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Gamereactor Kritiken The Next Big Thing
Kritiken The Next Big Thing

The Next Big Thing

Brian und Gina, die Helden aus der Runaway-Triologie sind für die spanischen Pendulo Studios ein ziemlich gutes Aushängeschild. Aber dieses Kapitel ist abgeschlossen, man will sich einem frischen Stoff zuwenden. Mit The Next Big Thing soll das gelingen. Alles soll…
Martin Eiser Getestet auf PC 31 Januar 2011

Liz Allaire und Dan Murray wirken auf den ersten Blick wie ein erfolgreiches Journalisten-Duo. Die zwei sind charmant und immer dem nächsten große Ding auf der Spur. Die Wahrheit ist leider, dass Dan ein selbstverliebter Macho ist und Liz definitiv einen an der Waffel hat. Die Frau ist irre, ein wenig übereifrig und spricht mit sich selbst, er mimt den coolen Frauenhelden und eingebildeten Macho. Sympathisch sind die beiden natürlich trotzdem, gerade in Kombination miteinander. Dass die zwei sich nicht mögen, daraus machen sie keinen Hehl und auch an Schlagfertigkeit mangelt es keinem der beiden Protagonisten.

Schauplatz von The Next Big Thing ist eine Art Parallelwelt, in der Menschen zusammen mit Monstern leben. Diese sind gesellschaftlich mehr oder weniger anerkannt und arbeiten in der Regel als Darsteller in Horrorstreifen. Doch ein Wandel soll sich vollziehen. Fitz Randolph ist gut situierter und erfolgreicher Regisseur - und ein Monster. Er will weg vom Schmuddelimage, stattdessen lieber nur noch Familienfilme drehen und er hofft, Mitstreiter für dieses Projekt zu gewinnen. An dieser Stelle steigen unsere beiden Reporter ein, denn auf einer Party von Randolph werden sie in eine große Verschwörung verwickelt, die sie am Ende des Spiels auffliegen lassen. Durch das Spiel führt ein Erzähler, der zwischen jedem Kapitel den passenden Bogen schlägt. Manchmal sind diese sehr verkürzend und überspringen, was vermutlich hätte auch in einem eigenem Kapitel erzählt werden können. Dazu gehört leider auch das Ende, dass plötzlich und überraschend kommt.

Jedes der sechs Kapitel ist in mehrere Teilaufgaben untergliedert, die uns auch bei Spielpausen immer einen kleinen Anhaltspunkt geben, was als nächstes zu tun ist. Außerdem gibt es zwei Formen von Knobelhilfen, die das Spiel sogar für Rätselmuffel interessant machen. Einerseits lassen sich Hotspots anzeigen, also jene Punkte, mit denen wir interagieren können. Zum anderen gibt es Tipps, wie ein aktuelles Problem löstbar ist. In zwei Stufen gibt es erst einen in Textform formulierten Hinweis und dann ein Bild mit der entsprechenden Stelle. Beide Hilfen machen natürlich einen Teil vom typischen Spielspaß kaputt, aber können umgekehrt unnötigen Frust verhindern. Außerdem wird dadurch das Adventure zu Lasten einer gestreckten Spielzeit deutlich flüssiger.

Die eine ist irre und der andere ist ein selbstverliebter Macho - die perfekte Mischung für ein lustiges Abenteuer.

Technisch kriegen die Pendulo Studios wieder Lob. Ihren comichaften und dennoch anspruchsvollen Stil behalten sie bei. Die hochauflösende, saubere Grafik überzeugt und zumindest auf unserem Rechner gab es keine Spielfehler oder Abstürze. Die Synchronisation ist an den allermeisten Stellen gelungen, die Sprecher kommen glaubwürdig rüber und wird eine Dialogzeile weggeklickt, geht es einfach mit der nächsten sauber weiter. Nur in einer Szene wird die makellose Fassade brüchig, weil sich Lippen und Mimik zwar korrekt verhalten, aber der Rest des Körpers in ausdrucksloser Stille verharrt.

Nun ist es tatsächlich so, dass The Next Big Thing vor allem von seinem Humor lebt - und der ist manchmal nicht einfach nur über ein paar Klicks in den Dialogen wahrnehmbar, sondern versteckt. So gibt es ein Orakel im Spiel, das Dan weiß machen will, dass er in Liz verliebt sei. Nach dessen Belehrung heißt es bei einer Berührung mit dem Cursor nicht mehr "Orakel", sondern schlicht "Idiot". An anderer Stelle nimmt sich das Spiel selbst auf die Schippe, weil es bei der Kombination von zwei absurden Gegenständen genau diese Absurdität mit Vorwürfen an die Entwickler kommentiert. Das wirklich große Highlight sind die spielbaren Szenen im Kopf von Liz. Hier erfahren wir mehr über das blonde Mädchen mit dem dem Knacks, denn sie muss wieder zu sich selbst finden. Welche Rolle Dan dabei spielt, muss aber jeder selbst herausfinden.

Das Adventure selbst hingegen bietet nur wenig Abwechslung gegenüber den üblichen Spielen. Immer dann aber, wenn ausgetretene Pfade verlassen werden, fügen die sich sauber in das Spiel ein und wirken nicht so aufgesetzt wie etwa die Bonusrätsel bei A New Beginning. Trotzdem ist es schade, dass The Next Big Thing zwar ein fantastisches Spiel ist, aber eigentlich keinerlei Mut bei der Entwicklung bewiesen wurde. Bekannt, bewährt, erfahren - das waren, bei aller Liebe, wohl die Leitgedanken. So wie die Geschichte angelegt ist, kann sie wie schon bei der Runaway-Trilogie weiter fortgesetzt werden. Gerade daher ist es schade, das die Pendulo Studios nicht mehr Akzente gesetzt haben.

The Next Big Thing ist kompakt. In der insgesamt eher kurzen Spielzeit - gemessen an dem, was wir heute von einem Spiel erwarten - fühlt sich kaum eine Minute gestreckt, geschweige denn vergeudet an. Wer Lust hat, kann sich in den abgedrehten Dialogen verlieren, die auch in einem zweiten Durchlauf neue witzige Momente offenbaren. Natürlich, an einigen Stellen wirkt das Adventure trotz der fantastischen Präsentation unfertig. Ein bisschen so, als hätte es ein klar definitiertes Zeitbudget für die Entwicklung gegeben, und irgendwann war das eben aufgebraucht. Zum Beispiel bei den Animationen, die nicht durchweg geschmeidig sind oder eben beim Umfang. Aber ganz ehrlich, das Gesamtergebnis bleibt trotzdem großartig. Wenn der Abspann über den Bildschirm rasselt, gibt es diese wunderbare Gefühl, richtig gut unterhalten worden zu sein. Und darauf kommt es ja letztendlich an.

Zusätzliche Wertungen

Grafik
7 / 10
Sound
8 / 10
Spielbarkeit
9 / 10
Langzeitmotivation
9 / 10
8
Gut von 10 · Gamereactor Deutschland
Pro fantastische Präsentation, witzige Dialoge, optionale Rätselhilfen
Contra Etwas kurz, wirkt an einigen Stellen gepfuscht
Vollständiges Profil 13.607 veröffentlichte Artikel
8
Gut Netzwerk-Wertung über 1 Ausgaben
Fakten zum Spiel
Entwickler Pendulo Studios
Publisher Focus Home Interactive
Termin 29 April 2011
Getestet auf PC
Genre Adventure
Plattformen
PC Mac
Warum Gamereactor vertrauen
23 Ausgaben Jede mit eigener Redaktion und eigenen Wertungen.
1998 Erscheint seit Durchgehend unabhängig geführt.
100% Selbst gespielt Geschrieben aus Zeit mit dem Spiel, nie aus Pressematerial.
1–10 Netzwerk-Wertung Die Wertung jeder Ausgabe, gemittelt und ausgewiesen.