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Minecraft

Warum Minecraft so toll ist

Sofern man nicht absichtlich die Lektüre jeglicher Gaming-Websites und Zeitschriften im letzten Jahr vermieden hat, kann einem Minecraft eigentlich nicht entgangen sein. Es ist eines jener Indie-Spiele, die plötzlich zum Star katapultiert wurden.

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Minecraft hat die Phantasie der Menschen auf der ganzen Welt beflügelt und seinen Entwickler Markus "Notch" Persson reich gemacht. Außerdem konnte er so die Mojang Productions zu einem vollwertigen Unternehmen ausbauen, komplett mit echten, bezahlten Mitarbeitern, etwas, wovon die meisten Indie-Entwickler nur träumen können.

Gestern, am 20. Dezember 2010, ist das Spiel von seiner Alpha-Entwicklungsphase ins Beta-Stadium übergeglitten. Zur Feier dessen werfen wir einen Blick darauf, was genau es ist, das Minecraft zu einem solchen Erfolg hat werden lassen und warum so viele ein Spiel in hier Herz geschlossen haben, das nicht einmal fertig ist.

Das Konzept des Spiel ist... nun ja, man baut Dinge ab. Man gräbt sich durch die Erde, durch Felsen und Berge, zerschreddert Bäume und - wenn man böse sein will - auch Zombies und Skelette. Und die lokale Fauna wie Schweine und Kühe, wenn man Lust dazu hat. Natürlich landet all das "abgebaute" Zeug im eigenen Inventar und man kann es verwenden, um irgendwie so ziemlich alles zu bauen. Häuser, Burgen, Skywalks, alte Inka-Städte, riesige phallusartige Türme, die Star Trek Enterprise im Maßstab 1:1 oder 16-Bit-Prozessoren...

Minecraft
Eine neue Welt zum Erforschen - und nachts kommen die Wilden raus, dann...

Aber zuerst mal zu den Grundlagen. Wenn es etwas gibt, das potenzielle Spieler bisher abschreckte, dann ist es die primitive Optik. In einem Zeitalter, in dem Firmen wie Epic und Crytek sich einen Wettlauf um die modernste Grafik-Engine liefern, wirkt Minecraft wie ein Witz, weil es in Java programmiert ist und nur eine blockhafte, ziemlich rudimentäre Grafik präsentiert. Nicht selten hört man Unwissende darüber reden, dass sie nicht verstehen, warum ein hässliches Spiel mit dem Überthema Graben nun so toll sein soll.

Dabei ist es so viel mehr. Es verkörpert vor allem eines perfekt, nämlich Sonys alten Slogan "Play, Create, Share". Es sieht vielleicht primitiv aus. Ihm fehlt vielleicht die Niedlichkeit eines Little Big Planet oder das Avatar-Tool eines Modnation Racers. Aber Minecraft zeigt, dass viele Spieler sich nicht wirklich um fantastische Grafiken oder niedliche Sackboy-Maskottchen kümmern - jedenfalls dann nicht, wenn sie zufällig erzeugte Sandbox-Welten kriegen, in denen der Kreativität freien Lauf gelassen wird.

Wie aber "spielt" man nun in Minecraft? Während die meisten Videos auf Youtube sich mit dessen Sandbox-Modus befassen, hat es tatsächlich auch einen echten Solomodus. Man steht in einer zufällig generierten Blöckchenwelt ohne jede Ausrüstung, ohne Unterkunft oder Pfeile, die einem zeigen, wohin man gehen soll. Die Sonne scheint - eine Einladung, frei herumzulaufen und die Welt um sich herum zu erkunden. Und zu graben. Vielleicht findet man heraus, wie sich aus Holz Werkzeuge bauen lassen, um einfacher graben zu können. Vielleicht baut man sich ein Haus.

Minecraft
... versteck' mich in meiner kleinen Höhle. Dunkel und trist ist es hier, ab vorerst sicher.

Dann wird die Sonne untergehen und es zeigt sich das wahre Gesicht des Spiels - denn es geht nicht nur um das Abbauen von Ressourcen oder Graben oder um Gebäude. Minecraft ist vielmehr ein Spiel ums nackte Überleben. Denn nachts kommen die Zombies und Skelette heraus. Riesenspinnen kriechen aus ihren Schlupfwinkeln. Sie kümmern sich nur um eins: Sie wollen uns essen. Das eigene Haus sollte also nicht nur hübsch, sondern auch widerstandsfähig sein, denn es wird bald der einzige sichere Ort sein. Bis ein Creeper kommt und vor der Haustür explodiert...

Während Überleben ein integraler Bestandteil ist, sind es natürlich auch das Erforschen und das Bauen. Man kann sich zwar schnell ein Loch graben und wie ein armer Hobbit dort die Nächte ausharren, aber wer will denn länger so leben? Niemand, richtig - und außerdem will man wissen, was auf der anderen Seite vom Berg passiert. Im Solomodus geht' also ums Erschaffen - von Gebäuden, aber auch von eigenen Abenteuern. Da die Welt zufällig generiert wird und sie jedes Mal, wenn man ihre Grenze erreicht, neue Bereiche erzeugt, passiert auch immer etwas Neues.

Dann kommt die Zeit zu teilen. Während das nichts für jeden Spieler ist, haben trotzdem die Minecraft-Fans Youtube mit Videos von ihren Abenteuern überschwemmt - persönlich würde ich empfehlen, die extrem lustigen Abenteuer von Arkenor als Beispiel für den Solomodus anzuschauen. Minecraft hat auch einen Multiplayer-Server, wo man entweder gemeinsam baut oder erforscht (ein Gesundheitssystem wurde vor kurzem auf den Servern installiert, so dass Monster einem nun tatsächlich Schaden zufügen können). Und im Sandboxmodus, ohne tödliche Gegner, lassen sich tatsächlich die erstaunlichsten Dinge bauen.

Minecraft
Ein Boot, ich habe ein Boot gebaut.

In seiner Schlichtheit macht Minecraft furchtbar süchtig und konkurriert sogar manchmal mit den wichtigen MMOs um meine Aufmerksamkeit. Und es lehrt allen Triple-A-Studios etwas über Design. Über das, was Menschen wirklich genießen, wenn die Dinge so einfach wie möglich gehalten sind und man unendlich viel Freiheit bekommt. Game Designer mögen es, "ihre" Spieler zu steuern, ihnen zu zeigen, wo es lang geht und was sie fühlen sollen - ganz ähnlich wie es Regisseure mögen. Sie wollen uns hier zum lachen bringen, wollen uns dort weinen sehen. In einem Spiel wie Minecraft lachen wir dann, wenn wir entscheiden, uns eine Klippe herunterzuwerfen, um einem Creeper zu entkommen. Oder wir weinen, weil wir aus Versehen unser Haus entflammt haben. Nicht, weil es ein Gamedesigner so wollte, sondern weil es in einer freien Welt einfach so passiert ist.

Nun ist Minecraft offiziell in der Beta-Phase und man munkelt über das Hinzufügen von irgendeiner Form der Erzählung, um Spielern beim Einstieg zu helfen. Ich kann nur hoffen, dass die Entwickler nie aus den Augen verlieren, dass sie bereits jetzt ein echtes Kleinod haben, obwohl es noch so unfertig ist.

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