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Kritiken
Rhythm Thief & der Schatz des Kaisers

Rhythm Thief & der Schatz des Kaisers

Sega hat Professor Layton mit Space Channel 5 gekreuzt. Im Ergebnis hebt das Adventure nicht das Rollenspiel auf, sondern der Reiz der beiden Spiele multipliziert sich zu einer wunderbaren Spielerfahrung.

  • Martin Eiser

Wenn man Rhythm Thief & der Schatz des Kaisers in einem Wort zusammenfassen müsste, wäre das vermutlich: umwerfend. Es ist ein ganz ähnliches Gefühl, wie der erste Ausflug mit Professor Layton oder mit Ulala in Space Channel 5. Wir starten gemütlich, verfangen uns in den vielen kleinen Details und nach rund zehn Stunden Spielzeit in der Hauptgeschichte glauben wir, dass der Titel viel zu kurz ist. Das aber nur, weil wir einfach nicht genug bekommen können.

Erzählt wird die Geschichte von Raphael. Der Junge führt ein Doppelleben als Phantom R, der in Paris wertvolle Gemälde aus Museen und Galerien raubt und diese später aber wieder zurückbringt. Inzwischen hat das Phantom R einige Schlagzeilen gesichert, die sich ein wenig darüber lustig machen. Aber seine Vergangenheit birgt ein großes Geheimnis, von dem uns zunächst nur verraten wird, dass ihn seit Vater als Kind allein zurückgelassen hat. Raphael hat bereits früh seine Mutter verloren. Geblieben ist nur sein treuer Hund Fondue als Begleiter.

Vor drei Jahren wiederum wurde der Sarg von Napoleon Bonaparte gestohlen und es fehlt bis heute jede Spur von ihm. Inspektor Vergier von der Pariser Polizei vermutet ein Zusammenhang zwischen diesem Vorfall und dem Wirken von Phantom R. Daher will man den Dieb bei seinem nächsten angekündigten Kunstraub auf jeden Fall schnappen. Doch etwas ist diesmal anders, denn auf seiner Flucht trifft Raphael das Mädchen Marie, das eine ganz besondere Geige besitzt. Diese Begegnung verändert alles.

Rhythm Thief & der Schatz des Kaisers
Es verschiedene Musik- und Rhythmusspiele - unter anderem auch einen Dance Dance Revolution-Verschnitt.

Erzählt wird die Geschichte nicht nur in statischen Dialogen, sondern auch in hübschen Anime-Sequenzen. Und es gibt davon relativ viele, denn die Handlung ist nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern eine wichtige Säule. Und auch wenn sich die Qualität nicht auf allerhöchstem Niveau bewegt, ist das Abenteuer spannend bis zum Schluss. Etwas schade ist nur, das es neben den deutschen Texten keine deutsche Sprachausgabe gibt. Aber auf der anderen Seite fehlte das dem ersten Abenteuer von Layton auch noch.

Eigentlich ist es erstaunlich, wie Sega selbst so ein Spiel zustande gebracht hat. Erstaunlich oft liefern sie eine nette Idee, die dann aber mit Mängeln enttäuscht. Und Konami hat erst im letzten Jahr mit dem Puzzle-Adventure Doktor Lautrec und die Vergessenen Ritter eine Bruchladung hingelegt. Auch der Titel spielte in Paris, aber Sega hatte in dieser Hinsicht ein viel besseres Händchen. Nicht nur die Präsentation ist viel schöner, sondern auch die Verbindung von Spiel und Stadt. Im Konami-Puzzler wirkte alles sehr aufgesetzt. Und auch wenn Rhythm Thief & der Schatz des Kaisers stark die Realität mit der Fiktion mischt, so ist unter dem Strich nicht nur ein unterhaltsames, sondern auch ein informatives Spiel entstanden.

Kern des Spiels aber sind die Musik- und Rhythmusspiele. Es gibt 50 davon, allesamt recht abwechslungsreich. Eines ähnelt der klassischen Dance Dance Revolution-Erfahrung, mit dem Unterschied, dass die Eingaben über den Touchscreen und nicht über die Tasten erfolgen. Bei manchen Aufgaben geht es ohne große Sperenzchen darum, über die Tasten den richtigen Takt zu finden. Beim Kochen wiederum müssen wir nur eine Leiste füllen und vom Rhythmus bleibt am Ende recht wenig übrig. Am schwächsten schneiden die Spielchen ab, die voll und ganz auf Bewegungssteuerung setzen. Dafür ist der Nintendo 3DS einfach nicht gemacht und wirklich zu ungenau.

Allerdings ist es ausgerechnet dieses Feature vom Nintendo 3DS, dass eines der Musikspiele so herausragend macht. Wir nutzen jeweils die drei äußeren Tasten vom Steuerkreuz auf der linken Seite und die Aktionstasten auf der rechten. Auf dem Bildschirm sind diese durch Kreise symbolisiert und um die Mitte herum angeordnet. Im Rhythmus zur Musik laufen nun Kugeln von der Mitte nach außen - und wir müssen in richtigen Moment die jeweils zum Kreis passende Taste drücken. Das können auch mehrere sein und wer sich nicht konzentriert, verliert schnell die Übersicht. In gewissen Abständen erfolgt dann aber der Clou und wir müssen den 3DS nach rechts oder links kippen oder ihn nach vorn beziehungsweise nach oben stoßen. Zusammen mit der krachenden Samba-Musik entsteht eine großartige Performance.

Und obwohl fast alle Rhythmusspiele überzeugen und sie wirklich wunderbar in die Haupthandlung integriert sind - fast keines fühlt sich im jeweiligen Moment aufgesetzt oder dumm an - hat das Konzept von Rhythm Thief & der Schatz des Kaisers ein paar Schwächen. Die fünfzig Herausforderungen bieten nur zwei Schwierigkeitsgrade und sie sind alle relativ kurz. Was im Story-Modus wunderbar ist, weil wir bald wieder der Handlung folgen können, stört natürlich dann ein wenig, wenn man diese nur für sich genommen spielen möchte. Für vier Spiele gibt es zum Ausgleich einen Marathon-Modus, der eine ausgedehntere Spielzeit ermöglicht.

Das größte Problem ist nicht die nicht immer ganz korrekt funktionierende Bewegungssteuerung. Mit der kann man durchaus seinen Spaß haben und die Zahl der Spiele, die davon Gebrauch machen, ist sehr überschaubar. Außerdem gibt es Spielhilfen, die man sich erkaufen kann, um schwierige Passagen besser meistern zu können. Es ist eher die ganz grundsätzliche Art und Weise, wie Sega Punkte für unsere Leistung vergibt, die für ein wenig Frust sorgt. Gerade für Musikspiel-Enthusiasten dürfte dies der Knackpunkt sein, mit dem Titel zu hadern.

Rhythm Thief & der Schatz des Kaisers
Das Musik-Abenteuer überzeugt vor allem durch seine wunderbare Präsentation und die nett erzählte Geschichte.

Auf einer Skala von E bis A müssen wir versuchen, uns möglichst gut zu platzieren. Für korrekte Rhythmus-Folgen geht es aufwärts, für Fehler abwärts. Weil aber Fehler meist schwerer wiegen als korrekte Treffer, ist es möglich, durch zwei kleine Fehler am Schluss wieder auf Stufe C oder sogar D zu fallen. Umgekehrt können wir in den ersten beiden von den immer vorhandenen drei Abschnitten eines Songs relativ viele Fehler bauen und am Ende trotzdem mit A abschließen. Sind wir auf Niveau C oder D, dann wiegen Fehler weniger schwer. Auf der Jagd nach dem besten Lauf nervt diese schlechte Balance.

Und ein bisschen reißt Sega damit ein, was sie vorher mühselig aufgebaut haben. Rhythm Thief & der Schatz des Kaisers ist unglaublich abwechslungsreich, lässt uns viel entdecken, hat eine tolle Präsentation, verpackt alles in einer netten Geschichte und klebt obendrauf noch einen kleinen Mehrspieler- und einen Streetpass-Modus. Auch wenn die Spielzeit mit knapp acht bis zehn Stunden nicht nach furchtbar langer Unterhaltung klingt, so wird man sich aber dabei recht selten langweilen und viel mehr noch am Ende die Zeit mit dem Titel erhöhen, weil es Spaß macht, die Musik noch einmal erklingen zu lassen.

In jedem Fall hoffe ich ganz persönlich, dass Sega aus dem Spiel wirklich eine ganze Serie macht. Dieser Auftakt hat den Musikspiel- und den Adventure-Freund in mir jubeln lassen. Und gerade wegen dieser Mischung wiegen für mich auch die Mängel weniger schwer und machen den Titel zu einem der besten, den es für den 3DS gibt.

Rhythm Thief & der Schatz des Kaisers
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Rhythm Thief & der Schatz des Kaisers
09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
abwechslungsreich, tolle Präsentation, nette Rahmenhandlung
-
merkwürdiges Bewertungsprinzip, Bewegungssteuerung nicht immer optimal
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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