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Left 4 Dead 2

Left 4 Dead 2

Ein Gefühl des Ausgeliefertseins. Unbehagen. Panik. Aber auch der Wunsch lautstark zu lachen. Und die Dankbarkeit, dass man nicht alleine ist. All diese Emotionen durchlebe ich im Bruchteil einer Sekunde. Einige wenige Überlebende, Hunderttausende lebende Tote - das Konzept ist bekannt. Aber es wurde noch nie so gut umgesetzt.

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Es ist erst ein Jahr her, dass wir inmitten einer voranschreitenden Zombieapokalypse das erste Mal Bekanntschaft mit Louis, Francis, Zoey und Bill schlossen. Einige meinten deswegen, dass der Nachfolger zu schnell kommt. Seit seiner Bekanntgabe wurde dieser von vielen aufgebrachten Fans als eine bloße Erweiterung abgestempelt. Diese Diskussion kann nun getrost begraben werden. Denn mit dem Ergebnis vor Augen fühlt sich das sich einfach absurd an.

Parallel zu den Geschehnissen des ersten Teils verfolgen wir nun eine neue Gruppe Überlebender unten in den amerikanischen Südstaaten. Die Infektion hat sich über das ganze Land verbreitet und die einzige Medizin ist heißes Stahl. Pump-Guns, Sturmgewehre, Scharfschützenflinten, Maschinengewehre und Pistolen gibt es in allen Farben und Formen. Aber auch Molotow-Cocktails, Rohrbomben, Granatenwerfer, Motorsägen, Katana-Schwerter, Brandäxte, Bratpfannen und E-Gitarren werden häufig zum Zombie-Klatschen benutzt. Besonders zur Motorsäge habe ich ein Beziehung entwickelt, die auf dem gegenseitigen Verlangen nach abgetrenntem Untotenfleisch basiert.

Der wahrscheinlich größte Schwachpunkt des Vorgängers ist damit abgehakt. Die Waffenvariation in Left 4 Dead 2 spielt in einer ganz anderen Liga. Eine recht banale Verbesserung, die das Vergnügen in all ihrer Einfachheit stark erhöht. Besonders augenfällig wird die Begeisterung, als meine vier Mann starke Gruppe in Dead Centre, dem ersten Kapitel des Spiels, in einem Waffengeschäft eine Verschnaufpause macht und sich jeder ein Laserzielvisier auf die Waffe montiert. Wir rüsten auf. Wir sind mächtig böse.

Von insgesamt fünf tadellos unterhaltsamen Kapiteln ist mein persönlicher Favorit Dark Carnival, der aus einem Jahrmarkt und Umgebung besteht. Ein Ort, der bereits beim ersten Durchspielen viele denkwürdige Momente bietet. Ich denke dabei an das Unbehagen, als wir im Liebestunnel auf die weinende Hexe trafen, die Panik, als wir von dreißig Untoten auf eine Berg und Tal-Bahn gejagt wurden und den schwarzen Humor, als das Landei Ellis eine Gruppe von Clowns in die Luft sprengte, während er grazil eine Rutsche hinabglitt.

Es ist ein zufriedenstellendes Detail, dass sprengstoffverursachter Zombie-Massenmord nicht länger nur in einem roten Nebel endet. Die Physikengine wurde verbessert, so dass man Torsos, Köpfe und Glieder in wirklich alle Richtungen fliegen sieht. Schade, dass es in Deutschland nur eine geschnittene Version gibt. Das Spiel ist ein echtes Splattervergnügen auf hohem Niveau.

Und hier passt es vielleicht ganz gut rein, die PC-Version mit dem Äquivalent für die Xbox 360 zu vergleichen. Für den PC sieht Left 4 Dead 2 bedeutend besser aus. Es läuft mit einer höheren Auflösung, schafft es, mehr liegende Leichen und Körperteile darzustellen und beinhaltet eine Menge anderen technischen Schnick-Schnack, auf den Konsolenspieler verzichten müssen. In einer Auflösung von 1920x1080 sieht die Zombieschlacht wirklich nicht schlecht aus, obwohl das Spiel im Grunde auf der gleichen alten Source-Engine basiert wie das fünf Jahre alte Half-Life 2.

Manchmal passiert unglaublich viel gleichzeitig auf dem Bildschirm. Untote laufen auf Dachfirsten entlang, klettern über Absperrungen und reißen Türen ein. Sie greifen von unten und oben an, von links und rechts. Ein schönes Chaos, das dazu führt, dass sich wirklich gut in die Situation hineinversetzt werden kann.

Bei der Xbox 360-Version erreicht Valve tatsächlich die Grenzen der Konsole nur wegen all dem, was da gleichzeitig so auf dem Bildschirm passiert. Deswegen sahen sich die Entwickler gezwungen, die Optik einen Tick runterzuschrauben. Im Gegenzug können Konsolenzocker gemeinsam mit einem Kumpel im Split-Screen-Modus spielen. Die optimale Lösung sind jedoch ein Haufen PCs, die zu einem LAN verbunden sind. Da kommt man eigentlich nicht drum herum. Aber inhaltlich sind die Versionen identisch. Also ist es gehupft wie gesprungen für alle, die nicht so pingelig sind bzw. für jene, die das Sofa dem Bürostuhl vorziehen.

Left 4 Dead 2 ist von einem ständig wechselnden Tempo geprägt und ein Erlebnis sich darüber hinaus bei jeder neuen Runde ändert. Der unsichtbare Mastermind, der die Zombieangriffe steuert, heißt "The Director". Er kümmert sich darum, dass alle stets und ständig auf der Hut sein müssen. Jederzeit, an den unerwartetsten Stellen, kann er einen Superfeind ins Spiel bringen. Und um seine Böswilligkeit noch ein wenig mehr zu untermauern, möbliert er die Umgebungen ab und zu gerne mal um.

Eine Gasse, die bisher offen war, kann also nächstes Mal blockiert sein und ein Friedhof kann jedes mal ein ganz anderes Aussehen haben. Er zwingt alle unsere Sinne, stets auf Hochtouren zu arbeiten. Deswegen ist Left 4 Dead 2 immer interessant und immer wahnsinnig unterhaltsam. Denn bei jedem Durchspielen erleben wir neue, total verrückte Sachen, die köstlich unterhalten. Das unterstreichen auch jedes Mal aufs Neue die aufgeregten Gespräche in der Lobby.

Der beliebte Versus-Modus aus dem Vorgänger taucht natürlich wieder auf. Hier spielt man die Kampagne mit dem Unterschied durch, dass vier von acht Spielern die Zombierolle auf sich nehmen. Es gibt eine Reihe neuer Zombiearten zur Auswahl, unter anderem den giftspuckenden Spitter, den gewalttätigen Charger und den kleinwüchsigen, blitzschnellen Jockey. Für die Rolle der Untoten, ist es besonders wichtig zusammenzuarbeiten, um erfolgreich zu sein. Erstens weil man alleine nur sehr wenig Schläge abkann. Und zweitens, da ist am entscheidensten, hat jede Zombieart ihre speziellen Eigenschaften und in kombinierter Form können diese vernichtend sein.

Wenn man zum Beispiel die Rolle des schimmeligen Spitter übernimmt, bietet es sich an, mit einem Jockey ein Team zu bilden. Ein Jockey kann sich nämlich an einem Überlebenden festklammern und diesen ganz nach eigenem Geschmack kontrollieren. Und wenn der Spitter dann eine zischende Giftpfütze auf den Boden rotzt, die für die Gesundheit eines Überlebenden nicht wirklich gut ist, tja, dann weiß der Jockey, wo er den armen Menschen hinsteuern soll.

Bereits der Vorgänger war einzigartig, krass und belohnend. Und mit neuen Zombietypen und einem ausbalancierterem Punktesystem, wird Left 4 Dead 2 nur noch besser.

Gears of War 2 hat Horde und Halo 3: ODST hat Firefight. Left 4 Dead 2 hat seine eigene Variante von Survival. In diesem Modus muss man sich verteidigen und so lange wie möglich überleben. Eine neue Mehrspielervariante ist Scavage. Hier sollen die Überlebenden über die Karte verteilte Benzinkanister finden und transportieren, um einen Generator zu füllen und zu starten. Bevor sie zu Zombie-Essen werden, natürlich. Aber mein absoluter Favorit unter den Neuerungen ist Realism. Ein Kampagnenmodus für alle Hardcore-Spieler, in dem Headshots ein Muss fürs Überleben sind und in dem helfende Linien um Charaktere oder Objekte nicht existieren.

Die Kommunikation und der Zusammenhalt waren noch nie wichtiger. Ganz zu schweigen davon, dass man schauen muss, wo man hinschießt. Friendly Fire wird sicher häufig vorkommen, bevor man eine eingeschweißte Gruppe ist. Und hier kommt die echte Herausforderung: Das Kapitel Hard Rain in Realism, auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad. Dunkelheit, unberechenbares Scheißwetter und massenweise quengeliger Hexen. Da heißt es gut anschnallen.

Valves deftiger Nachfolger baut an einem herrlichen Konzept weiter und macht dies auch noch mit Bravour. Massenweise Waffen, Untote, hysterische Co-op-Action für vier und einzigartige Spielmodi machen aus Left 4 Dead 2 den feuchten Traum jedes Zombieromantikers. Vielleicht die beste Huldigung eines Spiels an Untote aller Zeiten.

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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
Großartiges Teamwork, klasse Waffenvariation, unglaublich unterhaltsame Multiplayer-Modi, großer Wiederspielwert
-
Grafisch abgeschwächte Konsolenversion
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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