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Theatrhythm Final Fantasy

Theatrhythm Final Fantasy

Der Charme der Final Fantasy-Reihe baut zu einem großen Teil auf dem fantastischen Soundtrack auf. Um diesem zum 25-jährigen Jubiläum gebührend zu huldigen, entwickelte Indies Zero ein Rhythmusspiel mit großem Unfang und viel Nostalgie.

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Leise setzen die Klänge von Suteki da ne im Hintergrund von Final Fantasy X ein, als Juna realisiert, dass sie ihre Pilgerreise nicht abbrechen kann und ein normales Leben an der Seite von Tidus für sie nicht machbar ist. Das mag kitschig sein, ist für mich aber immer noch einer der schönsten Videospielmomente in meiner, zugegeben noch jungen Gamerkarriere. Der Titel war mein erster Kontakt mit der Final Fantasy-Serie und der Anstoß zu noch vielen weiteren Abenteuern im Final Fantasy-Universum. Das feiert nun sein 25-jähriges Jubiläum, mit einem Rhythmusspiel der besonderen Art.

Denn wieder einmal ist die Welt aus den Fugen geraten, weil sich das Gleichgewicht zwischen den zwei großen Göttern verschoben hat. Nur die Musikwellen Rhythmia, die den Musikkristal speisen, der sich zwischen den beiden mächtigen Wesen befindet, können das Kräfteverhältnis jetzt noch ausgleichen. Zunächst aber müssen diese Wellen erzeugt werden und deshalb findet sich eine Gruppe von vier Helden zusammen, die sich auf eine gemeinsame Abenteuerreise begeben.

Diese Helden setzen wir aus 13 kleinen Chibi-Figuren zusammen, die jeweils für die Hauptcharaktere der 13 Final Fantasy-Abenteuer stehen. Die kleinen Puppenfiguren mit ihren roten Wangen und kleinen Knopfaugen wirken auf Anhieb sympathisch und wir erkennen fast auf den ersten Blick jede Figur. Um die Tradition der Serie nicht zu untergraben, finden sich auch hier verschiedene Rollenspiel-Elemente. So besitzt jede Figur vier Fähigkeiten, die unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Im normalen Spielmodus sind die noch nicht so notwendig wie in späteren Boss-Kämpfen. Doch bevor wir uns zu Klängen der Musik den berühmten Serien-Gegnern wie Seymour oder Sephiroth stellen, müssen wir uns erst einmal durch ein wirklich langes Tutorial lesen.

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Theatrhythm Final FantasyTheatrhythm Final Fantasy
Die Musik-Titel führen zu Seufzern und Erinnerungen an epische Kämpfe und abenteuerliche Reisen.

Die hier erklärten Schritte sind nicht besonders originell, sondern eher in der Tradition vieler vorangegangener Rhythmusspiele gehalten. Wenn die Noten auf dem Bildschirm erscheinen, heißt es den Stylus fest zwischen die Finger klemmen. Rote Punkte bedeuteten ein Tippen auf dem Bildschirm, bei grünen drücken wir den Stylus bis zum Ende der Linie fest auf den Schirm und gelbe Kreise zeigen uns eine Richtung, in die wir unseren Stift schnell ziehen müssen. Das sind die grundlegenden Techniken, der Schwierigkeitsgrad wird über die Schnelligkeit und Anordnung erhöht oder niedrig gehalten.

Um Rhythmia zu verdienen, müssen wir die Noten in den Liedern möglichst präzise treffen. Wer es schafft, nicht einmal daneben zu liegen, wird mit einigen Extrapunkten belohnt. Wählen wir den Serien-Modus, hören wir bereits die erste bekannte Melodie und schon reihen sich die bisherigen Final Fantasy-Titel mit Logo auf und warten darauf, gemeistert zu werden. Jeder Titel besteht aus drei verschiedenen Spielmodi, die sich vor allem im Tempo der Musik unterscheiden. Haben wir uns für ein Spiel entschieden erklingen aber zunächst die Töne der Eröffnungsmusik und dann stürzen wir uns noch einmal ins Abenteuer.

Das erste Level symbolisiert die Reise unserer Charaktere über Stock und Stein, für die wir im kompletten Spiel Stunde um Stunde mit Schatzsuchen und Training verbrachten. Dazu erklingt die für den jeweiligen Teil typische Umgebungsmusik. Die sorgt zunächst für ein bisschen Geschwindigkeit. Hier dominieren vor allem langgezogene Noten, die zum Teil in Schlangenlinien nachgezogen werden. Am Ende erwartet uns die Hauptperson des Spiels wie etwa Juna oder Ashe aus Final Fantasy XII und überreichen uns zur Belohnung ein Item oder eine Sammelkarte.

Richtig ins Schwitzen kommen wir allerdings in den Kämpfen gegen die kleinen und großen Hauptgegner. Die dazu begleitende Kampfmusik zieht das Tempo ordentlich an. Außerdem kommen hier die Rollenspielanteile voll zum Tragen, denn jede Note steht für einen Angriff auf unseren Gegner und je besser wir treffen, desto mehr Schaden richten wir an. Hauen die Noten hingegen schlecht oder gar nicht hin, klingt das Ganze nicht nur schlimm, wir verlieren auch noch Lebenspunkte. Einmal aus dem Takt gekommen, ist es nur schwer möglich, wieder hineinzufinden. Wir betrachten dann schneller als uns lieb ist den Game Over-Bildschirm.

Wir verdienen bei einem erfolgreichen Abschluss aber nicht nur Rhythmia, sondern auch Erfahrungspunkte. Je höher damit das Level der Figuren steigt, desto mehr Lebenspunkte erhalten sie. Dazu erhöht sich die Zahl der sogenannten CP, welche benötigt werden, um Fähigkeiten auszurüsten. Unterschieden werden dabei zwei verschiedene Typen. Einige schalten sich erst nach bestimmten Voraussetzungen im Kampf ein, wie etwa Heilung bei einem Energiewert unter 75 Prozent. Andere sind dauerhaft aktiv und erhöhen beispielsweise die Agilität der Kämpfer. Dazu können die niedlichen Püppchen auch ein Item tragen, dass wir ebenso wie die Talente nicht manuell aktivieren, sondern sie treten zum gegebenem Zeitpunkt selbst in Kraft. Das entbindet uns glücklicherweise von der Verantwortung, selbstständig zu schauen, in welchem Bereich sich unsere Energie gerade befindet.

Bereits die beiden beschriebenen Musik-Titel führen zu Seufzern und Erinnerungen an epische Kämpfe und abenteuerliche Reisen. Doch den größten Gänsehautfaktor bieten die Ereignissoundtracks. Neben der typischen und berührenden Final Fantasy-Musik des jeweiligen Spiels läuft im Hintergrund ein Videozusammenschnitt der schönsten Momente ab. Im Vordergrund reihen sich die Noten wie an einer einer Perlenschnur auf und erfordern einiges an Geschick, da wir die Noten erst später kommen sehen. Doch jeder, der hier die Klänge seines Lieblingsteils hört, wird gar nicht mehr aufhören wollen. Allein Suteki da ne habe ich sicher ein Dutzend Mal gespielt, nur um mich immer wieder von der Melodie verzaubern zu lassen.

Theatrhythm Final Fantasy
Das erste Level symbolisiert unsere Reise und das stundenlange Leveln. Vorwiegend treffen wir hier auf lange Noten. Machen wir unsere Sache gut, werden wir mit hilfreichen Items belohnt.

Nach dem die letzten Töne verstummt sind, ernten wir die restlichen erspielten Rhythmia. Sammeln wird in Theatrhythm Final Fantasy reichlich belohnt, denn je mehr Punkte auf unserem Konto gutgeschrieben werden, desto mehr Extras spielen wir frei. So erwarten uns versteckte Charaktere, die Videos der Ereignismusiklevel und einzelne Musikstücke. Zu sehen und hören gibt's die dann im Theater oder im Musik Player.

Doch damit nicht genug. Wer nach dem Serien-Modus eine weitere Herausforderung sucht, entscheidet sich für verschiedene Challenges. Dabei versuchen wir, die Lieder auch auf dem Experten- oder dem Ultimativen-Niveau zu meistern. Das ist wirklich eine echte Herausforderung, fordert einiges an Geschick und vor allem starke Nerven. Getoppt wird das nur noch von den schwarzen Noten getoppt, von denen wir uns ganze 99 Stück freispielen. In unterschiedlichen Bosskämpfen steigt hier der Schwierigkeitsgrad rasant an. Wer alleine kein Land sieht, und so unwahrscheinlich ist das nicht, holt sich Verstärkung von bis zu vier Freunden.

Der Umfang von Theatrhythm Final Fantasy ist immens und fordert uns immer wieder aufs neue heraus. Leider kommt dabei die Geschichte zu kurz. Lediglich am Anfang wird uns das Ziel unserer Mission erklärt. Später folgt das Ende des Spiels abrupt und ohne weitere Folgen, weil wir die Verbindung zur Geschichte unterwegs längst verloren haben. Doch die emotionale Verbindung zu den Final Fantasy-Spiele haben wir noch nicht verloren und die wird hier auf eine sehr schöne Art und Weise wiederbelebt. Wer nach einer Weile genug vom alten Käse hat, kann sich auch ständig neue Songs dazukaufen.

Ob die Euphorie am Ende durch die Musik oder das rhythmische Tippen entsteht ist eigentlich nicht wichtig, weil es im Ergebnis eine fantastische Spielerfahrung und Erinnerungsreise bleibt. Denn Theatrhythm Final Fantasy erreicht genau das: Wir erinnern uns daran, was uns an den Titeln so gut gefallen hat oder an besondere Stellen, die uns viel Nerven und Zeit gekostet haben. Oder denken an rührende Szenen, bei denen uns das eine oder andere Tränchen aus dem Auge gekullert ist. Am liebsten möchte man gleich wieder beim ersten Final Fantasy beginnen und bis zum Letzten alles noch einmal komplett durchspielen.

Theatrhythm Final Fantasy
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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
süße Figuren, zauberhafte Musik, Aufarbeitung der Serie in neuer Form, viele Extras
-
Touch registriert zu leichtes ziehen der Note oft als einfaches Tippen, eigene Geschichte so gut wie nicht vorhanden
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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