Dennis Siver ist Kfz-Meister. Ein ziemlich kräftiger Kfz-Meister, der vermutlich zum Lösen rostiger Schrauben am Innenkotflügel keine Chemikalien braucht. Seine Hände, Unter- und Oberarme sehen jedenfalls so aus, als ob der 31-Jährige jede Schraube einfach so losdrehen könnte. 1,70 Meter groß ist der gebürtige Russe, der in Omsk geboren wurde, seit langem in Deutschland lebt und in Mannheim trainiert. Er wiegt um die 70 Kilogramm und der allergrößte Teil dieser Kilos dürfte reine Muskelmasse sein. Seinen ersten Kampf in der UFC hatte er im April 2007 in England, er kämpft aber bereits länger Mixed Martial Arts. Von 22 Kämpfen hat er 15 gewonnen und sieben verloren. Bis heute ist er übrigens kein Vollprofi, der von seinem Sport leben kann, sondern schraubt weiter halbtags an Autos. Wir haben den freundlichen Fighter zum Interview in Hamburg getroffen.

Konzentriert an der Konsole: Dennis Siver, einziger UFC-Fighter aus Deutschland in UFC 2010 Undisputed, spielt an der Xbox 360.
Dennis Siver, eine offensichtliche Frage, aber trotzdem: Wie fühlt es sich an, das erste Mal in einem Videospiel aufzutauchen?
Das Gefühl ist einzigartig. Um das zu verstehen, muss man es selbst erleben. Und nicht viele Menschen können das von sich behaupten. Auch ich hätte nie davon geträumt, mich mal in einem Computerspiel zu sehen. Es gibt mir aber umso mehr Anerkennung, motiviert mich weiter zu trainieren, noch mehr Leistung zu bringen und noch besser zu werden.
Fühlst du dich gut getroffen? Jeder findet sich ja manchmal selbst auf Fotos irgendwie hässlich. Ist das Dennis Siver da auf dem Bildschirm?
Ja. Meine Figur ist sehr gelungen, das sieht doch fast aus wie auf einem guten Foto, ziemlich echt. Ich bin zufrieden.
Wenn du spielst, spielst du dann Dich selbst in dem Spiel?
Ich hab' es heute erst zum zweiten Mal gespielt. Aber die haben die Bewegungen von mir echt gut hingekriegt, sich die Videos von meinen Kämpfen angeschaut und das wirklich gut gemacht. Sie haben meinen Kampfstil für meine Figur wirklich voll übernommen.

Die Grundlage für die Spielfigur ist ein sauber gerenderter Dennis Siver, der wirklich verblüffend echt aussieht.
Eigentlich spielt man in Videospielen ja immer mit dem stärksten, dem besten Kämpfer. Müsstest du da nicht eigentlich mit BJ Penn spielen in deiner Gewichtsklasse, wenn du in UFC 2010 auch gewinnen willst?
Nun gut, so ein großer Computerspieler bin ich ja auch wieder nicht, aber jeder Gegner ist schlagbar. Es kommt ja darauf an, wie gut jemand am Computer spielt. Da gibt es ja auch verschiedene Techniken und man kann mit jedem Kämpfer gewinnen. Als ich das erste Mal UFC 2010 gespielt habe, hab' ich nämlich BJ Penn geschlagen (lacht) - gegen den Computer.
Du kämpfst bald gegen Spencer Fisher in Las Vegas. Kann man sich auf so einen Kampf mit dem Videospiel vorbereiten? Oder vielleicht auch einfach nur den übermäßigen Respekt vor dem Gegner ablegen?
Man kann das schon als kleine taktische Übung benutzen, aber als richtiges Training natürlich nicht. Da gucke ich mir lieber seine richtigen Videos an, suche seine Schwächen und Stärken als Vorbereitung.
Du hast gerade gegen den Yuke's-Entwickler und UFC 2010-Produzenten Neven Dravinski gespielt, und er hat dich ordentlich vermöbelt. Wurmt einen das?
Das nehme ich nicht so ernst, das ist ein Computerspiel und nicht das richtige Leben. Außerdem kann er das viel besser, er hat das Spiel ja erfunden, spielt es jeden Tag und hat wahrscheinlich auch noch extra geübt. Kein Problem.

Direkt im Spiel: Dennis Siver in der Ringecke vor dem Kampf, mit gut ausgeleuchter, stahlharter Brust - und noch einer Niederlage weniger in der Bilanz.
Aber in den echten Ring wollte er danach nicht mit dir...
Ja, siehste... da wäre ich in meinem Element.
Mixed Martial Arts sieht aus wie eine schmerzhafte Angelegenheit. Wäre es da nicht interessant, die Komponente Schmerz in das Videospiel zu integrieren, so unter dem Motto, man kriegt ein Kabel an die Hand und einen Schock gesetzt?
Das finde ich nicht sinnvoll, außerdem vibriert der Controller, wenn du einen Treffer abbekommst, da kriegst du schon ein Gefühl, dass da irgendwas nicht stimmt. Aber mit Schmerzen zu arbeiten, nee... und außerdem muss ich jetzt meinen Sport wieder verteidigen: so schmerzhaft ist das alles auch nicht. Ich lebe ja noch und bin gesund.
Das Spiel ist ab 18, das ist auch völlig okay. Aber die Berichterstattung im TV zum Beispiel ist ja gerade komplett verboten worden. Wie findest du das?
Traurig, ich hab' es gerne geguckt. Das war auch ein enormer Fortschritt für unseren Sport, um ihn populärer zu machen hier in Deutschland. Jetzt ist diese Entwicklung gebremst, leider, ich kann da wenig gegen machen. Ich versuche immer, den Leuten zu erklären, wie mein Sport funktioniert, aber das ist nicht genug. Die Politiker und die Leute, die so etwas verbieten, die müssen es verstehen. Eigentlich finde ich es lächerlich. In jedem Land in der Welt läuft UFC gut und wird akzeptiert, nur hier nicht. Ich guck' doch lieber nachts im DSF Ultimate Fighting als irgendwelche sexy Sport Clips...
Was machst du eigentlich in deiner Freizeit?
Ich versuche mich zu relaxen, gemeinsam mit meiner Freundin, im Kino, oder ich lese, aber so viel Freizeit hab' ich leider nicht. Ich arbeite noch nebenbei als Kfz-Meister, da bleibt nicht viel Zeit, wenn man Vollprofi werden will.