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Infamous: Second Son

Infamous: Second Son

Sucker Punch schenken der PS4-Gemeinde ein sattes Action-Spiel mit einem mutierenden Superhelden, der zwischen Gut und Böse wählen muss.

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Was im Vorort von Seattle mit Graffiti-Sprühen beginnt, endet mit einem kniffligen Ultimatum: Entweder ich rette den Ureinwohnerstamm, zu dem ich gehöre und liefere mich selbst aus. Oder ich opfere sie alle. Das ist keine leichte Wahl. Sie wird meine gesamte Spielerfahrung mit Infamous: Second Son bestimmen. Dank Sucker Punch erhalten ich zum ersten Mal auf der PS4 Kräfte, die selbst das Ensemble der X-Men vor Neid erblassen lassen würde. Und wieder muss man entscheiden, ob sie zum Guten eingesetzt werden oder eben nicht.

Beide Optionen mögen ihren Reiz haben. Aber weil ich mich schon im Vorgänger mit Cole McGrath wie der Arsch vom Dienst benommen habe, entscheide ich mich dieses Mal für den anderen Weg. Mit dem neuen Protagonisten Deslin Rowe plane ich, Mutter Teresa mit Superkräften zu werden. In Infamous: Second Son geht es um die Gründung der Organisation DUP durch die US-Regierung. Das Department of Unified Protection ist eine neue Institution und soll sich mit sogenannten Bioterroristen beschäftigen, also jenen Individuen mit Superkräften, denen die breite Masse mit Angst und Unverständnis gegenübersteht. Delsin Rowe hat zuerst keine Ahnung, dass er zu dieser besonderen Gruppe gehört. Bis er einen von ihnen versehentlich anfasst und dessen Kräfte annimmt. Offenbar ist er, wie Peter Petrelli in der TV-Serie Heroes, in der Lage, anderen Menschen ihre Kräfte zu rauben allein, indem er sie berührt.

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Schon nach ein paar Stunden verwandeln wir uns in eine Rauchwolke und bewegen uns schnell wie Sonic zwischen den Hochhäusern Seattles hin und her.

Das ist deshalb besonders nützlich, weil das DUP zur weltweit größten, faschistischen Gesellschaft herangewachsen ist. Durch diese Organisation nimmt die Regierung enorm viel Einfluss auf das Leben der Menschen und die Überwachung hat ungeahnte Formen angenommen. Obwohl die Aufgabe des DUP darin besteht, Menschen mit besonderer Begabung aus dem Weg zu räumen, finden sich dergleichen in ihren eigenen Reihen. Uns erwartet eine konspirative Geschichte. Wenn wir es aber mit einer Armee von Superhelden aufnehmen wollen, müssen wir zuerst die eigenen Fähigkeiten aufrüsten.

Der letzte Absatz fasst ganz gut zusammen, warum Infamous: Second Son so großartig ist. In einer schicken Spielwelt sammeln wir mehr und mehr Kräfte. Schon nach ein paar Stunden verwandeln wir uns in eine Rauchwolke und bewegen uns schnell wie Sonic zwischen den Hochhäusern Seattles hin und her. Unachtsame DUP-Soldaten werden von einem tödlichen Feuerregen erledigt. Und dann sind da noch die Grafittis. Rowe vergisst seine indianische Abstammung nicht und jede seiner Handlungen zeigt seine Verbundenheit mit der Tatsache, dass er Indianer ist. Das gibt der Story eine nette zusätzliche Dimension, die durch Zwischensequenzen mit tollen Sprechern weiter ausgebaut wird.

Wie schon in The Saboteur macht es auch hier unglaublich viel Spaß, die lästigen Regierungsvertreter in jedem Bereich zu beseitigen. Während wir uns durch die Stadtteile bewegen und nebenbei die Space Needle erklimmen, begleitet uns eine Zahl, die angibt, wie stark der Bereich durch die DUP kontrolliert wird. Indem wir ihre Kameras zerstören, ihre Radare in die Luft jagen und provisorische Lager in den Straßen beschädigen, machen wir es ihnen schwer, in der Nachbarschaft Fuß zu fassen. Leider ist hier auch ein erheblicher Haken, denn Infamous: Second Son zwingt uns einfach zu oft dazu, diese Prozedur zu wiederholen.

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Die Kämpfe werden stetig dynamischer, es macht Spaß, durch die Stadt zu streifen und es gibt immer was zu tun.

Die Gegner ähneln sich ziemlich und auch die Missionen könnten ein wenig Abwechslung vertragen. Leider haben wir es oft mit derselben Aufgabe nur in einem anderen Stadtteil zu tun. So heißt es wieder und wieder: Zerstöre die DUP, töte die Drogen-Dealer oder finde Sachen, die dir neue Kräfte verleihen. Auch frustrierend: Die Gegner schießen einfach viel zu präzise. Egal, ob wir uns in Rauch verwandeln oder superschnell bewegen, wir scheinen regelrecht einen Kugel-Magneten am Hintern zu tragen. Selbst Straßengangster mit Basecap und Bandana treffen uns auf 300 Metern Entfernung - mit einer Pistole bei widrigsten Bedingungen. Da spielt es keine Rolle, wie schnell wir sind. Ein großes Problem ist das nicht, ein frustrierendes aber in jedem Fall. Und es ist auch irgendwie eine billige Art, den Schwierigkeitsgrad hoch zu halten.

Glücklicherweise ist das Spielen von Infamous: Second Son sowohl belohnend wie auch befriedigend in anderen Bereichen, primär dank der herausragenden Gameplay-Möglichkeiten durch die stetig besser werdenden Superkräfte. Die Kämpfe werden dynamischer, es macht Spaß, durch die Stadt zu streifen und es gibt immer was zu tun. Wie in der Crackdown-Reihe ist es unterhaltsam, eigene Herausforderungen zu erstellen und zu erforschen, wo die Grenze des Möglichen liegt. Sucker Punch macht auf vielerlei Art cleveren Gebrauch vom neuen Dualshock-Controller. Bevor wir ein Grafitti sprühen, rüttelt uns der Controller durch und klingt dabei fast wie eine Sprühdose. Die Farbe wird dann gezielt per Gyroskop-Funktion aufgetragen. Selbst das Touch-Pad wird smart für einige Minispiele verwendet.

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Am Ende zieht Infamous: Second Son mit wehenden Fahnen an seinen Vorgängern vorbei.

Ein weiterer Pluspunkt ist das wunderbar gestaltete Seattle mit seinen Cafés an jeder Ecke. Gerade für jemanden wie mich, der die Stadt schon mehrere Male besucht hat, ist es toll, all die Orte zu finden, die man schon im realen Leben besucht hat. An dieser Stelle haben die Entwickler sehr nah an der Realität gearbeitet. Der einzige Makel der Grafik ist, dass es der Stadt an Lebendigkeit mangelt. Es gibt nur relativ wenige Fußgänger, was die Illusion des Spiels zeitweise unterbricht.

Die Geschichte des dritten Infamous-Titels ist mit Abstand die beste der Reihe. Ich zumindest konnte nicht abwarten zu erfahren, wie das Ganze endet. Weil Rowe mit jeder neuen Superkraft immer stärker wird, fällt es schwer, den Controller überhaupt zur Seite zu legen.

Zu den Fähigkeiten von Delsin gehört, dass er Elemente in der Stadt aufsaugen kann, um so zwischen den einzelnen Kräften zu wechseln. Dazu gehören Eis, Rauch, Natur, Feuer und Neon. Rauch ist vor allem stark im Nahkampf und Neon ist effektiv bei Angriffen aus der Distanz und um sich schnell zu bewegen. Jeder der Kräfte besitzt eine Superattacke, die alle Feinde in der Umgebung ausradiert. Klar, ein paar abwechslungsreichere Missionen wären schön gewesen. Aber am Ende zieht Infamous: Second Son trotzdem mit wehenden Fahnen an seinen Vorgängern vorbei.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
Mimik der Charaktere, lustige Fähigkeiten, viele Nebenquests, ausgezeichnete Geschichte, gute Spielbarkeit
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Spielwelt reagiert nicht immer auf das, was passiert, Animationen manchmal problematisch, vieles wirkt recycelt
overall score
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