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The Witcher 2: Assassins of Kings

"The Witcher 2 schaut nicht zurück"

The Witcher 2 ist der Nachfolger der großen Rollenspiel-Überraschung aus dem Jahr 2007. Die Erwartungen sind diesmal deutlich größer. Wie geht man damit um, plötzlich mit den ganz Großen der Branche verglichen zu werden?

  • Martin Eiser

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Die Atmosphäre ist perfekt. Ich sitze mit Tomasz Gop, dem Produzenten von The Witcher 2: Assassins of Kings, nach einem ritterlich-üppigen Mahl bei einem Bier auf der Ronneburg. Ich habe das Spiel gerade ausprobiert (die Vorschau dieser Eindrücke gibt's hier zu lesen) und jetzt will ich wissen, was die Menschen hinter dem Spiel bewegt. Wie sieht sich der polnische Entwickler CD Projekt selbst und was sind die Ziele?

The Witcher 2: Assassins of Kings
Tomasz Gop, Produzent von The Witcher 2: Assassins of Kings bei CD Projekt.

Ihr seid ja sehr selbstsicher bezüglich The Witcher 2. Auf der Gamescom hieß es, dass ihr das beste Rollenspiel aller Zeiten entwickeln wollt...
Richtig, das wollten und wollen wir immer - schließlich ist das doch die Ambition eines jeden Entwicklers.

Und, auf dem richtigen Weg?
Der ganze Kram, dass wir das beste Rollenspiel, das bestaussehende, meisterwartete oder was auch immer entwickeln, es ist ein Spaß für mich. Und ganz ehrlich, das habe ich übrigens vorher noch keinem erzählt, aber es geht uns mehr darum, unser eigenes Ding zu machen. Wir wissen immer wie sich der Hexer entwickeln wird, seine ganze Geschichte, alles in The Witcher, The Witcher 2 und vielleicht sogar ein bisschen in die Zukunft gedacht, wenn es dazu kommt. Wir hatten immer unsere eigenen Ideen.

Aber vergleicht man sich nicht trotzdem oder beobachtet die Wettbewerber?
Wird es besser als Dragon Age II sein? Oder besser als Deus Ex, besser als Fallout und Skyrim? Welches Spiel auch immer, die Antwort auf die Frage ist: Nein. Unser größter Wettbewerber überhaupt ist The Witcher. Das ist mein Ernst, wir wollen einfach ein besseres Spiel machen als der Vorgänger.

Welche Wurzeln hat das Team?
In Polen kommen die meisten Spieler aus dem PC-Bereich. Selbst wenn heute viele Leute bei uns mehr in Richtung Konsole als in Richtung PC tendieren oder zumindest beide Plattformen gleichberechtigt nutzten, so wette ich, dass die meisten mit dem PC angefangen haben. In der heutigen Zeit PC-Spiele zu entwickeln, das ist mit Herzblut verbunden, aber es ist natürlich für uns. Wir sind mit den Spielen aufgewachsen und wissen alles darüber. Mit PC-Spielen fühlen wir uns einfach wohler.

Wo bist du persönlich hängen geblieben?
Das Spiel, mit dem ich wahrscheinlich die meiste Zeit verbracht habe - wahrscheinlich so zehn oder zwölf Jahre - das war ganz ehrlich Quake im Onlinemodus. Ich hab damit wahrscheinlich so 1998 angefangen. Aber das beste Rollenspiel hinsichtlich der Story und so weiter, das war wohl Deus Ex.

The Witcher 2: Assassins of Kings
"Die Geschichte schreibt jeder selbst während des Spielens - das ist für mich besonders."

Einer meiner liebsten Zauber in der Witcher 2-Demo war übrigens der mit der Kettenreaktion, die mehrere Gegner traf. Er erinnerte mich irgendwie an Diablo II...
Kein Wunder, in Diablo II war der Frostzauber mit ähnlichen Eigenschaften mein Lieblingszauber. Im Kuhlevel war der unglaublich praktisch.

Ein Kenner also. Wie kommt man dann ausgerechnet dazu, ein reines Rollenspiel zu entwickeln?
Dafür gibt es zwei Gründe. Der eine ist Andrzej Sapkowski. Wenn man über diese wahnsinnige Idee und die Welt, die er erschaffen hat, nachdenkt. Wenn bedacht wird, wie er die Konvention der Fantasy-Welten mit zeitgemäßen und modernen Dingen verbunden hat, dann kann man nur gewinnen. Genau das funktioniert in Spielen. Der andere Grund ist, das die meisten Leute bei CD Projekt in ihrer Kindheit Rollenspiele gezockt haben. So etwas zu machen, das war schon immer ein Traum von uns und endlich machen wir das Spiel, welches als das meisterwartete des aktuellen Jahres gilt.

Ist es schwierig für ein polnisches Studio, so ein Spiel zu entwickeln?
Es ist so schwierig wie für jeden anderen auch. Natürlich ist es am Ende schwierig, ein Spiel zu entwickeln, aber es ist in Polen nicht schwieriger als anders wo.

Gibt es denn in Polen Geld vom Staat?
Nein, das gibt es nicht. So gesehen ist es vielleicht etwas schwieriger. Aber seitdem Polen ein Teil der EU ist, genießen wir schon ein paar Vorteile. Wir erhalten Mittel aus Programmen, die Projekte und Medien unterstützen. Am Ende ist es also doch genauso schwer wie überall.

Was ist an den The Witcher-Spielen besonders?
Dass sie nicht zurückschauen und sich nicht auf Wettbewerber oder andere Genres berufen. Das Schönste ist wirklich, ein Spiel zu entwickeln, das vielleicht großartig wird, ohne die Konkurrenz zu beobachten und da Dinge abzukupfern. Wir machen unser eigenes Ding.

The Witcher 2: Assassins of Kings
"Immer neutral zu bleiben ist aber nicht leicht. Geralt hat sich dafür entschieden, aber scheitert dennoch manchmal."

Welches Feature sticht für dich heraus?
Inception gesehen? Da gibt es eine Szene, in der ein Charakter dem anderen das Konzept von einem Traum erklärt und wie Realitäten entstehen und sie verändert werden. Ich denke, wir haben The Witcher 2 auf eine ganz ähnliche Art und Weise gemacht. Sich etwas ausdenken und gleichzeitig weiterzuentwickeln, so funktioniert das Spiel. Es gibt diese coole Geschichte, in der Könige sterben oder auch nicht - je nach dem wie wir spielen. Es ist so nichtlinear, dass zwei Freunde beim Spielen ganz andere Wege gehen können und auch völlig andere Ergebnisse erhalten. Die Geschichte schreibt jeder selbst während des Spielens - das ist für mich besonders.

Aber ist das nicht ziemlich schwierig, sich eine solche Geschichte auszudenken und das dann auch noch umzusetzen.
Oh ja, das ist es. Aber was denkst du über die gezeigte Demo? Ist es uns geglückt?

Was super war, ist das jede meiner Entscheidungen nicht darauf basierte, was mich eventuell im Spiel weiterbringt. Es ging nicht um Gut oder Böse, sondern um das was mir gefällt. Das Spiel macht einem das wirklich leicht.
Damit ist The Witcher 2 auf den Punkt gebracht. Wow, das überrascht mich. Es sind meine Worte. Es geht nicht darum, ob wir den Lolli stehlen oder kaufen. Es geht mehr der Frage nach, wenn Zwerge, Elfen und das alles existierten, wie würdest du dich verhalten? Sich in die Situation hineinzuversetzen und nicht darüber nachzudenken, ob wir Geld bekommen oder jemand stirbt. Einfach nur das tun, was man tun will.

Aber ist es nicht oft das Problem, dass zwar viele Spiele dieses Ziel verfolgen, aber am Ende doch im Gut-Böse-Schema enden?
Natürlich - und auch bei uns gibt es Sachen, die gut oder böse sind. Aber nicht immer ist das so deutlich.

Das hängt natürlich auch mit diesem speziellen Charakter zusammen, der auf keiner Seite steht...
Immer neutral zu bleiben ist aber nicht leicht. Geralt hat sich dafür entschieden, aber scheitert dennoch manchmal. Es ist nicht immer alles schwarz oder weiß. Manchmal ist es auch rund oder quadratisch oder lila oder grün.

Und wie schaut es mit einer Konsolen-Fassung aus?
Wir haben dazu noch nichts angekündigt.

Ja, das stimmt, aber schon auf der Gamescom habt ihr eure Antwort sehr offen gehalten und davon gesprochen, dass ihr erst einmal das PC-Spiel fertigstellt. Das klingt nicht wie ein Nein.
Alles, was ich an dieser Stelle dazu sage, ist, dass wir darüber nach der Veröffentlichung der PC-Fassung sprechen werden. Es ist nicht so, dass wir nicht darüber sprechen wollen, aber wir entwickeln sie im Moment nicht. Wir sind ein Studio, das sich auf ein Projekt konzentriert. Wenn es passiert, dann könnte das nach dem Release von The Witcher 2 sein.

Glaubst du, eine Umsetzung auf Konsole ist einfach?
Es gibt zumindest keine Probleme mit der neuen Engine oder dem Interface. Auch der PC-Titel ist schon mit einem Controller spielbar.

Ich spiele häufiger mit der Konsole, deswegen wirkte die Steuerung auf mich aber schon sehr klassisch für ein PC-Spiel.
Das ist witzig, weil PC-Spieler wiederum finden, dass es nur für einen Controller optimiert ist. Das Problem ist, dass sie sich nur mit den Änderungen gegenüber dem ersten Teil auseinandersetzen. Und dahingehend wurden ein paar Anpassungen für eine hypothetische Konsolenfassung vorgenommen - das will ich auch gar nicht verheimlichen. Wir haben beispielsweise ein Kreismenü eingeführt. Aber es ist doch weiterhin ein PC-Spiel.

Stimmt, zumal ja in bester PC-Spiel-Tradition weiterhin alles mit Shortcuts über die Tastatur gesteuert werden kann.
Korrekt, aber es gibt eben jetzt dieses zusätzliche Menü und schon ist die Aufregung groß.

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