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The Next Big Thing

Sind Adventures wirklich am Ende? Seit Jahren tritt das Genre mehr oder weniger auf der Stelle. Gut gemachte Spiele wie die der Runaway-Serie haben ohne Zweifel Bewegung in den Adventure-Markt gebracht und vor allem…
Martin Eiser 3 Januar 2011

Für das Spiel sollten ideale Ausgangsbedingungen herrschen. Also erschuff der Entwickler einfach ein ganz eigenes Paralleluniversum. Eines, in dem alles das zusammenkommt, was sie für eine lustige wie spannende Geschichte brauchen: Monster, Aliens und ein bisschen was von der guten, alten Zeit. Aufgegriffen wurde der Schick der Fünfziger Jahre und mit Gegenwart und ein wenig Zukunft vermischt. In diesem Universum sind Horrorfilme nicht nur eine beliebte Gattung im Kino, die Schauspieler dafür sind tatsächlich echte Monster - und nebenbei voll integriert in die Gesellschaft. Erst über den Film bekamen die gruseligen Wesen ihre Anerkennung und den nötigen Respekt, obwohl es trotzdem noch viele Menschen gibt, "die andere nach ihrem Äußeren beurteilen".

Das bewährte Rezept des ungleichen Duos fand ebenfalls erneute Anwendung. Um sich allerdings beim Humor zu übertreffen, mussten es zwei ganz besondere Charaktere sein. Die beiden Journalisten Dan Murray und Liz Allaire sind auf der Suche nach dem nächsten großen Ding. Das heißt, im Grunde will nur Liz die Story ihres Lebens schreiben. Der chauvienistische Frauenheld Dan will eigentlich viel lieber zu seinem alten Job zurück, zu dem als Sportreporter. People-Themen sind nun gar nicht sein Ding und Kollegin Liz, die er zumeist nur "die Irre" nennt, geht ihm gehörig auf den Senkel.

Über den Tanzstil der blonden Journalistin heißt es etwa: "Obwohl vielleicht die Gesellschaft noch nicht für eine Frau bereit ist, die so viele Teile ihres Körpers gleichzeitig bewegt. So schnell und mit so viel... Freiheit gegenüber dem Rhythmus". "Achso, ich bin Feministin", antwortet sie darauf aber nur trocken. Liz ist nämlich völlig wahnsinnig, verrückt und dazu noch gestört. Ab und zu scheint sie geistig abwesend zu sein und die Welt um sich herum völlig auszublenden. Sie redet mit sich selbst und schämt sich für gar nichts. Sie ist einfach nur völlig kaputt.

Die Präsentation ist großartig, der Humor entzückend und Liz Allaire einfach nur völlig verrückt.

Dan hingegen ist unglaublich beliebt und wirklich jeder scheint ihn zu mögen - abgesehen natürlich von Liz. Um keinen noch so sexistischen Witz verlegen, ist er der lässige Typ, der nichts anbrennen lässt. Und während sie eine übereifrige und penible Reporterin ist, die für eine große Story wirklich alles geben würde, ist Dan mehr der selbstverliebte, coole Macho, der aus seiner Nullbock-Einstellung gegenüber dem schnöden Gesellschaftsteil seiner Zeitung keinen Hehl macht. Er ist so etwas wie ein Ruhepol, der den Wahnsinn seiner Kollegin ein bisschen kompensiert.

Doch die beiden sind nicht die einzigen schrägen Gestallten. Eines der Monster ist beispielsweise Big Albert - eine Mischung aus Bodybilder und Wissenschaftler. Das beste beider Welten macht ihn zu einer Art Genie, der eine Menge Aufmerksamkeit und Nobelpreise bekommt. Sogar eine eigene Bekleidungslinie ist rausgesprungen. Oder nehmen wir den depressiven Roboter mit ganz schweren Persönlichkeitsstörungen, der an Marvin aus dem Buch Per Anhalter durch die Galaxis erinnert. Eigentlich ist sein Einsatzgebiet der Garten, doch die Vergänglichkeit der Natur hat ihm übel zugesetzt. "Traurigkeit ist die wahre Bezeichnung von dem, was du Leben nennst", schwadroniert er resignierend. Er wartet lediglich auf den Tag des jüngsten Gerichts, welcher allerdings einfach nicht zu kommen scheint.

Ok, ein bisschen platt sind die Witze manchmal schon. Das Niveau insgesamt bleibt aber erstaunlich hoch und der Humor ist herrlich abgedreht. An wirklich keiner Stelle wurde gespart und dennoch wirken die Gags besser platziert und durchdachter als noch im letzten Runaway-Abenteuer. Es bringt Spaß, den variierenden Dialogen beim mehrmaligen Ansprechen eines Charakters zu lauschen - selbst dann, wenn sie einen inhaltlich kaum weiterbringen. Die Sprecherrollen sind mehr oder weniger glaubwürdig ausgewählt. Dan hat beispielsweise eine tiefe, charmante Stimme, Liz klingt allerdings etwas zu kratzbürstig für ihre Rolle.

Auf große Innovationen wurde scheinbar verzichtet. Es gibt eine Rätselhilfe, die allerdings noch in der Entwicklung ist und worüber wir daher nichts sagen können. Außerdem sind die Kapitel in sehr grobe Teilaufgaben gegliedert, damit man in etwa weiß, was als nächstes zu tun ist. Die Rätsel selbst allerdings funktionieren wie eh und je durch Kombinieren und Ausprobieren. So gesehen könnte man meinen, The Next Big Thing ist nicht der erhoffte große Wurf. Das ursprüngliche Versprechen, alles größer, besser und lustiger zu machen, das jedoch scheinen die Pendulo Studios zu halten. Denn obwohl die uns vorliegende, sehr frühe Version noch an zahlreichen Fehlern krankt, wird überdeutlich, dass Unterhaltung von großem Format im Anmarsch ist. Eine wieder einmal fantastische Grafik und etliche Lacher sind dafür die beste Bestätigung.

Zweite Meinung

Das Adventure ist tot, lang lebe das Adventure. The Next Big Thing punktet bei der hervorragenden Präsentation und dem unerhört guten Witz. Ansonsten bleibt allerdings alles wie gehabt. Mutig waren die Pendulo Studios also nicht, sie machen einfach weiter wie bisher. Darin sind sie aber so gut, dass wir ihnen kaum böse sein können.

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