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Kinect Adventures

Ein bewegender Kinect-Guide

Kinect ist die neue Bewegungssteuerung für die Xbox 360. Sie erscheint heute - und das Interesse ist groß. So groß, dass bereits von Lieferschwierigkeiten gesprochen wird. Mit Kinect schafft Microsoft den Controller ab und will uns nun Spiele spielen lassen, so wie Tom Cruise einst in Minority Report die Menüs seines Super-Computers bediente. Im freien Raum, nur mit der Kraft seiner Hände.

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Was doch ein bisschen wie Science Fiction klingt, ist tatsächlich real geworden. Und allen großen und kleinen technischen Unzulänglichkeiten zum Trotz, die den Kinect-Sensor derzeit noch an dieser und jener Stelle beuteln: Kinect ist eine tolle Idee. So toll, dass Steve Jobs die Bewegungssteuerung für Apple haben wollte, aber seine berüchtigten Knebelverträge dem wohl im Weg standen. Microsoft war offenbar kooperativer und griff zu. Der Software-Gigant wird es nun sein, der die Art, wie wir mit Videospielen umgehen, mit Kinect nachhaltig verändert. Vielleicht eher mittelfristig, aber Kinect symbolisiert einen Paradigmenwechsel, denn es ist etwas substanziell Neues. Dafür muss man Microsoft wirklich respektieren. Weil sie dieses Wagnis eingehen und ganz neu mit uns spielen wollen. Die Probleme dabei sind allerdings derzeit noch unübersehbar.

Es fängt mit banalen Dingen an. Vermutlich waren sie zu banal für die Marktforschungs-Armee, die auch Microsoft beschäftigt. Der Kinect-Sensor ist relativ groß und schwer. Er braucht mindestens 1,8 Meter Abstand zwischen sich und dem Spieler. Stehen zwei Personen davor, sollten es noch einige zehn Zentimeter mehr sein. Für ein ideales Erfassen der Personen sollte der Sensor mindestens in einer Höhe von 30 Zentimetern platziert werden. Deutlich besser ist es, ihn oberhalb des Fernsehers zu positionieren. Was aber selten geht. Denn die HD-Fernseher, die viele der Xbox-Spieler mittlerweile haben, hängen an Wänden, stehen auf TV-Möbeln und sind zunehmend so flach, dass man nichts mehr auf sie drauf stellen kann. Mann muss sich im Zweifel also ein kleines Wandregal basteln für den maximalen Erfassungserfolg. Wer bitte will das denn machen?

Mein HD-Fernseher ist ein älteres Modell, so dass ich den Sensor oben drauf platzieren kann. Sony kuschelt mit Kinect und Nintendo, eine ironische Zusammenkunft. Der Sensor steht dort nun zwar etwas wackelig, aber er arbeitet. Und er arbeitet erstaunlich gut. Selbst bei schlechten Lichtverhältnissen und mit einem vollen Bücherregal im Hintergrund erkennt er mich durch den Infrarot-Scan prima. Doch auch meine reale Darstellung scheint die Kamera des Sensors auch ohne viel Licht noch zu erkennen. Im Halbdunkel lege ich mir eine visuelle ID an, so erkennt mich fortan der Sensor automatisch, sobald ich vor ihn trete, wenn die Xbox angeschaltet ist. Das ist cool und ein bisschen merkwürdig zugleich.

Kinect Adventures
Der Kinect-Sensor. Kostet alleine 149 Euro, wird aber auch im Bundle mit der 4GB-Xbox-Konsole für 299 Euro angeboten.

Mit zwei recht ausschweifenden Winkbewegungen signalisiere ich Kinect und der Xbox 360, dass ich mit den Händen steuern will. Dann wird ein neues Menü aktiviert, dass für die Gestensteuerung optimiert ist. Optimiert jedenfalls insofern, wie Microsoft es geschafft hat. Denn Kinect bietet sich zwar als intuitive Verlängerung der Touch-Steuerungsidee von Apple an - aber das ganze Prinzip haben sie nur unzureichend kopiert.

Alle Menüpunkte werden mit einer imaginären Hand angepeilt. Deren Position im freien Raum in Relation zu ihrer Position auf dem Bildschirm zu erahnen, ist anfangs eine Lernaufgabe. Aber man lernt den Umgang damit relativ schnell. Außerdem sind viele Menüpunkte "magnetisch". Kommt man in ihre Nähe, wird die Hand automatisch auf ihnen eingeloggt. Allerdings muss man dem Sensor etwas Zeit geben und darf nicht zu schnell fuchteln, sonst wird das nichts. Die Wischbewegungen zum Scrollen durch Menüs funktionieren nicht überall gleich gut, hier wünscht man sich, dass es so intuitiv wie bei der Touch-Steuerung etwa auf Iphone oder Ipad funktionieren würde. Tut es aber nicht.

Um einen Knopfdruck zu simulieren, muss man einige Sekunden mit der Hand über dem Menüpunkt schweben. Mir dauert das viel, viel zu lange. Außerdem gibt's keinen virtuellen Doppelklick, um den Prozess zu beschleunigen. Kinect ist also auch immer eines: langsamer in der Bedienung als mit dem Controller. Natürlich gibt es gute Gründe für diese Rahmenbedingungen, denn man will beim Fuchteln vor dem Bildschirm ja nicht ständig aus Versehen irgendetwas aktivieren. Aber einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden, das war selten eine wirklich gute Idee.

Es ist leider auch so, dass diese Gestensteuerung auch innerhalb der Spiele zum Problem wird. In Kinect Joy Ride wird das ziemlich deutlich negativ sichtbar, und auch die guten Launchtitel wie Kinect Sports oder Dance Central haben so ihre Probleme mit der korrekten und immer schnellen Übertragung der Bewegungen des Spielers in Aktionen im Spiel.

Kinect Adventures
Kinect Adventures liegt kostenlos beim Kinect-Sensor bei.

Wer sich im Rahmen dieser derzeit noch bestehenden Beschränkungen ernsthaft mit Kinect beschäftigt, der muss aber auch das Potenzial sehen. Etwa für Hybrid-Lösungen, wo der gute alte Controller, der lange noch nicht ausgedient hat, mit den Fähigkeiten von Kinect kombiniert wird. Oder für andere, eben ganz neue Konzepte, die sich Menschen wie Peter Molyneux überlegen. Auch wenn sein kleiner Junge Milo vielleicht nie mit uns allen spielen wird, so symbolisiert er doch das, was theoretisch und hoffentlich bald auch ganz praktisch mit Kinect möglich sein wird.

Das Spielangebot zum Launch von Kinect ist groß, aber es sind ausnahmslos Titel für Casualgamer, Fitnessfans und Tanzbären. Vieles davon mit wenig langfristiger Substanz, nichts davon geeignet für die bisherige Kernzielgruppe der Hardcoregamer. Vernachlässigt wird die natürlich nicht, denn Microsoft steht auch weiter für Halo: Reach, für Shooter und klassische Testosteronspiele. Aber Kinect soll neue Zielgruppen erschließen und erst mit der zweiten Welle auch die bisherigen Xbox-Fans voll erfassen.

Also: Kinect ist eine tolle Technologie, die noch ihre Startschwierigkeiten hat. Man muss das vor allem als Hardcoregamer noch nicht kaufen, einfach weil die passenden Spiele derzeit fehlen. Aber man kann davon ausgehen, dass Microsoft Kinect nicht als Projekt für drei Wochen begreift oder ähnlich stiefmütterlich behandelt wie die Kamera. Sie setzen echte Hoffnungen in die neue Peripherie. Vielleicht wird die sogar auf den Rest der Produktpalette vom Microsoft erweitert. Kinect für das Office-Paket, Kinect für den Next-Generation-Browser. Wer weiß. Wir sind auf jeden Fall neugierig auf Kinect. Schön und faszinierend, dass es so etwas gibt.

Zum Launch erschienen sind:
Crossboard 7
Dance Central - hier unsere Kritik
Dance Evolution - hier unsere Kritik
Dance Paradise
Fighters Uncaged
Kinectimals - hier unsere Kritik
Kinect Adventures - hier unsere Kritik - (im Bundle mit Kinect für 149 Euro)
Kinect Joy Ride - hier unsere Kritik
Kinect Sports - hier unsere Kritik
Motion Sports
Sonic Free Riders
Sports Island Freedom
The Biggest Loser Ultimate Workout
Your Shape: Fitness Evolved

Bald erscheinen werden:
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1 - (18. November)
EA Sports Active 2 - (18. November)
Zumba Fitness - (26. November)
Get Fit with Mel B - (26. November)
Game Party: In Motion - (26. November)

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KRITIK. Von Christian Gaca

Kinect wird mit einem Spiel im Paket verkauft: mit Kinect Adventures. Das ist eine simple und kurze Minispiel-Sammlung, mehr leider nicht.



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