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The Bridge

The Bridge

Optische Täuschungen und die Gesetze der Schwerkraft stehen im Mittelpunkt des kleinen Indie-Puzzlers.

  • Ingo Delinger

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Dem Naturwissenschaftler, Theologen und Philosoph Sir Isaak Newton soll die Idee für seine Gravitationsgesetze durch den Fall eines Apfels gekommen sein. Ob ihn der Apfel dabei am Kopf getroffen hat, ist unklar. Unserem namenlosen Protagonisten aber passiert genau dies: Ein friedliches Nickerchen unter einem Apfelbaum wird unsanft durch etwas Fallobst beendet. Also schlendert der ordentlich gekleidete, bärtige, kleine Mann zurück nach Hause und muss feststellen, dass sich hinter den Türen seines Hauses albtraumhaft lange Korridore mit etlichen weiteren Türen befinden. Der Schlag auf den Kopf scheint ungeahnte Folgen zu haben oder ist alles nur ein Traum? Die Schwerkraft wird jedenfalls unserem Helden noch zu schaffen machen.

Hinter den Türen warten rätselhafte, bildschirmfüllende Traumpassagen auf uns. Auf dem Weg zum rettenden Ausgang müssen wir die Schwerkraft austricksen und uns durch eine unmögliche Architektur voller optische Täuschungen kämpfen, die der Feder des niederländischen Architekten und Grafiker M.C. Escher entsprungen sein könnte. Die einzelnen schwarz-weißen Level sind handgezeichnet und erinnern stark an das offensichtliche Vorbild. Wir können unsere Figur durch die zweidimensionale Welt bewegen und zusätzlich den gesamten Level um 360 Grad rotieren lassen, um so auch Wände oder die Decke zu erreichen. Ohne diese Möglichkeit wäre der Spaziergang auf einem Penrose-Dreieck wohl auch wenig erfolgversprechend.

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The BridgeThe Bridge
Die schlichten Level erinnern in ihrer Architektur an das Werk von M.C. Escher.

Dem kleinen Mann versperren dabei oft schwere rollende Felsblöcke den Weg und häufig müssen erst Schlüssel gesammelt werden, um den Ausgang zu öffnen. Im Laufe des Spiels werden die Rätsel immer verzwickter. Kleine Gravitationsstrudel durchkreuzen unsere Pläne und Inversions-Portale verknoten einem schnell das Gehirn, denn hier wechseln wir nicht nur die Farbe und kehren die Schwerkraft um - unser Held kann jetzt auch nur noch mit gleichfarbigen Türen, Schlüsseln oder Steinkugeln interagieren und letztere werden häufig für Druckschalter benötigt, mit denen wir die Vortex-Strudel vorübergehend deaktivieren können.

Es wird also kompliziert. Schnelle Reaktionen werden uns aber nicht abverlangt. Der kleine Mann kann nicht springen und bewegt sich eher im Schlendergang. Dennoch lässt sich die Zeit per Knopfdruck jederzeit zurückdrehen, um kleine oder große Fehler wieder auszubügeln. Dies geschieht allerdings so gemächlich, das ungeduldige Spieler wohl eher zum schnellen Neustart tendieren werden, sollte die Fehlentscheidung nicht nur wenige Sekunden zurückliegen.

Wenn mit logischer Vorgehensweise die abstrakten Rätsel geknackt wurden, sind die Level von The Bridge eine wahre Freude, leider sind die Möglichkeiten unserer Figur so beschränkt, das häufig schnödes Try & Error-Gameplay schneller zum Ziel führt als ruhige und geplante Züge. Trotzdem sind die Rätsel und die Atmosphäre einzigartig. Sich solche Level und Aufgaben auszudenken war sicher keine einfache Aufgabe, dadurch ist das Spiel allerdings auch wirklich kurz geraten. Nach den eigentlichen 24 Hauptleveln wird eine Spiegelwelt freigeschaltet, die den Zähler dann auf 48 erhöht. Die Spiegelwelt ist allerdings spannender als man zunächst vermuten würde, denn hier sorgen kleinste Veränderungen für völlig neue Situationen und wirklich schwere Rätselpassagen. Die gesamte Spielzeit hängt natürlich völlig von den eigenen Fähigkeiten ab. Hilfefunktionen bietet das Spiel nicht. Wer an einem Rätsel hängenbleibt, muss also die Zähne zusammenbeißen oder die Suchmaschinen zu Rate ziehen.

The Bridge
Die Steuerung ist sehr gemächlich und macht die Spielerfahrung sehr träge.

Die Grundidee von The Bridge ist großartig und die surreale Atmosphäre der handgezeichneten Level hat viel Charme. Für The Bridge muss man aber eine gehörige Portion Geduld mitbringen, denn häufig dauert die Umsetzung der eigenen Pläne durch die wirklich sehr gemächliche Steuerung unerträglich lang. Die einfache Steuerung und das theoretisch simple Konzept des Spiels könnte aber auch neue Spielergruppen erschließen. Insgesamt bleibt The Bridge etwas hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die sehr abstrakt vorgetragene Hintergrundgeschichte ist mir völlig unverständlich geblieben und die einzelnen Level einfach nur hinter Türen zu verbergen ist sicher nicht die eleganteste Lösung.

Wer aber schon beim ersten Blick auf die Screenshots neugierig geworden ist und rätsellastige Spiele liebt, wird mit The Bridge sicher viel Freude haben und die kleinen Schwächen einfach übersehen.

07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
schöne Atmosphäre durch die handgezeichneten Level, interessante, surreale Rätsel
-
sehr kurz, langsame Steuerung, Try & Error führt oft zu schnell zum Ziel
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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