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Rückblick: 20 Jahre Xbox

An diesem Tag vor 20 Jahren rutschte Microsoft in die Lücke, die Sega damals zurückließ.

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In den Neunzigerjahren brachte man Microsoft mit dem Betriebssystem Windows, dem Office-Paket, dem Internet Explorer und mit Bill Gates in Verbindung. Ab und zu hat die Firma auch an Spielen gebastelt, beispielsweise kam 1982 der erste Microsoft Flight Simulator auf den Markt - lange bevor es Super Mario, das NES oder das Sega Master System gab. Es gab auch einen ikonischen PC-Controller (den „Sidewinder") und den Superhit Minesweeper für Windows-Systeme.

Wie jedes andere Unternehmen wollte auch Microsoft wachsen und in seinem Segment relevant bleiben. Mit Schrecken stellte der junge Technologiekonzern damals fest, wie der Spielemarkt nach dem Erscheinen der Playstation förmlich explodierte. Sony verstärkte ihren Einfluss auf die Wohnzimmer der Menschen und dadurch wurden sie in den Augen von Microsoft zu einer Bedrohung für den PC als Unterhaltungszentrum. Die Firma musste handeln, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollte. Das ist einer der Gründe, warum die Dreamcast ein eingebautes Windows-Betriebssystem für einfachere PC-Konvertierungen hatte (woran sich heut niemand mehr erinnert, weil die Dreamcast die Welt nicht gerade mit unglaublichen Verkaufszahlen segnete).

Rückblick: 20 Jahre Xbox

Dank der DirectX-Technologien (die noch heute zum Einsatz kommen) kam Microsoft schließlich auf die Idee, eine eigene Konsole zu erstellen - eine DirectX-Box, wenn man so will. Die Entwicklung dieser Plattform begann 1999 und sie trug den Arbeitsnamen „Midway". Der Name entspringt einer berühmten Seeschlacht, in der die Amerikaner Japan besiegten. Schon früh machten die Entwickler unter der Leitung von Seamus Blackley, Robert J. Bach und dem Leiter der Spieleabteilung Ed Fries (heute wird er manchmal der „Phil Spencer" dieser Ära genannt) deutlich, dass es sich um eine PC-kompatible Konsole mit beispielloser Leistung und Funktionalität handeln würde.

Die Xbox sollte die erste Spielekonsole sein, die mit einer eingebauten Netzwerkkarte auf den Markt kam (die Dreamcast nutzte schon davor ein Modem zum Internetaufbau, während die Playstation 2 und die Nintendo Gamecube nur mittels externer Peripherie internetfähig waren). Die Konsole wurde mit einer integrierten Festplatte ausgeliefert und es gab fortschrittliche Pläne für einen Online-Dienst namens „Xbox Live". Auch die Leistung sollte weit über dem liegen, was die Konkurrenz bot, da sich Microsoft von der Masse abheben musste. Dadurch wurde die Herstellung der Konsole aber natürlich sehr teuer und mehrere Beteiligte haben später ausgesagt, dass das Projekt beinahe aufgegeben worden wäre.

Glücklicherweise kam es nicht dazu, denn Microsoft glaubte an ihre Xbox. Es gab jedoch noch andere Probleme zu lösen, zum Beispiel erwies es sich als schwierig, einen Hersteller für einen Controller zu finden. Das führte dazu, dass eine recht primitive Technologie zum Einsatz kam, die wiederum zum gewaltigen „Duke"-Controller führte. Dieses gigantische Teil begleitete die Konsole nur für kurze Zeit, bevor es durch den zierlicheren „Controller S" ersetzt wurde, der in vielerlei Hinsicht ein eindeutiger Vorläufer der heutigen Xbox-Controller ist.

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Rückblick: 20 Jahre Xbox

Es ist vielleicht erwähnenswert, dass die Controller von damals wesentlich längere Kabel besaßen, als man es bis dato von diesen Geräten gewohnt war. Microsoft wusste, dass die verkabelten Eingabegeräte, die mit den Konsolen von Nintendo und Sony mitgeliefert wurden, für den normalen Gebrauch viel zu kurz waren. Man konnte die Konsole nicht unter dem Fernseher platzieren und sich gleichzeitig bequem auf der Couch zurücklehnen, um zu spielen - das Kabel war dafür einfach nicht lang genug. Außerdem waren die Kabel mit einer Sicherheitsvorrichtung versehen, die sicher nicht nur uns dabei half, halbwegs glimpflich durch den entstandenen Kabelsalat zu stolpern. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Xbox in vielerlei Hinsicht eine innovative Konsole war, die bei einigen Dingen, die heute Standard sind, Pionierarbeit geleistet hat.

Natürlich braucht so eine mächtige Konsole die passenden Spiele und das war schon immer ein weiteres Problem. Nintendo hatte reichlich davon und Berichten zufolge hat Microsoft versucht, das Unternehmen aufzukaufen - was angeblich damit endete, dass man sie auslachte. Es gab auch Versuche, u. a. EA und Square Enix aufzukaufen, doch auch diese Versuche blieben erfolglos. Kleinere Entwicklerstudios konnte Microsoft kaufen, nicht zuletzt das Mac-Studio Bungie, damals bekannt für Myth und Marathon. Sie arbeiteten an einem Strategiespiel namens Halo: Combat Evolved, das später als Ego-Shooter veröffentlicht wurde und Geschichte schrieb. Mit der Zeit konnte das Unternehmen eine gute Beziehung zu Bethesda aufbauen, die seit jeher verschiedene Exklusiv-Deals für die Plattform erarbeiten. Der liebenswerte Japaner Tomonobu Itagaki von Tecmo fand schon früh Gefallen an der Xbox und investierte mit großartigen Spielen, darunter vor allem Dead or Alive 3, in die ursprüngliche Xbox und deren Nachfolger, der Xbox 360.

Rückblick: 20 Jahre Xbox

Im Jahr 2001 kam die Xbox auf den Markt. Es war das überraschende Duo bestehend aus Bill Gates und Dwayne Johnson, das die Konsole auf der CES-Messe im Januar des gleichen Jahres erstmals vorstellte. Tatsächlich hat der Schauspieler „The Rock" seither eine enge Beziehung zur Xbox, beispielsweise war es Johnson, der die Xbox-Series-X-Mini-Kühlschränke Realität werden ließ, bevor Microsoft das Meme aufgriff.

Heute vor genau 20 Jahren, am 15. November 2001, brachte Microsoft die Xbox schließlich auf den Markt. Die ersten Spiele waren nicht schlecht, doch Highlights wie Dead or Alive 3 und Project Gotham Racing wurden vom Abenteuer des Master Chiefs in Halo: Combat Evolved überschattet. Der Supersoldat in der grünen Rüstung stahl den anderen Spielen auf der Konsole die Show und sorgte dafür, dass die Plattform sehr gefragt war. Das große Plus der Xbox war ihre Performance, die die Leistung ihrer damaligen Hauptkonkurrenten (Sony Playstation 2 und Nintendos Gamecube) bei weitem überstieg. Vor 20 Jahren konnten wir zum ersten Mal echte PC-Grafik auf einer Konsole erleben.

Piraterie war auf der Xbox ein großes Problem, denn man konnte die Konsole mit einem einfachen Handgriff Raubkopien abspielen lassen, was das Gerät in diesem Metier äußerst beliebt machte. Außerdem war es leicht, die Festplatten auszutauschen und darauf raubkopierte Spiele zu installieren, oder Xbox-Spiele über Emulatoren laufen zu lassen. Das machte die Konsole in PC-Kreisen sehr beliebt und noch heute verwenden manche Menschen die Hardware als Emulator für Retroklassiker - was aber illegal ist und von uns natürlich nicht unterstützt wird.

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Rückblick: 20 Jahre Xbox

Die Verkäufe liefen jedoch nicht so gut, wie sich das Microsoft gewünscht hatte. Die Playstation 2 ist mit mehr als 155 Millionen verkauften Einheiten heute die meistverkaufte Konsole aller Zeiten - dagegen konnte die Xbox nicht ankommen. Relativ bald nach der Markteinführung senkte Microsoft den Preis der Hardware und machte mit jeder verkauften Einheit große Verluste. Mit der Nintendo Gamecube konnte die Xbox mithalten, denn die Hardware war im Westen deutlich beliebter als Nintendos Alternative. Anfang der Zweitausenderjahre befand sich der westliche Spielemarkt im Aufschwung, nachdem die Konsolen der Japaner seit Mitte der Achtzigerjahre das gesamte Gaming-Feld dominiert hatten. Insgesamt wurden 24 Millionen Xbox-Einheiten verkauft, davon 16 Millionen allein in den USA. Obwohl in den USA 53,65 Millionen Playstation 2 verkauft wurden, hatte Microsoft mit der Xbox auf dem bei weitem wichtigsten Spielemarkt der Welt Fuß gefasst, was wahrscheinlich der Grund dafür war, dass man sich entschloss, die Konsole nach nur vier Jahren in den Ruhestand zu schicken und die Xbox 360 auf den Markt zu bringen, die diese Generation im Westen dominieren sollte.

Das Erbe der Xbox ist heute vor allem online zu finden, aber auch in der PC-Architektur. In der Vergangenheit galt es als selbstverständlich, dass Konsolen proprietäre Geräte waren, die ausschließlich zum Spielen gebaut wurden. Die Entwicklung für diese Plattformen war schwierig und das ist der Grund, warum es so gut wie keine Kompatibilität zwischen den Generationen von Konsolen gibt. Spiele lebten damals in ihrem eigenen Kosmos und die Entwickler mussten dafür sorgen, dass veröffentlichte Spiele fertige und abgeschlossene Produkte waren (damals war nicht alles schlecht, oder?). Für Halo 2 gab es aber bereits weitere Levels als DLC-Option, was das erste Mal war, dass wir dieses Phänomen auf der Konsole in größerem Umfang kennenlernten (obwohl es ähnliche Ideen bereits für die Dreamcast gab).

Xbox Live wurde 2002 auf den Markt gebracht und bildet bis heute die Grundlage für zusammenhängende Online-Systeme auf den Konsolen. Es sollte noch vier Jahre dauern, bis Nintendo und Sony ihre Konsolen mit einem integrierten Speicher versahen und ähnliche Online-Dienste ins Leben riefen, die das Internet von sich aus anwählen konnten. Seit der letzten Generation ist Sony mit den Playstation-Konsolen ebenfalls zur PC-Architektur übergegangen - den Weg hat die Xbox damals geebnet. Die Tatsache, dass die erste Xbox bei ihrer Veröffentlichung bereits so viel leistungsfähiger als die Konkurrenz war, kann man unsere Meinung nach auch heute noch sehen. Microsoft scheint mit der Xbox One X und nun der Xbox Series X erkannt zu haben, dass Leistungsfähigkeit seit jeher ein Teil der Xbox-DNA ist. Natürlich muss man heute allerdings beachten, dass der Unterschied zur Konkurrenz (von Sony) nicht mehr ganz so groß ist wie damals.

Rückblick: 20 Jahre Xbox

Die Tatsache, dass westliche Spiele Anfang der Zweitausender einen Aufschwung erlebten, ist ebenfalls der Xbox zu verdanken. Zuvor waren Konsolenrollenspiele stets mit japanischen Abenteuern verbunden, während die meisten Leute von heute an Titel wie The Elder Scrolls, Mass Effect oder World of Warcraft denken werden. Die Verschiebung in Richtung westlicher Spiele hätte sicherlich ohnehin stattgefunden, nicht zuletzt dank Studios wie Rockstar, aber diese Games hätten vermutlich eine deutlichere PC-Note gehabt, während die Konsolen eher japanisch geblieben wären. Microsoft hat beliebte Spieleserien wie Fable, Forza und Halo veröffentlicht und Rare 2002 in der wohl ersten, wirklich schockierenden Übernahme der Spielewelt aufgekauft. Das Studio hat damals viele tolle Retrospiele geschaffen und zuletzt mit Sea of Thieves Erfolge gefeiert.

Fünf Monate nach der Veröffentlichung der Xbox in den USA kam die Konsole hier bei uns in Europa auf den Markt. Die Grafik der originalen Xbox-Games, wie Dead or Alive 3 oder Halo: Combat Evolved gehörte für die damalige Zeit zu den atemberaubendsten Erfahrungen, die Spieler erleben konnten - zusammen mit Sonic the Hedgehog auf dem Mega Drive, Wipeout auf der Playstation und Soul Calibur auf der Dreamcast. Weil ich damals schon vor dem EU-Start eine Konsole von einem Freund aus den USA geschenkt bekommen habe, wurde ich sogar mal von unserer Lokalzeitung dazu interviewt.

Ich hatte schon während der Dreamcast-Ära begonnen, meine Spiele online zu spielen und mit der Xbox wurde es einfacher, sich mit Freunden zu treffen und mit ihnen zu sprechen (Telefonate waren damals noch teuer als ihr glaubt). Ich habe schon damals Xbox Live statt eines Telefons genutzt, um mit Leuten zu kommunizieren, die ich online kennengelernt hatte. Diese Online-Mentalität, die mir in 20 Jahren nicht abhandengekommen ist, verdanke ich Microsoft und das ist für mich persönlich das große Vermächtnis der Xbox.

Was sind eure schönsten Erinnerungen an die Xbox?

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