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Paper Beast

Paper Beast

Ein legendärer Spielemacher aus den Neunzigern ist zurück, um uns eine fremdartige, virtuelle Realität erleben zu lassen.

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In kleinen, aber kontinuierlichen Schritten werden Virtual-Reality-Inhalte interessanter. Allmählich begeistern sich nicht nur immer mehr Spieler für die Technologie, sondern auch Entwickler - unter ihnen durchaus einige Legenden. Der frischeste Neuzugang in diesem Kreis ist Éric Chahi, der vor allem in den Neunzigerjahren mit Spielen, wie Another World und Heart of Darkness, für Furore sorgte, und sich damit einen Platz im französischen Spiele-Olymp sicherte. Sein neues Werk, Paper Beast, können wir vorerst exklusiv über Playstation VR erleben und diese Chance ließen wir uns natürlich nicht entgehen.

Nach dem Start finden wir uns in einer Art "Daten-Umgebung" wieder und bekommen über Textboxen erst einmal merkwürdige Fragen gestellt. Eine Simulation benötigt unsere Meinung zu gewissen Free-to-Play-Mechaniken und wir müssen zum Beispiel angeben, ob wir bereit sind, unsere Daten zu teilen, damit der Computer schneller Ergebnisse errechnet. Wir lehnen erst einmal alles ab und werden dann aufgefordert, ein absurdes Musikspiel zu zocken, während unsere Daten vorbereitet werden. Nun lauschen wir plärrendem japanischem Pop-Gesang, während abstrakte Formen von der Decke regnen, die wir mit unserem Controller bewegen können. Nach einigen Minuten endet diese schräge Ouvertüre und wir werden auf eine Art Wüstenplaneten gebeamt, der in der typisch simplen "Low-Poly"-Optik vieler Indie-Spiele daherkommt.

Wenig später erhalten wir die Möglichkeit, uns per Teleportation durch die Szenerie zu bewegen. Von Anfang an stoßen wir auf merkwürdige Kreaturen, die teilweise entfernt an Tiere auf der Erde erinnern, aber eher aussehen wie Origami-Faltungen. Manche von ihnen sind sehr leicht, sodass wir sie mit unserem "Manipulationsstrahl", der etwas an eine ausfahrbare Angelrute oder einen Teleskopstab erinnert, durch die Luft schleudern können. Das ist unsere einzige Möglichkeit, mit dieser Umgebung zu interagieren. Raubtiere begegnen uns kurze Zeit später ebenfalls, doch sie scheinen überhaupt kein Interesse an uns zu haben, sondern gehen nur auf die unfreiwilligen Beutetiere los. Generell sind wir mehr oder weniger ein körperloser Besucher dieser fremden Welt. Es existiert keinerlei Bedrohung für uns, nicht einmal in Form von Zeitlimits oder ähnlichen Mechaniken.

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Von Anfang an stoßen wir auf merkwürdige Kreaturen, die teilweise entfernt an Tiere auf der Erde erinnern, aber eher aussehen wie Origami-Faltungen.

So starten wir entspannt unsere Sightseeing-Tour und folgen den recht linearen Pfaden, wobei uns öfters Hindernisse den Weg versperren. Um Voranzukommen müssen wir Puzzles lösen, deren Aufgabenstellung nicht immer sofort ersichtlich ist. Oft hat es etwas damit zu tun, dass wir einige der Kreaturen zu einem bestimmten Baum führen müssen, der in ihrer Gegenwart wächst und somit unser Weiterkommen ermöglicht. Das erinnert an Chahis Werk From Dust, eine Art Götter-Simulation aus dem Jahre 2011, in der wir einem Menschenvolk den Weg zu einem Totem ebnen mussten. Auch dort mussten wir teilweise die Landschaft verformen oder uns Elemente wie Hitze oder Eis zunutze machen, was offensichtlich auf Paper Beast abgefärbt hat. Nur ist hier das Geschehen noch einmal um ein paar Nummern surrealer - Erinnerungen an den Indie-Hit Journey oder die Gemälde von Salvador Dalí werden wach, während wir uns durch Höhlen und Dünen bewegen oder an bizarren Gebilden und Erlebnissen vorbeipuzzeln, die immer wieder mit komischen Zahlenkolonnen und Anspielungen auf eine Simulation angereichert werden.

Auf diese Weise werden wir staunend Zeuge eines interessanten Ökosystems und neben unseren Bemühungen, auf die Lösungen der Puzzles zu kommen, machen wir uns natürlich auch darüber Gedanken, was das Ganze eigentlich zu bedeuten hat und wie es in Verbindung mit dem merkwürdigen Anfang stehen könnte. Ehrlich gesagt ist es uns auch nach dem Durchspielen immer noch rätselhaft, ein großer Aha-Moment bleibt aus - trotzdem haben so einige charmante Ideen und Szenerien durchaus Eindruck hinterlassen. Die eigentliche Story ist nach ungefähr drei Stunden beendet - je nach Puzzlegeschick und Entdeckerdrang, denn in vielen der sechs Szenarien und ihren Unterabschnitten gibt es noch ein Sammelobjekt zu finden. Auch einige Trophäen sind an besondere Handlungen gekoppelt, die man zum Durchspielen nicht unbedingt ausführen muss.

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Ehrlich gesagt bleiben auch nach dem Durchspielen immer noch viele offenen Fragen, ein großer Aha-Moment bleibt aus.

Das ist allerdings noch lange nicht alles, denn als Bonus haben die Entwickler auch noch einen „Sandbox"-Modus eingebaut, der vom Namen her hier vielleicht besser passt als je zuvor. Hier gibt es zusätzlich eine Art "Gott-Modus", in dem wir alles aus einer erhöhten Perspektive betrachten und nach Lust und Laune Tiere und Objekte in die Landschaft setzen können. Zudem können wir auch Erdmassen anheben oder absenken, Pflanzen und Wasserquellen kreieren, sowie Elemente wie einen Sandsturm auf unsere selbstgemachte Welt loslassen. Das ist ganz interessant, bietet noch weitere Trophäen und erinnert nun wirklich sehr stark an eine VR-Version des Spieleklassikers Populous, das laut Chahi eine seiner wichtigsten Inspirationen für From Dust war. Auch sonst finden wir in Paper Beast von Form- und Farbgebungen her durchaus einige Parallelen zu seinen alten Hits, allem voran Another World, was das Spiel für Fans des Spielemachers noch eine Spur interessanter machen dürfte.

Wir blieben trotzdem mit einem etwas unbefriedigtem Gefühl zurück. Der innovative Titel punktet mit seiner Atmosphäre, die uns wirklich den Eindruck vermittelt, eine fremde Welt zu erkunden und die dort lebenden Spezies und gewisse Naturphänomene sowie Ökosysteme kennen zu lernen. Dabei gibt es jedoch so gut wie gar keine Führung, was auf eine Art zwar erfrischend ist, aber sicher nicht bei allen Spielern auf Gegenliebe stoßen wird. Fans von stimmungsvollen Indie-Games mit einer starken künstlerischen Handschrift sollten aber auf jeden Fall einen genaueren Blick auf Paper Beast werfen.

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07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
stimmungsvolle Atmosphäre. Interessante Welt mit frischen Puzzle-Elementen, wie topographischer Transformation und Simulation von Flüssigkeiten, sowie den Interaktionen bizarrer Tiere untereinander.
-
Grafik ist recht simpel gehalten, wenig spielerische Führung.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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