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Lego Der Herr der Ringe

Lego Der Herr der Ringe

Mit den kleinen Rollenspielansätzen und der erstaunlich detailreichen und großen Oberwelt ist Lego Herr der Ringe ein bisschen das Skyrim für Kinder geworden.

  • Ingo Delinger

Schon mit dem ersten Streichereinsatz des epischen Soundtracks kehrt das wohlige, winterliche Gefühl des großartigen Popcorn-Kino-Abenteuers zurück, mit dem Peter Jacksons in seiner Verfilmung der Herr der Ring-Trilogie Millionen Menschen begeistert hat. Vor dem Kinostart von Der Hobbit lässt uns jetzt Lego Der Herr der Ringe die Reise der Gefährten zum Schicksalsberg neu erleben. Es ist das wahrscheinlich ambitionierteste Spiel unter den vielen Lego-Titeln.

Lego Der Herr der Ringe orientiert sich eindeutig an dem visuellen Erlebnis der Filmvorlage und zum ersten Mal haben die putzigen Legohelden auch echte Dialoge. Anders wäre die Geschichte von Tolkiens epischer Saga wohl auch kaum in einem einzigen Spiel unterzubringen gewesen. Allein durch die Dialogschnipsel aus den Filmen und den bombastischen Originalsoundtrack stellt sich die schnell die Stimmung von Peter Jackson Version des Tolkien-Universums schnell ein. Aber Lego Der Herr der Ringe lässt den Spieler auch all die bekannten Orte selbst erkunden und Mittelerde sieht tatsächlich großartig aus.

Die eigentliche Geschichte um den einen Ring ist in achtzehn Level unterteilt, wobei jeweils sechs Level für einen Teil der Trilogie stehen. In denen dürfen wir nun alle Schlüsselszenen spielend miterleben. In kinderfreundlich entschärften und liebevoll produzierten Zwischensequenzen wird die Geschichte vorangetragen und zaubert einem mit leicht veränderten Details und Slapstick-Einlagen immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Schnell werden die eigentlich öden Legofiguren zu liebgewonnen Helden und Schurken - und sie überraschen uns immer wieder.

Lego Der Herr der RingeLego Der Herr der Ringe
Die Legoversion von Mittelerde ist ein wunderschöner Ort mit vielen überraschenden Details und hübschen kleinen Ideen.

Alle Elemente, die wir aus der mittlerweile beeindruckend langen Liste an Lego-Filmadaptionen kennen, sind wieder mit an Bord: Der schöne dynamische Splitscreen-Koop-Modus, einfache Action und Jump'n'Run-Passagen, die schlichten, aber abwechslungsreichen Rätsel um die unterschiedlichen Fähigkeiten der einzelnen Figuren und die Jagd nach jeder Menge Extras, Geheimnissen und Legosteinen.

Wirklich fordernd ist das Gameplay von Lego Der Herr der Ringe natürlich nicht, trotzdem bleibt man durch die unterschiedlichen Charaktere und die vielen netten Details stets neugierig und wird aufs Beste unterhalten. Die angepeilte Zielgruppe von Lego Der Herr der Ringe ist sicher sowieso die jüngste Generation von Videospielern, idealerweise noch gemeinsam mit den Videospiel-begeisterten Erziehungsberechtigten oder älteren Geschwistern. Da ist über die weihnachtlichen Feiertage für gute Laune gesorgt.

Der eigentliche Star in Lego Der Herr der Ringe ist aber die detailreiche und wunderschöne Oberwelt. Zwischen den angesprochenen achtzehn Leveln dürfen immer wieder riesige Areale von Mittelerde quasi auf eigene Faust erkundet werden. An jeder Ecke warten Nebenquests oder andere kleine Geheimnisse und man ertappt sich schnell dabei, wie man nebenbei auch aus der letzten Legopflanze noch ein paar Münzen prügelt, während man auf der Jagd nach den begehrten neuen Mithril-Steinen ist.

Die sorgen für ein neues Rollenspielelement und können beim Schmied zusammen mit dem nötigen Bauplan zu allerlei nützlichen Gegenständen verarbeitet werden. Das besondere an den Gegenständen ist, dass so einzigartige Fähigkeiten bestimmter Helden auch an andere Figuren weitergegeben werden können. So kann Frodo mit der Mithrilschaufel jetzt auch an bestimmten Orten graben - eine Fähigkeit, die eigentlich Sam vorbehalten ist. Das Prinzip, mit den neu erworbenen Fähigkeiten an früher besuchte Orte zurückzukehren, um dort an zuvor nicht erreichbaren Stellen nach verborgenen Schätzen zu suchen, lädt förmlich zu langen Entdeckungstouren ein.

Auf der Suche nach den begehrten Extras helfen einem aktivierbare Kartensteine, Questfinder oder Schnellreisestationen für das fußfaule Volk. Überhaupt nimmt Lego Der Herr der Ringe uns sehr an die Hand, denn neben den vielen kleinen Hinweisen zu den Minirätseln und der Unterstützung durch die Karten wird durch eine transparente Fährte auch stets der Weg zur nächsten Aufgabe angezeigt. Zusammen mit den wirklich harmlosen Toden der eigenen Spielfigur, die sich in sekundenschnelle vor Ort kurzerhand wieder selbst zusammensetzt, soll wohl vor allem dafür gesorgt werden, dass die Frustgrenze der kleinen Spieler nicht so schnell überschritten wird. Wer will schon, dass der spaßige Spiele-Nachmittag in einer Katastrophe endet?

Lego Der Herr der Ringe
Legolas hat vielleicht DEN legitimen Namen im neuen Lego-Videospiel - aber seine Fähigkeiten muss auch er na alle anderen Helden weitergeben, wenn wir das als Heldenherrscher wünschen.

Frustmomente dürften wohl dennoch nicht ganz vermeidbar sein, denn durch die Mechanik der figurenspezifischen Fähigkeiten kann es doch mal schwierig werden und dann ist diplomatisches Geschick gefordert, um den Nachwuchs oder die kleinen Geschwister von einem Rollentausch zu überzeugen. Die kleinen Rätsel sind eigentlich schlicht, aber manchmal eben auch etwas fummelig. Wenn dann die eigentliche Aufgabe schon längst klar ist und man nur mit den Widrigkeiten der Kamera oder dem Wechsel in den Splitscreen kämpft, kann es gerade mit unerfahrenen Spielern schnell auch mal nervig werden.

Lego Der Herr der Ringe ist trotzdem eine wunderschöne Entdeckungsreise durch Mittelerde - egal ob man einfach das große Tolkien-Epos und all die liebevoll nachempfundenen Orte Mittelerdes nochmal neu erkunden möchte oder noch viel zu klein ist, um das Original zu kennen und ein wesentlich harmloseres Abenteuer auf einen wartet. Das Spiel ist familienfreundlich, bedient aber auch jene, sie sich ein bisschen Entdeckerdrang bewahrt haben. Denn die Legoversion von Mittelerde ist ein wunderschöner Ort mit vielen überraschenden Details und hübschen kleinen Ideen. Sowohl die spektakulären Massenszenen als auch die großartigen Landschaften Neuseelands werden mit für einen Legotitel erstaunlich beeindruckender Grafik präsentiert.

In Lego Der Herr der Ringe hat dann eben doch nur wenig die bekannten Ecken und Noppen der beliebten Steine. Der Erfolg gibt der Reihe recht, trotzdem ist es eigentlich schade, dass jeder kreative Aspekt der Plastiksteinchen in Lego Der Herr der Ringe und den anderen Lego-Spielen überhaupt keine Rolle spielt und der Fokus fast nur auf den zugegebenermaßen lustigen Plastikfiguren liegt.

Selbst wenn die Idee eines Lego-Videospiels nach einer erfolgreichen Filmvorlage schon lange nicht mehr neu ist, haben die Entwickler von Travellers Tales einen wirklich sehr schönen Neuzugang in der Reihe abgeliefert. Die leichten Anleihen an Rollenspielen frischen das klassische Spielprinzip auf und die große Oberwelt mit den vielen freischaltbaren Geheimnissen hat viel zu bieten. Wer allerdings forderndes Gameplay, schwere Kämpfe und knackige Rätsel sucht, wird hier unweigerlich enttäuscht.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
sehr hübsche Lego-Interpretation von Mittelerde, große Oberwelt mit hübschen Details, kleine Rollenspielanleihen entwickeln die Legoreihe weiter
-
das Gameplay ist manchmal dann leider doch zu schlicht, gelegentlich irritiert der Wechsel zwischen Splitscreen und Vollbild
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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