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Kritik

Xenoblade Chronicles

Monolith Soft bereichert die Wii um eine fantastisches japanisches Rollenspiel einer ganz neuen Generation. Es erweitert und entwickelt ein Genre weiter, das schon bessere Zeiten gesehen hat.

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So schlecht war es um japanischer Rollenspiele nicht immer bestellt. Das Genre erlebte ein goldenes Zeitalter in den letzten Tagen vom SNES und während der PSone-Ära. Eine Zeit in der Squaresoft der Final Fantasy-Serie maßgeblich zu ihrem heutigem Ruhm verhalf. Firmen wie Atlus, Enix, Sega... sie alle wollten vom enormen Erfolg profitieren, wollten das Wachstum auf dem Heimatmarkt auch im Westen entfachen.

Monolith Soft überraschte viele mit den beiden hochgeschätzten Baten Kaitos-Spielen für den Nintendo Gamecube. Aber bereits zuvor schufen sie eine Serie unter den wachsamen Augen von Namco, die bis heute in der Welt der Videospiele eine festen Platz hat: Xenosaga.

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Trotz des ähnlichen Namens ist Xenoblade Chronicles keine Fortsetzung dieser Serie, sondern eher so etwas wie ein spiritueller Nachfolger. Mit Tetsuya Takahashi teilen sich das Spiel mit der Serie denselben Game Director und auch das Team. Seit 2007 aber ist Monolith Soft zudem ein Studio von Nintendo. Inmitten der Krise, in welcher den japanischen Rollenspielen ihre anhaltende Stagnation und ihre Unfähigkeit, sich der Fortschritte westlicher Titel anzunehmen, vorgeworfen wird, erscheint nun Xenoblade Chronicles. Der Titel ist umstritten, er erscheint nicht in den USA und den Weg nach Europa fand es erst ein Jahr nach der japanischen Veröffentlichung. Aber was ist so anders an Xenoblade Chronicles?

Xenoblade Chronicles
Japanische Rollenspiele bauen auf drei Säulen: Handlung, Kampfsystem und Charakterentwicklung.

Japanische Rollenspiele bauen auf drei Säulen: Handlung, Kampfsystem und Charakterentwicklung. Xenoblade Chronicles beginnt mit einer großen Einleitung über die Welt, in der wir uns bewegen. Aber auch über unsere ganz eigene Geschichte wird uns etwas erzählt. Dank wunderschöner Zwischensequenzen finden wir schnell Zugang und ohne durchzuatmen lernen wir unsere erste Lektion in Sachen Kampfsystem. Ein Kampfsystem, dass zwar komplex ist, aber von Beginn an gefällt und das über viele, viele Stunden fesselt - weitaus länger, als es für das Genre üblich ist.

Es stimmt schon, die Hauptcharaktere sind nach dem üblichen Muster gestrickt. Ein junger Held, der unerfahren, aber auserwählt ist. Dann ist der nach der raue, aber treue Freund und das süße, schüchterne Mädchen. Richtig, irgendwie haben wir das alles schon einmal gesehen, aber es kommt darauf an, wie das Ganze verpackt ist. Und genau an dieser Stelle macht Xenoblade Chronicles seine Sache mit dem Spieltempo unglaublich gut. Die ersten Stunden bestehen aus einer Achterbahnfahrt von verschiedenen Geschehnissen, die einfach fesseln.

Wegen der vielen Aufgaben, die wir immer mal nebenher erledigen können, fühlt sich der Titel wie ein echtes Massive Multiplayer Online-Rollenspiel an. Fast jeder nichtspielbare Charakter, dem wir begegnen, bietet uns eine neue Mission an und wir schalten dadurch bei der Handlung einen Gang runter, Und so erledigen wir zunächst Sidequests, erhöhen unser Level, lernen die Umgebung kennen, verbessern unsere Beziehung zu Charakteren, sammeln neue Spezialausrüstung, finden Gegenstände zum Verbessern,... in einem Genre, in dem wir es eigentlich gewohnt sind, dass unser Weg mehr oder weniger vorgezeichnet ist, erlaubt uns Xenoblade Chronicles schier unendlich viele Möglichkeiten uns frei zu bewegen. Und es macht wirklich Spaß, sich darin zu verlieren.

Und nicht nur das, solche Aufgaben helfen auch, uns den Charakteren und einer Stadt und ihren Bewohnern besser verbunden zu fühlen. Und je besser unsere Beziehung ist, desto herausfordernder werden auch die Missionen mit Belohnungen und umso relevanter werden sie auch für die Handlung. Denn manchmal erleben wir dann eine besondere Unterhaltung, in denen es um unsere Helden und ihre Beziehung mit anderen geht.

Xenoblade Chronicles
Kombinationsangriffe sind vor allem in Kämpfen gegen starke Gegner wichtig,

Das Kampfsystem und die Charakterentwicklung sind zwei wichtige Punkte, an denen wir ein japanischen Rollenspiel messen. Xenoblade Chronicles folgt der strengen Regeln "Je mehr, desto besser" und wenn wer Einführungen ignoriert und sich nicht die Zeit für die entsprechende Vorbereitung nimmt, wird es im Spiel sehr schwer haben.

Das Spiel ist ein Action-Rollenspiel, die Kämpfe in Echtzeit finden also in Echtzeit statt, ohne dass wir uns durch viele Menüs in rundenbasierenden Schlachten hangeln müssen. Vor einem Kampf sollten wir uns trotzdem über die sieben grundlegenden Fähigkeiten im klaren sein, die sich nach jedem Einsatz erst einmal wieder aufladen müssen. Dazu gibt es eine Hauptfähigkeit, welche immer dann verfügbar ist, wenn eine gewisse Zahl von normalen Angriffen verwandt wurde - also ganz ohne Spezialfähigkeit. Die Fähigkeit entfesselt unsere Monado-Kräfte - ein Schwert, das zentrales Thema der Handlung ist.

Gelegentlich sehen wir das, was passieren wird, in Zeitlupe. Wir sehen quasi eine kurze Zukunftsvision, welche zufällig, aber meist dann ausgelöst wird, wenn ein starker Angriff bevorsteht, welcher die Balance des Kampfes zu Gunsten des Gegners verschiebt. Wir haben dann wertvolle Sekunden Zeit, um diese Vision nicht Wirklichkeit werden zu lassen, sondern diesen Angriff zu verhindern oder ihm auszuweichen.

Mitten in solchen Kämpfen müssen wir trotzdem ein Auge auf unsere computergesteuerten Mitspieler haben, um sie zu unterstützen, anzuleiten, ihnen zu helfen oder sie wiederzubeleben. Wir können ihnen einfache Befehle im Kampf geben, damit der Fokus der Angriffe nicht allein auf uns abzielt. Wir können sie geschickt auf Schlachtfeld platzieren, weil etwa Angriffe von hinten fast immer deutlich mehr Schaden verursachen. Und wir können sehen, welche Fähigkeiten unsere Mitspieler einsetzen, um dann vielleicht selbst einen Angriff auszulösen der uns in dieser Kombination einen besonderen Vorteil verschafft. Bei schwierigen Gegnern ist ein solches Vorgehen im richtigen Moment von entscheidender Bedeutung. Das Kampfsystem hat wirklich Tiefe, es ist anspruchsvoll und komplex. Aber wenn man den Dreh heraus hat, ist es ziemlich befriedigend.

Gleiches gilt für die Charakterentwicklung. Wir können gesammelte Punkte in die Verbesserung unserer Fähigkeiten stecken und es Punkte für angesprochene Beziehung zwischen uns und den anderen Charakteren - damit lassen sich noch Fähigkeiten freischalten. Es gibt die Möglichkeit eigene Gegenstände zu basteln und sie mit Edelsteinen zu verbessern. Auch während des Kampfes lässt sich entscheiden, was ein Charakter trainieren soll - es ist so komplex wie es auch flexibel und an unsere Bedürfnisse anpassbar ist. Etwas, dass wir für gewöhnlich in japanischen Rollenspielen nicht finden.

Xenoblade Chronicles
Die Schauplätze sind einfach atemberaubend, so detailliert und voller Leben.

Auch technisch hat Monolith Soft eine hervorragende Arbeit geleistet und das Beste aus der Wii geholt. Zwar gehören die Animationen nicht zu den besten und es gibt hier und da ziemlich hässliche Texturen, aber das gesamte Werk ist außergewöhnlich und voller Charme. Die Schauplätze sind einfach atemberaubend, so detailliert und voller Leben. Es ist eine großartige künstlerische Leistung, die durh den erhabenen Soundtrack noch weiter unterstützt wird. Und obendrauf gibt es für Freunde japanischer Rollenspiele auch die original-japanische Sprachausgabe.

Xenoblade Chronicles ist eines dieser Spiele, die für den wahren Genuss Zeit brauchen, damit wir sie richtig kennenlernen. Es gibt einfach so unglaublich viel zu entdecken . Die Haupthandlung ist interessant und wird durch die Nebenschauplätze gestreckt. Wer ein Faible für große Welten hat, in denen man sich verlieren kann und sie bis in den letzten Winkel erkundet, der sollte sich auf mindestens hundert Stunden Spielzeit einstellen. Außerdem ist es einer der letzten Höhepunkte für die Wii und mit Sicherheit auch eines der vielversprechendsten japanischen Rollenspiele dieser Generation.

Xenoblade Chronicles
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Xenoblade Chronicles
09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
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Freiheit, umfangreiches Kampf- und Charaktersystem, großer Umfang, der sich lohnt
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technisch ist nicht alles ausgefeilt, Kamera ist ein bisschen nervig im Kampf und sollte automatisch sein, Kämpfe sind zum Teil sehr schwer
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