Skip to main content
Gamereactor Vorschauen Yakuza 4
Vorschauen

Yakuza 4

Yakuza 4 ist ein Spiel über die japanische Mafia und Segas Antwort auf den Erfolg von Grand Theft Auto. In Japan ist das Spiel als Ryu Ga Gotoku 4: Densetsu o Tsugumono bereits seit…
Martin Eiser 15 Februar 2011

In Yakuza 4 gibt es nicht nur einen Hauptcharakter, sondern gleich vier. Jeder wird in einem eigenen Teil des Spiels vorgestellt und erzählt in mehreren Kapiteln eine eigene Geschichte. Mit dabei sind Kazuma Kiryu, der bisherige Held der Serie und inzwischen legendärer Yakuza-Chef. Dazu kommen Masayoshi Tanimura, ein korrupter Polizist, der Gefängnisflüchtling und Killer Taiga Saejima sowie Shin Akiyama, ein einstiger Obdachloser und mittlerweile ziemlich eigenwilliger Kredithai.

Mit Akiyama beginnt die Handlung, seine Geschichte hören wir zuerst. Nach und nach erfahren wir von den Ereignissen in Kamurocho, dem fiktionalen Rotlicht-Bezirk mit seinen dunklen Gestalten, Nachtclubs und belebten Straßen. Am Ende wird sich alles zuspitzen und in einen einzigen Handlungsstrang münden, denn alle vier Charaktere sind miteinander verwoben und betrachten die Sache aus vier unterschiedlichen Blickwinkeln. Und wenn jede davon so eindrucksvoll ist wie die von Shun Akiyama, erwartet uns ein wahres Fest.

Der seltsame Kreditgeber betrachtet sich als die Lebensader in dem ansonsten rauen Stadtteil. Er vergleicht Kamurocho mit einem Dschungel voller kleiner und großer Tiere. Alle sind sie ausgerechnet in diesen Stadtteil gekommen, weil sie einen Traum haben, den sie nie aufgeben wollen. Sky Finance heißt sein Unternehmen, das Menschen ohne Rücklagen und Sicherheiten einen Kredit gewährt und das zinslos. Allerdings knüpft er an den Kredit ganz besondere Bedingungen, die von Interessent zu Interessent variieren. Es kann bedeuten, den alten Menschen im Bezirk zu helfen oder Müll zu sammeln, aber auch viel weiter gehen. Die meisten der Menschen, die einmal von seinen Diensten Gebrauch gemacht haben, würden es nicht wieder tun. Und doch gibt es eine gewisse Form von Dankbarkeit, die sie ihm entgegenbringen. Eintreiben muss er das Geld aber trotzdem und seine Mitarbeiterin Hanna, eine pummelige, aber offensichtlich schlagfertige kleine Frau, tritt ihm deswegen immer wieder auf die Füße.

Von den Dächern von Kamurocho kann nun ebenfalls die Aussicht genossen werden - und wilde Verfolgungsjagden abgehalten werden.

Sky Finance ist übrigens nicht sein einziges Standbein. Er ist Inhaber eines Hostessen-Clubs, bei dem er ab und zu auch aushilft und Mädchen aufhübscht, sie "trainiert". Die Hostessen-Bar wurde aus Yakuza 3 noch entfernt, jetzt sind alle Features mit dabei. Ein bisschen Verständnis müssen wir an dieser Stelle natürlich für die Japaner aufbringen, denn aus westlicher Sicht wirkt das ganze Geschäft wie ein heruntergespielter Puff, ein Bordell im Schonwaschgang. Doch diese Form der Unterhaltung - gegen Bezahlung einfach nur mit einer fremden Frau auszugehen, sich mit ihr zu treffen, ohne dabei Geschlechtsverkehr zu haben - ist in Japan tatsächlich nichts Abwegiges. Es ist ein spannender Einblick in eine Welt, die offen und liberal scheint und zugleich prüde und verklemmt wirkt.

Nebenaufgaben wie diese sind übrigens eine feine Sache, die den Alltag in Kamurocho angenehm gestalten. Jeder Charakter hat neben den normalen Missionen im Stadtteil spezielle eigene. Und der Aufbau einer Hostess ist beispielsweise die besondere Aufgabe für Akiyama. Zwischendurch darf er in einer Nebenaufgabe aber auch Frauen ansprechen, um sie für seinen Club anzuwerben. Oder einem treuen Kunden helfen, Frauen zu erobern. Oder einer Hostess Tipps geben, wie sie die Kundenbindung intensivieren kann. Jede große und kleine Aufgabe ist dabei angenehm unaufdringlich in das Spiel integriert und im Grunde kann jeder selbst entscheiden, wie viel er davon mitnehmen möchte oder nicht. Verpassen will man aber keine, denn einige sind in gewisser Form sogar richtig lehrreich und erzählen viel von der japanischen Mentalität. Für Freunde des Landes eine großartige Sache.

Man darf natürlich nicht vergessen, dass es sich bei der Yakuza um die japanische Mafia handelt. Und deren Mitglieder sind nicht zimperlich. In den arena-artigen Kämpfen auf der Straße spritzt viel Blut und unser Charakter lernt mit jedem neuen Level neue brutale Attacken. Wir nutzen die Umgebung, schlagen mit Schildern oder Fahrrädern auf Angreifer ein und bringen sie mit noch krasseren Finishern zur Strecke. Yakuza 4 ist definitiv ein Spiel für Erwachsene. Erotik, Gewalt und Unmengen von Zigaretten sollten in dieser Kombination nur Volljährigen zugänglich sein.

Yakuza 4 ist nicht zimperlich und ist ziemlich brutal, aber die echte Mafia ist ja auch kein Kaninchenzüchterverein.

Yakuza 4 will noch authentischer sein als die Vorgänger. Die Stadt wurde vergrößert und wird können auf Dächer steigen oder in die Abwasserkanäle abtauchen. Hoch oben über den Dächern von Kamurocho finden zum Beispiel wilde Verfolgungsjagden statt. Schnelle Wendungen an Kurven oder Sprünge zwischen Häusern werden mittels der häufig angesagten Quick-Time-Events absolviert. Diese schnell abzupassenden Ereignisse helfen auch als finale Rettung vor Verfolgern. Jagen umgekehrt wir einer Person hinterher, können wir sie treten und aufgenommene Gegenstände nach ihr werfen, um sie so zur Strecke zu bringen.

Das Problem von einem Spiel wie Yakuza 4 ist, dies wird bereits in der Vorschau-Fassung deutlich, dass es trotz der authentischen Darstellung immer wieder Grenzen gibt. In gerenderten Zwischensequenzen ist alles perfekt, aber die Bewegungen im regulären Spiel wirken immer wieder steif und staksig. Außerdem wollen wir eben nicht nur die zwei, drei Orte besuchen, die das Spiel für uns vorgesehen hat, aber die meisten Fassaden sind eben nur Fassade. Am meisten nervt, dass überall Fahrräder und Motoroller herumstehen - ansonsten handelt es sich wohl eher um einer große Fußgängerzone, die mit dem Taxi umkreist werden kann - aber diese nicht zum schnelleren Vorankommen nutzen lassen. Sollte sich das im Verlauf des Spiels nicht ändern, wäre das eine echte Stimmungsbremse.

Natürlich sieht Yakuza 4 trotzdem ziemlich gut aus. Die Charaktere sind gut modeliert und das auch außerhalb der Zwischensequenzen. Natürlich schauen die rennenden Charakteren etwas merkwürdig aus und wer über einen belebten Platz in Assassin's Creed: Brotherhood gelaufen ist, wird auch hier Mängel in Yakuza 4 feststellen. Dazu gibt es Popups und manche Animation wurde ganz ausgesparrt und durch eine Überblendung ersetzt. Trotz alledem versprüht das Spiele seinen Zauber und zieht uns in seinen Bann. Hilfreich dafür ist auch die wirklich gelungene japanische Sprachausgabe mit den dazugehörigen Untertiteln. Und wenn wir beispielsweise eine wunderschöne Frau im Schlepptau haben, nein, dann möchte man auch gar nicht mehr rennen. Die kleinen Trippelschritte, das gehetzte Keuchen... als Gentleman drosseln wir die Geschwindkeit und flanieren lieber mit ihr zusammen gemütlich durch die lebendigen Straßen.

Zweite Meinung

Wie beschreibt man ein Spiel mit einer fantastisch erzählten Story und durchaus glaubwürdigen Charakteren? Welche Worte findet man für etwas, dass gewalttätig, witzig, emotional und immersiv ist? Ein Spiel mit einer offenen Welt und so vielem, dass zu entdecken ist und das einen einfach nicht mehr loslässt? Vieles erinnert an Grand Theft Auto, aber die Yakuza-Reihe wählt einen ganz anderen Blickwinkel, ein ganz anderes Setting. Das hier ist Japan - und trotz der Parallelen zu Bandenkriegen in den USA werden hier eben typische japanische Themen und Eigenheiten genutzt. Der vierte Teil scheint vieles richtig zu machen und auch wenn es viele Grenzen gibt, so reicht das Gebotene trotzdem, um sich zu verlaufen.

Vollständiges Profil 13.607 veröffentlichte Artikel
Warum Gamereactor vertrauen
23 Ausgaben Jede mit eigener Redaktion und eigenen Wertungen.
1998 Erscheint seit Durchgehend unabhängig geführt.
100% Selbst gespielt Geschrieben aus Zeit mit dem Spiel, nie aus Pressematerial.
1–10 Netzwerk-Wertung Die Wertung jeder Ausgabe, gemittelt und ausgewiesen.