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The Legend of Zelda: Spirit Tracks

The Legend of Zelda: Spirit Tracks

Link setzt sich die Lokomotivführermütze auf und rattert durch ein mit Monstern vollgestopftes Hyrule. Eine Dublette von Phantom Hourglass oder etwas Neues und Spannendes?

  • Jonas Elfving

Während ich gemeinsam mit dem in Lokomotivführeruniform verkleideten Link die Weichen umstelle und in die Trillerpfeife puste, verfalle ich in Grübeleien über die technische Entwicklung, die in den letzten Jahren in den Abenteuern des kleinen Mannes zu erkennen war. Pferd, Segelboot, Dampfer, Zug. Wo soll das Ganze nur enden? Mit Scooter-Rennen in A Lynx to the Past? Oder Hybridautofahren zu Ganons Eigentumswohnung in Twilight Prius?

Wie auch immer, die sich abwechselnden Fortbewegungsmittel sind nur ein Zeichen für Nintendos Bemühungen, die Zelda-Serie frisch zu halten und dies ist äußerst wichtig, weil die Grundformel im Prinzip seit über zwei Jahrzehnten identisch ist. Aber es braucht mehr als nur neue Fahrzeuge, um ein bekanntes Konzept zu einem interessanten Spiel zu machen. Gerade deswegen ist es so erfreulich, dass The Legend of Zelda: Spirit Tracks mehr ist als ein The Legend of Zelda: Phantom Hourglass mit Zügen. Eine Befürchtung, die wir bis zur ersten Spielrunde hatten. Ganz im Gegenteil ist Spirit Tracks eines der besten Spiele der Serie seit langem.

Natürlich ist Phantom Hourglass der Vergleich, der am nächsten liegt, wenn man einem Uneingeweihten das neue Zelda erklären will. Link ist immer noch im niedlichen Wind Waker-Stil designt, er wird aufs Neue (nur) mit dem Stylus gesteuert und der Auftrag ist wieder einmal, in verschiedenen Dörfern einen niederträchtigen Schurken mittels Tempelabräumen und Herumabenteuern platt zu machen. Neue Gegenstände helfen uns sowohl beim Kämpfen als auch beim Erforschen weiter und es gibt eine Menge Nebenaufträgen. Die Fans werden sich schnell zurechtfinden und die Neulinge werden von einer neuen Entdeckung entzückt sein.

Zu Beginn des Abenteuers gibt's (wie üblich) eine Erklärung dazu, was Gut und Böse ist. Link wacht (wie üblich) auf und bekommt den Auftrag, sich zu Hyrules Schloss zu begeben, um dort von Prinzessin Zelda ein Ingenieursdiplom einzukassieren. Friede, Freude, Eierkuchen, es werden Tutorials geboten, wie man Dinge vom Boden aufhebt und wir dürfen sogar eine kleine Zugfahrt unternehmen. Natürlich fällt die Idylle sehr bald in sich zusammen und die Story entfaltet sich. Dieses Mal geht es darum, dass Prinzessin Zelda von Bösewichten ausgenutzt wird, die den Körper der Prinzessin klauen, mit dem Ziel, einen noch böseren Bösewicht wieder zum Leben zu erwecken. Link muss natürlich die Lage retten und er wird von Zeldas Geist begleitet, der an Bord des Zuges tatsächlich mehr sein wird als eine bloße Reisegesellschaft.

Der Zug, ja. Die gesamte Spielwelt ist mit Gleisen verbunden und während wir vorwärts rollen, sehen wir auf dem unteren Bildschirmteil die Fahrt von Link in 3D, während auf dem oberen Bildschirmteil eine zweidimensionelle Karte des Gleissystems und der anderen Züge, die auf den Strecken verkehren, gezeigt wird. Eine frontale Kollision keine gute Idee, deswegen ist es wichtig, das Gaspedal mit Vernunft und gutem Timing zu bedienen. Schweine auf den Gleisen werden mit der Zugpfeife verschreckt und wer ein Stück weit ins Spiel hineingekommen ist, darf auch mit einer auf den Zug montierten Kanone auf Feinde oder Bäume schießen.

Die Zugreisen sind ein wirklich unterhaltsamer Aspekt, aber weil man stets einem Gleis folgen muss, gibt es kein so starkes Freiheitsgefühl wie beim Segeln oder beim Reiten auf Epona. Manchmal ist es sogar langweilig, aber mindestens genauso oft macht es Spaß, neue Gleise zu sammeln (die Gleise sind zu Beginn des Spiels nämlich geheimnisvoll verschwunden), um neue Gebiete zu entdecken. Das Transportieren von Waren und Passagieren ist außerdem ein nettes, ehm, Nebengleis.

Das Herumtuckern mit dem Zug haben wir also schnell drauf und das Gleiche gilt für die neu-alte Panflöte, die Link sich von Zelda ausleiht, während sich ihr Mund und ihre Finger noch etliche Kilometer weit weg befinden. Musikinstrumente spielen in allen Zelda-Games eine wichtige Rolle. In The Legend of Zelda: Spirit Tracks können wir auf die bisher wirklichkeitsgetreueste Art und Weise musizieren: durch Pusten in das DS-Mikrofon und bewegen der Pfeifen mit dem Touchpen auf dem unteren Bildschirm von links nach rechts. Dies geschieht in Schlüsselszenen des Spiels und Link erlernt im Laufe der Zeit neue Melodien. Eine lustige Idee, aber es besteht auch ein gewisses Risiko der öffentlichen Entblößung, wenn man das Spiel etwa im Bus spielt...

Andere Gegenstände sind ebenso klassisch wie unentbehrlich - Schwerter, Bomben, Bumerangs und Ähnliches, die man gegen Feinde einsetzt, aber auch um Puzzles zu knacken oder störrische Bosse zu besiegen. Im Waffensortiment gibt es einige Neuigkeiten, die aber alle während des Spielens lieber selbst entdecken sollen. Nur so viel sei verraten: eine der neuen Waffen macht unglaublich viel Spaß, während eine andere leider vor allem frustrierend ist.

Apropos Frustration: Das zweifellos Nervigste am Vorgänger Phantom Hourglass war der Tempel des Ozeanskönigs, ein schmerzlich repetitiver, mit Phantomen vollgestopfter Ort, zu dem wir mehrere Male zurückzukehren mussten, um frustrierende Trial and Error-Runden auszustehen. In Spirit Tracks gibt es einen ähnlichen Ort, aber keine Angst: Zum Glück ist dies absolut nicht das gleiche langweilige Erlebnis wie beim letzten Mal. Im Gegenteil ist dieser Turm wirklich eine der Stärken des Spiels.

Hier geht es nämlich jedes Mal mehrere Etagen auf einmal voran und Phantome werden mit der Hilfe von Zelda einkassiert, die ihre Körper vereinnahmen kann. Zelda hat je nachdem, welche Art von Phantom-Rüstung gekapert wird, Zugang zu verschiedenen Fähigkeiten, so dass die Geister-Prinzessin alles Mögliche machen kann. Sie trägt Link auf ihrem Schild, verwandelt sich zu einem Ball, der sowohl aus Barrikaden wie auch aus Feinden Schutt und Asche macht oder erleuchtet dunkle Gänge mit einer Fackel.

Abwechslungsreich ist das also - und auch schwierig. Wirklich richtig knifflig. Je höher wir im Turm kommen, desto höher werden die Anforderungen, die an Simultan- und Reaktionsfähigkeit gestellt werden, wenn zwischen Link und Zelda hin- und herwechselt wird und beiden Befehle bekommen müssen. Gute Nachrichten also für diejenigen, die die Zeldatempel manchmal etwas zu einfach fanden. Und überhaupt ist es schön, wie Zelda (trotz der etwas albernen Angst vor Ratten) dieses Mal eine aktivere Rolle als jemals zuvor bekommen hat.

The Legend of Zelda: Spirit Tracks wird also mit dem Stylus gesteuert und das ist in den meisten Situationen auch logisch, exakt und leicht zugänglich. Genau wie in Phantom Hourglass fehlt jedoch in manchen Situationen eine klassische Kontrollmethode und es wird so irgendwie eine Distanz zwischen uns und Link geschaffen, etwa wenn auf einen Topf, den man zerschlagen will, gezeigt werden muss anstatt "selbst" dorthin zu gehen. Manchmal ist es auch einfach nicht gut umgesetzt im Sinn der Spielkontrolle, wie zum Beispiel wenn das Spiel der Meinung ist, dass ich auf einen anderen Feind oder Knopf zeige, als es tatsächlich der Fall ist, was in Kämpfen, in denen sich die Lebensanzeige gerade verabschiedet, extra nervig ist.

Wer vom eigentlichen Abenteuer gelangweilt ist (was unwahrscheinlich ist, bevor jemand das ganze Spiel gelöst hat), darf sich im Multiplayer austoben. Vier Spieler können lokal gegeneinander spielen und es reicht, dass einer von diesen ein Exemplar des Spiels besitzt. Das Ziel ist es, auf diversen Levels Kristalle zu sammeln und seine Gegner daran zu hindern, dasselbe zu tun. Zum Arsenal gehören Bomben, Falltüren und Phantome. Klingt lustig, wird aber recht schnell langweilig. Die Gedanken wandern in Richtung der alten Four Swords Adventures für den Gamecube, mit etwas diesen Kalibers ist aber nicht zu rechnen.

Die Musik, die darf natürlich nicht vergessen werden. Es ist ja fast zur Routine geworden, diese zu loben, wenn ein neues Zelda-Spiel rezensiert wird. Es spricht für sich, dass bereits Monate bevor The Legend of Zelda: Spirit Tracks herauskommen sollte, mehrere Leute Youtube-Clips hochgeladen haben, in denen sie die Intromusik des Spiels auf verschiedenen Instrumenten spielen. Der Soundtrack besteht aus bekannten Themen, um die neue, spannende Varianten gesponnen wurden. Spirit Tracks hat einen Esslöffel voll südamerikanischer Tonfolgen bekommen, einen Essöffel Western sowie einen kräftigen Schuss Zelda und natürlich ist das Tuckern des Zuges ein Teil des Rhythmus. Ohrwürmer sind das, und dieselbe Qualität findet sich auch in den Soundeffekten wieder.

Als ich mit Links Zug die letzte Station erreiche und die Credits durchlaufen sehe, bin ich sehr zufrieden mit diesem kleinen großen Abenteuer. Erstaunlich, wie schnell man vergisst, dass dies ja ein Handheldspiel ist. Dass ein ganzes Königreich, eine so umfassende Saga und so viele Abenteuer auf einer Cartridge Platz finden, ist eigentlich ein schwindelerregender Gedanke. Schon seit Link's Awakening waren die Zelda-Spiele für Unterwegs hervorragende Ergänzungen, während man auf die mächtigen Titel für die große Konsole wartet. The Legend of Zelda: Spirit Tracks ist hier keine Ausnahme. Ein ausgezeichnetes Abenteuer, ganz zu schweigen davon, dass dies das Schönste ist, was man auf einer langen Zugfahrt spielen kann.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
Großes und charmantes Abenteuer, herrlich verzwickte Puzzle, schöne Grafik und Musik, gutes Zelda-Feeling
-
Semilangweiliges Zugfahren, manche Schwäche in der Spielkontrolle
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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