Der Action-Shooter Dead Nation versucht's ziemlich offensichtlich mit einem Retro-Feeling, was vor allem an der isometrischen Draufsicht liegt. Die erzeugt leider eine gewisse Distanz, das ist aber bei den auf uns wartenden Gegnermassen gewissermaßen eine Notwendigkeit. Die Grafik ist trotzdem hübsch und ist das Resultat der modifizierten Engine von Super Stardust HD. Als Bonus gibt's Ragdoll-Physik und Echtzeitausleuchtung. Streng genommen ist die Distanz am Ende aber eher inhaltlicher Natur und sorgt für wilde Gedanken im eigenen Kopf. Die Gestalten, die auf dem Bildschirm herumlaufen, könnten auch auf dem Weg zum nächsten FDP-Parteitag sein. Will heißen: Man erkennt sie erst auf den zweiten Blick wirklich als Zombies.
Die beiden Helden Jack McReady (38) und Scarlett Blake (31) - die unten mitten im dem ziemlich blutigen Wahnsinn kämpfen müssen, mähen aber sicherheitshalber alles um, was ihnen vor die Flinte, Maschinenpistole, Schrotflinte oder den Flammenwerfer läuft. Sie haben auch allen Grund dazu, denn die Welt ist von einem fiesen Virus überrannt worden und es gibt ohnehin nur noch Zombies da draußen.
Da draußen, das sind 17 Level, durch die wir uns einen Weg bahnen müssen in der Kampagne - alleine, gemeinsam im Splitscreen oder im Online-Koop zu zweit. Die einzelnen Passagen eines Levels sind durch Sicherheitsschleusen voneinander getrennt, in denen ein Waffenladen-Anhänger steht und gelegentlich der Energiebalken neu aufgeladen wird. Das ist bitter nötig, denn kurz vor oder direkt hinter der Schleuse ist der Zombiedruck fast immer ziemlich hoch. Im Waffenladen darf man die Knarren modifizieren. Mehr Schaden, bessere Feuerrate, größeres Magazin - teilweise in vielen Schritten. Das hält einen auf jeden Fall bei der Sache. Auch die Rüstungskomponenten, die man unterwegs in gut versteckten Kisten findet, lassen sich hier je nach Spielstil austauschen. Panzerung, Agilität und Kraft müssen justiert werden.

Kleine Taschenlampe mit großem Lichtkegel, der die vielen dunklem Ecken erhellt. Meist wartet dort Ärger.
Jake und Scarlett können aber den infizierten Mob nicht nur direkt erledigen. Bei manchem Auto löst ein gezielter Schuss die Alarmanlage aus - und die lockt alle Zombies aus der Nachbarschaft an. Die rennen dann allesamt zum piependen und blinkenden Auto, das kurze Zeit später imposant explodiert und einen Regenschauer aus Zombies und ihren Körperteilen zaubert. Mit Fackeln lassen sich die Zombies auch ablenken. Einfach an ein normales Auto legen, die laufen alle automatisch zum Lagerfeuer. Dann kann man das Auto sprengen oder die Zombies in Ruhe abschießen. Wer eine Granate wirft, erzeugt ebenso sehr großes Interesse bei den Zombies. Eine neugierige Versammlung um die tickende Zeitbombe, und ein paar Sekunden später landen wieder ein paar Dutzend Untote in der Statistik.
Die Statistik ist übrigens der Lacher im Off in diesem Spiel, denn Dead Nation ist so etwas wie die offizielle Weltmeisterschaft im Zombieschlachten. Entwickler Housemarque hat sich eine Onlinerangliste ausgedacht, in der die Länder der Welt in einer globalen Reinigungsaktion gegeneinander antreten. Jeder erlegte Zombie trägt zur Heilung des Landes bei. Auf Platz Eins sind derzeit die USA mit knapp 50 Prozent Heilungsrate, den letzten Platz teilen sich Länder wie Kuwait und Israel, die offenbar das Spiel noch nicht bekommen haben. Nur ein Meta-Game natürlich, aber es gibt dem streckenweise ziemlich stupiden Zombieschlachten einen tieferen Sinn - gewissermaßen...
Das Spiel selbst artet schnell in bloße Hektik aus, weil man immer mit der Taschenlampe in der Hand durch die ziemlich dunklen Level stromert. Und natürlich strömen einem bevorzugt aus diesen dunklen Ecken nicht selten massenhaft Untote entgegen. Also nie vergessen, immer artig die Waffen zu verbessern und immer alle verfügbaren Items wie Fackeln, Granaten, Minen und Molotov-Cocktails zu kaufen. Wer bereits auf einer geschlossenen Zombiedecke steht und sich weiter mit einem nicht enden wollenden Strom von Zombies herumschlagen muss, der weiß um die Vorteile einer mit ausreichend Munition geladenen MG. Es werden übrigens nur nach und nach bessere Waffen freigeschaltet, die dann für teures Geld verbessert werden, dass die niedergemähten Zombies ausspucken oder das in Truhen und Kofferräumen von Autos auf Abnehmer wartet.

Ein Haufen fleischhungriger Zombies + eine ordentliche Explosion = ein matschiges Ende.
Das Gameplay von Dead Nation ist auf Chaos ausgelegt. Level auswendig lernen bringt hier nichts. Die Gegner sowie wichtige Levelgegenstände tauchen zumindest teilweise nach den Zufallsprinzip auf, so etwa jene Autos, deren Alarmanlage man aktivieren kann. Und wer mehr als drei Dutzend Zombies in vier Sekunden erledigen will, braucht auch keine Strategie. Der braucht Waffen und ein bisschen Glück.
Die Gegner-Vielfalt ist super. Dicke und dünne, schnelle und langsame, hässliche und eklige Zombies, die Inspirationen aus klassischen Zombiefilmen und Videogames wie Left 4 Dead und Dead Rising sind sichtbar. Bei Dead Rising haben sie sich auch den Druck ausgeliehen. Bereits auf dem zweiten Schwierigkeitsgrad werden die Probleme in Dead Nation nämlich ziemlich schnell ziemlich groß. Wenn einen die Zombies einkesseln, geht ganz schnell das Licht aus.
Die Steuerung ist schlicht und funktional, leider kann man die Gegner nicht vernünftig einloggen, sondern muss immer manuell mit dem rechten Analogstick zielen. Das ist manchmal extrem schnell, manchmal ziemlich fisselig. Neben der Waffe und den Items steht ein Nahkampf-Rennangriff zur Verfügung, der aufgeladen werden muss und einem kurzzeitig aus dem gröbsten Ärger die Flucht ermöglicht. Die Waffen lassen sich schnell übers Digitalkreuz wechseln, ebenso die Items.
Zweite Meinung
Dead Nation ist als Downloadgame fürs Playstation Network konzipiert, also kein Vollpreistitel. Dafür geht das Game nach jetzigem Kenntnisstand total klar. Ich glaube allerdings nicht, dass es am Ende genügend Variation bietet, um einen bei Laune zu halten. Ein bisschen Waffen upgraden, ein bisschen Meta-Game und reichlich Blut und Gore (allerdings aus großer Distanz) sind einfach zu wenig für ein wirklich großes, kleines Downloadgame. Der Online-Koop ist allerdings sehr witzig.