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Mars: War Logs

Mars: War Logs

Eine gelungene Symbiose aus solidem Rollenspiel und intensiver Action, garniert mit einer leider etwas trägen Story.

Was für ein widerwärtiger Bastard! Ein junger Gefangener aus Aurora -übrigens nicht die Welt aus Fable III - erzählt vergangene Erlebnisse eines unbekannten Krieges. Zusammengepfercht liegen wir in einem Zugwagon. Vor wenigen Tagen stand ich noch Seite an Seite mit meinen Kameraden im Staub und Dreck des Schlachtfeldes. Gemeinsam ging es gegen einen gefürchteten Feind. Doch nun hat uns dieser gefangen genommen und versucht uns als Arbeitssklaven zu halten. Mitten im Nirgendwo müssen wir von nun an die Drecksarbeit des Feindes erledigen - im Austausch gegen unser Leben.

Nach nicht enden wollenden Tagen erreicht der Deportationszug endlich sein Ziel. Wie Tiere werden die Insassen aus den Wagons getrieben. "Verhaltet euch ruhig!", brüllt eine bewaffnete Wache. "Und ab unter die Dusche!" Eine warme Dusche wäre ein Traum. Das sieht man der traumatisierten Figur sichtlich an. Als wir jedoch in den heruntergekommenen Baracken angekommen, wird meine Vermutung bestätigt. Dreckiger Sand kommt aus ihr heraus. Das muss ein schlechter Witz sein. Aber das ist leider nicht das Schlimmste.
Ein fetter Gefängnisinsasse erwartet uns bereits. Gierig leckt er sich über seine Lippen. Frischfleisch nennt er uns. Unverhöhnt gibt er zu verstehen, was er vorhat. Man kennt diese Geschichten. Ein kalter Schauer läuft mir den Rücken hinunter. Doch dann betritt ein namensloser Typ die Bildfläche und wir bemerken, dass an der Erzählung der Geschichte etwas merkwürdig ist.

Mars: War LogsMars: War Logs
Rollenspieltypisch werden Erfahrungspunkte und Gegenstände gesammelt, Quests erfüllt und vor allem Gegner erschlagen.

Die Soloerfahrung in Mars: War Logs wird rund um den geheimnisvollen Charakter Roy Temperance aufgebaut. Der Junge Innocence aus der oben beschriebenen Szene wird in Schlüsselsequenzen die vergangenen Geschehnisse zusammenfassen. Er ist quasi der Erzähler und betrachtet dabei seinen Partner Roy und die getroffenen Entscheidungen. Wir starten diese Reise in einem Gefangenenlager. Auf dem roten Planeten haben zwei rivalisierende Großkonzerne einen Krieg um das wertvolle Wasser begonnen. Außerdem ist eine verheerende Katastrophe geschehen. Einige Menschen wurden dabei zu Mutanten. Aber die Informationen rund um diese wirklich tiefgründigen Themen sind rar gesät. Das gibt dem ganzen einen geheimnisvollen Schimmer. Aber Roy ist ein harter Hund, der hat seine eigenen Pläne. Er möchte flüchten - in Anbetracht der ekligen Typen dieser Anstalt kein schlechter Gedanke. Das denkt sich auch Innocence und schließt sich dem Haudegen an.

Das Spiel ist eine gelungene Symbiose aus solidem Rollenspiel und intensiver Action. Rollenspieltypisch werden Erfahrungspunkte und Gegenstände gesammelt, Quests erfüllt und vor allem Gegner erschlagen. Getroffene Entscheidungen haben weitgreifende Auswirkungen auf das Geschehen und Ausrüstungsgegenstände lassen sich variabel verbessern. In glänzenden Schrotthaufen lässt sich so mancher Schatz finden. Zum Beispiel ein Kupferrohr. Mit den richtigen Komponenten wird daraus ein schwerer Hammer oder ein elektrisierender Schockknüppel gebaut. Auch Rüstungen gilt es, mit allerlei Sammelutensilien zu verzieren. Doppelte oder alte Ausrüstungsgenstände werden entweder recycelt oder verkauft.

Schnell wird klar, mit welchen Elementen Mars: War Logs trumpfen will: ein klassisches Rollenspiel in einer postapokalyptischen Umgebung. Viel Zeit verbringe ich neben den fordernden Kämpfen aber vor allem im Charaktermenü. Bereits nach wenigen Kämpfen ist das Stufensystem verfügbar. Zwischen drei Fertigkeitsbäumen wird gewählt: Kampf, Stealth und Magie. Der letztgenannte Zweig wird jedoch erst mit Abschluss des ersten Kapitels freigespielt. Warum? Das ist Teil der Story. Zusätzlich zu den Fertigkeiten können Attribute in passive Fähigkeiten verteilt werden. Allerdings nur in jene, die zuvor auf bestimmte Weise freigeschaltet wurden.

Mars: War Logs
In schwierigen Gefechten ist dieses Radialmenü schon allein wegen der Verlangsamungsfunktion ein Lebensretter.

Das Kampfsystem stellt das zweite große Standbein des Spiels dar. Allzu oft werden wir in solche Situationen hineingeworfen. Die Grundsteuerung ist simpel. Ein normaler Angriff, ein schneller Schlag zur Ablenkung und ein Block wollen beherrscht und perfektioniert werden. Zusammen mit der Ausweichrolle, die uns schnell Positionen wechseln lässt ist, die Basissteuerung komplett. Einzelne Gegner stellen eigentlich keine Gefahr dar. Allerdings ist die Truppenstärke während der Gefechte in den seltensten Fällen "nur" ein oder zwei Mann stärker als unser Team.

Die Kämpfe spielen sich sehr flink. Vor allem im späteren Verlauf schaltet der Held mächtigere Angriffe und Spezialattacken frei. Blöderweise jedoch ist ihre Anwendung umso schwieriger, da sie eine lange Wirkungsdauer haben. Über ein Radialmenü lässt sich der Echtzeitkampf verlangsamen. Während dieser Phase ist taktisches Gefühl gefragt. Wir geben den Verbündeten grobe Befehle und nutzen eigene Fertigkeiten. Auch Fernkampfwaffen lassen sich darüber aktivieren. Allerdings ist die Munition sehr teuer und ihr Einsatz sollte den Bosskämpfen vorbehalten sein. In schwierigen Gefechten ist dieses Radialmenü schon allein wegen der Verlangsamungsfunktion ein Lebensretter. Es ist zwar sinnentfremdend, aber auf diese Weise sind auch entfernte Einheiten sichtbar und der waghalsige Roy hat etwas Zeit zum Verschnaufen.

Mars: War Logs spielt ausschließlich mit Nahkampfwaffen. Diese improvisierten Argumentationsverstärker sind kaum länger als ein gebrochener Ast. Kuschelpartien mit dem Feind sind also vorprogrammiert. Die Gegner agieren unerwartet fordernd und clever. Ist der Protagonist von Gegnern umzingelt, erfolgen ihre Angriffe in zeitlicher Abfolge. Meist stehen wir deshalb unter Dauerhagel feindlicher Waffen und der Exitus ist unausweichlich. Jedenfalls dann, wenn wir es nicht rechtzeitig aus der Gefahrensituation heraus schaffen. Aber auch auf den niedrigeren Schwierigkeitsgraden erwartet uns gelegentlich der Heldentod. Da die Schnellspeicherstände jedoch hinter jeder geöffneten Tür angelegt werden, ist das gut zu verkraften.

Mars: War Logs
Die bestimmenden Farben dieser Botschaft beginnen bei rot und gehen über braun zu grau. Zusammengefasst eine sehr triste und lebensfeindliche Umgebung.

Trotzdem nervig: Häufig gelingt eine Ausweichrolle aus unerfindlichen Gründen nicht und der Treffer geht in den empfindlichen Rücken, obwohl ich ganz eindeutig nicht in Reichweite eines Schweizer Taschenmessers bin. Und ausgerechnet das Blocken ist im Feuergefecht reine Nervensache. In allerletzter Sekunde muss es aktiviert werden. So gelingt der Konter und wir erleiden keinen Schaden. Durch die starke Fokussierung auf den Kampf wirkt Mars: War Logs hier sehr schwer. Dem Schwierigkeitsgrad gelingt derweil auch keine Gratwanderung.

Lässt man sich davon nicht abschrecken, erwartet einen die volle Pracht marsroter Wolken und verstaubten Gefängniszellen, dunkler Höhlen mit bunten leuchtenden Pilzen oder heruntergekommenen Endzeitslums. Erstaunlich, wie sich die Menschheit an diesen unwirtlichen Lebensraum angepasst hat. Die bestimmenden Farben dieser Botschaft beginnen bei rot und gehen über braun zu grau. Zusammengefasst eine sehr triste und lebensfeindliche Umgebung. Merkwürdig ist, dass die Nichtspielercharaktere fester Teil der Umgebung sind. Bei Auseinandersetzungen stehen sie vollkommen unbeteiligt herum. Keiner sucht die Flucht oder versucht zu schlichten.

Vom technischen Aspekt betrachtet ist Mars: War Logs nur mittelmäßig ausgereift. Die Gestaltung der Gegner ist nicht gerade variantenreich. Nur drei Phänotypen der unterschiedlichen Feinde gibt es. Außerdem leiden sie alle unter starren Gesichtern und emotionslosen Synchronsprechern. Die Tonspur ist übrigens nur auf Englisch enthalten, aber es gibt deutsche Untertitel. Dazu kommen lange Ladezeiten beim Gebietswechsel und identische Animationen zum Beispiel beim Gang durch eine Tür oder dem Überwinden eines Hindernisses. Die hakelige Steuerung machen die Sache komplett. Besonders in Schleichpassagen nervt das, wenn sich die Figur einfach weiterbewegt - ohne Anrühren des Controllsticks.

Trotz der nur langsam an Fahrt zulegenden Geschichte bleibt ein absolut passabler Gesamteindruck. Die gelungene Mischung aus Rollenspiel und forderndem Kampfsystem ist ein netter Zeitvertreib. Technisch ist Mars: War Logs zwar nur Mittelmaß, aber das trübt die Unterhaltung kaum. Zu keinem Zeitpunkt habe ich daran gedacht, dass ich hier ein Arcadespiel spiele. Eine Kampagne, die für mehr als zehn Stunden unterhält für kleines Geld, das ist schon toll. Was während des Spielens am meisten genervt hat, ist das total absurde Aussehen meiner Figur. Dieser trashige Psycholook ist aus dem vorletzten Jahrhundert. Ein Auge ist braun, ein anderes blau. Und diese Frisur... da fehlen mir die Worte. Trotzdem ist Roy Temperence eine coole Sau. Und deshalb will man unbedingt erfahren, welche Rolle er in diesem Krieg spielt.

Mars: War Logs
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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
fordernde Kämpfe, starker Rollenspielfokus, authentisches Craftingsystem, gutes Setting, fetter Umfang
-
lahme Gegner, Technik nicht ausgefeilt, träge Geschichte, Steuerung
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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