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Grand Theft Auto V

Grand Theft Auto Online

Der Multiplayer von Grand Theft Auto V ist online. Er ist so großartig wie das Solospiel und es gilt, mehr als alles andere: Wer keinen Ärger sucht, findet ihn trotzdem.

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Man kann froh sein, dass Rockstar Games nur Videospiele verkaufen. Alle Jahre wieder verfallen Menschen auf der ganzen Welt kollektiv den Rockstar-Produkten. Mit langem Schweigen, gefolgt von einem Rinnsal an Infos und Screenshots, dass sich immer mehr zu einem reißenden Strom aus Teasern, Trailern und weiteren Details entwickelt, wird die Hype-Maschine zum Heißlaufen gebracht. Dazu kamen im Fall von Grand Theft Auto V noch Terminverschiebungen und eine fast schon totalitäre Politik, was das Einhalten des offiziellen Erscheinungstermins anging.

Ich habe mir meine Kopie des Spiels an einem Sonntag verstohlen am Lieferanteneingang eines hiesigen Online-Händlers abgeholt. Die nötigen Informationen zu dem Deal kamen aus förmlich explodieren Threads in einschlägigen Foren, in denen Bilder der GTA V-Hüllen nebst Kassenbeleg verbreitet wurden, um vielleicht auch die großen Händler zu einem Bruch des Street-Dates überreden zu können.

Junkies. Wir alle.

Doch das ist schon fast Geschichte. Die meisten werden längst Los Santos in winzigen U-Booten umkreist haben und sind mit Hilfe von Gummibändern einer Sekte beigetreten. Das waren wohl auch mit Abstand die beiden stumpfsinnigsten Dinge, zu denen einen die Droge Grand Theft Auto V in den letzten Wochen verführt hat. Langsam wurde es Zeit für einen neuen Kick.

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Grand Theft Auto V
Lamar überreicht uns eine unregistrierte Waffe. Damit ist unser Aufstieg nicht mehr aufzuhalten.

Die Demagogen von Rockstar wollten sich nur sicher sein, dass wir endgültig an der Nadel hängen, denn diese Woche ist Grand Theft Auto Online gestartet. Als hätte ein wahnsinniger Psychopath Los Santos nicht gereicht - jetzt regieren die Irren und die Freaks die Stadt. In Kalifornien gibt es auffällig viele Obdachlose. Ob das am amerikanischen System, an einer besonders liberalen Einstellung oder am guten Wetter liegt, sei mal dahingestellt, aber GTA Online simuliert das bestens. Alle Spieler werden ohne Geld und nur mit einer nicht zurückverfolgbaren Knarre bewaffnet am Flughafen von Los Santos abgeladen, um ihr Glück im Sunshine State zu versuchen. Das große soziale Experiment. Was soll schon passieren?

Die Cops geben sich redlich Mühe, die Ordnung zu bewahren. Aber ihre Zero-Tolerance-Politik fruchtet nicht wirklich. Die Ordnungshüter sind um einiges aggressiver und gefährlicher als im Einzelspielermodus. Nahezu jeder Autodiebstahl wird angezeigt und zumindest halbherzig verfolgt, aber man kennt das ja - da kommt schnell eins zum anderen und schon steht man im Mittelpunkt des Suchscheinwerfers eines Polizeihubschraubers. Die Freaks verbünden sich, zumindest manchmal. Immer wieder gibt es Szenen, in denen wildfremde Anhalter mitgenommen werden - allerdings die Sorte, die mit Eishockeymaske und Uzi am Straßenrand wartet. Wer Grand Theft Auto Online mit Fremden spielt, wird nie das merkwürdige Gefühl von Anspannung los, wenn er auf andere Spieler trifft. Werden das echte Freundschaften oder kurze Bündnisse, die irgendwann dann doch im Blutbad enden? Meistens geht es allerdings gleich zum Gemetzel über. Also besser immer wieder mal die mühsam verdiente Kohle am Bankautomaten aufs eigene Konto einzahlen.

Grand Theft Auto V
Wenn ein Kopfgeld auf uns ausgesetzt wurde, wird es in den Straßenschluchten von Los Santos schnell zu gefährlich.

Denn vieles ist sicher, wenn man Grand Theft Auto Online spielt: Man wird erschossen, überfahren oder stellt fest, dass es beim Verlassen des örtlichen Waffenhändlers zu Schwierigkeiten kommt, weil irgendwelche Spaßvögel den Eingang mit einem Lieferwagen versperrt haben - oder war es doch genau anders herum. Gründe für kleine Scharmützel im Free-Roam-Modus sind immer schnell gefunden, aber die braucht es eigentlich nicht. So etwas nennt man präventive Selbstverteidigung.
Wer gerne in Ruhe den etwas ehrenhafteren Tätigkeiten in Los Santos nachgehen will, kann für kleines Geld den Passiv-Modus aktivieren. Der macht unverwundbar - allerdings nur gegen Schusswaffen. Dann wird man eben Opfer eines tragischen Verkehrsunfalls.

Spieler mit viel Geld, die keine Lust haben, den nervigen Freaks selbst eine Lektion zu erteilen, können mit einem kurzen Telefonanruf bei Lester und mit einer größeren Überweisung ein Kopfgeld auf andere Spieler aussetzen und ihnen damit quasi ein riesiges Shoot-Me-Schild umhängen. Endlich mal ein richtiger Grund, einen der Mitspieler abzuservieren. Wer keinen Ärger sucht, findet ihn trotzdem. Autoschieber Simon sucht immer nach bestimmten Fahrzeugen, die auf der Karte markiert sind, das lukrative Angebot erhält aber selten nur ein Spieler. Der schnellste darf die verbeulte Karre dann auf den Felgen in Simons Garage schieben, die Belohnung einsacken und sich der wütenden Neider sicher sein, die schon mit geladenen Schrotflinten vor der Tür warten.

Freaks. Wir alle.

Grand Theft Auto V
Ob klassisches Deathmatch...
Grand Theft Auto V
... oder eine der wahnsinnigen Varianten.

Der Free-Roam-Modus würde als Spielplatz schon völlig genügen, aber den ganzen Kram, der aus dem Story-Modus bekannt ist, den darf man hier natürlich auch veranstalten. Tennis, Dart, Fallschirmsprünge und neuerdings auch noch Armdrücken. Dazu kommen dann Rennen zu Lande, zu Wasser und in der Luft in allen erdenklichen Variationen. All das macht natürlich mit richtigen Mitspielern noch mal doppelt so viel Spaß. Neben den ganzen sportlichen Betätigungsfeldern warten Unmengen an unterschiedlichen Koop-Missionen und Survival-Arenen auf uns. Oder man trifft sich einfach zum Deathmatch. Die sind in den unterschiedlichsten Variationen möglich, eine der wahnsinnigeren ist ein Gefecht mit Panzern auf einem befahrenen Highway.

Die verdiente Kohle kann für Immobilien, Waffen und Fahrzeuge investiert werden. In Grand Theft Auto Online geht es um Geld und Reputation. Letztere steht für unsere Erfahrungspunkte und schaltet immer neue Missionen, Waffen und Fahrzeuge frei. Rockstar hat es ziemlich gut hinbekommen, dass sich das Ganze nicht nur nach mühsamen, pavlovschem Grind anfühlt. Es gibt einfach so viel zu tun und es macht unfassbar viel Spaß. Selbst die Rivalitäten im freien Modus, die eigentlich nichts bringen und nur Geld kosten, sie machen einfach süchtig.

Grand Theft Auto Online setzt dem Meisterwerk von Rockstar endgültig die Krone auf. Ich spiele es jetzt schon den dritten Tag mit dem allergrößten Vergnügen, allerdings habe ich auch Freunde, die seit dem Startschuss immer noch vergeblich versuchen, das Spiel überhaupt zu laden. Dass es beim Start zu Schwierigkeiten kommen würde, war abzusehen, aber so einen Bug können sich eigentlich selbst die Pusher von Rockstar nicht erlauben. Das erste Tutorial-Rennen scheint immer noch ein fürchterliches Nadelöhr zu sein und ist für die Betroffenen vermutlich kaum zu ertragen. Ich selbst habe knapp eineinhalb Stunden mit Neustarts und Ladebildschirmen verbracht und hatte definitiv auch schon das Rote in den Augen.

Wenn die Hürde gemeistert ist, läuft der Multiplayer für die Anfangsphase dieses epischen Online-Titels eigentlich erstaunlich gut. Es gibt immer wieder mal eher kleinere Probleme und sich mit Freunden online zu treffen, das ist zur Zeit auch noch Glückssache. Das alles wird sicher noch besser. Grand Theft Auto Online ist so gut, dass die aufgebrachten Massen sich sicher wieder beruhigen, aber bis zum nächsten Release muss Rockstar Games dann auch wirklich die Pflicht beherrschen. Klassenbester bei der Kür wird beim nächsten Mal nicht mehr reichen.

Achtung, Extrawurst: Hier gibt's die Kritik zu Grand Theft Auto V

Grand Theft Auto V
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Grand Theft Auto V
10 Gamereactor Deutschland
10 / 10
+
König des Sandkastens, vielseitiges Gameplay, großartige Grafik mit unglaublichen Details
-
Login-Probleme, die es vielen Spielern zur Zeit unmöglich machen, bei dem großen Spaß überhaupt dabei zu sein
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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