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God of War: Ghost of Sparta

God of War: Ghost of Sparta

Wir wollen uns durch blutiges Fleisch schnetzeln. Wir wollen fliegenden Todesengeln die Flügel ausreißen und die gestutzten Torsi entzwei brechen. Wir wollen mehr. Mehr Zerstörung, mehr Gewalt, mehr Kraft aus seinen Angriffen schöpfen und das Maximum aus seinen Kombos herausholen. Dabei will Kratos doch nur seine Ruhe. Die bekommt er aber auch in God of War: Ghost of Sparta nicht. Schlecht für den neuen Kriegsgott, dafür umso besser für uns.

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Feuer. Hitze. Herabregnende Gesteinsbrocken. Jetzt muss es schnell gehen: Fix noch einen lästigen Gegner enthauptet und kurz darauf per Knopfdruck mittels praktischer Chaosklingen einen Magmafluss überwunden und direkt im Schwung an eine rauen Felswand gekrallt. Der Bildschirm wackelt, die Umgebung bebt. Es ist der Vulkan, der auszubrechen droht und nach unserem Leben trachtet. Wir geben Kratos die Anweisung sich zu beeilen, hämmern auf die angezeigten Tasten und retten uns in letzter Minute hoch zur Oberfläche. Nein! Zu spät. Es donnert. Das Vulkaninnere brummt in einem angsteinflößenden Tenor und beginnt zu speien. Unser Held wird direkt in ein fernes Gebäude geschleudert, rutscht meterweit übers Mamorparkett und rüttelt sich langsam wieder auf. Am Horizont das Böse: feuerrote Wolken, pechschwarze Rauchschwaden und mittendrin Atlantis - im Begriff unterzugehen.

Damit wird man in God of War: Ghost of Sparta konfrontiert. Auch der zweite PSP-Ableger erfindet das Rad nicht neu und lässt uns von einer Actionsequenz zur nächsten metzeln. Die Handlung ist dabei zwischen den ersten beiden Konsolenspielen angesiedelt und knüpft beinahe nahtlos an das Ende des beeindruckenden ersten Teils der Serie an. Kratos hat Ares im blutigen Zweikampf besiegt und somit eine Göttlichkeit bezwungen. Nur fair, dass er nun seinerseits dessen Thron besteigen darf.

Der Geist Spartas erzählt daher die Geschichte, wie Kratos zum neuen Kriegsgott aufsteigt, seine lästigen Alpträume los wird und seinen Bruder Deimos findet. Oder nicht findet - wir wollen nicht zu viel verraten. Obwohl der Fokus auch diesmal klar auf dem abwechslungsreichen Gameplay mit seiner altbekannten Rezeptur aus actionreichen Kampf- und geruhsamen Rätselsequenzen liegt, wird die Handlung logisch und spektakulär am Rande erzählt. Fans brauchen sich aber nicht gleich in die spartanische Unterhose machen. Es gibt zahlreiche Antworten auf langjährige Fragen. Doch genug über den roten Faden - reden wir nun über den roten Saft.

God of War: Ghost of Sparta
Es ist das wohl schönste Spiel für die Playstation Portable, das es gibt.
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Denn der fließt auch im neusten Abenteuer des kriegsgezeichneten Kratos wieder reichlich, was aufgrund des erwachsenen Settings wenig verwunderlich ist. In God of War geht es nunmal unter anderem ums Metzeln - anders lässt sich das wirklich nicht ausdrücken. Um sich erneut besonders effektvoll und elegant durch seine Feinde zu bohren, verfügt Kratos über seine altbekannten Chaosklingen. Das Kampfsystem ist unverändert geblieben. Eine Taste für leichte Angriffe und eine Taste für heftigere Manöver - mehr braucht es nicht, um seine ersten Widersacher zurück in den Hades zu befördern. Doch Kratos' Taten haben außerordentliche Kreise gezogen. Beinahe jeder Gott meint es gut und rät ihm zum Rückzug. Nur Thanatos, der Herrscher der Unterwelt, heißt den mächtigen Spartaner mit offenen Armen willkommen. Jener scheint auch für das Verschwinden seines Bruders Deimos verantwortlich zu sein. Kein Wunder also, dass Kratos keine Ruhe gibt, bis der Todesgott höchstpersönlich ins Gras gebissen hat.

Und jener schickt uns mit der Zeit immer mächtigeres Feindvolk vor die Klingen. Damit Kratos mit seinen zahlreichen Gegnern mithalten kann, dürfen natürlich wieder allerhand Zauber eingesetzt werden. So brutzeln wir Unholde mit zuckenden Blitzen zu Brathähnchen oder lassen sie dank Kältemagie zu Eis erstarren. Vom Ableben überzeugte Kontrahenten hinterlassen wie immer Orbs in drei verschiedenen Farben, die jeweils die Gesundheits- oder Magieleiste auffüllen. Rote Energiewölkchen können hingegen zum Upgraden von Fertigkeiten oder zum Erwerb gänzlich neuer Kombos eingesetzt werden. Doch Obacht: Im Verlaufe des Abenteuers lassen sich nicht alle Skills gleichmäßig hochzüchten. Es gilt abwägen, ob man vorzugsweise mit den Chaosklingen für Zerstörung sorgt oder lieber Gegner mit Speer und Schild in Scheibchen schneidet. Das verlangt einem zwar selten gravierende Entscheidungen ab, lässt Kratos aber nicht ganz so erheblich übermächtig erscheinen wie aus den geistigen Vorgängern.

God of War: Ghost of Sparta
Pures Knöpfchendrücken führt nur bei anspruchslosen Gefechten zum Erfolg - die meisten Gegner verlangen ein spezielles Vorgehen.

Obschon man bereits nach wenigen Spielstunden beeindruckende Schrauben dreht und spektakuläre Foltermethoden einzusetzen weiß, macht es einem das Spiel nie leicht. Pures Knöpfchendrücken führt nur bei anspruchslosen Gefechten zum Erfolg. Die meisten Feinde allerdings verlangen eine ganz spezielle Vorgehensweise, was den Auseinandersetzungen einen Hauch von Taktik verleiht. Bevor alteingesessene Fleischer-Veteranen jetzt laut aufschreien, sei gesagt, dass auch der dickste Oberbösewicht mit reiner Gewalt kleinzukriegen ist. Das Ausweichen, respektive das Blocken und Kontern gegnerischer Angriffe erleichtert euch das Leben aber ungemein. So tänzeln wir geschickt um einen trägen Hünen herum, um ihn ab und zu mit einigen Seitenhieben zu beharken. Gepanzerte Riesen hingegen müssen erst ihrer Rüstung beraubt werden, bevor ihnen tödlicher Schaden zugefügt werden kann. Richtig fette Bosse bekommt man indes viel zu selten vor's Gesicht. Stellvertretend werden uns überwiegend kleinere Minibosse aufgehalst.

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Neben zwei Waffensets und drei unterschiedlichen Zaubern hat Kratos jedoch nicht viel auf dem Kerbholz. Mittels Tastendruck lassen sich den Chaosklingen zwar für kurze Zeit der doppelte Schaden entlocken, die Konsolenvorlage hat aber ein ungleich üppigeres Angriffsrepertoire in petto. So stellt sich vor allem gen Ende eine leichte Monotonie ein - auch weil uns das Spiel auf dem Weg zum Finale alle paar Meter in unnötige Auseinandersetzungen verwickelt.

Sind wir ausnahmsweise mal nicht in eine Schlacht verwickelt, wird geklettert, balanciert, geschwommen oder gerätselt. Anders als bisher von der Serie gewohnt, werden die grauen Zellen in God of War: Ghost of Sparta leider selten auf die Probe gestellt. Richtige Kopfnüsse gibt es schlichtweg nicht, das Spiel beschränkt sich vielmehr auf kleinere Schiebe- und Schalterrätsel. Wer die Serie kennt, könnte an dieser Stelle enttäuscht sein, doch dafür überzeugen die Action-Adventure-Abschnitte. Auch einige Quicktime-Events sind wieder mit von der Partie. So müssen des Öfteren kontextsensitive Befehle ausgeführt werden, um dem sicheren Tod zu entgehen. Das kann ein endloser Abgrund sein, eine mit Stacheln gezierte Fallgrube oder auch der Schlund eines riesigen Ungeheuers. Ruhige Passagen wechseln sich mit von Adrenalin getriebenen Sequenzen wunderbar ab und wurden als beinahe perfekte Mischung ins Spiel integriert.

Auch wenn Kratos nicht freiwillig in die Fußstapfen von Lara Croft und Konsorten schlüpfen würde, lohnt sich das genaue Erkunden der Spielwelt. Denn nur wer mit offenen Augen durch die abwechslungsreichen Schauplätze schlendert, wird an einigen versteckten Orten auf weitere Truhen mit hilfreichen Boni stoßen. Schlächter mit Spürnase können somit jede ihrer drei Lebens- beziehungsweise Energieleisten erhöhen. Das ist besonders im späteren Spielverlauf extrem hilfreich! Wer trotz maximaler Gesundheit den Löffel abgibt, muss an einem vorherigen Punkt neu starten. Die Rücksetzpunkte wurden aber zahlreich gewählt - selbst in Bosskämpfen wird teilweise zwischengespeichert. Richtig gesichert wird der Spielstand hingegen nur an einer dafür vorgesehenen Statue. Diese sind aber ebenfalls sehr fair in der Spielwelt verteilt. God of War ist somit auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad eine fast perfekte Balance gelungen - Frustmomente sucht man selten. Zahlreiche Zusätze, die während der Handlung aufgesammelt werden können, erleichtern euch indes den zweiten Durchlauf ungemein. Die Extras sorgen unter anderem für mehr rote Orbs oder unendlich Energie und sind eine nette Dreingabe.

Dass sich God of War: Ghost of Sparta technisch auf absolutem Topniveau bewegt, muss hier sicherlich nicht angemerkt werden. Traumhafte Kulissen mit zerklüfteten Landschaften, brüchigen Ruinen und schmutzigem Schlammkleid. Hervorragende Licht- und Schatteneffekte, geschmeidige Animationen und eine butterweiche Framerate. All das sorgt für eine unheimlich stimmige Atmosphäre. Nur äußerst selten gibt es minimale Nachladeruckler. Ferner schwankt die Texturschärfe zuweilen etwas, doch hey - mehr lässt sich aus der PSP kaum herauskitzeln. Auch bei der Bedienung gibt es nichts zu meckern. Anfängern wird mit unheimlich vielen Hinweisen unter die Arme gegriffen. Selbst die Vertonung kann sich von ihrer Schokoladenseite zeigen: Alle Figuren glänzen erneut mit passender deutscher Synchronisierung. Dank pompösem Kriegsgetrommel haben auch die Ohren etwas zu lachen - der Soundtrack ist bombastisch wie eh und je.

Was für ein Abenteuer, was für ein Spaß! Erneut überzeugt die perfekte Mischung aus actionreichen Schlachten und dramatischen Fluchtsequenzen. Abermals sorgt das geschmeidige Schnetzeln für wahre Freude. Die Entwickler haben sogar ihr Versprechen gehalten und die Spieldauer leicht erhöht. Eifrige Kriegsgötter werden die Credits daher nicht schon nach sechs Stunden über den Bildschirm flimmern sehen. Weiterhin wird der Durst nach mehr mit kleineren Herausforderungen nach Spielende gestillt. Abgesehen von den zurückgefahrenen Rätselpassagen scheinen Kratos jedoch die Ideen ausgegangen zu sein. Euch erwartet nämlich lediglich mehr vom Alten. Eigentlich ist das nicht schlimm - Fans, die wissen, was sie erwartet, werden auch von God of War: Ghost of Sparta in einen tiefen Bann gezogen.

Mit der Lupe lassen sich zwar noch weitere Schnitzer wie leichtes Backtracking und die zum Finale hin nervenden Kämpfe finden - dem Spieldesign tut das jedoch keinen Abbruch. Wer den ersten Teil gespielt hat, freut sich über unbeantwortete Fragen und wer das Handheld-Meisterwerk noch nicht kennt, sollte es sich diesmal nicht entgehen lassen.

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10 Gamereactor Deutschland
10 / 10
+
Fulminante Actionpassagen und spannende Schlachten gepaart mit Rätseln, Kletter- und Balancesequenzen..
-
Die sich im späteren Spielverlauf viel zu häufigen Auseinandersetzungen inklusive Backtracking
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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