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Resident Evil: Revelations 2

Resident Evil: Revelations 2

Diese Woche erscheint die finale Episode von Resident Evil: Revelations 2. Zeit für ein finales Urteil über den Serienableger.

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Resident Evil: Revelations 2 ist bis zum Ende in vielerlei Hinsicht ein anachronistisches Werk. Es bezieht sich stark auf die eigene Vergangenheit. Auf all jenes, was die Resident Evil-Spiele groß gemacht hat. Fans werden das zu schätzen wissen, sehr sogar. Sie werden sich wohl fühlen in und mit diesem Spiel, weil ihnen die Mechanismen vertraut vorkommen. Selbst innerhalb der Level erscheint vieles vertraut. Wer allerdings als Neuling loslegt, vielleicht sogar, nachdem er etwas wie The Order: 1886 gespielt hat, dem werden sofort einige Sachen auffallen.

Die Grafik zum Beispiel ist im direkten Vergleich weit, weit unterlegen. Resident Evil: Revelations 2 sieht nicht hässlich aus, auf seine Weise ist alles sogar stimmig und völlig passend. Aber die Optik bewegt sich technisch in einer anderen Liga. Gerade in den dunklen Passagen wird das deutlich, denn sie sind einfach nur ziemlich dunkel. Dafür ist das Spielerlebnis wieder deutlich actionbetonter, schneller und auf eine komische Art zugänglicher. Das Gameplay ist viel weniger sperrig, als man es oberflächlich betrachtet vermuten würde.

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Resident Evil: Revelations 2Resident Evil: Revelations 2
Die einzelnen Episoden sind kurz, man braucht kaum mehr als eineinhalb Stunden auf dem normalen Schwierigkeitsgrad.

Das Capcom-Werk ist nicht als komplettes Spiel erschienen, das passiert erst am 20. März. Binnen der letzten vier Wochen haben einzelne Episoden nacheinander das Spiel komplettiert. Merkwürdig ist diese Strategie, ein Resident Evil in solchen Episoden zu veröffentlichen. Die fügen Cliffhanger hinzu, die man an TV-Serien so liebt. Aber ich würde die Story trotzdem gerne am Stück spielen, zumal alle Episode mit ihren beiden Abschnitten aus Sicht von Claire Redfield und Moira Burton sowie daran anschließend mit Moiras Vater Barry und der mysteriöse Natalia recht kurz sind. Man braucht kaum mehr als eineinhalb Stunden auf dem normalen Schwierigkeitsgrad.

Persönlich mag ich diese Strategie nicht so sehr. Es ist sicher alles eine Art Experiment für Capcom. Durch die relativ kurze Taktung der Episoden, durch die wöchentliche Veröffentlichung geht das Warten schon klar. Außerdem kann man die Wartezeit bestens für mehrere neue Kampagnendurchläufe oder das Austoben im Raid-Modus nutzen.

Der Raid-Modus ist ein herrlicher Spielplatz, um Spielfiguren aufzuleveln und sich dem Ballern und Sammeln zu widmen. Es ist eine verbesserte Interpretation des Mercaneries-Mdous aus dem Vorgänger. Speedruns sind hier ebenso ein Ziel wie das Sammeln von Erfahrungspunkten. Es gibt den regulären Missionsstrang und tägliche Herausforderungen. Das Paket ist riesig, wenn auch eher gewöhnlich. Dass man sich gegen Echtgeld Kristalle kaufen kann, um in Raid-Missionen wiederbelebt zu werden, ist Quatsch aber geschenkt. Es werden immer wieder Level-Setups recycelt aus alten Teilen der Reihe, was prinzipiell okay ist und wieder vor allem von Fans geschätzt wird. Immerhin sind die Level optisch aufgepimpt. Und es gibt viele Spielfiguren, die man sich nach und nach freispielen kann und die alle getrennt gelevelt werden müssen.

Resident Evil: Revelations 2
Es gibt nach dem ersten Durchspielen unendlich viel Motivation für Masochisten, allein in Form der erbrachten Leistungen während des Spiels.

Die Kampagne dreht sich um Terra Save, ein Unternehmen, das gegen Bioterroristen kämpft. Claire Redfield arbeitet irgendwie mit dem Laden zusammen und wird direkt aus einem großen Bankett gemeinsam mit Moira auf eine Insel verschleppt, die natürlich komplett mit eigenartigen Kreaturen verseucht ist. Wir können sowohl mit Claire als auch Moira spielen, entweder alleine und die Charaktere je nach Bedarf wechselnd oder im Splitscreen-Koop. Ein Koop-Modus am geteilten Bildschirm, auch das ist irgendwie anachronistisch und ich spiele diesen Koop-Modus ehrlich gesagt am liebsten mir selbst. Der Wechsel zwischen beiden Spielfiguren klappt fließend, was die Sache umso netter für Alleinspieler macht. Die Koop-Aktionen sind ohnehin überschaubar wenige, so dass man ganz natürlich quasi live die Vorzüge der jeweiligen Figur nutzt.

Eine Figur ist immer der Hauptprotagonist. In der ersten Episode sind das Claire und Barry, die jeweils die Schusswaffen tragen dürfen. Moira und das kleine Mädchen dürfen mit Brecheisen und Ziegelstein zuschlagen und haben jeweils die Fähigkeit, die Spielwelt für Claire und Barry sichtbarer zu machen. Die Levelstruktur ist wie gehabt linear, bietet aber trotzdem Freiheiten, sich eigene Wege zu suchen. Wie üblich besucht man viele Orte mehrmals, außerdem läuft die Kampagne aus mehreren Blickwinkeln zu den gleichen Orten und wieder von ihnen weg. Dieses System kennen wir aus Resident Evil 6.

Wer einen Episoden-Abschnitt durchgezockt hat, bekommt sein Rating und kann den Schwierigkeitsgrad hochdrehen für den nächsten Versuch. Normal ist gut schaffbar, wobei das Finale schon happig ist. Es gibt nach dem ersten Durchspielen unendlich viel Motivation für Masochisten, allein in Form der erbrachten Leistungen während des Spiels. Man kann einfach so durchspielen oder versuchen, gut dabei zu sein. Wenn man alles findet, bestimmte Gegner auf bestimmte Arten und Weisen abserviert. Nur mit dem Messer unterwegs ist. Man kann Spielmodi freischalten, um danach die Story unter Zeitdruck gegen die Uhr zu spielen oder gegen unsichtbare Gegner. Waffen lassen sich mit diversen Teileboxen verbessern, die in Kisten verborgen sind. Es gibt grünes Kraut für neue Energie, Verbände zum Heilen. Alles sehr Old School, wenn man so will. Nur die Schreibmaschinen zum Speichern fehlen weiterhin.

Resident Evil: Revelations 2
Fans bekommen ein überzeugendes Paket mit viel Inhalt, das sie für viele Tage fesseln wird.

Im Fertigkeiten-Menü können wir mit gefundenen BP-Punkten (durch Edelsteine) und erspielten BP-Punkten unsere Charaktere für nachfolgende Episoden oder Durchläufe verbessern. Das verändert substanziell den zweiten und dritten Durchlauf in der Kampagne, um den es hier wirklich geht. Man wird dazu verleitet, nochmal und nochmal zu spielen. Schemata auswendig zu lernen und besser zu reagieren. Es ist wie früher und fühlt sich heute eher so an, als ob man in einem Actionspiel agieren soll wie in einem klassischen Jump'n'Run. Trial and Error wird zum System, wird aktiv belohnt. Dafür fragt man sich, warum man 2015 Notizen in einem Spiel aufsammelt und sich dann eine statische Textwüste durchlesen muss.

Resident Evil: Revelations 2 ist ganz klar ein Werk, das für die Fans der Serie gemacht ist. Die bekommen ein überzeugendes Paket mit viel Inhalt, das sie für viele Tage fesseln wird. Wer als Neuling einsteigt, dem werden die Optik und das Gameplay vielleicht etwas altbacken vorkommen im direkten Vergleich mit aktuellen Werken der Grafik- oder Gameplayoberklasse. Die Kampagne ist wenig überraschend, bindet geschickt die Ereignisse vergangener Spiele ein und ist dafür erstaunlich klar erzählt. Das Gesamtpaket Resident Evil: Revelations 2 bietet für Fans viel Content zu einem sehr fairen Preis.

Resident Evil: Revelations 2Resident Evil: Revelations 2
08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
Schönes Resident Evil-Erlebnis, harte Herausforderung, klassisches Gameplay, schöne Gegner, toller Raid-Onlinemodus
-
eher schwache Grafik, Konzept der wöchentliche Episoden passt nicht zum Spiel
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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