Singstar und Guitar Hero haben Musikspielen zum Durchbruch verholfen. Vorher fristeten die Spiele eher ein Nischendasein. Auch Nintendo konnte mit eigenen Versuchen nichts daran ändern. Daigasso! Band Brothers für den DS kam wohl auch deswegen bisher nicht in den Westen, weil sich Nintendo nur wenig Erfolgschancen ausmalte. Dabei ist der Titel gerade im Mehrspielermodus ein absoluter Geheimtipp.
Da nämlich können bis zu acht Spieler an der akustischen Umsetzung eines Musikstücks arbeiten. Ein Super Mario-Medley sorgt da schnell für leuchtende Augen, vor allem dann, wenn alle Mitspieler ihr Können richtig einschätzen und das Stück mit wenig oder keinen Fehlern abschließen. Denn so gesehen ist Jam with the Band ziemlich flexibel und bietet für jeden etwas. Für jene, die nicht so viel auf dem Kasten haben, könnte das ziemlich frustrierend sein. Sieht man sich doch immer nur irgendwo im Urschleim rumdümpeln.

Ob leicht oder schwer, das kann jeder selbst entscheiden. Links ist es egal welche Taste gedrückt wird, rechts ist das Spiel komplexer.
Das geht einem vor allem im Solopart so. Auf der ersten von insgesamt zehn Schwierigkeitsstufen ist es egal, welche Taste gedrückt wird, Hauptsache der Einsatz stimmt. Nach und nach werden es mehr Tasten, die unterschieden werden müssen. Und bevor man überhaupt noch das Mittelmaß erreicht, sieht man sich mit Stücken auseinandergesetzt, die viele - mich eingeschlossen - leicht überfordern. Zehn Tasten und Touchsteuerung schnell erfassen und an der richtigen Stelle drücken? Ernsthaft? Das erscheint mir unmöglich. Und in diesem Modus geht es nur aufwärts, wenn man auf der Qualitätsskala neunzig von hundert Punkten erreicht. Werden weniger als um die 75 Punkte erreicht, wird man schon abgestuft.
Ein hartes Geschäft, das stimmt wohl - und trotzdem macht es Spaß. Bei den bekannten Melodien, entwickelt man schnell das richtige Rhythmusgefühl und dann gelingt es auch, schwierigere Aufgaben innerhalb des Stücks zu übernehmen. Denn aus bis zu acht verschiedenen Instrumenten kann das Stück bestehen. Das tonangebende Instrument ist in der Regel das leichtere, währenddessen jene im Hintergrund meist deutlich schwerer zu meistern sind.
Wer Lust hat, darf sich sogar noch im Singen probieren. Die Stimmerkennung ist sogar einigermaßen passabel. Und das Programm kann einem sogar Stücke empfehlen, die man wahrscheinlich besonders gut meistert. Bei den durchweg bekannten achtzehn Pop-Stücken, darunter Every Breath You Take und Walking on Sunshine, nervt nur ein wenig das Gefiepe aus dem Nintendo DS. Originalaufnahmen gibt es leider auch im Modus Singen keine. Dafür ist es möglich, weitere Songs kostenlos herunterzuladen. Die Zahl ist jedoch auf insgesamt fünfzig begrenzt.
Jam with the Band kann jedoch noch mehr. Auch eigene Songs dürfen aufgenommen werden und dafür steht sogar ein lustiges Feature zur Verfügung, bei dem man einen Song summt und das Spiel versucht, die Melodie zu erkennen. Selten funktioniert das zwar so richtig gut, aber es ist durchaus ein nettes Gimmick für jene, die sich überfordert fühlen, die Melodie mittels Klaviertasten oder direkt mit Noten beziehungsweise Akkorden zu übertragen. Erstellte Stücke lassen sich auch mit anderen Spielern teilen. Und wer es so gar nicht auf die Reihe bekommt, darf sich trotzdem bei den Musikstücken der anderen bedienen.

Ebenfalls integriert ist ein Modus zum Singen und ein kleines Tonstudio zum Komponieren eigener Songs.
Was zu dem schwierigen Einzelspielermodus und den komplexen Möglichkeiten, selbst einen Song einzuspielen, nicht so recht passt, ist die Präsentation. Die Sprache der Katze, die durch das Spiel führt, richtet sich zwar nicht unbedingt an die Jüngsten, aber Erwachsene spricht das auch nicht an. Und der kunterbunte Stil des Spiels sowie die muntere Zwischenmusik täuschen ebenso darüber hinweg, dass Jam with the Band mitnichten ein Kinderspiel, sondern ganz schön anspruchsvoll ist.
Richtig ist aber auch, dass der eingangs erwähnte Spaß in der Gruppe ganz unabhängig von Schwierigkeitsgrad ist. Dann spielt man eben nicht auf Profi oder Meister, sondern bleibt bei Anfänger oder Amateur. Wer eine Wii hat, kann sich sogar einen speziellen Kanal herunterladen, um den Fernseher als großen Lautsprecher zu nutzen - auch das geht mit bis zu acht Spielern gleichzeitig.
Und genau dieser Spaß fesselt mich auch noch heute. Das, was ich im August 2005 so liebte, das Spielen mit Freunden und Abtauchen in wohlbekannte Nintendo-Melodien, das kann Jam with the Band noch immer. Allein schon für das Super Mario-Medley und das The Legend of Zelda-Medley lohnt sich der Kauf. Und wer sich entweder nicht leicht frustrieren lässt oder aber schon Guitar Hero immer auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad klimpert, der wird Jam with the Band auch darüber hinaus lieben lernen.
Zusätzliche Wertungen
- Grafik
- 6 / 10
- Sound
- 8 / 10
- Spielbarkeit
- 6 / 10
- Langzeitmotivation
- 7 / 10