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Trials of Mana

Trials of Mana

Geht Square Enix beim Thema Neuauflage nicht langsam die Puste aus?

Mit der Ankunft von Final Fantasy VII: Remake und Capcoms Zombiespiel Resident Evil 3 wurde die Diskussion über die Herangehensweise und den Inhalt von aktualisierten Klassikern erneut entfacht. Fans der Originalspiele verziehen das Gesicht bei jeder Veränderung und jedem kleinsten Detail, das in die Geschichte der neuen Titel eingeführt wird, die sie seit all den Jahren lieben. Andere wiederum finden, dass Neuveröffentlichungen einen alten Titel neu definieren dürfen, was mit entsprechenden mutigen Entscheidungen einhergeht - selbst wenn das ein paar alten Fans zu viel ist.

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Das Remake von Trials of Mana ist ein Spiel, das vor allem die erfahren Fans des Genres anspricht.

Während die siebte Ausgabe von Final Fantasy ihren eigenen Weg gewählt hat, haben die Macher der aktualisierten Version von Trials of Mana beschlossen, ihren Vorläufer so perfekt wie möglich zu kopieren. Es stellt sich jedoch heraus, dass diesmal ein ausgetretener Weg nicht unbedingt die beste Wahl war. Aber was ist denn eigentlich die Mana-Serie? Unter diesem Namen (im japanischen Original als Seiken Densetsu bekannt) verbirgt sich eine der bekanntesten JRPG-Marken, die als Kultklassiker anerkannt ist und große Erfolge (Secret of Mana und Trials of Mana) hervorbrachte. Die Reihe reicht bis in die Zeit des SNES zurück und das neueste Spiel ist ein Remake des letzten Teils der Trilogie.

Die Entwickler haben sich dazu entschieden, die meisten Inhalte des Originalspiels als direkte Kopiervorlage für dieses Projekt zu verwenden. Der direkte Vergleich einzelner Kartenabschnitte, Helden oder Bosskämpfe mit den entsprechenden Vorgängerversionen ist deshalb ein reines Vergnügen, denn in ihrer neuen Form machen die alten Inhalte eine gute Figur. Abgesehen davon hat das Remake leider auch alle Problemchen und Mängel geerbt, die im Original reichlich vorhanden waren.

Es überträgt nämlich nicht nur die Elemente, für die wir das Original geliebt haben, auf die neuen Plattformen, sondern auch all das, was nicht mehr den modernen Standards entspricht. Erschwerend kommt hinzu, dass man abgesehen von den Schlüsselszenen die Auswirkungen des geringen Budgets bei der Produktion bemerkt. Einige der Szenen, die ich seit meiner Kindheit mit der klassischen Version verbinde, fühlen sich in dieser erfrischten Form weder charmant noch lustig an - eher im Gegenteil. Viele Situationen sind mir kindisch und geradezu dumm aufgefallen.

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Das Erhöhen einzelner Attribute definiert nicht nur die Statistiken einer Figur, sondern die einzigartigen Fähigkeiten eines Streiters.

Trials of Mana unterscheidet sich von anderen Spielen seines Genres dadurch, dass wir zu Beginn die Zusammensetzung unseres gesamten Teams festlegen dürfen. Wir haben drei von sechs Helden zur Auswahl, wobei der zuerst ausgewählte Charakter unser Hauptprotagonist wird und die anderen beiden zu Reisegefährten werden. Abhängig von den im Team anwesenden Charakteren erwarten euch unterschiedliche Dialoge, Beziehungen und Szenen. Trials of Mana lässt euch eine eigene Geschichte schreiben.

Die meisten dieser Charaktere werden jedoch sehr uninteressant eingeführt und gelingt es ihnen nicht, einen zufriedenstellenden Eindruck zu hinterlassen (um die Vielfalt zwischen verschiedenen Variationen des Teams zu testen, haben wir die Prologe für jeden einzelnen Helden abgeschlossen). Wir gaben dieses Unterfangen jedoch spätestens bei Resi auf, deren einzige Aufgabe es ist, ihren Bruder zu finden. Ihre Motivation ist noch gut umgesetzt worden, doch aufgrund ihres Prologs konnte ich sie nur als wehrlose Blondine wahrnehmen, die nichts kann, als andere Leute mit ihren großen, blauen Augen anzustarren. Heutzutage würde so etwas nicht mehr als ausgearbeiteter Charakter durchgehen...

Interessanterweise sind die meisten Probleme des Spiels nicht unbedingt dem Alter der Erzählung geschuldet, sondern der Implementierung. Natürliche, menschlich aussehende Charaktermodelle harmonieren nicht gerade mit steifen Dialogboxen und Rahmen, trotzdem musste das unbedingt in die Neuauflage, weil es ja schon immer so gemacht wurde. Noch viel schlimmer als das sind aber die offensichtlichen Löcher in der Geschichte, die mit lächerlichen Visualisierungen auf die Spitze getrieben werden. Wir sind längst nicht mehr an einem Punkt, wo aus dem Nichts plötzlich ein hilfreiches Transportmittel erscheinen kann, das unsere Abenteuer sicher und zielstrebig an einen anderen wichtigen Ort transportiert.

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Wir dürfen übrigens jederzeit zwischen der ursprünglichen Komposition und dem neuen Arrangement des Soundtraks umschalten.

JRPG-Tropes erlauben es Spielern häufig, solche Dinge zu ignorieren, doch die hohe Anzahl der wunderbaren Zufälle und die ungelenke Übertragung kompletter Szenen in die neue Engine von Trials of Mana machen diese schlechten Einfälle allzu offensichtlich. Was einst einen unvergesslichen Eindruck hinterließ, ist heute eine im besten Falle gewöhnliche, weit hergeholte oder oft einfach nur banale Lösung. Es ist deshalb bedauerlich, dass die Macher nicht einmal versucht haben, zumindest einige Neuheiten in das Spiel einzuführen. Man kann deutlich spüren, wie groß die Angst davor war, das Abenteuer auf eine andere Art und Weise in die moderne Zeit zu übertragen, als nur die visuelle Umgebung zu optimieren. Und selbst das ist nicht immer ohne Fehler gelungen.

Die sechs Schlüsselfiguren sind zugegeben wunderschön und auch die vollständige Vertonung hat ihren Anteil daran, dass wir die Persönlichkeit jedes einzelnen Charakters besser fühlen als früher. Auf dem ersten Blick wirkt die Welt wunderschön, doch schon bald stellt sich heraus, dass die Umgebungen schmerzlich leer sind. Es gibt nicht einmal eine Spur architektonischer Vielfalt, die das Original schon früher gebraucht hätte. Egal welche Länder wir besuchen - sei es das ritterliche Valsena, das magische Königreich Altena oder die Hafenstadt Beiser - fast jeder Lebensraum der Menschen (und die Bewohner selbst) sehen gleich aus.

Dieselben NPC-Modelle wurden überall eingefügt und man sieht die gleichen Figuren häufig auf einem Bildschirm. Irgendwann werden wir auf ein Geisterschiff und auf ein Dorf in der Wildnis stoßen, dessen Bewohner (und damit auch die stets tanzenden Kaufleute) sich als eben die Monstermodelle herausstellen, gegen die wir vor wenigen Minuten noch gekämpft haben. Es ist schade, dass die Schöpfer nicht einmal versucht haben, diese Charaktere optisch anzupassen.

Es ist lange her, dass wir eine so kleine Vielfalt von Gegnern gesehen haben, denen sich unser Team entgegenstellen musste - in einem Genre, das aus dieser Reihe maßgeblich hervorgegangen ist noch dazu. Im Gegensatz zum Remake von FF7 versucht Trials of Mana nicht, die Varianz der Feinde mit neuen Subgattungen zu erhöhen. Die Begegnung mit den immer gleichen Monstern in Vulkangipfeln und üppigen Graslandschaften hinterlässt deshalb trotz unterschiedlicher Farbschemata einen bitteren Nachgeschmack, weil die Macher nur das absolute Minimum aus ihrem Spiel gemacht haben.

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Im Gegensatz zum Remake von FF7 versucht Trials of Mana nicht, die Varianz der Feinde mit neuen Subgattungen zu erhöhen.

Trotz alledem hat Trials of Mana diesen alten Zauber, den man einem solchen Klassiker einfach nicht absprechen kann. Während der gesamten Reise war ich immer wieder ernüchtert und stellenweise auch enttäuscht, doch ich hatte überraschenderweise eine gute Zeit mit dem Spiel. Maßgeblich daran beteiligt waren das Kampfsystem, das praktisch für jedermann zugänglich ist, und die wunderbare Musik, die wir übrigens jederzeit zwischen der ursprünglichen Komposition und dem neuen Arrangement umschalten dürfen (ähnlich wie im Remaster von Final Fantasy X). An mehreren Stellen konnte ich mich nicht entscheiden, welche Version des Soundtracks ich bevorzuge, weil beide bezaubernd sind.

Bemerkenswert ist ansonsten noch die ungewöhnliche Form der Charakterverbesserung. Das Erhöhen einzelner Attribute definiert nicht nur die Statistiken einer Figur, sondern die einzigartigen Fähigkeiten eines Streiters und sogar den Zugang zu verschiedenen Zaubersprüchen. Leider hat diese Vereinfachung einen Haken, denn sie zwingt die Spieler dazu, effektiv zu planen und frühzeitig auf bestimmte Skills hinzuarbeiten. Wer sich später umentscheidet, der muss mehr Aufwand investieren, um noch auf einen grünen Zweig zu kommen. Damit die Zauberin Angela beispielsweise Feuermagie einsetzen kann, muss sie viele Fertigkeitspunkte in das Attribut Stärke investieren, weil das Spiel diesen Wert mit Feuer assoziiert. Das muss man wissen, bevor man beim Levelaufstieg die Punkte verteilt.

Auf der anderen Seite war eine der besseren Ideen des Spiels, Helden in neue, stärkere Klassen zu befördern. Nach Erreichen des achtzehnten und daraufhin des dreißigsten Levels kann jeder Charakter auf einen von zwei Pfaden in seinem Klassenbaum weiterentwickelt werden und diese Wahl beeinflusst den Spielstil drastisch. Um die Dinge komplexer zu gestalten wird jedem Mitglied unserer Truppe ein Wert zugewiesen: Licht oder Dunkelheit. Duran - der schnell mein Favorit wurde - konnte somit entweder ein glänzender Ritter oder ein aggressiver Gladiator werden. Es darf nur eine Variante ausgewählt werden, außerdem müssen wir uns bei der Entscheidung der neuen Klasse an die Rolle erinnern, die jeder Charakter zuvor in der Gruppe spielt. Glücklicherweise hindert uns nichts daran, an der nächsten Kreuzung mit dem anderen Element zu experimentieren...

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Die sechs Schlüsselfiguren sind zugegeben wunderschön und auch die vollständige Vertonung hat ihren Anteil daran, dass wir die Persönlichkeit jedes einzelnen Charakters besser fühlen als früher.

Der getreue Übergang des Spiels zu einem modernen Abenteuer hat jedenfalls auch einen Vorteil: Es ist ein wahrhaft nostalgisches Erlebnis (und das ist doch auch eine Aufgabe, die ein Remake erst einmal bewältigen muss). Wenn wir durch die erfrischte Welt von Mana reisen, bemerken wir ein paar Mängel, die bei einem Besuch des Originalspiels vielleicht gar nicht so sehr ins Auge fallen würden. Das Spiel stürzt sich gegen ein modernes Publikum und deshalb ist es schade, dass Square Enix dem Titel offenbar kein allzu großes Budget bereitgestellte. Trotzdem sorgen der zugängliche Kampf und die Charakterprogression auch heute noch für Spaß.

Das Remake von Trials of Mana ist also ein Spiel, das vor allem die erfahren Fans des Genres anspricht, oder diejenigen, denen diese Vergangenheit fehlt. Wer veraltete Geschichten mit auffälligen Plot-Löchern und ein paar Mängel, die beim Übergang des Originals auf eine moderne Engine entstehen, in Kauf nehmen möchte, der kann mit diesem Spiel trotz aller Kritik seinen Spaß haben. In meinem Fall hat mir meine eigene, viel zu hohe Erwartungshaltung ein bisschen den Spieldurchlauf ruiniert, aber das muss anderen Spielern ja nicht genauso ergehen.

Das Ergebnis ist insgesamt ein angenehmes Spiel - aber nichts darüber hinaus. Beim Eintauchen in die wunderschöne Welt von Mana ist es unmöglich, sie allein mit der Kraft der Nostalgie zu genießen. Ein echter Klassiker hätte viel mehr Aufmerksamkeit verdient und deshalb hoffe ich, dass Square Enix in Zukunft mehr tun wird, als nur daran zu arbeiten, ein modernes Publikum ein altes Spiel auf neuen Systemen spielen zu lassen. Auf diese Weise könnten wir alle den Titel von damals noch einmal neu entdecken. Trials of Mana hat in diesem Zustand jedenfalls nichts zu bieten, was einen Spieler von heute positiv überraschen wird.

07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
Nachbildung der Schlüsselszenen aus dem Original, schicke Charaktermodelle, Team wird zu Beginn des Spiels gebildet, zugängliches Kampfsystem und Charakterentwicklung, Audio-Optionen, Auswahl zwischen englischer und japanischer Synchronisation.
-
lange Ladezeiten zwischen den Kartenabschnitten, alberne Entschuldigen in der Geschichte, der Welt mangelt es an Abwechslung, Feinde und NPCs wiederholen sich.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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