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Inside

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Das dänische Studio Playdead hat nach Limbo ein neues Spiel am Start - und Inside ist wirklich ebenso wunderbar geworden.

Alles fängt mit einer Flucht an. Ein kleiner, unschuldiger Junge rutscht einen Abhang in einer düsteren, dystopischen Landschaft hinab - nur knapp vorbei am scharfen Strahl eines Suchscheinwerfers. Hunde wurden losgelassen und das wilde, aggressive Bellen hallt durch die dunkle Umgebung. Maskierte Männer durchsuchen jeden Winkel, während ganze Gruppen von Gefangenen auf Laster verladen werden, um weit, weit weg verschleppt zu werden.



So fängt Inside an, das neue Spiel des dänischen Entwicklers Playdead. Deren Debüt Limbo hatte vor ein paar Jahren die Welt im Sturm erobert. Inside ist eine subtile, dunkle und obskure Geschichte über eine trostlose Welt, in der man sich vor jedem Aspekt fürchten und verstecken muss. Alles, was man tun kann, ist in Bewegung zu bleiben und die immer weiter wachsende Dunkelheit zu vermeiden.

 Inside ist auch Limbo 2.0. Die Spiele teilen sich die gleiche DNA - künstlerisch und auch bei den Spielmechaniken. Inside ist ein 2D-Plattformer versetzt mit einigen Rätseln, bei denen man häufig ein oder zwei Gegenstände manipulieren muss, um voran zu kommen. Die Story selbst ist subtil, unschuldig und kommt ohne Dialoge aus. Das Einzige, was bleibt, ist sehr genau zu beobachten und das Gleiche zu tun, was auch der Junge macht: der Umgebung Aufmerksamkeit schenken.

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Die Erfahrung, die der Spieler in der Landschaft und bei den Ereignissen des Spiels macht, sind extrem wichtig.



Inside trieft von Anfang an vor Atmosphäre und schafft es, eine tiefgängige und trotzdem schlichte Geschichte zu erzählen, ohne dass die Hauptfigur auch nur einen Piep machen muss oder Dialogen lauscht. Tatsächlich gewinnt Inside durch die fehlenden Störgeräusche nur dazu. Die Erfahrung, die der Spieler in der Landschaft und bei den Ereignissen des Spiels macht, sind extrem wichtig. Der puristische Ansatz lässt einen spekulieren - man ist ständig in Gedanken und gezwungen, seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Ich habe erst kürzlich Deadlight: Director's Cut gespielt und eines der Hauptprobleme der Geschichte war die Hauptfigur Randall, dessen dauernden Monologe sich wie Frischhaltefolie um die tatsächliche Geschichte gelegt haben und so alles Leben erstickten. Inside tappt, wie schon Limbo, nicht in diese Falle. Und auch wenn man nie wirklich Antworten auf seine Frage erhält, hält einen die Neugier immer in Bewegung

.

Bei Playdead müssen einige wirklich begabte Grafiker und Animationskünstler arbeiten, denn wen ihr glaubt, Limbo war schon ein unglaubliches visuelles Ereignis, dann klappt euch bei Inside der Unterkiefer runter. Das Design ist absichtlich schlicht gehalten und wie bei Limbo ist die Farbpalette beschränkt. Das bedeutet aber auch, dass viel Raum für die Balance zwischen Licht und Schatten bleibt und deswegen sieht Inside oft wie eine beweglicher Scherenschnitt oder eine Zeichnung aus. Das lässt das Spiel wirklich prächtig wirken und oft hält man inne, um sich zu verinnerlichen, das man ein Teil dieser wunderschönen, aber unheimlichen Welt ist. Die visuelle Wirkung hält das gesamte Erlebnis zusammen - von den Roboter-Wachen bis zu den verfallenen Überresten von etwas, das einmal eine moderne Zivilisation gewesen zu sein scheint - alles passt in diesem Universum zusammen.



Wie in Limbo findet man auch in Inside keine Dialoge, selbst Geräusche werden sparsam eingesetzt. Wie bei schon bei der Geschichte ist hier weniger wirklich mehr, denn die Schritte des Jungen in der Fabrikhalle oder der Regen, der auf rostige Tonnen trommelt, wirken so viel stärker, wenn man nicht zu viel zu hören bekommt. Man hört einfach aufmerksamer hin. Die unheimliche Musik läuft etwas seltener und begleitet einen nur, wenn die Situation es erfordert. Wenn man plötzlich verfolgt wird, steigert sich das Tempo abrupt. Es handelt sich immer noch um düstere, pulsierende elektronische Musik, aber beim Durchstreifen der Umgebung ist unsere einzige Begleitung häufig das Geräusch unserer Schritte und der eigene Atem. Das Gefühl von Isolation wird durch das Sounddesign und die wenigen Musikstücke nur noch verstärkt.



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Das Design ist absichtlich schlicht gehalten und wie bei Limbo ist die Farbpalette beschränkt.

Bei Inside geht es um die Gesamterfahrung, die Komposition dieser exquisiten Zutaten, die kombiniert für ein harmonisches Ganzes sorgen - darum aber ist auch kein einzelner, abgetrennter Teil des Spiels besonders fortschrittlich. Das gilt besonders für die mechanische Struktur des Spiels. Wie schon bei Limbo gibt es eine Reihe an physikalischen Rätseln, die einen zum Beispiel menschliche Zombies mit einem speziellen Helm steuern lässt. Die gesamte Struktur ist mit Absicht sehr schlicht gehalten, aber das geht nie soweit, dass man enttäuscht wird. Wie bei Journey oder Monument Valley ist es nicht die Herausforderung, die für Unterhaltung sorgt. Das Entertainment wird subtiler serviert. Inside ist eins dieser Spiel, die sofort unter die Haut gehen und einen erst Stunden nach dem Abspann wieder loslässt.



Einige Absätze dieser Kritik haben sich mit Vergleichen zu Limbo befasst und auch wenn man ein Spiel einzeln bewerten muss, sieht Inside sehr aus wie sein Vorgänger aus - positiv, aber auch negativ. Es ist ohne Frage ein großer Sprung für Playdead, aber gleichzeitig kommt einem Inside häufig etwas zu bekannt vor. Es wirkt wie ein direkter Nachfolger, statt wie etwas Neues, das auf den besten Elementen aufbaut. Inside ist ambitionierter und fühlt sich größer an, aber manchmal eben auch wie ein Echo aus der Vergangenheit. Das Sprünge der Hauptfigur fühlen sich identisch mit denen aus Limbo an, das Gleiche gilt für die Bewegungsabläufe, den puristischen Ansatz bei der Story und das Puzzle-Design. Das ist jetzt aber bitte keine wirkliche Beschwerde - ein Spiel basierend auf einem soliden Titel wie Limbo ist keine so schlechte Idee - es fühlt sich nur nicht so frisch an, wie ich es mir gewünscht hätte.



Dadurch wirkt Inside aber kein bisschen weniger magisch, denn es ist eine echte Plattform-Perle, die einmal mehr das Indie-Talent von Playdead zeigt. Das kleine Studio kann Spiele-Erfahrungen erschaffen, die wirklich unter die Haut gehen. Nur wer etwas völlig anderes im Vergleich zu Limbo erwartet, könnte enttäuscht werden.



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Inside ist eins dieser Spiel, die sofort unter die Haut gehen und einen erst Stunden nach dem Abspann wieder loslässt.


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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
Tolle Atmosphäre, robuste Puzzle fabelhafter visueller Stil, tolle Musik, Gefühl der Isolation
-
Ein bisschen zu bekannt vielleicht
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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