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Gamereactor Kritiken Little Inferno
Kritiken Little Inferno

Little Inferno

Ein paar der Jungs hinter World of Goo sind mit einem neuen Spiel am Start. Mit dem Spiel teilt es sich aber nur den Stil. Anders als der Indie-Puzzle ist Little Inferno kein Spiel im eigentlichen Sinne - es ist…
Martin Eiser Getestet auf Multi 5 Dezember 2012

Little Inferno ist ein lustiges Kamin-Spielzeug, dass die Menschen weltweit glücklich machen soll. Geliefert wird es alle Bürger, die dann dort ein warmes Feuerchen machen können. Wir verbrennen alles, was uns zwischen die Finger kommt - Spielzeug, Essen, Gegenstände des täglichen Gebrauchs und vieles mehr. Gekauft wird aus dem Katalog und gezündelt, um sich vor der Kälte da draußen zu schützen. Es schneit nämlich schon ziemlich lange und hört einfach nicht auf. Zum Glück ist das Spielchen mit Little Inferno aber kurzweilig und vertreibt die Zeit.

Grundsätzlich erhalten wir für das Verbrennen gekaufter Dinge immer etwas mehr Geld als wir dafür gezahlt haben. Verfeuern wir aber bestimmte Gegenstände zusammen, schalten wir damit Kombos frei und bekommen zur Belohnung Spezialtickets. Diese lassen sich nutzen, um eine Lieferung zu beschleunigen. Je wertvoller ein Gegenstand nämlich ist, desto mehr Geld kostet er und desto länger müssen wir darauf warten. Haben wir eine bestimmte Zahl von Artikeln aus einem Katalog verbrannt und Kombos entdeckt, kann der nächste von insgesamt sieben Katalogen freigeschaltet werden.

Wir kaufen Sachen, nur um sie gleich wieder zu verbrennen - das ist der Hauptinhalt von Little Inferno.

Das Konzept ist also ziemlich simpel und macht sogar Spaß. Trotzdem stellt sich mit der Zeit leider eine gewisse Tristesse ein. Wir haben immer nur dasselbe Zeug und welches Ziel Little Inferno haben soll, ist auch nicht zu erkennen. Klar ist es lustig, vor dem Ofen zu sitzen und immer herauszufinden, wie Materialien reagieren, so bald sie in Flammen aufgehen. Wir knobeln, welche Gegenstände sich hinter den Namen der 99 Kombos verbergen, um sie freizuschalten und feuern und feuern und feuern.

Nebenbei wird uns aber auch noch eine Geschichte erzählt. Wir bekommen Post von einem Mädchen, dass offenbar unsere Nachbarin ist. Sie sitzt auch vor ihrem Little Inferno und freut sich, einen Kumpel gefunden zu haben. Wir schicken ihr Geschenke und bekommen auch welche zurück. Auch die Tomorrow Corporation, dass Unternehmen hinter Little Inferno, schreibt uns ab und zu. Diese Briefe können wir übrigens genauso verbrennen und müssen das sogar. Der Platz im Inventar ist sehr begrenzt...

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Nun scheint ein Preis von fünfzehn Euro für den Titel ziemlich übertrieben. Vielleicht sind es am Ende drei bis vier Stunden, die wir damit verbringen. Wer alles herauskitzelt, hängt vielleicht sogar sechs Stunden davor. Die meisten aber werden wohl die drei Stunden kaum überschreiten. Allerdings ist Little Inferno nicht einfach nur ein Spiel, in dem wir munter Hausrat verbrennen. Little Inferno ist eine Erfahrung. Wer sich bis zum Ende durcharbeitet, bekommt nicht nur eine Auflösung der Geschichte, sondern dazu auch eine wichtige Botschaft mit auf den Weg.

Das Spiel selbst macht sich die ganze Zeit lustig. Einerseits sind es die Combos, bei denen wir schmunzeln müssen, aber auch das ganze System von Little Inferno ist ein Witz. Wir bestellen Artikel, die wir so gleich wieder verfeuern. Dabei ist völlig egal, was wir kaufen - Hauptsache, es brennt. Je größer das Feuer, desto größer die Kälte in unserem Herz. Stumpf kaufen und am besten gleich wieder auf den Müll damit. Das ist großartige Konsumkritik.

Natürlich lassen sich auch lustige Sachen nachbauen, der Umfang bleibt aber gering.

Etwas versteckt üben die Entwickler aber auch Kritik an der aktuellen Lage in der Spiele-Industrie. Für schlechte Spielkonzepte sei kein Platz, denn die Zeit sei vergeudet. Da draußen ist so viel Schönes, das will uns Little Inferno sagen. Und auch wir nörgeln manchmal an den kostenlosen Spielen herum, die uns versuchen, im Verlauf das Geld aus der Tasche zu ziehen und doch kaum Spielspaß bieten. So manche Mechanik mag funktionieren, aber genau genommen werden wir nicht unterhalten, sondern gefangen.

So gesehen ist Little Inferno ziemlich genial und eine Offenbarung. Das große Finale ist erhellend und berührt. Aber irgendwie sind 15 Euro trotzdem eine ganze Stange Geld. Eingen Menschen würden sicher auch zehn Euro immer noch zu viel erscheinen. Wer aber etwas für Indie-Entwickler übrig hat, Kreativität unterstützen möchte und Little Inferno als lehrhaftes und intelligentes Kunstwerk begreift, dem wird das Geld kaum weh tun. Nein, der wird trotz alledem die Fahne hochhalten und den Titel als genial über den Klee loben. So wie ich.

Zusätzliche Wertungen

Grafik
7 / 10
Sound
8 / 10
Spielbarkeit
6 / 10
Langzeitmotivation
9 / 10
9
Herausragend von 10 · Gamereactor Deutschland
Pro Botschaft hinter Little Inferno
Contra geringer Umfang
Netzwerk-Wertung Durchschnitt über 3 Gamereactor-Ausgaben
8,3 Spanne 8–9
Gamereactor Deutschland 9
Gamereactor España 8
Gamereactor Italia 8
Vollständiges Profil 13.607 veröffentlichte Artikel
9
Herausragend Netzwerk-Wertung über 3 Ausgaben
Fakten zum Spiel
Entwickler Tomorrow Corporation
Termin 30 November 2012
Getestet auf Multi
Genre Puzzle, Adventure
Plattformen
PC Mac Wii U Eshop Linux iOS Nintendo Switch
Warum Gamereactor vertrauen
23 Ausgaben Jede mit eigener Redaktion und eigenen Wertungen.
1998 Erscheint seit Durchgehend unabhängig geführt.
100% Selbst gespielt Geschrieben aus Zeit mit dem Spiel, nie aus Pressematerial.
1–10 Netzwerk-Wertung Die Wertung jeder Ausgabe, gemittelt und ausgewiesen.