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Quantum Theory

Quantum Theory

Shooter, in denen die Deckung oberste Priorität hat, sind seit Gears of War voll im Trend. Kein Wunder, dass gerne auf den geduckten Zug aufgesprungen wird. Jetzt hat Publisher Tecmo mit Quantum Theory einen eigenen Vertreter des Genres im Rennen. Allerdings mit einigen Eigenheiten an Bord.

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In den meisten Spiele, bei denen die Deckung im Vordergrund steht, geht es um muskelbepackte Soldaten, große Wummen und fiese Aliens. Bei Quantum Theory ist die Formel ein wenig umgestellt worden. Hier sind ein muskelbepackter Rambo, eine gefährlich schöne Lady, große Wummen und fiese Mutanten ein Spiel. So sehr der Titel auch auf den westlichen Markt abzielt, so stark spürt man seine japanischen Wurzeln wegen der eher verworrenen Geschichte: Nach einem Weltkrieg ist die Menschheit ziemlich am Boden und irgendwie sorgt ein neues Element, genannt Erosion, für Probleme. Überall auf dem Planeten wachsen lebende Türme (!) aus dem Boden und bringen statt süß duftenden Blumen Tod und Verderben.

Wir schlüpfen in die Haut von Syd, einem bulligen Streiter mit einem eingebranten Kreuz auf der Stirn, einer halb verbeulten düster anmutenden Rüstung um den Leib und immer einem flotten Spruch auf den Lippen. Auszüge gefällig? "Hmmm... Munition", oder "Lass dich wie deine Freunde gefälligst töten!" sind häufig gesagte Worte. Er mutet nicht gerade an wie eine Intelligenzbestie. Sein einziges Lebensziel ist es, Türme zu vernichten. Unterwegs trifft er die schöne Filena, die ebenfalls ihre eigenen Motive für die Schlacht hat. Zusammen ergeben sie ein interessantes Team: Er ballert einfach alles nieder, sie dagegen bringt sich aktiv ein und lässt sich bereitwillig vom menschlichen Herkules auf die Gegner werfen, um diese dann gekonnt in Stücke zu hacken.

Wie schon erwähnt: Syd ist mehr der Rambo-Type, was eine seltsame Erfahrung für den Spieler bereithält: Während der Kerl einen dumpfen Spruch nach dem anderen loslässt, gibt es während der Ladepausen zwischen den einzelnen Abschnitten immer wieder Auszüge aus Tagebüchern eines Forschers zu lesen, die über die Menschheit und deren Abgründe sowie ihre Evolution berichten. Sprich: Quantum Theory versucht, grobe Gewalt mit einer fast poetischen Ader zu versehen.

Quantum Theory
Blut fehlt nicht bei der Monster und Türmejagd - und die Optik ist bisweilen ziemlich okay.

Doch was genau ist an den Türmen eigentlich so schlimm? Nunja. Zunächst einmal sind sie nicht von Natur aus Böse, doch sorgen sie dafür, dass die Menschen durchdrehen und sich verwandeln. In schleimige Wesen, die die neue Menschen werden sollen. Eine neue Rasse. Eine blutgeile Masse, die es also aufzuhalten gilt. Was uns dann direkt zum Kampfsystem bringt. Neben den zahlreichen Waffen zählt natürlich in erster Linie, genrebedingt, die Deckung. Doch da der Turm lebendig ist, verändert sich diese gerne einmal. Will heißen, dass immer wieder neue Wände aus dem Boden schießen, während andere plötzlich verschwinden. Alles ist in Bewegung.

Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich, dass man auch als Spieler stets in Bewegung sein muss und sich immer wieder eine neue Deckung zu suchen hat. Soweit funktioniert das Ganze auch recht gut. Es ist ein anderes Problem, an dem Quantum Theory krankt. Das Zielen ist nicht gerade leicht und auf Dauer ziemlich anstrengend. Zudem kann Syd nur in eine Richtung rennen - plötzlich Kehrtwenden sind nicht drin. Vermutlich sind zu viele Muskeln im Weg. Im späteren Spielverlauf nehmen dann die Gegnermassen auch noch so extrem zu, dass der Titel selbst auf dem niedrigsten der drei Schwierigkeitsgrade zu einer Frustorgie verkommt. Zumindest an manchen Stellen. Dafür entschädigen aber wieder die Kämpfe gegen einige Bossgegner, welche in verschiedenen Räumlichkeiten des Turms auf ihre Ausrottung warten.

Quantum Theory
Alles ist in Bewegung, auch die beiden Helden Syd und Filena.

Wer bis zum Ende durchhält, der darf auch noch einen Blick in den Mehrspielermodus werfen, welcher ebenfalls einen Modus mit an Bord hat, bei dem auch Sidekick Filena mit von der Party ist. Die anderen Spielmodi laufen auf reines Totschießen der Gegner hinaus, einen kooperativen Part gibt es leider nicht, obwohl sich gerade dieser stark angeboten hätte.

Technisch ist Quantum Theroy stark durchwachsen. Natürlich, es hat seine Glanzmomente. Besonders die pompös in Szene gesetzten Zwischensequenzen überzeugen optisch und mancher Raum im Turm ist wunderschön gestaltet. Doch viele andere Räumlichkeiten sind trostlos und mit immer den gleichen Texturen versehen, sodass keinerlei Abwechslung geboten wird. Im besten Falle geht das Spiel als optisch überdurchschnittlich durch - mehr ist da leider nicht drin. Das Gleiche gilt auch für die Klangkulisse. Hin und wieder haben sowohl die Stimmen der Protagonisten als auch die Musik ihre Höhepunkte, doch meist siechen sie im Mittelfeld vor sich dahin.

Was am Ende bleibt, ist ein Spiel, das mit großer Wahrscheinlichkeit einige Fans finden wird, jedoch der Masse nicht zusagen dürfte. Zu eng und begrenzt sind die meisten Abschnitte gehalten, zu nervig ist das Zielen, zu frustrierend ist der Schwierigkeitsgrad, zu durchwachsen die Technik und zu wirr die Geschichte. Quantum Theory hat wahrlich gute Ansätze, doch verspielt seine Chancen bei den nötigen Kernkompetenzen und versackt somit im Mittelmaß.

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06 Gamereactor Deutschland
6 / 10
+
Eine lebende Umgebung, die sich auf die Spielmechanik auswirkt - super Idee
-
Zu viele gute Ideen wurden nicht zu Ende gedacht
overall score
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