffe hatten sie nie besonders viel entgegen zu setzen. Einmal mit dem Jagdgeschwader drüber geflogen, Präzisionsrakete drauf und der Spuk war vorbei. Das Militär sprach vom "sauberen Luftkrieg".

Heutzutage ist alles anders und unübersichtlicher geworden. Da tauchen Terroristen plötzlich aus dem Nichts in ihren eigenen Riesen-Fluggeräten mit Superkanone an Bord am Himmel auf und schicken sich an, eine Millionenmetropole im Handumdrehen in Schutt und Asche zu legen. Der Abwehrjäger ist ganz verblüfft von derart viel Technik in bösen Händen - und hat alle Hände voll zu tun, die diabolischen Pläne der Terroristen zu vereiteln. Wir sprechen natürlich nicht von der Wirklichkeit - wir sprechen über Videospiele. Genauer: über Ace Combat: Joint Assault.

Nach Ace Combat X: Skies of Deception ist das der zweite Teil der Ace Combat-Reihe exklusiv für die PSP. In den Vorankündigungen für das Spiel, das am 24. September erscheint, verspricht der Entwickler Project Aces eine völlig überarbeitete Grafik und ein aufregendes Gameplay. Wir haben die Einzelspieler-Kampagne ausprobiert und halten fest: Es sind eher die Geschichte hinter den Luftkämpfen und die Schauplätze, die Ace Combat: Joint Assault spannend machen.

Das Game startet mit einem Tutorial über den Midway-Inseln nordwestlich von Hawaii. Ich habe als Pilot bei einem privaten Sicherheitsunternehmen, Martinez Security, angeheuert und soll hier meinem neuen Arbeitgeber und den Kollegen zum ersten Mal zeigen, was ich draufhabe. Die Übungsmission reicht aus, um mich mit der Steuerung vertraut zu machen: Steuern über den Analogstick, Schub geben und verringern über die Schultertasten, Feuern und Waffenwechsel über die Aktionstasten. Geschwindigkeit und Flughöhe werden im Display angezeigt, drohen Strömungsabriss oder Bodenberührung, warnt das Display. Alles ganz einfach. Der F-4E Phantom II-Bomber, in dem ich zu Anfang sitze, liegt schon nach wenigen Minuten geschmeidig in der Luft.

Das Tutorial über den Midway-Inseln hilft, sich an die Steuerung zu gewöhnen. Schon nach wenigen Minuten liegt der Kampfjet geschmeidig in der Luft.

Da fallen unbekannte Angreifer auch schon in den Luftraum über Tokio ein und beginnen, die Stadt zu bombardieren. Feindliche Kampf-Jets und Bodentruppen flankieren dabei ein unbekanntes Flugobjekt, das Ähnlichkeit mit Entwürfen des US-Militärs für Tarnkappenbomber aus den Sechziger Jahren hat. Nur viel größer. Das Schlimme an diesem Riesenvogel ist, dass er eine verheerende Superkanone an Bord hat. Unser Geschwader wird nach Japan beordert. Ziel: Die Superkanone funktionsunfähig schießen, solange sie sich noch auflädt. Und dabei die Terroristen abschießen oder vertreiben.

Wo fängt man da nur an? Der Simulator lässt einem vor jeder Mission die Wahl des ersten Angriffspunktes. Während man sich zum Beispiel zuerst mit den Panzern am Boden beschäftigt, dringen die Luftangreifer weiter ungestört vor - oder umgekehrt. Das sorgt zusammen mit dem Countdown für Stress und erhöhte Pulsfrequenz, so soll es sein. Das Missionsziel ist freilich immer zu schaffen, egal an welcher Stelle das Abwehrgefecht startet.

Das PSP-Display zeigt Radar, Munitionsvorrat, Geschwindigkeit, Flughöhe und und und - bleibt aber trotzdem immer überschaubar.

Die Verteilung der Terroristen am Boden und in der Luft wird auf dem Radar angezeigt, zusätzlich zeigt ein Pfeil im Display die Richtung an, in der sich der nächste zu beschießende Gegner befindet. Freund und Feind sind farblich voneinander zu unterscheiden. Ist man in Schussweite, loggt die eigene Zielerfassung selbstständig ein, man muss eigentlich nur noch feuern. Feindliche Jets sind nach ein bis zwei Raketenvolltreffern zerstört, für das Hauptziel braucht es mehr Geduld: Der Antrieb des Riesenbombers regeneriert sich mehrmals, und der behäbig wirkende Vogel zeigt plötzlich auch ungeahnt flinke Flugeigenschaften.

Ansonsten hält sich das versprochene, aufregende Gameplay zunächst in engen Grenzen. Bis der Terroristenboss plötzlich eine neue Strategie entwickelt: Per Funk versucht er, die Geschwader-Kollegen zum Überlaufen zu animieren - und die gehen darauf auch noch ein! An der Stelle wird Ace Combat: Joint Assault kurz mal realpolitisch und zeigt anschaulich, wo die Schwächen von Privatarmeen liegen. Moderne Söldner kämpfen eben immer auf der Seite, die besser bezahlt. Ich selbst bleibe natürlich moralisch sauber auf der Seite der Guten, keine Frage.

Belohnt wird diese Integrität mit Einsätzen über den schönsten touristischen Zielen auf diesem Erdball. Nach Tokio geht es nahtlos weiter nach Ägypten, Arabien, an die Adria, später folgen Paris, San Francisco. Da wünscht man sich fast, man könnte zwischendurch mal schnell eine Ansichtskarte an die Daheimgebliebenen schicken, die machen sich ja bestimmt auch Sorgen. Optisch sind die Schauplätze der Realität nachempfunden, die herausragenden Merkmale der Orte sind erkennbar - sei es der Eiffelturm oder die Pyramiden. Manche Textur wirkt aus der Luft jedoch ein wenig matschig.

Die Terroristen haben ihre Basis im Schatten der Pyramiden aufgeschlagen - die Schauplätze der Kampagne würden jeder Weltreise zur Ehre gereichen.

In Ägypten hat sich die Terrororganisation, die mittlerweile zwar kein Gesicht, aber einen Namen - Valahia - bekommen hat, in Ruinen unweit der Pyramiden verschanzt. Die Kampagne wird von Mission zu Mission merklich anspruchsvoller. Waren es in Tokio noch leicht zu erfassende Ziele überwiegend in der Luft, muss man in Ägypten schon darauf achten, dass man die Bodenziele aus der richtigen Richtung anfliegt, da sie sonst hinter Mauern verschanzt nicht anvisiert werden können. In späteren Leveldesigns eskortiere ich zum Beispiel einen Hubschrauber, der Geiseln befreien soll, oder lege mich mit U-Booten an, die einen Seeschlag ausführen.

Mit dem Schwierigkeitsgrad der Missionen wächst auch der Fuhrpark im Hangar: Von meinem Sold kaufe ich nach jeder erfolgreichen Mission neue Jets und Waffen sowie Sonderausstattung, mit der ich meine Flieger zusätzlich pimpe. Etwa 40 verschiedenen Fluggeräte stehen zur Verfügung und haben natürlich unterschiedliche Flugeigenschaften, manche eignen sich nur für Luft-Luft-Angriffe. Das Spiel warnt bei einer anstehenden Luft-Boden-Mission, dass das ausgewählte Flugzeug oder die Raketen an Bord nicht geeignet sind. Mit der Auswahl an Triebwerken, Flügeln, Panzerungen und Cockpits entsteht mit zunehmender Spieldauer ein riesiger Pool an Möglichkeiten, die Konfiguration für jeden Einsatz perfekt zu machen.

Da manche Waffen nach der Mission vom Sold abgezogen werden, lohnt sich ein effizienter Einsatz im Kampf. Wer auch noch konsequent dem gegnerischen Beschuss ausweicht, spart zudem Reparaturkosten.

Da werden die Pariser aber gucken: Kampf-Jets über dem Eiffelturm kennen die sonst nur am Nationalfeiertag mit blau-weiß-rotem Abgasstreifen.

Vor den einzelnen Missionen wird das Geschwader vom Kommandanten anschaulich gebrieft. Die Einsatzbesprechungen zeigen außer Karten gerne auch Nachrichtenclips, die belegen, dass der Gegner ein Schurke ist. So habe ich das beruhigende Gefühl, zu wissen, wen ich hier warum abschießen soll. Ob man als Abfangjäger in der Realität wohl auch so viel Hintergrundinformation von seinem Vorgesetzten bekommt? Jedenfalls sind die Briefings kurz und knackig, sie verbinden die einzelnen Missionen logisch miteinander und formen so eine Abfolge von Luftkämpfen an verschiedenen Enden der Welt zu einer schlüssigen Geschichte.

Bei den Stimm-Aufnahmen haben sich Project Aces richtig Mühe gegeben. Es kommt tatsächlich immer die gewünschte Emotion aus dem Bordfunk an: Wenn die Zeit rennt, weil die Terroristen ihren nächsten Angriff schon gestartet haben, hört man das dem Kommandanten auch an. Wenn ein anderer Pilot aus dem Geschwader im Luftkampf in Bedrängnis ist, ebenso. Die Sprachausgabe ist englisch, aber deutsche Untertitel werden am Bildschirmrand eingeblendet.

Ein paar akustische Klischees dürfen natürlich nicht fehlen: Der Valahia-Boss, der in der Tokio-Mission höchstpersönlich über Funk meine Kollegen abgeworben hat, klingt genauso, wie man sich in James Bond-Filmen der ausgehenden Achtziger Jahre einen Bösewicht vorstellte: russischer Akzent, raue Stimme, dreckige Lache. Die Flügelmänner des eigenen Geschwaders klingen eher, als wären sie direkt aus Top Gun rübergeflogen. Die Kommunikation besteht überwiegend aus Macho-Zoten und gegenseitigem Anfeuern nach dem Motto: Wer hat hier den Längsten? Aber das gehört ja auch irgendwie dazu, oder?

Der Soundteppich, der nicht von den Kollegen, sondern vom eigenen Jet, von Raketen oder Explosionen kommt, klingt alles in allem sehr satt und realistisch.

Grafisch ist Ace Combat: Joint Assault kein Überflieger, aber äußerst solide. Seine Trümpfe liegen eher in der Story, dem Sound und - vielleicht - auch im Multiplayer.

Die reduzierten Möglichkeiten der PSP im Vergleich zur PS3 schwächen den Simulator nicht: Das Display ist zwar vollgepackt, aber immer übersichtlich. Die Steuerung ist präzise und intuitiv, die Menüs sind nach Eingewöhnung durchaus zu gebrauchen.

Insgesamt wirkt die Einzelspieler-Kampagne sehr solide. Seinen wahren Trumpf könnte Ace Combat: Joint Assault aber mit mehreren realen Piloten ausspielen - irgendwas muss der Name ja bedeuten. Die Kampagne zu viert durchzuspielen, oder via Internet gegen andere Piloten anzutreten, dürfte zu Nervenkitzel-Gefechten führen, der die Künstliche Intelligenz nicht gewachsen ist. Wer allein in seinem Cockpit sitzt, kann nur den Schwierigkeitsgrad hochschrauben, wenn er sich unterfordert fühlt.

Zweite Meinung

Wie sich Mehrspieler und Koop des Simulators anfühlen, erfahren wir erst Ende September - aber die Voraussetzungen sind gut! Wenn Project Aces jetzt noch ein wenig an der Grafik justiert, kann der Simulator ein gelungener Luftkampf für die PSP werden.

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