Ein Koop-Shooter also. Er hat die entsprechenden Mechanik für das Genre am Start: Ein Drei-Mann-Team, das wir mit Befehlen steuern dürfen, dazu ein modernes Cover-System. Das Setting spielt in einer nahen Zukunft, zeichnet moderne Kriegsführung nach auf einem stylischen Schlachtfeld in einem von Sandstürmen verwüsteten Dubai. Es zeigt ein schwitzendes Squad, wir erleben realistisch proportionierte Soldaten und Klischees. Da ist der Joker, der ruhige Realist und wir, der Kommandant mit einem Mund voll patriotischer Phrasen über Loyalität und was alles nötig ist, um den Job zu erledigen.
Das Job ist, grob umrissen, eine umfangreiche Aufklärungs- und Rettungsmaßnahmen des 33. Regiments, das einfach verschwunden ist. Vielleicht sind die in Dubai nur durchgedreht, vielleicht übergelaufen zum Feind? Die genaue Situation wird nur angedeutet, durch Zeitungsausschnitte am Spielstart. Eine Spur gibt es: einen Mann namens Conrad. Ein Kriegsheld, ein Veteran und ein Idol von Walker, dem Mann, den wir spielen.
Er scheint zudem ziemlich im Arsch zu sein. Und Walker ist es offenbar auch.

Der Tod ist zudem kein schneller im Spiel. Stöhnen und Flehen rasseln einem ständig in den Ohren.
Wir dürfen heute einige Kapitel der Kampagne spielen. Die Entwickler überspringen dabei große Teile, geben uns so aber ein besseres Verständnis von dem, was Yager zu erreichen versucht. Es soll etwas sein, das weder Call of Duty, Battlefield oder Medal of Honor bisher gelungen ist. Spec Ops: The Line soll eine Geschichte erzählen, die die Auswirkungen des Krieges auf die Menschen an der Front darstellt.
Der Handlungsbogen, der Look und die Charaktere im Spiel orientieren sich deshalb vor allem an Antikriegs-Filmen wie Heart of Darkness und Apocalypse Now. Das Spiel zeigt die Grausamkeiten des Krieges. Eine Menge von dem, was wir sehen, ist spürbar unangenehm, in einer Weise, dass es viel länger im Bauch und im Verstand rumort als die schnelle Action der Konkurrenz. Allein der Anfang. Wir starten in den Dünen außerhalb der Stadt und versuchen, eine Hinrichtung durch lokale Milizen zu verhindern. Natürlich erfolglos. Schon bald laufen wir durch Gruben voller Leichen und sehen von Masten herunterhängende Körper.
Der Tod ist zudem kein schneller im Spiel. Stöhnen und Flehen rasseln einem ständig in den Ohren. Wer die Feinde erschießt, erlebt das Gegenteil gesichtsloser Computergegner. Sie werden kriechen und ihre Bäuche umklammern - und es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis sie draufgehen. Kopftreffer werden mit einer dramatischen Kill-Cam belohnt. Und wer die Schrotflinte zur Verteidigung nutzt, wird zucken. Sicher.

Spec Ops: The Line serviert richtig coole Momente, vor allem rund um die riesigen Sanddünen.
Unsere Zeit mit Spec Ops: The Line liefert zwei Szenen, die alles überstrahlten. Über eine davon dürfen wir reden. Es gibt eine Reihe von US-Aktivisten und anderen Kräften, die innerhalb der zerstörten Stadt arbeiten. Nicht selten ist es verwirrend, wer wer ist und mit wem konkurriert oder nicht. Wir sind nicht sicher, ob das absichtlich so konzipiert ist oder einfach ein Nebeneffekt des Schnelldurchlaufs durch die Geschichte. Aber es gibt da eine Szene, die die schreckliche Realität hinter dem Begriff "Friendly Fire" sichtbar macht.
Wir fallen in ein dunkles, unterirdisches Lager ein, das offensichtlich von den Einheimischen nach dem großen Sandsturm benutzt wurde. Lichtpunkte wabern durch die löchrigen Decken, die das Camp teilen. Wir treffen auf einen schwer bewaffneten Gegner. Er ist ein US-Soldat. Sofort kommt das "Friendly Fire" - und zwar von beiden Seiten. Wir müssten nun den Abzug selbst nicht die ganze Zeit drücken. Aber wir werden beschossen. Wir haben keine andere Wahl, aber die Tatsache, dass es einem die Gesichtszüge verzieht, deutet an, dass Yager etwas richtig macht. Als sich der Staub des Gefechts legt, ist man nicht sicher, wer genau hier gerade was getan hat.
Als wir weiter gehen, tönt aus Funktürmen und Lautsprechern das wirre Geschwafel eines Verrückten. Er teilt die von ihm verantworteten Folterungen mit einem Publikum von Hunderten. Die Worte bahnen sich ihren Weg unter unsere Haut.

Der psychologische Schaden bei unseren Kameraden wird langsam sichtbar. Kurze Zeit später müssen wir entscheiden: Sollen wir einen Zivilisten vor dem Tod retten oder lieber einen CIA-Agenten mit wichtigen Informationen für unsere Mission. Machogelaber und bissige Einzeiler werden von Blut und Schmutz weggewaschen. Wir beginnen, die wirklichen Menschen unter der Uniform zu sehen.
Wir selbst sind natürlich auch nicht unantastbar. Die Szene, die unsere Spielzeit beendet, inszeniert einen Angriff, brutal und alptraumhaft. Und sie zeigt, dass Walker Probleme hat, dass jede seiner Entscheidungen irgendetwas viel schlimmer macht. Die rot gefärbten Sanddünen, aus denen heraus dunkle Gestalten kriechen, sind immer noch ins geistigen Auge eingebrannt.
Spec Ops: The Line serviert richtig coole Momente, vor allem rund um die riesigen Sanddünen, die sich in Häusern vorgearbeitet haben und notdürftige Barrieren liefern. Eine Flut von Kugeln zersplittert Fenster, bis es zu einem Erdrutsch kommt und sich eine Sandlawine auf die Angreifer ergießt. Der Kampf und die Kämpfer verstummen. Umherwirbelnder Sand verdeckt die Sicht, verschluckt die Feinde. Allerdings wird eigene Grinsen einfrieren, wenn man erkennt und mit anhören muss, wie die Gegner unter den eigenen Füßen ersticken.
Und das Spiel hat außerdem einige Probleme. Die vielversprechende Charakterstudie ist um einen ziemlich konventionellen Koop-Team-Shooter gestrickt. Die Spielmechanik ist oberflächlich, der Schritt zwischen Stealth-Passagen und dem Räumen offener Bereichen wiederholt sich immer wieder und mit wenig Abweichung. Wir wissen derzeit einfach nicht, wie sich das alles über die gesamte Kampagne darstellen wird.
Zweite Meinung
Für den Moment schätzen wir die Ausführung der Geschichte, die verstörende Art und Weise der Erzählung. Es ist ein umstrittenes Spiel, aber aus den richtigen Gründen. Es ist mutig. Es ist eine ernsthafte und kontroverse Attacke auf eine weitgehend akzeptierte Form des Tötens zur Unterhaltung. Der Krieg schlägt zurück.