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Metal Gear Solid: Snake Eater 3D

Metal Gear Solid: Snake Eater 3D

Die Metal Gear Solid-Reihe ist nicht unumstritten. Die Spiele haben einen künstlerischen Ansatz, der einige einfach überfordert. Sie fühlen sich manchmal überladen und bis ins kleinste Detail durchproduziert an. Die Reihe ist eben ungewöhnlich, aber Hideo Kojima hat tatsächlich ein Meisterwerk geschaffen und sich damit ein Denkmal gesetzt. Dass nun ausgerechnet ein Spiel aus dieser Serie für den Nintendo 3DS als Neuauflage veröffentlicht wird, das verwundert. Dessen Publikum ist schließlich eher dafür bekannt, simple Ansätze zu begrüßen - Hera Lind statt Günther Grass, um einen Vergleich in der Literatur zu suchen.

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Und tatsächlich muss dass ein Thema sein, wenn eine solche Umsetzung erfolgt. Passt das Spiel zur Plattform beziehungsweise wurden die Eigenheiten gut genutzt? Und es bleibt natürlich die entscheidende Frage, ob es sich wirklich lohnt. Eine Portierung nach acht Jahren ist im Grunde schon sinnvoll. Und auch die Wahl des Titels ist nicht so abwegig.

Schließlich geht Metal Gear Solid 3: Snake Eater inhaltlich bis an den Anfang der Serie zurück. Wir erleben eine Geschichte zum Höhepunkt des Kalten Krieges, die noch ohne große Rückblenden und Verweise auf Vergangenes in der Serie auskommt. Es ist ein Abenteuer in der Rolle von Agent Naked Snake, der später als Big Boss bekannt ist. Es ist genau genommen der Erstling. Es ist das Spiel, mit dem der Grundstein für die Geschichte rund um Solid Snake und Metal Gear gelegt wurde.

Kojima wollte schon damals mehr Leute für die Reihe begeistern und das Spiel fragt daher auch heute immer noch nach den Vorkenntnissen, um Quereinsteiger und geübte Anhänger fein säuberlich auseinander zu sortieren. Wer sich als Anfänger outet, bekommt mehr Informationen, mehr Hintergrundwissen und mehr Tipps. Dinge, die einem gestandenen Serien-Profi zurecht auf die Nerven gehen würden und daher deutlich reduziert werden. Trotzdem glänzt der Titel auch in der neuveröffentlichten 3D-Fassung durch seine vielen Funksprüche, die in epischer Breite inklusive Sprachausgabe ungekürzt auf das Modul gepresst wurden. Die Inszenierung und die Handlung, das bleibt alles so wunderbar wie im Original.

Metal Gear Solid: Snake Eater 3D
Die Präsentation in 3D macht etwas her, auch wenn sie mit den jüngst veröffentlichten HD-Versionen nicht mithalten kann.
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Im Dschungel auf dem Gebiet der damaligen Sowjetunion müssen wir nicht nur schleichen und mit Hilfe des Camouflage-System unerkannt bleiben, sondern uns auch selbst mit Nahrung und Ausrüstung versorgen. Es wurden besondere Features integriert, so dass wir mit der Kamera nun eigene Muster einscannen können oder beim Rennen über eine Brücke dank des Bewegungssensors darauf achten müssen, den 3DS korrekt auszurichten. Auch die Menüführung wurde für den Touchscreen angepasst. Die Präsentation in 3D macht etwas her, auch wenn sie mit den jüngst veröffentlichten HD-Versionen nicht mithalten kann. Der obere Bildschirm kommt ohne ein Interface aus, das komplett auf den unteren Bildschirm verlagert wurde. Wir genießen also eine ziemlich freie Sicht auf das Spiel, das aber leider nicht immer ganz flüssig läuft.

Und problematisch ist eigentlich auch die Steuerung. Denn die wurde zwar nett gelöst, weil wir mit den Schultertasten Zielen und Schießen und auch beim Kriechen am Boden die Waffe nutzen können, aber eine Kamera, die über die vier Tasten gesteuert wird, fühlt sich merkwürdig an. Der Nintendo 3DS ist definitiv nicht für diesen Titel gemacht. Und auch wenn das Circle Pad Pro hier eine große Hilfe ist und zum Spielen dringend empfohlen wird, beseitigt es nicht alle Probleme, durch die sich Metal Gear Solid: Snake Eater 3D unkomfortabel anfühlt. Ansonsten ist der Touchscreen manchmal eine Hilfe, um schnell auf bestimmte Gegenstände im Inventar zuzugreifen, aber keine große Revolution.

Was nach all den Jahren aber auffällt, sind ein paar Schwächen bei den Spielmechaniken, die nicht sein müssen. Schon damals war es komisch, dass die Umgebung bei allen Freiheiten eben nicht so genutzt werden konnte, wie wir wollten, sondern wie das Spiel es verlangte. Nicht immer war ein gutes Versteck wirklich gut und es ging hauptsächlich um den Camouflage-Index in der oberen Ecke. Wer sich also im hohen Gras sicher fühlt, muss es nicht automatisch auch sein. Aber gerade diese Momente - bei aktiviertem 3D aus der Sicht von Naked Snake durch das Gehölz zu kriechen, unbemerkt, möglichst dicht an einen Gegner heran - die sind auf dem Nintendo 3DS großartig und ziemlich spannend.

Metal Gear Solid: Snake Eater 3D
Beim Rennen über eine Brücke müssen wir wegen des Bewegungssensors darauf achten, den 3DS korrekt auszurichten - sonst geht's abwärts.
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Vielleicht ist die eher unpassende Plattformwahl von Kojima mit diesem vergleichsweise einsteigerfreundlichen Titel auch als ein Angebot zu verstehen, sich mehr mit der Serie auseinander zu setzen. Für so ein großes Abenteuer ist ein Handheld mit Sicherheit nicht die beste Entscheidung, allein schon auf Grund des Zwischendurch-Spielen-Gedankens und der umgekehrt zwingend erforderlichen Disziplin und Geduld, die insbesondere dieser Titel abverlangt. Aber es ist zumindest erstaunlich, wie exzellent das Spiel dennoch umgesetzt wurde.

Wer die Serie nicht oder kaum kennt, aber interessiert ist, sollte es ernsthaft mit diesem Abenteuer versuchen. Jeder sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass es ein großes, ernsthaftes Spiel ist und keines, dass man zwischendurch mal ein bisschen zockt. Metal Gear Solid: Snake Eater 3D bleibt trotz ein paar Mängeln immer noch ein großartiges Spiel und es demonstriert ebenso gut, warum Hideo Kojima dafür das Prädikat Künstler verdient hat. Auch auf dem Handheld kann man in der Handlung versinken, die fabelhafte Sprachausgabe und authentischen Charaktere genießen. Aber ganz grundsätzlich, dass ist auch eine Wahrheit, ist am Ende eher die ebenfalls vor kurzem erschienene Metal Gear Solid HD Collection die favorisierte Variante.

Metal Gear Solid: Snake Eater 3D
Metal Gear Solid: Snake Eater 3D
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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
das Meisterwerk in seiner epischen Breite auf dem kleinen Bildschirm
-
ohne Circle Pad ist die Steuerung eher anstrengend, kleinere Probleme mit der Grafik
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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