Wenn mir letztes Jahr jemand erzählt hätte, dass das neue Doom auf einer Nintendo-Konsole erscheinen würde, hätte ich ihn höchstwahrscheinlich ausgelacht. Unmöglich, dass Nintendo eine Konsole mit genügend Power am Start hat, um darauf Doom zum Laufen zu bringen. Gut dass mich damals keiner gefragt hat, denn hier sind wir nun, ein Jahr älter und Doom ist plötzlich auf der neuen Nintendo Switch spielbar... und auch noch ziemlich gut.
Wir haben längst eine Kritik zu Doom geschrieben, daher beziehen wir uns in diesem Text in erster Linie darauf, wie das Spiel technisch auf der Switch läuft. Die PC-Version aus dem letzten Jahr hat viel Spaß gemacht und ich war beeindruckt, wie gut das Spiel auf den aktuellen Konsolen läuft. Und wie sieht es nun auf der Switch aus? Ich habe mit vielen Rucklern gerechnet und einer Framerate von unter zwanzig Bildern. Stattdessen läuft der Titel flüssig und angenehm, was natürlich nicht ohne optische Abstriche funktioniert.
Doom für die Switch läuft im Dock und im Handheld-Modus für unterwegs in einer Auflösung von 720p, bei meistens 30 FPS (die Handheld-Erfahrung variiert). Die Texturen sind niedriger aufgelöst und die Qualität von Licht und Schatten wurde runtergeschraubt. Eine gute Vorstellung bekommt ihr, wenn ihr die PC-Version mit niedrigsten Grafikeinstellungen auscheckt, da habt ihr ebenso unscharfe Bilder und kleinere Details, die in der Ferne verschwinden. Manchmal verschwimmen Gegner vor dem Hintergrund oder sind nur schwer auszumachen. Auch die kräftigen Farben wirken insgesamt etwas ausgewaschen, aber diese Abstriche sind nun einmal notwendig, um flüssiges Gameplay auf der Switch zu erreichen.
Die intensive und schnelle Action von Doom macht bei 30 FPS und der schlichten Grafik einen leicht verwässerten Eindruck, aber trotzdem noch genauso viel Spaß. Es ist exakt das gleiche Spiel, wie auf den großen Plattformen. Die Level sind identisch, alle Waffen sind am Start und die Gegner und Animationen sind ebenfalls unverändert. Besonders wichtig ist die Musik, die uns während der intensiven Kämpfe begleitet. Der großartige Industrial-Metal-Soundtrack sorgt bei mir immer noch für einen Adrenalin-Schub. Das „Doom-Gefühl" ist also schon einmal da, wo es hingehört. Es macht jetzt genauso viel Spaß mit der Kettensäge Dämonen zu zerstückeln oder sie mit der Schrotflinte wegzublasen. Ich muss dabei immer noch wie ein Psychopath kichern (das macht ihr doch auch, oder?), genau wie damals vor der PC-Version.
Die Steuerung unterscheidet sich natürlich davon, funktioniert aber gut. Wer Shooter auf der Konsole spielt dürfte grundsätzlich keine Probleme haben, obwohl das Zielen bei dem hohen Tempo ein wenig schwerer ist - was nicht zuletzt an den kleinen Joy-Cons liegt. Letztlich musste ich aber nur meinen Spielstil ein wenig anpassen und schon war alles gut. Bei längeren Spielsitzungen würde ich ausschließlich den Pro-Controller empfehlen. Das größte Argument für die Switch-Version von Doom ist aber natürlich der Modus für unterwegs, schließlich können wir jetzt endlich mit unserem Doom-Marine überall hin spazieren! Ich liebe die Switch als mobile Konsole und die Hälfte meiner Zeit mit dem Spiel habe ich in diesem Modus verbracht - vor meinem Computer, im Bett liegend und ja, auch auf dem Klo. Die Switch immer dabei zu haben ist großartig und mit Doom bekommt das noch einmal einen eigenen Reiz.
Dass dieses Experiment gelungen ist, ist wirklich beeindruckend. Doom auf der Switch zum Laufen zu bringen zeigt wie flexibel die Konsole als Videospielsystem ist und es ist ein Zeichen dafür, wie weit wir mittlerweile bei mobiler Technologie sind. Der 3DS wirkt im Vergleich unglaublich blass und immer uninteressanter. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Doom auf der Switch die schwächste Version des Spiels darstellt. Wenn ihr die komplette Spielerfahrung wollt, dann besorgt euch die PC-Version oder die für PS4 und Xbox One. Wenn euch Gameplay und Tragbarkeit wichtig sind, dann greift bei der Switch-Version zu. Es ist trotz der optischen Abstriche eine großartige Portierung geworden, die ich auf langen Reisen sicher noch häufiger spielen werde.