Skip to main content
Gamereactor Vorschauen Metro: Last Light
Vorschauen

Metro: Last Light

Die Menschheit erlebt nach einem Atomkrieg ihre schwerste Stunde. Sind wir der Held, der Licht ins russische Dunkle bringen kann?
Martin Eiser Aktualisiert 4 April 2013

Nach Hause. Eigentlich will Artjom einfach nur nach Hause. Nach einem verheerenden Atomkrieg liegt die Welt in Schutt und Asche. Die Oberfläche ist unbewohnbar geworden, überall treiben gefährliche Monster ihr Unwesen. In Moskau haben einige Überlebende im Untergrund Zuflucht gesucht und bewohnen nun das riesige Metronetz der einstigen Zehn-Millionen-Stadt. Es gibt darunter junge Menschen, die wurden hier unten geboren. Sie haben oft noch nie die Oberfläche gesehen, kennen keine normalen Tiere und Pflanzen. Und trotzdem versuchen die Menschen, das Beste daraus zu machen und kämpfen um jeden Tag, den sie leben können.

Im neuen Spiel nach dem Roman von Dmitri Alexejewitsch Gluchovski verändert sich der Fokus etwas. Inzwischen geht es nicht mehr einfach nur um das Überleben. Längst scheint klar, dass von den mutierten Menschen mit telepathischen Fähigkeiten gar nicht die größte Bedrohung ausgeht. Denn selbst in dieser schweren Stunde können die Verbliebenen nicht zusammenstehen, sondern kämpfen gegeneinander. Ein Krieg steht bevor und alle Parteien wollen sich die beste Ausgangssituation verschaffen. Die Rote Linie wandelt auf dem Pfad des Kommunismus. Außerdem gibt es noch die nationalistische Gruppierung Das Vierte Reich.

Auf unserem Weg zurück nach Hause treffen wir auf Pawel. Er hilft uns und wir landen im Bolschoi Theater. Es ist eine größere Station der Metro, in der unter anderem die überlebenden Schauspieler noch regelmäßig Aufführungen geben. 4A Games ist es tatsächlich wieder gelungen, eine fantastische Atmosphäre zu erzeugen. Es ist nur schwer möglich, einfach durch die Station zu hasten. Zu viele interessante Gespräche schnappen wir auf, zu besonders sind die Eindrücke. Das Elend der Menschen ist perfekt eingefangen und berührt. Und immer spüren wir auch diesen Unterton, der die ganz grundsätzliche Frage nach dem Leben stellt. Einerseits ist es zu kostbar, es einfach wegzuwerfen. Auf der anderen Seite ist das Leben hier unten furchtbar unmenschlich.

Die Menschen leben in der Metro, während nach dem Atomkrieg an der Oberfläche gefährliche Kreaturen hausen.

Leider können wir nicht wie geplant weiterreisen. Die Kommunisten nehmen uns gefangen, foltern uns. Gleichzeitig schwärmen sie uns aber von ihrem System vor. Die Gleichheit sei der Ausweg und Ordnung der richtige Weg aus dem Chaos. Allerdings ist ohne Zweifel erkennbar, dass trotz der blumigen Worte manche eben doch gleicher sind als andere. Es ist wie so oft: Eine gute Idee bedeutet noch lange kein gutes Ergebnis. "Ohne Blut gibt es keine Macht", heißt es. In diesem Fall will die Rote Linie unbedingt an die Weltuntergangsmaschine im Bunker D6 und dafür wird versucht, aus uns Passwörter und Codenamen herauszubekommen - mit Drogen und Gewalt.

Wir können allerdings fliehen. Wissend, dass wir der Roten Linie sicher noch öfter begegnen werden, machen uns wieder auf unseren Weg aus der Station heraus. Und wieder haben wir unterwegs so viele Möglichkeiten, der Handlung nebenbei zu folgen, Gespräche zu belauschen oder andere Charaktere zu beobachten. 4A Games erzeugt eine unglaubliche Dichte, gibt uns das Gefühl, wirklich dabei zu sein. Soldaten sprechen davon, dass bald eine Wachablösung eintrifft, andere plaudern gar über wichtige Details, um zu begreifen, was hier eigentlich vor sich geht und welcher der Bösewichte wirklich gefährlich ist.

Doch allein dabei hört es nicht auf. Wegen der verseuchten Luft sind wir gezwungen, eine Gasmaske zu tragen. Diese benötigt Filter, die ständig erneuert werden müssen. Es kann im Gefecht außerdem dazu kommen, dass die Maske beschädigt wird und wir sie erneuern müssen. In jedem Fall aber sollten wir regelmäßig mit der Hand darüber wischen, um die Sicht wieder klarer zu machen. Noch immer ist die Munition aus der Zeit vor dem Unglück das wertvollste Gut und damit Währung - etwa, um neue Waffen zu kaufen oder bestehende zu verbessern. Es gilt also zu entscheiden, ob wir nach dem Aufbrauchen der konventionellen Kugeln auf unser Zahlungsmittel umsteigen.

Wir bewegen uns durch dunkle, lange Tunnelsysteme und begegnen dabei lange auch keinem einzigen Menschen - die leben in den Stationen.

Der Entwickler aus der Ukraine hat ein wirklich fabelhaftes Konzept zu Grunde gelegt und versucht ganz ähnlich wie die Kollegen von CD Projekt in Polen viele Möglichkeiten zu lassen. Natürlich bleibt Metro: Last Light beschränkt auf den engen Raum im Untergrund, aber es ist erstaunlich, wie viele Varianten und Wege selbst hier bestehen. Erst im Nachgang fiel mir in einem Raum auf, dass unter dem Boden noch Schächte sind, durch deren Gitter sich hätten die Feinde auch bequem ausschalten lassen können. Leider war es aber auch genau jener Raum, in dem die Probleme mit der Künstlichen Intelligenz zu Tage getreten sind.

Erst im Mai soll Metro: Last Light erscheinen, ursprünglich war es aber bei THQ für März geplant. Man muss also davon ausgehen, das die sehr umfangreiche, spielbare Demo ein ziemlich fertiges Spiel zeigt. Gegner, die aber viel zu stumpf reagieren und einen nicht aus der Reserve locken, sind ein Ärgernis. Im besagten Raum konnte ich bequem von einem erhöhten Punkt einen Soldaten nach dem anderen ausschalten. Hier oben war es dunkel, sie sahen mich nur kaum. Und selbst wenn sie mich dann entdeckt hatten, musste ich nur kurz warten, bis sie wieder ihrer üblichen Wege nachgingen.

Mit etwas Geduld also war das ein Kinderspiel. Die Schwierigkeit dieser Passage lag eher in der Masse und der Stärke der Gegner, nicht aber in ihrer Intelligenz. Wenn aber ein Spiel so sehr versucht, eine authentische Atmosphäre zu erzeugen, dann fallen solche Schnitzer sehr stark ins Gewicht. Etwas später, kurz bevor ich in den eigentlichen Metro-Tunnel gelange, tauchen wieder vier Feinde auf, von denen zwei so stark gepanzert sind, dass eine direkte Konfrontation haarig wäre. Durch die Dummheit der Soldaten ist es aber möglich, mich einfach an die Seite des schmalen Torrahmens zu stellen und zu warten, bis sie vorbeigezogen sind - in einem Abstand von nicht einmal einem halben Meter.

Die mutierten Spinnen und Skorpione sind ziemlich gruselig, aber zum Glück auch sehr empfindlich gegen Licht.

Wenn wir dann draußen im Tunnel sind, fahren wir mit einem selbstgebastelten Schienenfahrzeug über das Metronetz, das sehr an eine aufgemotzte Draisine erinnert. Die Wesen hier sind sehr an die Dunkelheit gewöhnt, weshalb das Gefährt mit Licht geschmückt ist wie ein Weihnachtsbaum. Die mit Spinnennetzen überzogenen Tunnel sehen gruselig aus, was dort kreucht und fleucht, wollen wir eigentlich gar nicht genau wissen. Aber natürlich ist irgendwann ausgerechnet das Tor vor uns blockiert und muss repariert werden...

Metro: Last Light hat seinen Titel aus ganz unterschiedlichen Gründen bekommen. Zum einen sind wir das letzte Licht, dass in dieser dunklen Stunde für Hoffnung sorgt. Hier unten aber lernen wir, dass auch unser Licht seine Grenzen hat. Abseits des schützenden Fahrzeugs sind wir auf unsere Taschenlampe angewiesen. Die allerdings macht irgendwann auch schlapp und muss aufgeladen werden. Wenn dann riesenhafte Spinnen und Skorpione aus ihrem Unterschlupf kommen, werden wir durchaus ein bisschen panisch - zumal unsere Waffen sie nur geringfügig zu kratzen scheinen.

Es sind so großartige Momente, in denen wir uns vorsichtig vorarbeiten, uns ständig umdrehen, weil von überall her Geräusche kommen zu scheinen. Und blenden wir diese Mutanten, verschwinden sie so schnell sie können in irgendeinem Tunnel - nur um bei der nächsten Gelegenheit wieder vor uns zu stehen, uns im schlimmsten Fall sogar anzuspringen. Und der Moment, in dem man registriert, dass gern auch an der Decke gelauert wird, ist großartig. Der Munitionsverbrauch steigt und irgendwann hocken wir dann nur noch in der Ecke mit der Taschenlampe und hoffen, dass uns das mickrige, letzte Licht rettet.

Zweite Meinung

Es sind so viele Dinge, die an Metro: Last Light gut funktionieren und die Erfahrung bereichern. Die Atmosphäre ist erstklassig und an der Optik ist zu erkennen, dass dieser Titel durchaus auch für die kommende Generation tauglich wäre. Wahrscheinlich ist vieles keine große Überraschung mehr, aber es ist schön zu sehen, dass auch der Nachfolger noch dieselben Stärken aufweist. Schade nur, dass die Künstliche Intelligenz noch so schwach ist. Sollte hier bis zur Veröffentlichung nicht nachgebessert werden, wird sie die Erfahrung des Trios aus Action, Horror und Adventure leider merklich trüben.

Vollständiges Profil 13.607 veröffentlichte Artikel
Warum Gamereactor vertrauen
23 Ausgaben Jede mit eigener Redaktion und eigenen Wertungen.
1998 Erscheint seit Durchgehend unabhängig geführt.
100% Selbst gespielt Geschrieben aus Zeit mit dem Spiel, nie aus Pressematerial.
1–10 Netzwerk-Wertung Die Wertung jeder Ausgabe, gemittelt und ausgewiesen.